Dienstag, August 18, 2026

Hamburg: Frau soll Ex-Partner zu Sex gezwungen und danach getötet haben

1. In Hamburg spielt sich ein Fall ab, der mal wieder die männerfeindlichen Klischees auf den Kopf stellt, in die sich unsere Leitmedien verknallt haben:

Das Messer soll schon neben dem Bett gelegen haben: Am Dienstag, 18. August, beginnt vor dem Landgericht Hamburg der Prozess gegen eine 42-jährige Frau aus Bergedorf. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Mord in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge vor. Sie soll ihren 35 Jahre alten Ex-Partner am 19. Februar in ihrer Wohnung am Wilhelmine-Hundert-Weg in Neuallermöhe mit einem Messer angegriffen haben – heimtückisch und aus Habgier, heißt es in der Anklage. Der Mann starb kurz darauf im Krankenhaus.

Laut Staatsanwaltschaft ist es am Tattag zu einem Treffen zwischen der Angeklagten und ihrem früheren Partner gekommen. Gegen 10.30 Uhr soll sie Sex von ihm verlangt haben – als Gegenleistung für eine Unterschrift. Die habe er für sein ausländerrechtliches Verfahren gebraucht, heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Nach dem Geschlechtsverkehr soll die Frau versucht haben, ihrem Ex-Partner eine mit Scharfstoffen versetzte Flüssigkeit einzuflößen. Sie selbst habe die Flüssigkeit für Gift gehalten, heißt es in der Anklage.

Als die erhoffte Wirkung ausblieb, habe die Angeklagte zu einem Küchenmesser gegriffen, das sie zuvor neben dem Bett versteckt habe. Mit der etwa 20 Zentimeter langen Klinge soll sie dann auf den unbekleideten und wehrlosen Mann eingestochen und ihn zweimal am Hals getroffen haben. Laut Anklagebehörde mit der Absicht, den Mann zu töten und seine Wertsachen zu rauben.

Der schwer verletzte Mann soll nach dem Angriff aus dem Schlafzimmer geflüchtet und aus dem Küchenfenster im ersten Stock gesprungen sein. Währenddessen soll die Angeklagte aus seiner Hose ein Mobiltelefon, zwei Bankkarten und 30 Euro Bargeld genommen und die Sachen auf einem Schrank versteckt haben. Wenige Meter vom Wohnhaus entfernt brach der Mann zusammen. Passanten alarmierten die Polizei. Rettungskräfte brachten den 35-Jährigen in ein Krankenhaus, wo er noch am selben Tag seinen Verletzungen erlag.


Manche Leser weisen mich aktuell beständig auf solche Fälle hin. Viele verwende ich hier nicht, weil das für Genderama immer eine Gratwanderung darstellt: Einerseits sollte man diesem Unfung von "nicht alle Männer, aber immer ein Mann" etwas entgegensetzten, andererseits ist es nicht der Sinn dieses Blogs, von Frauen begangene Verbrechen endlos aneinander zu reihen.



2. Das populärwissenschaftliche Magazin Psychology Today beschäftigt sich mit der Frage, wie man seine eigenen männlichen Bekannten dazu bringen kann, von ihren Erfahrungen mit Sexualgewalt zu sprechen:

Stell dir vor, du erfährst, dass jemand, der dir wichtig ist – ein Partner, Freund oder Bruder – jahrzehntelang eine Geschichte sexueller Übergriffe mit sich herumgetragen hat und niemandem davon erzählt hat. Nicht einmal dir.

Seit 16 Jahren arbeite ich als Psychologin in einem großen Krankenhaus für Kriegsveteranen (sowie in einer kleinen Privatpraxis) und sitze mit Hunderten von Männern zusammen, die unerwünschten sexuellen Kontakt erlebt haben. In diesen Räumen, hinter verschlossenen Türen, kommen Geschichten ans Licht, die viele jahrzehntelang verborgen gehalten hatten.

Immer wieder habe ich erlebt, wie Erleichterung und Integration in dem Moment beginnen, in dem ein Mann die Erlaubnis findet, seine Erfahrung mit jemandem zu teilen, der ohne Urteil zuhört. Das häufigste Bedauern, das ich höre, lautet: "Ich wünschte, ich hätte früher darüber gesprochen."

