Berlin: Lehrerin soll 15jährigen Schüler vergewaltigt haben
1. Mehrere Zeitungen, darunter die B.Z. berichten über die angebliche Vergewaltigung eines Schülers, dessen Lehrerin sich selbst wegen der Tat anzeigte. Darüber hinausgehende Informationen sind in sämtlichen Artikeln dürftig. Es freut mich schon, dass auf verharmlosende Formulierungen ("Sex-Affäre") verzichtet wurde, nur weil der Täter weiblich ist.
2. "Bitte komme mir keiner mit Free Speech", verlangt Bundeskanzler Merz, nachdem er forderte, dass der Staat den Bürger "vor falschen Informationen, vor persönlichen Herabsetzungen, vor Diskriminierung" schützen müsse. Der Rechtsanwalt Udo Vetter kommentiert:
Der berühmte Artikel 5 des Grundgesetzes ist aber, ganz entgegen der Ansicht des Kanzlers, kein Auftrag an die Regierung, sich ein Wahrheitsministerium zuzulegen. Er ist ein Abwehrrecht gegen den Staat – gegen genau jenen Staat, der jetzt erklärt, er wisse, welche Information falsch sei.
Das Bundesverfassungsgericht schützt deshalb seit jeher recht konsequent die Meinung, und zwar auch die irrige und unbequeme. (…) Denn Herr Merz, wer entscheidet denn, was falsch ist? Das Presseamt? Ein Trusted Flagger? Der Kanzler womöglich selbst? Gerade er sollte sich doch etwas zurückhalten, was Urteile über Wahrheit und Unwahrheit angeht. Ich erspare mir dazu nähere Ausführungen, es war ja jeder in den letzten anderthalb Jahren dabei.
Udo Vetters Argumentation sticht. Ich selbst habe ein komplettes Buch über Desinformation aus dem feministischen Spektrum zusammengetragen. Soll diese Ideologie jetzt verboten werden? Wesentlich wahrscheinlicher ist doch, dass Merz nur gegen solche Behauptungen vorgehen möchte, die ihn stören.
Ein weiteres schönes Beispiel für feministische Desinformation liefert heute Christian Schmidt.
3. "Warum werden Männer in Beziehungen häufiger gewalttätig?" fragt die Stuttgarter Zeitung, um es dann zu "erklären". Männer werden aber nicht häufiger gewalttätig. Es ist also ein Artikel der Marke "Warum ist der Himmel gelb? Wegen dem vielen Löwenzahn." Wollen wir jetzt die Stuttgarter Zeitung aus dem Verkehr ziehen, Herr Merz?
4. Der Berliner Journalist und Autor Ralph Gerstenberg hat ein Buch über die Klischees vom ostdeutschen Mann verfasst. Spiegel-Online interviewt ihn dazu, weil die AfD davon profitieren könnte:
SPIEGEL: Herr Gerstenberg, noch schlechter als der alte weiße Mann stehe nur der alte weiße Mann aus dem Osten da, schreiben Sie in Ihrem neuen Buch. Woran machen Sie das fest?
Gerstenberg: Es bezieht sich auf klischeehafte Vorstellungen vom typisch ostdeutschen Mann, die seit den Neunzigerjahren im Umlauf sind und an denen sich nicht viel verändert hat. Ein Beispiel: Im August 1992 ging ein Foto der rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen um die Welt, das einen Mann in einer wie eingenässten Jogginghose und im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zeigte, dazu den Arm zum Hitlergruß ausgestreckt. Dieser Anblick setzte sich fest, wurde zum Symbolbild für den abstoßenden Mann aus dem Osten. Es ist in all den Jahren seither nicht gelungen, etwas Positives dagegenzusetzen.
SPIEGEL: Warum nicht?
Gerstenberg: Weil man lange lieber über die Problemfälle berichtete, die es auch tatsächlich gab, die sogenannten Baseballschlägerjahre, all die Männer, die sich radikalisierten, später Pegida. Dagegen blieben die normalen Männer, die einfach ihren Berufen nachgingen und ihre Beziehungen führten, weitestgehend unsichtbar. Aber es gab sie auch.
SPIEGEL: Die Frauen aus Ostdeutschland, auch das betonen Sie, hatten immer einen besseren Ruf. Wie erklären Sie sich das?
Gerstenberg: Die ostdeutschen Frauen galten als emanzipiert und damit als fortschrittlicher. Das war ihr Image, und es war ja auch viel dran. Für die gewaltige Transformation im Osten erwiesen sie sich als besser gerüstet. Nicht wenige sind, wenn ihnen die Arbeitsgrundlage weggebrochen war, in den Westen gegangen. Männer waren weniger flexibel, sie blieben eher im Osten, und wer doch in den Westen zog, um dort vielleicht auf dem Bau zu arbeiten, erlebte mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit mehr Ablehnung als die Frauen. Er war nur der Ossi.
Hier geht es weiter. Ein interessantes Thema, ich finde es allerdings schwierig, über die Herabsetzungen speziell ostdeutscher Männer zu sprechen, ohne gängige Diffamierungen von Männern insgesamt in den Blick zu nehmen. Das Problem ist ja nicht regional begrenzt.
5. Eine etwas ältere Meldung, auf die mich gestern ein Leser hingewiesen hat: Panama hat ein Gesetz gegen Vaterschaftsbetrug verabschiedet. Es geht, wenn man will.
6. In 15 Ländern haben Aktionen zum Internationalen Tag der Falschbeschuldigungen stattgefunden.
7. Einer aktuellen Studie zufolge überschätzen Männer, wie häufig Frauen Opfer von "sexueller Objektifizierung" werden. Als "sexuelle Objektifizierung" verstanden wurden dabei Hinterher-Pfeifen ("Catcalling"), unerwünschtes Berühren, Anstarren oder die Bewertung des weiblichen Körpers. Die Forscherinnen hatten ursprünglich das Gegenteil erwartet: Männer sollten unterschätzen, wie häufig Frauen sexuelle Objektifizierung erleben. Stattdessen zeigte sich in den ersten beiden Untersuchungen, dass Männer die Häufigkeit teilweise höher einschätzten als Frauen ihre eigenen Erfahrungen angaben. Die beiden Geschlechter unterschieden sich nicht wesentlich darin, wie belastend sie solche Erfahrungen einschätzten. Wie in solchen Fragen das Geschlechterverhältnis bei sexueller Objektifizierung von Männern aussah, wurde selbstverständlich nicht untersucht.
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