Beruf des Lehrers immer stärker von Frauen dominiert
1. Eine Auswertung der Neuen Zürcher Zeitung zeigt, dass es zunehmend zu einer Schule ohne Männer kommt, was für Jungen problematisch sein kann.
2. Im Berliner Tagesspiegel (nur im Anriss online) hält es Christoph von Marschall für notwendig, dass die EU Männern aus der Ukraine keinen Zuflucht mehr gewehrt. Die jungen Männer müssten für einen Sieg der Ukraine geopfert werden: "Wer den militärischen Erfolg der Ukraine möchte, darf ihr nicht die kämpfenden Männer vorenthalten und, wenn man es ganz hart formuliert, Beihilfe zum Desertieren leisten."
Für die Berliner "taz" sind Menschenrechte hier wichtiger als für Christoph von Marschall und den Tagesspiegel. Sie bezeichnet den Kurs der EU als eine Bankrotterklärung:
Es ist kaum zu fassen. Während der Krieg mit Russland eskaliert und immer mehr ukrainische Männer nach Europa flüchten, fasst die EU einen Beschluss, der Wehrpflichtige zurück an die Front zwingen soll. Brüssel macht sich zum Vollstreckungsgehilfen der ukrainischen Wehrbehörden.
(…) Damit ist die Jagd auf Kriegsdienstverweigerer und "Fahnenflüchtlinge" eröffnet – mit freundlicher Unterstützung aus Brüssel. Weil der Ukraine die Soldaten ausgehen, wollen EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Innenkommissar Magnus Brunner mit einem Verwaltungsakt nachhelfen.
Doch hier geht es um weit mehr als einen Verwaltungsakt. Die EU bricht ein Schutzversprechen, das sie den Ukrainern bisher wie selbstverständlich gewährt hat. Nach dem Geheimtreffen mit den Taliban in Brüssel ist dies bereits der zweite schlimme Tabubruch binnen einer Woche.
Auch diesmal handelt Brüssel auf Druck der Mitgliedstaaten, auch diesmal kommt Deutschland eine unrühmliche Vorreiterrolle zu. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat als Erster mit den Taliban gedealt, und er hat wiederholt gefordert, ukrainische Männer abzuweisen.
Die EU fügt sich aber auch den Wünschen der Ukraine. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj mobilisiert die Armee monatlich bis zu 34.000 Mann. Das reicht jedoch nicht aus, um die massiven Verluste an der Front auszugleichen. Deshalb wurde nun der Marschbefehl aus Brüssel fällig.
Mit den hehren Prinzipien der EU ist all das nicht zu vereinbaren. Der Europarat hatte noch am Donnerstag davor gewarnt, den Schutz von Flüchtlingen auszuhöhlen – er wurde nicht erhört.
3. Aus Russland wird derweil folgendes berichtet:
In der russischen Region Pensa sorgen Videos mutmaßlicher Rekrutierungsrazzien für Aufsehen. Sie zeigen Männer in Kleinbussen, verzweifelte Angehörige vor Militärkommissariaten und aufgebrachte Passanten, die Uniformierte zur Rede stellen. Die Aufnahmen stehen exemplarisch für ein größeres Problem des Kremls: Russland braucht neue Soldaten für den Ukraine-Krieg, will aber eine neue offene Mobilmachung vermeiden.
Eine der zentralen Aufnahmen führt direkt vor das Militärkommissariat in der Skladskaja-Straße in Pensa. Nach Recherchen des Tagesspiegel sitzen dort mehrere Männer in Zivil in einem weißen Kleinbus, während Frauen vor dem Fahrzeug versuchen, die Abfahrt zu verhindern. Eine von ihnen ruft auf Russisch "Wofür?", eine andere will wissen, ob die Männer ihre Militärverträge freiwillig unterschrieben haben. (…) Genau diese Vorgehensweise bezeichnen Beobachter als Schattenmobilisierung: Männer werden nicht offiziell eingezogen, sondern unter Druck dazu gebracht, Verträge mit dem Verteidigungsministerium zu unterschreiben. Formal gelten sie danach als Freiwillige. Politisch ist das für den Kreml entscheidend, weil dadurch kein neuer Mobilisierungsbefehl nötig wird.
