Donnerstag, Oktober 22, 2026

Männer, die den Wehrdienst-Fragebogen ignorieren, müssen jetzt zahlen

1. Die Bundeswehr leitet inzwischen Bußgeldverfahren gegen junge Männer ein, die den Fragebogen zur Erfassung für den neuen Wehrdienst trotz Erinnerung und weiterer Frist nicht beantwortet haben. Wie das Bundesverteidigungsministerium mitteilte, kann das Bußgeld bis zu 250 Euro betragen; die Pflicht zur Beantwortung bleibt auch nach der Geldbuße bestehen. Rund 96 Prozent der angeschriebenen Männer hätten innerhalb der vorgesehenen Fristen geantwortet. Während der neue Wehrdienst zunächst freiwillig bleibt, müssen Männer den Fragebogen ausfüllen, Frauen hingegen nicht. Sollte es der Bundeswehr nicht gelingen, genügend Freiwillige zu gewinnen, sieht das Gesetz die Möglichkeit einer sogenannten Bedarfswehrpflicht vor.



2. "Männlichkeit und Gewalt – muss das zusammengehören?" titelt die Schwäbische Post, so als ob fast jeder Mann ein Gewalttäter wäre statt eine kleine Minderheit. Der Interviewpartner Fikri Anil Altıntas äußert sich dazu so:

In Deutschland steht der "muslimische Mann" mittlerweile geradezu stellvertretend für "toxische Männlichkeit": gewaltbereit, machohaft, sexistisch – kurz: ein Problem. In meiner Arbeit vermittle ich die historischen und aktuellen Narrative dahinter. Die Art, wie wir über diese Männer sprechen, ist nicht nur eine Form diskursiver und politischer Gewalt, sondern wirkt auch wie ein Stigma, aus dem sich viele nicht lösen können.


Das klingt spannend, aber warum beschränkt man die Kritik an diesem Stigma auf muslimische Männer?

Gleichzeitig machen es sich viele Männer zu einfach, wenn sie sagen: Gewalt gegen Frauen geht nur von "denen" aus, also müssten wir uns mit unserer eigenen Verstrickung nicht beschäftigen. Die aktuelle Dunkelfeldstudie LeSuBiA, für die rund 15.000 Menschen befragt wurden, zeigt, wie verbreitet Gewalt in Deutschland ist: Knapp jede fünfte Frau hat schon einmal körperliche Gewalt durch einen Partner oder Ex-Partner erlebt, und Frauen erleben Gewalt insgesamt schwerer als Männer. Dabei wird weniger als jede zehnte Gewalterfahrung überhaupt angezeigt. Wer das Problem ernst nimmt, muss deshalb bei allen Männern ansetzen, auch bei sich selbst.


Die LeSuBiA hat auch gezeigt, dass in den letzten Jahren mehr Männer als Frauen Opfer von Gewalt durch ihren Partner geworden sind. Das entzieht sämtlichen Unterstellungen, Männlichkeit wäre an Gewalt gekoppelt, den Boden. Der Artikel verschweigt das.



3. Die Centre Daily Times aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania wird den Tatsachen in einem aktuellen Beitrag besser gerecht:

Die jüngste nationale Umfrage zu Gewalt in Paarbeziehungen und sexueller Gewalt der Centers for Disease Control and Prevention macht deutlich, dass Gewalt in Partnerschaften Millionen von Männern betrifft. Schätzungen zufolge haben 22,3 % der Männer (27,3 Millionen) psychische Aggressionen durch einen Partner erlebt, 19,5 % (23,7 Millionen) haben Zwangskontrolle erlebt und 13,7 % (16,7 Millionen) körperliche Gewalt erlebt.




4. Eine Journalistin berichtet in der Tageszeitung USA Today:

Anfang dieses Monats schrieb ich eine Kolumne, in der ich die Öffentlichkeit dazu aufforderte, keine voreiligen Urteile über die sieben Männer zu fällen, denen sexuelle Übergriffe an der Cornell University vorgeworfen werden.

(…) Angesichts der Brisanz des Themas hatte ich mit Gegenreaktionen gerechnet. Doch auf die persönlichen Angriffe, die meinen Posteingang überschwemmten – darunter auch Drohungen –, war ich nicht vorbereitet.

Hier ist eine Auswahl aus den Hunderten von wütenden Nachrichten, die ich erhalten habe. Die meisten sind zu vulgär, um sie abzudrucken. Viele warfen mir vor, Frauen zu verraten, nur weil ich Jane Does Vorwürfe in Frage gestellt hatte.

Ich wurde als "Vergewaltigungsapologetin", "böse", "widerlich", "eine Schande für Frauen", "hässlich", "Frauenfeindin" und "menschlicher Abschaum" bezeichnet. Und das sind noch die harmlosen Beleidigungen. Andere wünschten mir, ich würde vergewaltigt werden – oder Schlimmeres.

Lynchjustiz ist keine echte Gerechtigkeit. Diese Art von Beschimpfungen könnte andere dazu bringen, es sich zweimal zu überlegen, bevor sie berechtigte Fragen zu Vorwürfen sexueller Übergriffe stellen. Denn wer will schon solche Beschimpfungen ertragen müssen?

(…) Wenn das Eintreten für ein ordnungsgemäßes Verfahren solche Beschimpfungen nach sich zieht, befürchte ich, dass andere einfach schweigen werden. Und das hilft niemandem, auch den mutmaßlichen Opfern nicht.

Die Leute, die diese Nachrichten geschickt haben, hatten kein Interesse daran, sich mit meinem Argument auseinanderzusetzen. Ich bezweifle, dass die meisten überhaupt über die Überschrift hinausgelesen haben.

Sie wollten mich durch Mobbing zum Schweigen bringen.

Einige der Unterstützer von Jane Doe behaupten, für Frauen einzutreten, aber anscheinend schließt das Frauen nicht ein, die anderer Meinung sind als sie.

(…) Ein ordnungsgemäßes Verfahren ist ein Grundprinzip unseres Rechtssystems, das Männer und Frauen gleichermaßen schützt. Wir müssen die Freiheit haben, Beweise zu hinterfragen und Vorwürfe anzufechten. Wie sonst können wir jemals hoffen, die Wahrheit herauszufinden?

Und keine noch so große Menge an Hasspost von der Meute wird mich davon abhalten, dieses Prinzip zu verteidigen.




Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



kostenloser Counter