Wie fühlt sich ein Mann, der verleumdet und fälschlich beschuldigt wird? Einige unbequeme Wahrheiten
Die derzeit wütende performative Hysterie im Zusammenhang mit angeblichen sexuellen Übergriffen, die auch gänzlich Unbeteiligte trifft, hat das Problem von Falschbeschuldigungen besonders sichtbar gemacht. Das Magazin des Zentrums für Männerpsychologie hat dazu jetzt einen Beitrag des spanischen Anwalts für Familienrecht José Luis Sariego Morillo veröffentlicht, bei dem sich eine leicht gekürzte Übersetzung im Volltext lohnt, da diese Perspektive in der deutschen Debatte fast komplett fehlt. Zu Morillos Schwerpunkten gehören gemeinsames Sorgerecht, Eltern-Kind-Entfremdung und Kindesentführung. Er beriet die Justiz bei der Prävention häuslicher Gewalt, lehrt an Universitäten und hat mehrere Bücher verfasst.
Als Anwalt bearbeite ich mehr Fälle, als mir lieb ist, in denen Männer fälschlich abscheulicher Verbrechen beschuldigt und von Menschen skrupellos verleumdet werden, die fast immer neidisch, gestört oder schlicht böse sind. Es ist sehr auffällig, dass viele dieser Vorwürfe körperlicher Gewalt oder sogar sexueller Übergriffe gegen die Frau oder ihre Kinder genau während der Trennung oder Scheidung des Paares erhoben werden.
Seit Jahren beobachte ich, wie Richter und Staatsanwälte in Sorgerechtsfragen Frauen unterstützen, die falsche oder instrumentelle Anzeigen nutzen, um bei einer Scheidung die vollständige Kontrolle zu erlangen: über Haus, Auto, Kinder und Unterhalt. Viele werden denken, ich setze die Kinder an die dritte Stelle, und das tue ich mit Absicht, denn diese Menschen machen Kinder oft zum Objekt, zu einem weiteren Bestandteil des Scheidungspakets. Ich verbringe gewöhnlich Stunden über Stunden im Gespräch mit diesen Männern, die in einem Scheidungsverfahren grundlos verleumdet wurden. Die meisten von ihnen fallen in einen "Schockzustand", der schwer zu begreifen ist.
Sie verlieren ihren Schlaf, ihre Gesundheit, ihre Arbeit, ihre Freunde und sogar ihre eigene Familie, die zögert, einem Mann beizustehen, der des Missbrauchs oder sexueller Übergriffe beschuldigt wird. Das Trauma, das diese Männer erleiden, ist für jemanden, der nie eine falsche Anzeige erlebt hat, unbegreiflich. Viele klinische Psychologen und Psychiater wissen, wovon ich spreche. Es handelt sich um akute Traumata, die zu neurologischen Dekompensationen führen können und zu Reaktionen, bei denen Betroffene sogar töten können.
(…) Diese fälschlich angezeigten Männer brauchen viel Trost und Unterstützung, doch wir lassen sie allein. Ich weiß, dass meine Ausführungen gefährlich und angreifbar wirken, zumal ich weiß, dass sich hinter diesen fälschlich schwerer Verbrechen beschuldigten Männern in sozialen Netzwerken und Selbsthilfegruppen auch viele andere verstecken, die ihre Partnerin oder ihre Kinder tatsächlich misshandelt haben. Sie geben sich als Lämmer, obwohl sie in Wirklichkeit gewalttätige Wölfe ohne jedes Mitgefühl für andere sind.
Ich spreche jedoch von jener schweigenden Mehrheit der "anderen", denn über die bösen Männer reden die Medien und feministische Gruppen ohnehin schon viel. Ich meine die anderen Männer, die nichts Unrechtes getan haben und auf deren Liste du selbst schon morgen landen kannst, ebenso deine Kinder, dein Vater, dein Bruder oder dein Freund. Von ihnen handelt dieser Artikel.