Und doch fällt es vielen Männern schwer, einen sicheren Raum für die Offenlegung zu finden. Während der #MeToo-Bewegung berichteten mehrere Männer, mit denen ich gearbeitet habe, dass sie sich im breiteren Gespräch unsichtbar fühlten – und manchmal sogar eher als potenzielle Täter denn als Überlebende wahrgenommen wurden.

Es ist an der Zeit, die Erzählung neu zu denken und umzugestalten.

Die Mythen, die Männer schweigen lassen

Wir sind umgeben von Überzeugungen, die es Männern erschweren, über sexuelle Gewalt zu sprechen. Bist du eine sichere Person für Offenlegung? Überprüfe dich anhand dieser gängigen Mythen aus der Male Rape Myth Scale, Shortened Version (MRMS-SV, Weare & Willmott, 2026):

- Frauen, die Männer vergewaltigen, sind sexuell frustrierte Personen.

- Das Ausmaß des Widerstands eines Mannes sollte ein wesentlicher Faktor bei der Feststellung sein, ob er vergewaltigt wurde.

- Es fiele mir schwer, einem Mann zu glauben, der mir sagte, er sei von einer Frau vergewaltigt worden.

- Vergewaltigungen von Männern werden meist von Homosexuellen begangen.

- Ein Mann kann Sex genießen, auch wenn er ihm aufgezwungen wird.

- Die meisten Männer, die von einer Frau vergewaltigt werden, sind teilweise selbst schuld, weil sie nicht entkommen oder die Frau abwehren konnten.

- Viele Männer behaupten Vergewaltigung, wenn sie homosexuellen Beziehungen zugestimmt, es sich danach aber anders überlegt haben.

- Jeder gesunde Mann kann einen Vergewaltiger erfolgreich abwehren, wenn er es wirklich will.

- Wenn ein Mann während einer Vergewaltigung eine Erektion bekam, bedeutet das wahrscheinlich, dass er anfing, es zu genießen.

- Die meisten Männer, die von einer Frau vergewaltigt werden, sind teilweise selbst schuld, weil sie nicht vorsichtiger waren.

- Wenn ein Mann knutscht und Petting betreibt und die Dinge außer Kontrolle geraten lässt, ist es seine eigene Schuld, wenn sein Partner ihn zum Sex zwingt.

- Kein selbstbewusster Mann würde zugeben, vergewaltigt worden zu sein.

- Wenn ein Mann mir erzählte, er sei von einem anderen Mann vergewaltigt worden, würde ich vermuten, dass er homosexuell ist.

- Männer, die nackt in einer Umkleidekabine herumlaufen, provozieren Ärger.

- Ein Mann, der vergewaltigt wurde, hat seine Männlichkeit verloren.

- Vergewaltigung von Männern ist schwerwiegender, wenn das Opfer heterosexuell ist, als wenn es homosexuell ist.

- Die meisten Männer, die vergewaltigt wurden, haben eine Geschichte von Promiskuität.

- Die meisten Männer, die von einem Mann vergewaltigt werden, sind teilweise selbst schuld, weil sie nicht entkommen oder den Mann abwehren konnten.

- Ein Mann, der zulässt, von einem anderen Mann vergewaltigt zu werden, ist wahrscheinlich homosexuell.

Das sind kulturelle Mythen, die wir möglicherweise verinnerlicht haben. Die Frage ist nicht, ob du diese Gedanken hattest, sondern ob du sie glaubst und was du als Nächstes tust. Wirst du sie hinterfragen, mehr Geschichten suchen und zu einem mitfühlenderen Zeugen werden?

Barrieren der Offenlegung: Was bringt Männer zum Schweigen?

Statistisch gesehen kennst du wahrscheinlich viele Männer, die sexuelle Übergriffe erlebt haben. Das Center for Disease Control (2024) berichtet, dass fast jeder vierte Mann in den USA irgendeine Form von kontaktbezogener sexueller Gewalt erlitten hat.

