Desillusionierte Frauen: "Jede Beförderung würde zu noch mehr Arbeit führen"
1. "Die Welt" berichtet über den Boom sogenannter Tradwife-Romane wie "Yesteryear", dessen Inhalt in dem Artikel kurz umrissen wird:
Doch dann – und die Genialität des Romans liegt in dieser betörenden Prämisse – wacht Natalie eines Tages im Jahr 1855 auf. Das Rollenspiel ist Wirklichkeit geworden: "Schon witzig, dass ich Caleb in unseren ersten Ehejahren förmlich angefleht habe, ein solcher Mann zu werden, wie er nun vor mir steht. Das Gegenteil eines Kindergärtners. Ein Farmer. Ein Cowboy. Ein Patriarch. Ein echter hartgesottener Mann. Wie sehr habe ich mich danach gesehnt, habe dafür gebetet. Und was hat Gott getan? Er hat mich erhört. Er hat mir gegeben, was ich wollte."
(…) Das zwischen bitterböser Satire und spannendem Thriller changierende Wunscherfüllungs-Desaster nach dem "Geist aus der Flasche"-Muster liest sich stellenweise herrlich lustig-zynisch. Etwa wenn Natalie mitleidig auf das Leben ihrer ehemaligen Collegefreundin Reena blickt, die sich gegen das Tradwife-Modell entschieden hat: "Sie würde siebzig bis achtzig Stunden pro Woche arbeiten und sich hauptsächlich von Koks und Red Bull ernähren. Dabei würde sie von einer ganzen Arena voller männlicher Kollegen umringt sein, von Typen, die ihre Handvoll Kolleginnen permanent fickten, und zwar privat wie beruflich … Sie müsste hart arbeiten, um den Job zu bekommen, um ihn zu behalten, und noch härter, um befördert zu werden. Und jede Beförderung würde zu noch mehr Arbeit führen, noch mehr Verantwortung, mehr Zeit im Büro."
Allerdings zeige das Buch, dass 1855 auch keine goldene Zeit für Frauen war (für Männer genauso wenig, aber das interessiert unsere Presse nicht), weshalb der Roman dann doch noch einen Liebesbrief an den Feminismus darstelle.
2. Das Bildungsministerium Brandenburg leitet ein Schreiben weiter, in dem vor einer "Instrumentalisierung durch Linksextremisten" beim Schulstreik gegen die Wehrpflicht gewarnt wird.
3. Die Bundesregierung will Reservisten auch gegen ihren Willen länger zum Dienst verpflichten können. Patrick Heinemann bezweifelt in einem Beitrag für die Legal Tribune die Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz.
4. Auch in Österreich wird die Debatte geführt. Ein Artikel darüber beklagt, dass junge Menschen kaum ein Mitspracherecht bei der Frage hätten, ob Wehr- und Zivildienst verlängert werden sollen. Ein Leser, der mich darauf hinwies, schreibt dazu: "Der Text spricht dauernd von Jugendlichen. Gemeint sind Männer. Frauen werden nicht erwähnt."
5. Unter der Schlagzeile "Zwischen Büchern, Autorinnen und Lesern: ein Tag auf der Buchmesse in Lissabon" berichten die Euronews über diese Veranstaltung. Wie der Artikel darunter verrät, kann man dort auch männliche Schriftsteller treffen, selbst wenn diese Überschrift sie sprachlich unsichtbar macht.
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