Angesichts solcher Vorwürfe, die manchmal in sozialen Netzwerken, manchmal aber auch vor Gericht erhoben werden, stehen diese Männer vor einem großen Dilemma: Entweder sie lassen es auf sich beruhen und nehmen hin, dass die Verleumdung als dauerhafter Makel an ihrem Ansehen haften bleibt, oder sie gehen rechtlich gegen diejenigen vor, die sie verleumdet und fälschlich beschuldigt haben.
Während du diesen Artikel liest, werden in Spanien mehr als zehn Menschen bei der Polizei fälschlich einer Straftat beschuldigt.
Mehr als zehn persönliche, familiäre und berufliche Existenzen werden zerstört. Der Ruf eines Menschen, für den er jahrelang oder sein ganzes Leben lang gearbeitet und sich angestrengt hat, löst sich über Nacht in Luft auf. Wenn die Anzeige eingestellt oder er mangels Beweisen freigesprochen wird, erkennt er, dass der angerichtete Schaden lebenslang bleibt.
Nachdem sie den Stress einer öffentlichen und allgemein bekannten Verleumdung durchgestanden haben, stellen diese Männer fest, dass es keinen einfachen Weg gibt, ihren "guten Namen" wiederherzustellen. Das liegt vor allem daran, dass das Organgesetz zum Schutz der Ehre, der Privatsphäre und des eigenen Bildes (LO 1/1982 vom 5. Mai) den Verleumdeten eine enorme Beweislast und hohe Anforderungen auferlegt, bevor ein Gericht anerkennt, dass sie Opfer einer Verleumdung geworden sind.
Selbst wenn es einem Betroffenen gelingt, mit einem günstigen Urteil verfassungsrechtlichen Schutz zu erlangen, hat die Nachricht, dass die Vorwürfe gegen ihn nachweislich gelogen waren, nicht annähernd dieselbe Wirkung im persönlichen und beruflichen Umfeld oder in den Medien. Den Schaden und den Schmerz, die den Familien dieser Menschen zugefügt werden, bewertet in der Regel ebenfalls niemand. Die Stunden der Traurigkeit und des einsamen Weinens, die Angst, auf die Straße zu gehen, das Entsetzen beim Klang einer Polizeisirene ("Holen sie mich wieder ab?"), die Ablehnung durch Freunde und Kollegen: Das alles ist ein Horrorfilm, den nur wenige vollständig überwinden.
Männer, die eine solche Erfahrung am eigenen Leib machen, stellen in der Regel nicht das System infrage, indem sie sich etwa auf die Unschuldsvermutung oder eine rechtswidrige Festnahme berufen. Stattdessen kommt der Mensch in ihnen zum Vorschein, und zu ihrer Verteidigung führen sie meist den Schmerz und die Angst an, die all das bei ihren Familien und Kindern auslöst.
Das ist eine natürliche Reaktion auf das emotionale Trauma, das eine Falschbeschuldigung in jedem Bereich verursacht, besonders aber im Bereich der häuslichen Gewalt. Die Medien gebärden sich wie eine neue Inquisition, die jeden, den man ihr vorsetzt, für ein paar Quotenpunkte auf dem Scheiterhaufen der Fernsehtalkshows verbrennt. Erinnert sei an den Fall des ehemaligen Ministers Juan Fernando López Aguilar.
Die einzige Reaktion, die Menschen auf solche verleumderischen Angriffe zeigen können, ist eine emotionale, denn wenn sie mit Argumenten über Menschenrechte antworten, wecken sie weder beim allgemeinen Publikum noch bei Freunden oder Kollegen Mitgefühl. Wir alle tragen auf irgendeine Weise dazu bei, einen Menschen öffentlich bloßzustellen, weil uns die Sensationslust am Augenblicklichen mehr interessiert als die Weisheit des Beständigen.