Dennoch warten Männer deutlich länger mit der Offenlegung, melden seltener und haben weniger Orte, an die sie sich wenden können, als Frauen (Langdridge et al., 2023; Pilkington et al., 2026). Die Offenlegung kann um Jahrzehnte verzögert werden – im Durchschnitt 15–20 Jahre. Warum?

Normen der "hegemonialen Männlichkeit" setzen die Regeln: Niemals Angst, Traurigkeit oder Verletzlichkeit zeigen; immer dominant, selbstständig und unter Kontrolle bleiben. Sexuelle Viktimisierung kollidiert direkt mit diesen Normen.

Nach einem Übergriff minimieren Männer oft, was passiert ist, geben sich selbst die Schuld ("Ich hätte mich wehren sollen"), hinterfragen ihre Sexualität oder kämpfen mit Scham, Angst und Wut. Viele isolieren sich oder greifen zu Substanzen und fühlen, dass sie als Opfer keinen kulturellen "Platz" haben – besonders wenn der Täter eine Frau ist oder wenn sie farbige Männer sind oder aus Kulturen mit besonders restriktiven Geschlechterrollen stammen.

Gesellschaftliche Reaktionen verstärken oft den Schmerz. Offenlegung kann auf Unglauben, Minimierung oder feindselige Fragen treffen ("Bist du schwul?", "Warum hast du es nicht gestoppt?"), und Männer fürchten, als schwach, aggressiv oder selbst gefährlich abgestempelt zu werden (Pilkington et al., 2026).

Institutionelle Reaktionen verschlimmern das Problem oft. Überlebende berichten, dass sie von der Polizei, Behandlern, ihrer Familie, sogar Freunden befürchten, man würde ihnen nicht glauben oder – schlimmer noch – sie selbst beschuldigen. Institutioneller Verrat (McAdams et al., 2025), etwa wenn die militärische Führung eine Offenlegung abtut, kann noch schädlicher wirken als das Trauma selbst und zu Vermeidung, verschlimmerten posttraumatischen Folgen und Misstrauen gegenüber Hilfe führen. Männer wurden als "schwach" oder "kaputt" bezeichnet, ausgelacht oder bestraft (Pilkington et al., 2026).

Wie wir helfen können: Auf dem Weg zu Integration und Unterstützung

Männer, die offenlegen konnten und unterstützende, validierende Reaktionen erhielten, erleben oft Erleichterung, weniger Scham und eine verbesserte Lebensqualität. Die Forschung zeigt, dass das direkte Ansprechen sexueller Traumata, das offene Einladen zu berichten und das Helfen, Gemeinschaft mit anderen Überlebenden zu finden, transformativ sind (Pilkington et al., 2026).

Männer, die öffentlich über ihre Erfahrungen mit sexuellen Traumata und der Genesung gesprochen haben, haben Wege für andere geschaffen, Unterstützung zu suchen. In einem Artikel der New York Times von 2019 (Phillipps, 2019) teilten beispielsweise sechs Personen ihre Geschichten über militärische sexuelle Traumata und brachten diesem Thema die dringend benötigte Sichtbarkeit. Andere sind über Plattformen wie About Face und Make the Connection an die Öffentlichkeit gegangen. Schätzungen zufolge erleben ebenso viele Männer wie Frauen militärische sexuelle Traumata – mindestens 10.000 jährlich –, und die Bereitschaft dieser Männer, ihre Geschichten zu erzählen, hat zu besserer Versorgung und größerer Anerkennung der besonderen Bedürfnisse männlicher Veteranen geführt.

Schritte, um männliche Überlebende besser zu unterstützen

Wenn du die Männer in deinem Leben unterstützen möchtest:

- Bilde dich über sexuelle Traumata bei Männern weiter. Beginne damit, Mythen und Annahmen zu hinterfragen.

- Höre mit Mitgefühl zu.

- Biete an, sie mit Ressourcen zu verbinden.

- Setze dich für bessere Schulungen und kulturellen Wandel in Institutionen ein, die Männer betreuen.

Wenn du ein Mann bist, der sexuelle Übergriffe erlebt hat, und eine Offenlegung in Betracht ziehst:

- Höre von Männern, die sexuelle Traumata erlebt und Genesung gefunden haben.

