Mittwoch, Juni 24, 2026

Gericht greift bei SPIEGEL-Berichterstattung ein, Kampagne gegen Männer geht weiter

1. Viele Medien berichten, so etwa die Weltwoche:

Das Hanseatische Oberlandesgericht hat Christian Ulmen im Presserechtsstreit mit dem Spiegel teilweise recht gegeben. Das Gericht änderte einen Beschluss des Landgerichts Hamburg vom Mai ab und untersagte dem Nachrichtenmagazin weitere Passagen seiner Berichterstattung.

(…) Nach Angaben des Gerichts darf der SPIEGEL nicht länger den Eindruck erwecken, Ulmen habe Deepfake-Videos seiner früheren Ehefrau hergestellt oder verbreitet. Für einen solchen Verdacht fehle ein "Mindestbestand an Beweistatsachen", begründete das Oberlandesgericht seine Entscheidung.

Zudem untersagte das Gericht die Wiedergabe einzelner Zitate aus einer vertraulichen E-Mail Ulmens an seinen Strafverteidiger. Diese Äusserungen beträfen die besonders geschützte Privatsphäre des Schauspielers. (…) Ulmens Anwalt Simon Bergmann bezeichnete die zusätzlichen Verbote als "von besonderer Bedeutung". Der Deepfake-Verdacht habe zu einer "hochgradigen Stigmatisierung" seines Mandanten geführt.


Die Legal Tribune ergänzt, wie der SPIEGEL die Vorstellung überhaupt erzeugte, Ulmen habe Deepfake-Videos seiner Frau erstellt:

Der Spiegel betone nämlich gerade, "dass durch KI entstehende Bilder eine neue Dimension der sexuellen Gewalt geschaffen worden sei, die schwerer wiege und für die in Deutschland eine Strafbarkeitslücke bestehe". Ohnehin hatte Fernandes nach dem ursprünglichen Erscheinen der Spiegel-Berichterstattung geäußert, dass sie Ulmen nicht der Verbreitung von Deepfake-Pornovideos verdächtige. Einen Umstand, den der Spiegel in der Berichterstattung nicht erwähnt.


Alles in allem wurden in unseren Leitmedien ernstzunehmende Vorwürfe mal wieder auf fragwürdige Weise präsentiert. Warum dreht man derart unnötig auf? Rechtsanwalt Simon Bergmann nannte schon Jahre vor dem Fall Ulmen als möglichen Grund schlichtes Interesse an Profit:

Bergmann wird noch konkreter: "Der Spiegel beschäftigt mehrere Journalistinnen, die speziell zu MeToo-Fällen recherchieren. Mit dieser Verdachtsberichterstattung werden digitale Abos generiert, und zwar in erheblichem Maß."

Die MeToo-Berichterstattung also ein Geschäftsmodell der Medien? Das Thema sei attraktiv und das Interesse der Leserschaft garantiert. "Mir fällt auf, dass diese Geschichten meistens hinter einer Bezahlschranke sind. Diverse Artikel werden mit dem Schlagwort MeToo gelabelt, ob es sich um Mobbing oder sexuellen Missbrauch handelt." Ferner verrät Anwalt Simon Bergmann der NZZ: "Der Spiegel hat nie bestritten, dass dank seinen MeToo-Geschichten vermehrt Abos abgeschlossen werden. Wir wissen das von internen Quellen. Die Artikel zu Luke Mockridge und Till Lindemann gehören zu den meist abgerufenen Seiten bei Spiegel+."


Ein weiteres, eher ideologisch motiviertes Ziel könnte das Unterfüttern einer Kampagne sein, über die "Die Welt" berichtet:

"Die Straflosigkeit männlicher Gewalt muss endlich ein Ende haben." So steht es in einer Rundmail der Organisation "Campact", die vergangene Woche an ausgewählte Promis verschickt wurde. Es gehe um die "erschreckenden Taten, die Collien Fernandes öffentlich gemacht hat". In dieser Woche werde es dazu wieder eine Kampagne geben. Die angeschriebenen Promis – nach WELT-Informationen Künstler, Schauspieler und Medienleute – mögen sich daran doch bitte beteiligen.

