Mittwoch, August 19, 2026

"Sex gegen Geld": Weitere Mitarbeiter werfen Grünen-Politikerin Belästigung und Machtmissbrauch vor

1. Die Frankfurter Allgemeine berichtet mehr über die Grünen-Politikerin Oehlrich, der sexuelle Belästigung eines Mitarbeiters vorgeworfen war, woraufhin sie vorgestern zurückgetreten ist:

Obwohl die Beschwerden im vergangenen September intern schon lange bekannt waren, ließ sich Oehlrich damals zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl [in Mecklenburg-Vorpommern] küren. Doch dann wurden die Vorwürfe öffentlich, der Landesvorstand beschloss einen Sonderparteitag, die grüne Bundestagsabgeordnete Claudia Müller wurde Spitzenkandidatin. Am Fraktionsvorsitz hielt Oehlrich bis zuletzt fest.

Am Montagnachmittag gab sie in Folge neuerlicher Berichte ihren Rücktritt bekannt. (…) Der Schritt sei "ausdrücklich keine Bestätigung" der gegen sie erhobenen Vorwürfe. Intern aber wird gemutmaßt, der Schritt könne damit zusammenhängen, dass sich die Affäre ausweitet. So sollen nach Informationen der F.A.Z. mindestens vier Personen von Machtmissbrauch oder Belästigung betroffen sein, weitere möglicherweise Betroffene sollen sich gemeldet haben. Gemutmaßt wird zudem, dass Oehlrichs Rücktritt auch damit zusammenhängt, dass der Parteivorstand sie faktisch fallen ließ.

Schon im Herbst 2022 soll Oehlrich einem langjährigen und deutlich jüngeren Fraktionsmitarbeiter ihre Liebe offenbart haben, so steht es in einem Beschluss des Landesvorstands der Partei vom 4. August, der der F.A.Z. vorliegt. Über Jahre soll sie dem Mann gegenüber immer wieder ihre Gefühle bekundet haben. Er wies das zurück, bat um Unterlassung, doch sie soll weitergemacht haben.

Laut einem Bericht der Fachberatungsstellen für Antidiskriminierungsarbeit in Greifswald vom Juli 2026, aus dem der "Nordkurier" zitiert, versuchte der Betroffene mehrfach vergeblich, auf verbindliche Regelungen zu einer Arbeitsorganisation hinzuwirken, die seine Grenzen respektiert. Oehlrich versprach offenbar mehrmals, sich zu bessern, tat das aber nicht. Laut einer eidesstattlichen Erklärung des Mitarbeiters, die der F.A.Z. als Kopie vorliegt, soll Oehlrich ihm gegenüber sexualisierte Sprache genutzt und etwa gesagt haben, er solle sich im Büro etwas anziehen, das "am Hintern enger sitzt". Er wirft ihr "verbale sexuelle Belästigung" vor. Oehlrich hatte gegenüber dem NDR derlei Äußerungen von ihr "unglücklich" genannt und gesagt, sie könne nicht ausschließen, dass Aussagen von ihr anders verstanden wurden, als sie gemeint gewesen seien.

(…) Laut Angaben des früheren Mitarbeiters, der sich später krankmeldete, soll Oehlrich dessen Arbeit auch mit einer sexuellen Dienstleistung verglichen haben. Auf seine Bitte nach einem Beratervertrag, um bisher unentgeltlich geleistete Zusatzarbeiten zu vergelten, soll sie geantwortet haben, das halte sie nur schwer aus, das sei, als sage ein Partner zum anderen, ab sofort gebe es nur noch "Sex gegen Geld". Dazu teilt Oehlrich mit, die Vorwürfe träfen in dieser Form nicht zu, einzelne Vorgänge oder Formulierungen seien aus dem Zusammenhang gelöst und verkürzt wiedergegeben.

(…) Doch soll es Vorwürfe von mindestens drei weiteren Personen gegen Oehlrich geben. In einem Fall ist von Brustberührung und von durch Oehlrich eingeforderten langen Umarmungen die Rede, die aufgrund des Machtverhältnisses nicht ablehnbar gewesen seien. In mehreren Fällen wurden Mitarbeiter, die die Vorwürfe erhoben hatten, später freigestellt. Eine Sprecherin teilt dazu mit, die Darstellung könne die Fraktion nicht bestätigen; zu einzelnen Personalangelegenheiten äußere man sich nicht.

