14-Jährige erfindet Missbrauch, Mutter und Stiefvater kommen 20 Monate ins Gefängnis
1. Ein Ehepaar wird verhaftet und verurteilt, weil die Tochter körperliche und sexuelle Gewalt schildert. Vier Gutachter und zwei Gerichte lassen sich täuschen. Wie konnte es so weit kommen? Das untersucht der Schweizer Tages-Anzeiger.
2. In einem Artikel der Stuttgarter Zeitung, der für Nicht-Abonnenten nur im Anriss online steht, beschäftigt sich Stefanie Unbehauen mit "Regretting Fatherhood", also Vätern, die ihre Kinder lieben, aber das Vatersein bereuen. Der Beitrag steht von Anfang an klar, dass über Mütter, die ihre Mutterschaft bereuen, seit vielen Jahren berichtet wird, Väter aber mal wieder einen blinden Fleck darstellen. In dem Artikel heißt es weiter:
Eine Umfrage von YouGov aus dem Jahr 2016 hat ergeben: 20 Prozent der Mütter und Väter würden sich nicht noch mal für ein Kind entscheiden, wenn sie könnten. (…) Heiner Fischer, Väterberater und Coach aus Krefeld, sieht ein anderes Problem. "Oft wird nicht das Kind bereut, sondern die eigene Rolle als Vater, wie sie von außen erwartet wird." Viele Väter würden innerlich einen großen Druck erleben, da solche Gedanken gesellschaftlich kaum akzeptiert sind. "Wichtig ist, diese Gefühle ernst zu nehmen und ihnen Raum zu geben", betont Fischer.
Hilfe finden betroffene Väter in der psychologischen Beratung, besonders bei Fachleuten, die sich mit Männerthemen und Vatersein auskennen. "Auch Gespräche in Vätergruppen wie auf ,Vaterwelten‘ können entlasten", sagt Fischer. Dort sei Platz für echte Zweifel, nicht nur für Erziehungstipps.
Auch offene Gespräche mit der Partnerin oder eine Paarberatung können helfen, falls das Reuegefühl in Verbindung mit der Beziehung steht. "Wichtig ist: Es ist möglich, das eigene Kind zu lieben und die Vaterschaft trotzdem zu bereuen", betont der Coach.
Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Müttern und Vätern, die die Elternschaft bereuen? "Eine Gemeinsamkeit bei beiden Elternteilen ist häufig das Gefühl eines radikalen Kontrollverlusts über das eigene Leben", sagt Fischer. Eltern erleben den Verlust von Freiheit, Autonomie und Selbstverwirklichung. Hinzu kommen eine massive Alltagsbelastung, zu wenig gesellschaftliche Unterstützung sowie emotionale oder partnerschaftliche Krisen. Auch ungeplante oder von außen beeinflusste Elternschaft könne zu solchen Gefühlen führen.
Bei Vätern würden darüber hinaus noch spezifische Ursachen auftreten. "Viele Männer werden emotional unvorbereitet in die Vaterschaft katapultiert." Sie finden kaum kulturelle oder gesellschaftliche Vorbilder für eine reflektierte, moderne Vaterschaft. "Die gesellschaftliche Erwartung an Väter ist häufig widersprüchlich. Einerseits sollen sie emotional präsent, partnerschaftlich engagiert und gleichberechtigt sein, andererseits stehen sie unter wirtschaftlichem Druck und erleben wenig Rückhalt, wenn sie sich tatsächlich Zeit für Familie nehmen wollen", gibt Fischer zu bedenken.
(…) Fischer sieht es problematisch, dass beim Thema "regretting parenthood" fast ausschließlich über Mütter gesprochen wird. "So entsteht das Bild, dass nur Frauen an der Elternschaft leiden und Männer gut damit klarkommen. Das stimmt aber nicht", betont der Väterberater. Auch Väter erleben Überforderung, Zweifel oder Reue. Wenn darüber nicht gesprochen wird, bleiben sie allein. "Sie finden keine Sprache für ihr Erleben und keine Räume, in denen sie gehört werden. Das kann krank machen und Beziehungen belasten."
Fischers Fazit: "Die feministische Debatte über Mutterschaft war wichtig. Sie hat Tabus gebrochen. Jetzt ist es Zeit, auch die Perspektive der Väter einzubeziehen." Nur wenn beide Seiten gesehen werden, könne Gleichstellung wirklich gelingen.
