Montag, Juni 22, 2026

"Diesen hässlichen Russen schmeiß ich morgen in den Keller"

1. Die Augsburger Allgemeine beschäftigt sich weiter damit, was bei dem Skandal um die JVA Gablingen nach und nach ans Licht kommt:

Neue Recherchen zeigen, wie massiv Häftlinge unter dem Regime gelitten haben, das die damalige stellvertretende Gefängnischefin Susanne B. errichtet haben soll. Da ist etwa ein Mann, der Anfang 2023 in Gablingen inhaftiert war und in einer Situation Drohungen gegen das Personal ausgestoßen haben soll, wohl auch ein Tischmesser zückte. Das ist ein Paradebeispiel für eine Einweisung in einen besonders gesicherten Haftraum, kurz bgH. In diese kargen Hafträume können Häftlinge gebracht werden, wenn etwa die Gefahr von Gewalttätigkeit oder des Suizids besteht. Dass sie dort eingesperrt werden, soll aber "ultima ratio" und zeitlich streng begrenzt sein. Doch in der JVA Gablingen sollen diese Zellen regelmäßig zur reinen Schikane genutzt worden sein.

In diesen Hafträumen gibt es als Toilette nur ein Loch im Boden, in der Regel eine Matratze und sonst nichts. Schon am Tag der Einweisung, heißt es, soll sich Ousman S. (Name geändert) wieder beruhigt haben. Besonders bemerkenswert ist, dass Susanne B. offenbar keinen Wert auf die Expertise eines Psychiaters legte. Dieser soll zu dem Schluss gekommen sein, dass der Häftling zurück in den normalen Vollzug gebracht werden solle. Doch dem Gefangenen half die positive Beurteilung offenbar nichts. Er musste im bgH bleiben – fast einen Monat lang, unfassbare 24 Tage, wie unsere Recherchen ergaben. Und das wohl weitgehend ohne Matratze und auch ohne Unterhose aus Papier, die zur normalen Ausstattung in der Spezialzelle gehört.

Eigentlich müssen Gefangene, sobald der Grund der Einweisung entfällt, aus dem bgH entlassen werden. Die Belegungen der Spezialzellen müssen ab drei Tagen dem Justizministerium gegenüber begründet und dokumentiert werden. Das wurde offenbar unzureichend bis gar nicht getan. Wie auch hätte Knast-Vizechefin Susanne B. unrechtmäßige Nutzungen der Zellen begründen sollen? Schließlich sollen sie und Angehörige der Sicherungsgruppe (SiG), eine Spezialeinheit im Gefängnis, willkürlich Gefangene dort hineingesteckt haben.

Ein weiteres Beispiel ist der Fall eines Kriminellen, der an Panikattacken litt. Ein Arzt kam zum Schluss, dass dieser Mann aus medizinischer Sicht in eine Gemeinschaftszelle gehöre, auf keinen Fall in die Isolation. Susanne B. interessierte das offenbar nicht. Im Gegenteil. Sie soll angeordnet haben, dass er in eine Einzelzelle gebracht wird. Als er auf dem Weg dahin eine Panikattacke erlitt, kam er den Ermittlungen zufolge in den bgH – nackt und ohne Matratze.

Und so ging es immer weiter, von 2023 bis Ende Oktober 2024, als Ermittler die mutmaßlichen Misshandlungen in der JVA dann durch eine Großrazzia beendeten. Inzwischen liegen zwei Anklagen gegen insgesamt 13 Ex-Beschäftigte vor. Sie sollen Gefangene aus nichtigsten Anlässen teils regelrecht gefoltert haben.

Eduard K. wurde offenbar auch sein Erscheinungsbild zum Verhängnis. Wie aus Chats hervorgeht, die unsere Redaktion einsehen konnte, kündigte ein SiG-Mitglied am Tag seiner Ankunft gegenüber Susanne B. an, "diesen hässlichen Russen" morgen "in den Keller" zu werfen. Es spricht manches dafür, dass die Wärter diesen Mann besonders auf dem Schirm hatten: Monate später sollen drei Mitglieder der Sicherungsgruppe ihn bei einer Kontrolle seines Haftraums festgehalten und gewürgt haben.