Dem Vorstand der Landespartei sind die Vorwürfe seit Langem bekannt. Eine echte Aufklärung gab es bisher nicht. In dem nicht öffentlichen Beschluss vom 4. August heißt es, der Vorstand habe im Zuge von Presseanfragen "kürzlich erneut" Kenntnis über die Vorwürfe gegen Oehlrich erlangt. Demnach verurteilt der Landesvorstand "jede Form von Sexismus, sexueller Belästigung, grenzverletzendem Verhalten und sexualisierter Sprache". Der Parteiführung zufolge stritt Oehlrich zunächst fehlerhaftes Führungsverhalten ab, später gestand sie dann demnach ein, sexualisierte Sprache genutzt zu haben. Derlei Handlungen widersprächen den Grundwerten der Grünen, heißt es in dem Beschluss. Nun soll eine "bereits beschlossene Aufarbeitungskommission" ihre Arbeit "zeitnah" aufnehmen.


Harald Martenstein kommentiert diese Vorgänge in seiner Bildzeitungs-Kolumne, die regelmäßig in der Form eines Offenen Briefs gehalten ist, so:

Laut einer Beratungsstelle soll Frau Oehlrich (51) den jungen Mann unter anderem gebeten haben, "körperbetonte Kleidung" zu tragen, die "am Hintern enger sitzt". Diese Bemerkung sei, so die Beschuldigte, "nicht sexuell motiviert" gewesen. Wer könnte beim Wort "körperbetont" auch auf so eine Idee kommen? Es sei ihr lediglich um ein "angemessenes Auftreten" des jungen Mannes bei "dienstlichen Terminen" gegangen.

Ich habe mich gefragt, bei welchem politischen Termin eine am Männerhintern besonders eng sitzende Hose angemessen oder sogar von Vorteil sein könnte. Wahlwerbung für die Grünen bei einem Junggesellinnenabschied mit den Chippendales? Das sind hübsche Stripper, die bieten Erotik mit Niveau.

Fest steht: Der historische Satz "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen" ist politisch neoliberal, weil FDP und Brüderle. Der Satz "Ihr Hintern füllt die Hose aber schön aus" könnte dagegen künftig für Klimaschutz und Gleichstellung stehen.




2. Eltern in Zürich witterten eine Diskriminierung ihrer Tochter, weil diese mit nur einem anderen Mädchen in der Klasse ist. Sie zerrten die Schule vor das höchste Gericht. Dieses wies die Beschwerde ab:

Die Eltern hätten keinen Anspruch darauf, dass ihr Kind einer bestimmten Klasse zugeteilt werde. Die zuständigen Schulbehörden verfügten bei der Einteilung über einen Ermessensspielraum und müssten sich dabei an gewisse Kriterien halten. Dazu gehören unter anderem der Schulweg sowie eine ausgewogene Zusammensetzung hinsichtlich Leistungsfähigkeit, sozialer und sprachlicher Herkunft und Geschlecht.

Die Geschlechterverteilung ist also ein Kriterium – aber nicht das einzige. Das war für die Richterinnen und Richter ausschlaggebend. Die Schule durfte auch pädagogische Gesichtspunkte und die individuellen Bedürfnisse der Kinder berücksichtigen. "Insofern ist es bundesrechtskonform, wenn die Vorinstanz den Wünschen der Eltern kein massgebliches Gewicht beimisst", heisst es im Urteil.

Im konkreten Fall spielte die bestehende Förderkonstellation der beiden Mädchen eine wichtige Rolle. Die beiden Schülerinnen waren bereits in der zweiten Klasse gemeinsam gefördert worden. Die zuständige Heilpädagogin und die Lehrperson hatten festgestellt, dass diese Zusammenarbeit gut funktioniert habe.

Hinzu kommt: Die elf Buben und zwei Mädchen würden nicht während der gesamten Unterrichtszeit in der gleichen Gruppe sein. Ein Teil des Unterrichts findet in Halbklassen statt, während die Kinder für weitere Lektionen mit einer grösseren Gruppe zusammen sind. Dort befinden sich fünf weitere Mädchen.

(…) Die Eltern zeigen sich enttäuscht über das Urteil, wie sie gegenüber dieser Redaktion sagen. "Leider zeigt es, dass Gleichstellungsfragen nur dann vertieft behandelt werden, wenn konkrete Nachteile nachweisbar sind, was die Entscheidung juristisch korrekt, aber gesellschaftlich wenig ambitioniert macht." Eine klarere Anerkennung sozialer Risiken wäre eine wichtige Chance für die Gleichstellung gewesen, sagt die Mutter. Denn die Schule sei nicht nur ein Lernraum, sondern auch ein Sozialraum. Das Urteil sei "eine verpasste Chance, Geschlechterstereotype im Schulalltag klar zu adressieren".