3. Nur elf Prozent aller Frauen erklären in einer aktuellen Umfrage, ihr Wunschpartner dürfe weniger verdienen als sie. Einmal mehr beißen sich die öffentlich vorgebrachten Forderungen von Feministinnen und die privaten Erwartungen der allermeisten Frauen miteinander. Von "verbaler Aufgeschlossenheit bewi weitgehender Verhaltensstarre" hatte der Soziologe Ulrich Beck bereits 1986 gesprochen.
4. Kaum anders sieht es bei der Körpergröße aus: Auch hier erwarten frauen offenbar den hochgewachsenen Krieger, als ob es heute noch wichtig wäre, Mammuts zu jagen, um erfolgreich zu sein. Unter der Schlagzeile "Bei 165 Zentimetern war Schluss" berichtet "Die Zeit" über die Ausgrenzung kleiner Männer auf dem Partnermarkt. Ein Betroffener berichtet von seiner ersten großen Liebe:
Sie hatte blaue Augen unter den markanten Brauen und war fast einen Kopf größer als ich. Wir verstanden uns gut, lachten viel. Irgendwann gestand ich ihr meine Gefühle. Sie sagte, dass da wirklich etwas zwischen uns sei. Dass sie es seltsam finde, mich mit einem anderen Mädchen zu sehen. Aber sie könne nicht mit mir zusammenkommen. Ich sei zu klein. Angetrunken im Stadtpark fragte ich sie, ob sie mir nicht wenigstens meinen ersten Kuss nehmen könne, als sei das eine Last, von der man sich besser schnell befreit. Dumme Frage. Ein paar Wochen später schrieb sie mir noch einen Brief, per Hand, aus ehrlichem Mitleid. Das machte es nur schlimmer.
(…) Bei Reddit gibt es ein Unterforum mit dem Namen Short Guys, wo 80.000 kleine Männer einander ihr Leid klagen. Neben den Namen der User prangen ihre Größenangaben wie kleine Siegel. 158 Zentimeter. 164 Zentimeter. 171 Zentimeter.
Na, dann haben unsere Medien ja ein Feindbild zum Ausweichen, falls es ihnen mit den Incels irgendwann langweilig wird.
Ansonsten tummeln sich in dem Forum Anekdoten von Männern, die sich wie Abschaum fühlen, Beinverlängerungen in Erwägung ziehen oder von ihrer Angst erzählen, niemals als starker Mann oder Anführer angesehen zu werden. Einer schreibt, dass er sogar von Kindern gemobbt werde und nicht mal seinem schlimmsten Feind ein so elendes Dasein wünsche. Die einzigen "Lichtblicke" sind Videos von kleinen Männern, die großen Männern auf die Schnauze hauen.
Ich sehe schon die ersten Schlagzeilen über "militante, gewaltgeile Zwerge" vor meinem inneren Auge.
Andere benachteiligte Gruppen gehen auf die Straße, formulieren Forderungen oder organisieren sich. (…) Ich weiß nicht, warum, aber der Gedanke wirkt auf mich gleichzeitig rührend und lächerlich. Wenn Schwarze oder Frauen für Gleichberechtigung auf die Straße gehen, dann hat das Stil. Aber eine Horde Knirpse, die mit Pappschildern bewaffnet durch die Straßen dackeln – das hat was von Slapstick.
Als Student hat der Mann, der in der "Zeit" seine Lebensgeschichte schildert, dann seine erste Freundin, "vielleicht eine Fingerbreite größer als ich":
Ich schätzte an ihr vor allem ihre Ehrlichkeit. "Wenn ich eine Sache an dir ändern könnte", sagte sie des Öfteren, "dann wäre es deine Körpergröße." (…) Nach drei Jahren war die Beziehung vorbei.
(…) Frauen bevorzugen größere Männer deutlich stärker als Männer kleinere Frauen. Laut Studien wünschen sich etwa 70 Prozent der Frauen einen größeren Partner. Evolutionspsychologen führen das gern auf die Welt der Jäger und Sammler zurück – eine Zeit, in der Größe ein Hinweis darauf war, wer Beute nach Hause brachte und im Ernstfall die Gruppe verteidigte.
Und da zeigt die "taz" einen Steinzeitmenschen auf dem Cover ihrer Ausgabe über Männer …
Diese alten Filter währen bis heute. Es gibt ein Lied, das 2024 auf TikTok viral ging und die Anspruchshaltung von Frauen beim Dating ankreidet. Im Songtext heißt es: "I’m looking for a man in finance, 6’5, blue eyes." Ich arbeite als freier Journalist, bin von 6’5 gefühlt eine Baguettelänge entfernt, und meine Augenfarbe ist Braun.