(…) Besonders brisant sind Berichte von Familienangehörigen. Eine Frau sagte Mediazona, ihr Mann sei bereits in das von Russland besetzte Mariupol gebracht worden. Er habe ihr erzählt, man habe ihm neue Dokumente ausgestellt und ihn zum Unterschreiben eines Vertrags gezwungen. Gegenüber Meduza schilderte eine Mutter einen ähnlichen Fall: Ihr Sohn habe sie noch anrufen können und leise gesagt, er werde in die Ukraine gebracht. Auf ihre Frage, warum er unterschrieben habe, habe er geantwortet: "Ich musste."
Wie dieses System funktionieren kann, zeigt ein Fall aus Sursk in der Region Pensa. Mediazona sprach mit dem 51-jährigen Wladimir Podkowyrkin. Er berichtet, Polizisten hätten ihn unter dem Vorwand einer fehlenden Registrierung zum Wehramt gebracht. Dort habe er mehrere Formulare unterschrieben, von denen ihm gesagt worden sei, sie dienten lediglich der Erfassung seiner Daten. Kurz darauf sei ihm eröffnet worden, dass er einen Militärvertrag unterschrieben habe. Noch am selben Tag sei er nach Rostow gebracht und wenig später an die Front geschickt worden.
Einer Schätzung von Anfang Juni zufolge hat Putin bei seinem Überfall auf die Ukraine bislang eine halbe Million eigener Männer in den Tod geschickt.
4. Die Grünen ziehen Konsequenzen aus dem Fall Gelbhaar:
Die Arbeit von Beschwerdestellen soll auf eine einvernehmliche Einigung zwischen den Betroffenen abzielen und keine Sanktionen verhängen können. (…) Eine interne Kommission hatte der Partei vor rund einem Jahr ein vernichtendes Zeugnis für ihren Umgang mit dem Fall Gelbhaar ausgestellt. (…) Das damals genutzte Ombudsverfahren leide "an fehlender innerparteilicher Legitimität, an fehlenden Verfahrensstrukturen und einer fehlenden Verfahrensordnung sowie an erheblichen rechtsstaatlichen Defiziten und Definitionsmängeln", hatte die Kommission festgestellt. Die Nutzung des Ombudsverfahrens für politische Zwecke sei klar erkennbar gewesen. Gelbhaar habe sich nicht erklären und verteidigen können.
5. Colleen Fernandes fürchtet, dass ihr ein "Christian-Ulmen-Ultra" eine Kugel in den Kopf jagt.
6. Nach einem Rückzug der Hauptzeugin wurde eine Vergewaltigungsklage gegen Harvey Weinstein fallengelassen.
7. Die "taz" ist weiterhin entsetzt darüber, dass junge Männer "häufiger rechtsextreme, autoritäre, menschenfeindliche und antifeministische Einstellungen vertreten als junge Frauen." Die Frage, was linke, demokratische und feministische Parteien jungen Männern in den letzten Jahrzehnten gebracht haben, vermeidet der Artikel. Die Antwort wäre auch extrem unangenehm. Stattdessen beklagt der Interviewpartner Nico Mokros: "Gerade auf Social Media wird ja Gleichstellung, eine liberale Einstellung und Feminismus als Schuld an der vermeintlich schlechteren Position von Männern gesehen. Das ist genau die Gefahr. Vor allem, weil Feminismus gerade für die Reflexion von Männlichkeit viele wertvolle Ansätze bietet."
8. Eine von der CSU geplante Vorschrift, die Hochschulen untersagen sollte, von Studenten die Gendersprache in Prüfungen zu verlangen, wurde von den Freien Wählern in letzter Minute blockiert.
9. Die "taz" berichtet über einen weiteren feministischen Triumph: Die Artemis-II-Crew hat einen Mondkrater nach der verstorbenen Frau des Astronauten Reid Wiseman benannt. Das verkleinere den Gender-Crater-Gap und damit eine "entsetzliche Lücke".
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