Wenn ein fälschlich beschuldigter Mann angesichts der Verleumdung menschliche Regungen zeigt, wird ihm in seinem sozialen Umfeld niemand glauben. Er wird sich mit Händen und Füßen vor Gericht verteidigen müssen, das so sein muss, wie es sein soll: unparteiisch und frei von Emotionen in seinen Entscheidungen. Niemand wird sich dafür interessieren, was der Beschuldigte als Mensch, als Vater, als Mann und in seinem Beruf Gutes geleistet hat. All das nützt nichts, denn wir blicken gewöhnlich nur auf den konkreten Vorwurf und verurteilen ihn öffentlich ohne vorheriges Verfahren, in sozialen Netzwerken, in den Medien oder bei den Sozialdiensten, wie es die Regierung kürzlich festgelegt hat.
Politiker und Institutionen aller Art sind in einer neuen Form des Totalitarismus gefangen, nämlich der Diktatur der politischen Korrektheit. Der heutige Neofeminismus, der sich mühelos durchsetzt, sogar auf den Regierungssesseln, hat sich den Diskurs der politischen Korrektheit zu eigen gemacht und nutzt die totalitäre Idee, auf der er beruht.
Wir erleben, dass wir oft auf die Straße gehen, um für eine ermordete Frau eine Schweigeminute einzulegen. Ist der Täter jedoch eine Frau, geht niemand auf die Straße, um des Opfers zu gedenken, ganz gleich, ob es eine Frau, ein Mann oder ein Kind ist. Es ist, als hätte eine gesellschaftliche Psychose die Medien und Institutionen ergriffen, ja uns alle. Dabei sind wir uns der Gefahr nicht bewusst, die es für alle bedeutet, das Leben eines Menschen höher zu bewerten als das eines anderen.
Bekannte Persönlichkeiten wie Niemöller, Rushdie, Solschenizyn, Saramago oder Neruda selbst haben uns bereits vor den Folgen gewarnt, die es für ein Land oder eine Gesellschaft hat, wenn dort zugelassen wird, das Leben eines Menschen über das eines anderen zu stellen. Dann entstehen die extremsten gesellschaftlichen Bewegungen, denn wenn man duldet, dass ein Menschenrecht verletzt wird, um einen bestimmten Zweck zu rechtfertigen (in diesem Fall den Schutz von Frauen), öffnet man dem Anspruch die Tür, auch alle übrigen Menschenrechte verletzen zu dürfen.
Zudem stützt und begünstigt die rechtliche Absicherung und gesellschaftliche Normalisierung dieser Argumentation in gewisser Weise das Aufkommen noch extremerer Ideen. So hat bereits der Nürnberger Gerichtshof den Grundsatz aufgestellt, dass nicht nur erniedrigende und unmenschliche Behandlung, sondern schon die ungleiche Behandlung eines Menschen unzulässig ist (Wiener Konvention).
Wir haben zugelassen, dass ein Gesetz wie das LO 1/2004 über Gewalt gegen Frauen die Möglichkeit eröffnet, einen Menschen aufgrund seines Geschlechts anders zu behandeln. Viele Richter haben sich von der Angst leiten lassen, sich der politischen Korrektheit entgegenzustellen, während viele andere sich dafür entschieden haben, unmittelbar das anzuwenden, worauf sie ihren Eid geleistet haben: die Achtung der spanischen Verfassung und der Grundrechte jedes Bürgers ohne jeden Unterschied. Jedenfalls sind fast 1.200.000 Menschen angezeigt, beschuldigt, festgenommen, vor Gericht gestellt und nach einem langen, qualvollen Weg verurteilt oder freigesprochen worden.
Von diesen angezeigten Menschen haben sich fast 80 % als nicht schuldig eines Vorwurfs erwiesen, der dazu beigetragen hat, dass sie ihr Leben (die Zahl der Suizide unter Männern ist gestiegen), ihre Laufbahn, ihren Arbeitsplatz, ihr Zuhause oder ihre Familie verloren haben. All diese Menschen haben Freunde, Familien, Bekannte und Kollegen, die die Ungerechtigkeit eines Gesetzes miterlebt haben, das die Schuld des Beschuldigten voraussetzt.