(…) Die Verteidiger der Ex-JVA-Chefinnen schweigen auf Anfrage. Anfangs hatten die Anwälte von Susanne B. die Vorwürfe scharf zurückgewiesen.




2. Tilo Jung hatte auf seinem Youtube-Kanal dieser Tage Colleen Fernandes in einem dreieinhalbstündigen Interview über "Männerherrschaft und Feminismus" zu Gast. Während Fernandes lediglich einen eingeschränkten Blick auf sexuelle Gewalt zeigt (etwas, das Männer Frauen antun), spult Jung eine Platte ab, die zeigt, wie stark er selbst ideologisiert ist. (Normalerweise lässt man bei Interviews den Befragten reden, aber Jung nutzt Interviews gerne, um zu zeigen, dass er mit seiner eigenen Meinung richtig liegt.) Unter anderem glaubt Jung, dass Männer in einem Paradies leben, und zeigt sich erschüttert darüber, dass ein großer Teil von ihnen ein "geschlossenes antifeministisches Weltbild" (also eine andere Meinung als er selbst) aufweisen. Das schraubt sich im Verlauf des Gesprächs immer weiter hoch, bis Jung sich irgendwann darüber entrüstet, dass auch ChatGPT bald eine Erotik-Funktion erhalten solle, was zeige, dass im Patriarchat alles auf Frauenfeindlichkeit aufgebaut sei. Selbst Erotik ist hier inzwischen zu etwas, das Männer Frauen antun, geworden.

Zuletzt übergibt Jung das Mikrofon seiner Mitarbeiterin Kira Müller, die Fernandes die eingetroffenen Zuschauerfragen stellt. Das führt zu folgendem Finale, das begleitet von ständigem Gekicher abläuft:

Kira Müller: Mehr oder weniger die letzte Frage. Vor einiger Zeit war bei uns die Philosophin Manon Garcia zu Gast und die hat den Pelicot-Prozess begleitet und danach ein Buch geschrieben, "Mit Männern leben" heißt das. (…) Und deshalb wäre meine Abschlussfrage genau die. Kann man noch mit Männern leben? Und wenn ja, wie?

Colleen Fernandes: Ich hoffe schon. Also ich habe mir jetzt erstmal einen Hund gekauft. Das war jetzt so mein nächster Schritt.

Kira Müller: Eine Hündin oder eine Rüde?

Colleen Fernandes: Eine Hündin. Ich habe auch jeden angeschrieben. Haben Sie eine HündIN? Ich möchte bitte eine HündIN. Ja. (…) Ja, das ist tatsächlich eine Frage. Also wirklich so eine Grundsatzfrage, weil ich natürlich schon gerne nicht nur mit der Hündin … die wird ja auch nicht so alt. (…) Ein Mann lebt ja länger als eine Hündin. Also hoffen wir.

Kira Müller: Für ihn? Weiß ich nicht. Manche stellen sich so dumm an, dass ich meine Zweifel hab. (…)

Colleen Fernandes: Ja, also, wir werden sehen, ob das funktioniert. Was ist denn da so die These des Buches?

Kira Müller: Also, aus Liebe zu Menschen insgesamt sollte man es versuchen, so gut wie es geht, aber es fällt schwer. (…) Ja, danke an euch da draußen fürs Zuschauen. Für eure Fragen, für die netten Kommentare, die sexistischen dafür nicht.


~ Ich bin froh, dass die Sendung von jeglichem Sexismus freigehalten wurde. ~

Sie merken es wirklich nicht. In einer der nächsten Folgen werden sie wieder fassungslos darüber sein, dass viele Männer diesem Denken nichts abgewinnen können.



3. Christian Schmidt hat Melanie Amanns Interview mit Jette Nietzard zu ihrem Männerhass genauer analysiert.



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