Offener Brief an Bundesministerin Karin Prien
Frau Bundesministerin Karin Prien, Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Glinkastraße 24, 10117 Berlin
Eine zukunftsfähige Jungen- und Männerpolitik – Übersendung meines Buchs "99 Fakten, die du über die Männerrechtsbewegung wissen solltest"
Sehr geehrte Frau Bundesministerin,
ganz Deutschland spricht in diesen Tagen über die tiefe Krise Ihrer Partei. Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat die CDU mit 4,9 Prozent zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik den Einzug in ein Landesparlament verfehlt. Dieses Ergebnis weist auf einen tiefen Vertrauensverlust hin. Viele Bürger haben den Eindruck, dass ihre Lebensrealität in der Politik zwar rhetorisch vorkommt, aber folgenlos bleibt.
Zu diesen Bürgern gehören zahllose Jungen und Männer. Sie, sehr geehrte Frau Bundesministerin, haben mehrfach öffentlich angekündigt, sich ihrer spezifischen Benachteiligungen annehmen zu wollen, doch konkrete Vorhaben sind daraus bislang nicht hervorgegangen. Wahrgenommen wurde stattdessen vor allem der geplante Führerscheinentzug für säumige Unterhaltszahler. Zusammen mit der Kürzung des Unterhaltsvorschusses trifft er faktisch ganz überwiegend Väter. Ich halte einen Kurswechsel hin zu einer sachorientierten, jungen- und männergerechten Reformpolitik für geboten. Meiner Überzeugung nach würde das Ihrer Partei deutlich dabei helfen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Als Autor zahlreicher Sachbücher und Artikel befasse ich mich seit Jahrzehnten mit Geschlechterpolitik aus männlicher Perspektive. Mein neues Buch zeigt, dass die Benachteiligung von Jungen und Männern kein Randphänomen ist, das sich mit einer einzelnen kosmetischen Maßnahme beheben ließe. Es benennt über 50 konkrete Handlungsfelder in Gesetzgebung, Verwaltung, Gesundheitswesen und Bildungssystem. Jungen stellen rund 60 Prozent der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss. Männer stellen über 71 Prozent der Suizidopfer, sterben knapp fünf Jahre früher als Frauen und erleiden 93,8 Prozent aller tödlichen Arbeitsunfälle. Getrennt lebende Väter verlieren durch Umgangsvereitelung nicht selten den Kontakt zu ihren Kindern, während das Wechselmodell in Deutschland hierzulande noch immer nicht gesetzlich als Leitbild verankert ist.
Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf beim Gewaltschutz. Die Dunkelfeldstudie LeSuBiA, die Ihr Haus gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium und dem Bundeskriminalamt im Februar vorgestellt hat, zeigt, dass Männer und Frauen in den vergangenen fünf Jahren nahezu gleich häufig körperliche Gewalt in einer (Ex-)Partnerschaft erlebt haben, nämlich 6,1 gegenüber 5,2 Prozent. Ähnliches belegen hunderte internationaler Studien seit Jahrzenten. Niemand stellt die Notwendigkeit des Frauenschutzes infrage. Es lässt sich damit aber nicht rechtfertigen, dass das Gewalthilfegesetz einen Rechtsanspruch auf Schutz allein Frauen gewährt und bundesweit lediglich 17 staatlich geförderte Männerschutzeinrichtungen existieren.
Wie sehr die Ansprache von Männern über die Zukunft von Volksparteien mitentscheidet, zeigt der Blick in die USA. Die Republikaner haben männliche Lebensrealitäten gezielt angesprochen und dadurch vor allem bei jungen Männern deutlich hinzugewonnen. Die Demokraten haben nach schmerzhaften Verlusten daraus Konsequenzen gezogen und investieren mit dem Projekt "Speaking with American Men" 20 Millionen Dollar in die Frage, wie sie Männer wieder erreichen können. Zugleich hat sich das von Richard Reeves gegründete American Institute for Boys and Men als parteiübergreifend beachtete Stimme in Washington etabliert.
Auch in Deutschland entsteht ein Vakuum, wenn die Anliegen der männlichen Hälfte der Bevölkerung übergangen werden. Dieses Vakuum füllen derzeit andere. Eine vorausschauende Geschlechterpolitik begreift Männer und Frauen nicht als Gegner im Kulturkampf, sondern als Verbündete gegen Ungerechtigkeit. Mein Buch soll Ihnen und Ihrem Haus dabei als sachlicher, datengestützter Leitfaden dienen. Gern stehe ich Ihnen für ein persönliches Gespräch zur Verfügung, um zu erörtern, welche Schritte sich zuerst angehen ließen.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Arne Hoffmann
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