- Finde einen Therapeuten, der männliche sexuelle Traumata versteht und in evidenzbasierter Behandlung posttraumatischer Störungen zertifiziert ist.

- Finde eine Überlebendengruppe über eine Interessenvertretung wie RAINN (Rape, Abuse, and Incest National Network) oder MaleSurvivor.


In Deutschland erhalten männliche Opfer sexueller Gewalt Unterstützung beispielsweise beim Männerhilfetelefon (0800 1239900), bei Rückhalt M: Beratungsstelle für von sexueller Gewalt betroffene Männer, bei der Männerberatung Schleswig-Holstein, dem Männerbüro Hannover, bei MUT, die Traumahilfe für Männer in Berlin und bei Tauwetter Berlin.

Was mir an dem Artikel der Psychology Today und den vielen Quellenangaben darin Hoffnung gibt, ist, dass ein Thema, über das ich vor 25 Jahren noch fast als einziger veröffentlicht habe, immer mehr gesehen und immer ernster genommen wird. In den deutschen Medien gelten Männer wie ich ("die Manosphere!!") natürlich trotzdem weiterhin als die Bösen. Dass jeder vierte Mann in seinem Leben Opfer sexueller Gewalt geworden ist, wird hier, anders als in dem obigen Artikel, nicht einmal erwähnt. Die Debatte über sexuelle Gewalt bleibt so in einer Jahrzehnte alten Erstarrung gefangen.



3. Der Berliner "Tagespiegel" und der Soziologe Ralf Pohl biete sich immer für ein abschreckendes Beispiel an, wenn man eines zur Veranschaulichung braucht – heute mit dem Artikel "Wie verhindern wir, dass unsere Söhne gewalttätig werden?" (Der Beitrag ist nur im Anriss online – vermutlich kein Verlust.) Frauengewalt braucht demnach anscheinend niemand zu verhindern, denn der "Tagesspiegel" polemisiert schon im Teaser, dass die Täter immer männlich seien – was natürlich daran liegt, dass der "Tagesspiegel" für dieses "immer" ausschließlich Fälle mit männlichen Tätern als Beispiel ausgewählt hat. Seriös ist das nicht, aber jemand wie Pohl macht bei dem Unfug natürlich bereitwillig mit.



4. Als "Beispiel dafür, wie inhaltsleer der Femizid-Kampfbegriff ist", schickt mir einer meiner Leser einen Artikel über einen demenzkranken Mann, der tragischerweise seine Ehefrau und seine Tochter getötet hat. Das psychiatrische Gutachten attestiert ihm wegen fortgeschrittener Demenz vollständige Schuldunfähigkeit. Trotzdem wird die Tat in den Medien als "Femizid" etikettiert, ein Wort, dessen Bedeutung zum Beispiel die Frauenhauskoordinierung zutreffend so erklärt:

Der Begriff Femizid bezeichnet die gezielte Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts. Nicht jede (vorsätzliche) Tötung einer Frau ist zwingend ein Femizid. Als Femizide gelten diejenigen Tötungsdelikte, bei denen Frauen aufgrund ihrer Stellung als Frau in der Gesellschaft getötet werden, nicht etwa zufällig oder aufgrund individueller Umstände.


Für diese Definition interessiert sich in den Leitmedien kaum mehr eine Socke. Stattdessen gibt man sich dort alle Mühe, feminstische Forderungen überzuerfüllen: Sobald eine Frau getötet wird, klatscht man auf die Berichterstattung gedankenlos "Femizid". Das erlaubt ein ebensolches Ausufern der Zahlen weiblicher Opfer dieser Tat, wie männliche Opfer in anderer Hinsicht unsichtbar gehalten werden.



5. Christian Schmidt zerpflückt heute einen kürzlich von mir verlinkten SPIEGEL-Beitrag, dem zufolge Jungen im Freibad vor allem vor ihren Vätern beschützt werden müssen.



6. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Constanze Oehlrich, die einen Mitarbeiter sexuell belästigt haben soll, ist jetzt zurückgetreten.



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