"Campact" ist nicht irgendwer. Die Organisation macht geltend, ausschließlich von Spendern finanziert zu werden – in erklecklicher Dimension. 2024 kamen knapp 25 Millionen Euro zusammen. Und das, obwohl der Verein 2019 die Gemeinnützigkeit verlor. Das zuständige Berliner Finanzamt befand: "Im Vordergrund stand nicht die Information über politische Prozesse, sondern vielmehr die Einflussnahme auf diese." Nach eigenen Angaben beschäftigt "Campact" 120 Mitarbeiter. Bei ihren Erfolgen trägt die Organisation dick auf. So seien etwa das Gen-Mais-Verbot und der Atomausstieg das Ergebnis ihrer Kampagnen, heißt es in einem Werbevideo.

In der Mail an die Promis kündigt "Campact" an, am Mittwoch eine Petition an "die Fraktionsspitzen der demokratischen Parteien" zu übergeben. Es gebe zum Thema Plakatmotive und Aktionen auf Social Media. "Bist Du dabei?" Zum Mitmachen und Teilen habe "Campact" schon fertige Grafiken entworfen und "Textbausteine" formuliert. Das alles könne der geschätzte Promi als "Content Kit" herunterladen und für eigene Beiträge nutzen. Im Downloadordner finden sich vorgefertigte Phrasen: "Jetzt muss die Bundesregierung handeln. Wir brauchen eine nationale Strategie gegen männliche Gewalt."

Inhaltlich geht es bei der Aktion nicht besonders differenziert zu. Eine Social-Media-Kachel, die man in den nächsten Tagen gewiss auf diversen Promi-Accounts auf X oder Instagram sehen wird, sieht jeden Mann wortwörtlich als Täter. "Mein Mann – Der Täter". "Mein Vater – Der Täter". "Mein Onkel – Der Täter". "Mein Nachbar – Der Täter". "Mein Freund – Der Täter".

(…) Ulmens Ex-Frau Collien Fernandes und die allseits vernetzten Kampagnenportale pflegen schon länger bestes Einvernehmen. Für die NGO HateAid, die die Themen "digitale Gewalt" und "Deepfakes" weit oben auf die mediale und politische Agenda setzte, war die Schauspielerin schon 2024 als "PR-Magnet" im Einsatz, so die Marketing-Chefin der Organisation. Zu den Gesellschaftern von HateAid gehört "Campact".

(…) Worum geht es also? Eine "Campact"-Sprecherin sagte, die Petition fordere "bessere Maßnahmen" und "eine nationale Strategie gegen geschlechtsspezifische Gewalt und digitale sexualisierte Gewalt". Die Menschen, die es zu schützen gelte, nennt "Campact" in seiner Antwort an WELT nicht Frauen, sondern umschreibt sie so: "Damit sollen alle FLINTA*-Personen mehr Sicherheit und Schutz erhalten – dazu zählen selbstverständlich auch trans* Frauen."


Die Abkürzung FLINTA steht für "Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, transgeschlechtliche und agender Personen". Der offenkundige Vorteil gegenüber dem bekannteren Kürzel: LGBTQ: Männer gehören dezidiert nicht zu der Gruppe, für die man sich engagiert.



2. "Die Linke ist eine feministische Partei" stellt ebendiese nach ihrem Potsdamer Parteitag klar und fordert beispielsweise unter dem Motto "Gewaltschutz für alle" humanitäre Visa explizit "für queere Personen und von Gewalt betroffene Frauen". Männer als Opfer von Gewalt, denen man sich politisch ebenfalls widmen müsse, erscheinen auch in dieser Rhetorik nicht.



3. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir:

Heute mal wieder ein kleiner Hinweis aus unserer beliebten Kategorie "Frauen sind das friedlichere Geschlecht":

"Frau stach Ex-Partner in Niederösterreich mit Messer in den Bauch"

"Eine 36-Jährige soll ihrem Ex-Lebensgefährten vergangenen Donnerstag in Eggendorf (Bezirk Wiener Neustadt) in Niederösterreich im Zuge eines Streits mit einem Küchenmesser in den Bauch gestochen haben. Nachbarn entdeckten den 37-Jährigen gegen 18 Uhr, er wurde mit einer Stichwunde ins Spital gebracht. Die Verdächtige aus Wiener Neustadt wurde an ihrer Wohnadresse festgenommen. Die Frau war nach Polizeiangaben von Montag nicht geständig und wurde in die Justizanstalt gebracht."

Um das heute von Ihnen verlinkte Gespräch aufzugreifen: Kann man als Mann jetzt noch mit Frauen zusammenleben? Und wenn ja, wie? Wäre es vielleicht besser, man legte sich einen Rüden zu? Oder sollte man es doch - um die große Gegenwartsphilosophin Kira Müller zu zitieren - "aus Liebe zu Menschen insgesamt so gut wie es geht versuchen"? Zynismus aus.


Das kann ich mit einer aktuellen Meldung über einen Vorfall in Wiesbaden, also praktisch vor meiner Haustür, ergänzen:

Bei einem Einsatz in der Wiesbadener Bahnhofstraße sind am Samstagabend eine Polizistin und ein Polizist verletzt worden. Eine 17-Jährige hatte die beiden Beamten bei einem tätlichen Angriff geschlagen und getreten. Das meldet die Polizei.

Gegen 22:25 Uhr hatte ein Autofahrer die Einsatzkräfte im Bereich des Bahnhofs um Hilfe gebeten, da er einen Streit mit seiner Beifahrerin hatte. Noch bevor die Beamten sich der Sache annehmen konnten, eskalierte die Situation: Die 17-jährige Beifahrerin begann plötzlich, auf ihren Lebensgefährten einzuschlagen.

Die Polizisten wollten den Mann schützen und die Jugendliche aus dem Auto holen, um sie festzunehmen. Dabei wehrte sich die 17-Jährige, schlug und trat um sich und traf dabei beide Beamten im Gesicht. Die 22-jährige Polizistin erlitt eine Prellung an der Nase, ihr 38-jähriger Kollege eine Schürfwunde an der Stirn.




4. Mehr Post.

Ein weiteres Fundstück, bei dem ich sofort an Genderama dachte. Diesmal ein Podcast, das lange Interviewformat "Hotel Matze" mit dem Gast "Männerexperte" und Therapeut Björn Süfke:

Das Faszinierendste an diesem Interview war der Eindruck, einem aufmerksamen, engagierten und kompetenten Therapeuten zuzuhören, der gleichzeitig knallharter Genderideologe ist, Männlichkeit nur negativ definieren kann, und für den das Patriarchat realer ist als der Weihnachtsmann.

Seinen therapeutischen Ansatz, sich auf sein Inneres einzulassen, negative Gefühle zuzulassen, die in der Erziehung vielleicht abgewertet wurden, leuchtet mir ein. Vermutlich sagen die meisten Psychotherapeuten dasselbe, ohne den Fokus auf Männer. Daneben scheint sein Ding vor allem das Loslassen von anerzogenen Rollen und Erwartungen zu sein. 'Anerzogen' im Gegensatz zu 'angeboren' wurde nicht klar definiert. Es schien, als bezweifle er Hormonwirkungen und biologische Unterschiede in Empfinden und Verhalten. Diese Themen wurden im Interview nur gestreift, daher werde ich mir dazu sein Buch 'Männerseelen' anschauen.

In den Youtubekommentaren war viel Zustimmung, teils sehr emotional im Sinne von 'toll dass es einer sagt', 'jetzt verstehe ich Männer etwas besser' usw. Wiederspruch gab es recht wenig. Die Folge ist 12 Tage alt, hat über 85,000 Zugriffe und über 700 Kommentare auf Youtube.

Mein Fazit ist, dass manche Feministen nicht mit Hass und Schuldzuschreibungen um sich werfen, sondern einen liebevoll pathologisieren.




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