Trotzdem beschloss ich irgendwann, Bumble eine Chance zu geben. Ich machte mich in meinem Profil drei Zentimeter größer, als ich war, und traf mich dann aber nur mit denen, die kleiner waren als ich, weil ich ja sonst aufgeflogen wäre. Wie oft sah ich in den Bios "Bitte nur >1,85 m". Ich merkte, dass Onlinedating nichts für mich war.
(…) Im vergangenen Sommer war ich auf einem Musikfestival. Ich hatte mein Lieblingshemd an und unterhielt mich an der Bar mit einer Frau, die ich gerade kennengelernt hatte. Sie schaute mich mit einem ganz bestimmten Blick an. Ich kannte diesen Blick inzwischen. Es war dieser Ich-finde-dich-attraktiv-Blick. Sie war in etwa so groß wie Lea. Aber das war ja jetzt kein Ausschlusskriterium mehr für mich. "Wenn du 20 Zentimeter größer wärst, ich würde dich sofort abschlecken", sagte sie dann aus dem völligen Nichts, und ich merkte, wie es anstrengender wurde, mein Lächeln aufrechtzuerhalten.
5. Nur zehn Prozent aller Männer werden von Frauen als überdurchschnittlich attraktiv betrachtet. Zu diesem Ergebnis gelangte kein ominöses Incel-Forum sondern eine großangelegte Studie der Max-Planck-Gesellschaft.
6. Es beginnt harmlos mit Fitnessvideos und Dating-Tipps, warnt der Standard, aber schnell landet man in der Manosphäre, "eine Welt, in der traditionelle männliche Attribute großgeschrieben werden: Stärke, Aggression, Heterosexualität." Das falle auf bedenklich fruchtbaren Boden: In einer Studie der Universität Zürich äußerte jeder zweite der Befragten dass "richtige Männer" in der Gesellschaft an den Rand gedrängt werden, "genau das, was Manosphere-Influencer propagieren".
Was also verbieten wir als erstes: die Dating- und Fitness-Tipps oder solche Umfragen? Jedenfalls "müssten die Plattformen für die digitalen Umgebungen zur Rechenschaft gezogen werden", die die Inhalte der Manosphäre "schaffen und von denen sie profitieren".
7. In Marchtrenk, Österreich, haben Männer eine Frau getötet. Sebastian Panny hält die Empörung fast aller anderen Männer über solche Verbrechen für verlogen, weil "alle Männer" zu diesem "Femizid" beitragen, und zwar "jeden Tag".
Warum? "Die gemeinsame Erniedrigung verbindet, schweißt uns zusammen und bildet einen Teil unserer Identität als Männer in diesem Land." Es gibt keine Männer, die sich nicht an einer "gemeinsamen Erniedrigung" beteiligen? Nicht mal die hardcore feministischen Männer? Nein, denn solche Kerle nutzen diese Haltung oder täuschen sie vor, "um Punkte zu sammeln (…), um Frauen von uns zu überzeugen. Wer besser ist, hat schließlich verdient, dass man mit ihm ins Bett geht. Das macht das Ganze noch unsympathischer. Seien wir doch zumindest ehrlich." Alle Männer sind Schweine in Pannys Augen, und es gibt kein Verhalten, das als Gegenbeleg akzeptabel ist.
8. Die Post. Einer meiner Leser weist mich auf einen männerfreundlichen Gastbeitrag hin, den die Schriftstellerin Monika Maron in der "Welt" unter dem Heading "Feminismus" veröffentlichte. Er beginnt so:
Es ist noch nicht lange her, da geisterte durch die deutsche Presse der Verdacht, in jedem Mann stecke ein Frauenmörder. Überhaupt scheint sich in einer bestimmten, besonders meinungsfreudigen Szene die Überzeugung zu verbreiten, die Welt wäre eine bessere ohne Männer – oder wenigstens mit so wenigen, wie für die Fortpflanzung unumgänglich wäre. Wobei allerdings sogar die menschliche Fortpflanzung unter dem Verdacht steht, nur Schaden anzurichten.
Ich frage mich, ob die Männerverächterinnen sich ihr Leben ohne Männer einmal vorgestellt haben, ich meine nicht ihr erotisches Leben, für das sie sich ja unendliche Varianten ausgedacht haben, sondern das ganz praktische Leben, in dem Möbel transportiert werden müssen, Bäume gefällt, Dächer gedeckt und dergleichen mehr, ob sie sich ihr Leben ohne die ritterliche Hilfsbereitschaft ihrer männlichen Freunde, Männer wie mein Freund Andy, wirklich einmal vorgestellt haben.
Hier geht es weiter.
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