3. In Großbritannien haben Männer ihr Recht auf einen Prostata-Test verloren. Die Tageszeitung Telegraph berichtet:

Männer mittleren Alters wurden ihres Rechts auf Tests beraubt, die zur Früherkennung von Prostatakrebs beitragen.

Männer über 50 haben keinen Anspruch mehr auf einen Bluttest zur Identifizierung der Krankheit; stattdessen entscheiden nun Hausärzte, wer einen solchen Test erhält.

Experten bezeichneten die Entscheidung als "unerhörten Verrat".

Bislang hatte jeder Mann über 50 das Recht auf einen PSA-Test (Prostataspezifisches Antigen) über seinen Hausarzt. Symptome waren dafür keine Voraussetzung.

Die neuen Richtlinien heben dieses Recht jedoch auf und überlassen es den Hausärzten zu entscheiden, ob eine Testung angemessen ist.

(…) Die Änderung folgt auf den Beschluss der Regierung, ein flächendeckendes Prostatakrebs-Screening abzulehnen und stattdessen ein eng gefasstes Programm für eine kleine Gruppe von Männern mit hohem genetischen Risiko einzuführen.




4. Einer aktuellen Meta-Studie zufolge, die 75 Studien aus 30 Ländern auswertete und damit mehr als 100 Millionen Männer umfasste, gibt es ein erhöhtes Suizidrisiko bei von ihrer Partnerin getrennten oder geschiedenen Männern gegenüber verheirateten Männern. Bei getrennten Männern bis 34 Jahre lag das Risiko eines Suizids bei mehr als dem Achtfachen derjenigen verheirateter Männer derselben Altersgruppe. Das größte Risiko stelle die unmittelbare Phase nach der Trennung dar. Männer, die sich gerade in einer Trennung befanden, hatten ein nahezu doppelt so hohes Risiko wie Männer, deren Scheidung bereits abgeschlossen war. Dabei tauchten insbesondere Scham, Einsamkeit und der Verlust sozialer Netzwerke als wiederkehrende Faktoren auf.

Das erhöhte Risiko war nicht überall gleich groß. Geschiedene Männer in asiatischen Ländern wiesen höhere Suizidchancen auf als geschiedene Männer in westlichen Ländern. Die Autoren vermuten mögliche Zusammenhänge mit unterschiedlichen Familienstrukturen, Regelungen rund um Kinder und Sorgerecht sowie dem gesellschaftlichen Stigma von Scheidung.



5. Einer weiteren Studie zufolge heiraten US-amerikanische Frauen mit Hochschulabschluss zunehmend Männer ohne Hochschulabschluss – falls diese Männer überdurchschnittlich gut verdienen.

Die Autoren gingen von folgender Ausganslage aus: Frauen haben Männer bei den Hochschulabschlüssen inzwischen deutlich überholt. Trotzdem ist die Heiratsrate von Frauen mit Hochschulabschluss relativ stabil geblieben. Das ist deshalb bemerkenswert, weil Menschen normalerweise dazu tendieren, Partner mit ähnlichem Bildungsniveau zu heiraten. Früher gab es mehr hochgebildete Männer als hochgebildete Frauen; inzwischen ist es umgekehrt. Die Frage lautet also: Woher kommen die Partner der hochgebildeten Frauen?

Hier fanden die Forscher heraus, dass sich der Anteil der Frauen, die selbst einen Hochschulabschluss besitzen und mit einem Mann ohne Abschluss verheiratet sind, zwischen den untersuchten Generationen etwa vervierfacht hat. Dabei handelt es sich aber überproportional um Männer ohne Abschluss, die wirtschaftlich relativ erfolgreich sind. Die hochgebildeten Frauen nähmen damit den weniger gebildeten Frauen einen besonders attraktiven Teil des Pools an Männern ohne Hochschulabschluss weg.

In zukünftigen Studie wollen die Forscher untersuchen, ob, wenn man die wirtschaftliche Situation von Männern aus der Arbeiterschicht verbessert, dann tatsächlich ihre Heiratschancen steigen – und dadurch wiederum die Heiratschancen der Frauen aus derselben sozialen Schicht?



6. Zuletzt ein Programmtipp: Zum Thema Männer wählen rechts, Frauen links – Gibt es einen politischen Gender Gap? gab es dieser Tage eine Talkrunde des SWR, die inzwischen online steht. Immerhin wurde im Verlauf der Debatte unwidersprochen festgehalten, dass beide Geschlechter von Diskriminierung betroffen sind, nur eben auf unterschiedliche Weise.



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