Viele fragen mich erstaunt, und das nicht nur in Spanien: Wie kann es sein, dass es Gerichte gibt, die nur dazu da sind, Männer anzuklagen? [Gemeint sind die Juzgados de Violencia sobre la Mujer, die in Spanien als Teil von Schutzmaßnahmen gegen angeblich "geschlechtsspezifische Gewalt" eingeführt wurden. Strafsachen landen dort nur, wenn der Beschuldigte ein Mann und das mutmaßliche Opfer seine (Ex-)Partnerin ist. – A.H.] Nun, diesen Männern bleibt, nachdem sie durch die Hölle gegangen sind, nur der Weg vor Gericht, um feststellen zu lassen, dass sie verleumdet wurden, und im besten Fall eine magere finanzielle Entschädigung zu erhalten. Solltest du in Spanien jemals zu Unrecht festgenommen werden und wird nachgewiesen, dass eine Falschbeschuldigung vorlag und du unschuldig warst, zahlt dir der Staat in der Regel durchschnittlich etwa 6.000 Euro für jedes Jahr, das du im Gefängnis verbracht hast. Der Verlust deines Arbeitsplatzes, deiner Kinder, deines Zuhauses und deiner Freunde hat in diesem Land keinen Wert, oder zumindest ist er noch nicht in Form einer gefestigten Rechtsprechung anerkannt.
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt den Staat dafür durchaus häufig. So wurde etwa eine Entschädigung von bis zu 10.000 Euro dafür zuerkannt, dass jemand nach einer Falschbeschuldigung seine Kinder jahrelang nicht sehen konnte. Wenn ein Staat das Leben von Menschen, deren Existenz zerstört wurde, so gering bewertet, muss man sich fragen, ob er überhaupt ein Staat seiner Bürger ist. Andere Staaten wie das Vereinigte Königreich, Kanada oder die Vereinigten Staaten gehen bei der Entschädigung für solche Situationen strenger vor. Das hat dazu beigetragen, dass Falschbeschuldigungen durch Medien oder Einzelpersonen dort seltener sind.
Ich halte es für notwendig, Bemessungsmaßstäbe für diese Art von Schäden festzulegen, die verleumderisch beschuldigte Menschen erleiden. Nur so lässt sich der Wahnsinn der Falschbeschuldigungen in unserer Gesellschaft stoppen, die nicht nur von Einzelpersonen gegen andere ausgehen, sondern vielfach auch von Online-Zeitungen, die solche Nachrichten in die Welt setzen. Bei verleumdenden Medien würde eine Geldstrafe oder eine finanzielle Entschädigung allein nicht ausreichen. Die Sanktionen müssten weiter gehen, bis hin zur vorübergehenden oder dauerhaften Schließung des Mediums.
Wir wollen, dass unsere Kinder in einem Umfeld mit bestimmten Werten aufwachsen. Doch unabhängig von unserer politischen Einstellung dürfen wir nicht zulassen, dass das Recht, zu beleidigen oder zu verleumden, zu einem gesellschaftlichen Wert wird. Die Folgen einer so nachsichtigen Haltung gegenüber Falschbeschuldigungen sehen wir bereits bei Kindern: Mobbing hat dramatisch zugenommen, ebenso die Suizide junger Jugendlicher. Wenn wir so weitermachen, ist niemand davor sicher. Morgen wird jeder Bürger, ob Mann oder Frau, fälschlich irgendeiner Sache beschuldigt werden können, seine Rechte werden verletzt werden, und nichts wird geschehen.
(…) Ich möchte nicht versäumen zu sagen, dass sich dieser Artikel nicht gegen den Schutz misshandelter Frauen und die dafür geschaffenen Instrumente richtet. Vielmehr sollen diejenigen, die ihn bis hierher gelesen haben, darüber nachdenken, ob es nicht gut wäre, die Mittel, die für jene fast 80 % der Anzeigen wegen geschlechtsspezifischer Gewalt in Spanien aufgewendet werden, die falsch sind, eingestellt werden oder mit einem Freispruch enden, wirksamer den Frauen zukommen zu lassen, die tatsächlich misshandelt werden und den Mut gefunden haben, Anzeige zu erstatten. Denn wie viele Frauen sind gestorben, weil die Ressourcen durch Tausende unbegründeter Anzeigen "belegt" und überlastet waren?
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