Professor für Soziologie: "Jungen Männern geht es so schlecht wie nie zuvor"
1. "Die Welt" hat sich mit der psychischen Krise vieler Jugendlicher beschäftigt und widmet sich dabei insbesondere Jungen. Ein Auszug aus einem langen und differenzierten Artikel:
Besonders betroffen sind Mädchen. Dieses Bild vermitteln auch andere Jugendstudien. "Mädchen sind in vielen Bereichen stärker belastet als Jungen", sagt Isabel Brandhorst, Psychotherapeutin und Leiterin der Forschungsgruppe Internetnutzungsstörungen und Computerspielsucht am Universitätsklinikum Tübingen. Dass Mädchen in den Erhebungen häufiger auffallen, bedeutet jedoch nicht, dass es Jungen besser geht. "Die Selbstangaben zeigen klar, dass es jungen Männern nicht gut geht", sagt Klaus Hurrelmann.
Der Soziologe gilt als einer der führenden Bildungs- und Jugendforscher, seit fast 25 Jahren beteiligt an Untersuchungen wie der Shell-Jugendstudie. Viele Befragte berichten von Verunsicherung, von unklaren Vorstellungen davon, was Männlichkeit heute bedeutet, und vom Gefühl, auf der Verliererseite zu stehen, abgehängt zu sein. "Auch fachliche Einschätzungen aus Psychologie und Medizin zeigen, dass es jungen Männern so schlecht geht wie nie zuvor", sagt Hurrelmann.
Warum vermitteln große Jugendstudien dennoch oft ein anderes Bild? "Bei der selbst empfundenen psychischen Belastung liegen Mädchen höher als Jungen", erklärt Hurrelmann: Sie berichten häufiger von Stress, psychischen Problemen und sind öfter in Therapie. Und "Mädchen äußern ihr Leid eher", ergänzt Brandhorst: "Sie fallen auf durch Selbstverletzungen, Depressionen, Essstörungen oder starke emotionale Ausbrüche. Über sie wird deshalb mehr gesprochen."
Viele Jungen hingegen benennen ihre Probleme nicht offen. Sie fallen auf durch Provokationen, Regelverletzungen oder Suchterkrankungen, was weniger als Ausdruck von Leid, sondern als Charakterschwäche fehlinterpretiert wird. Ihre Belastung bleibt unbenannt – und damit unsichtbar. [Die Jugendlichenpsychotherapeutin Nina] Jordis nennt dies eine "emotionale Sprachlosigkeit" – dem Unvermögen, eigene Gefühle zu benennen oder einzuordnen. Die Krise zeigt sich bei Jungen deshalb oft indirekt, etwa in Rückzug, in exzessivem Computerspielen oder in körperlichen Beschwerden.
Hinzu kommt, dass Jungen häufiger externalisierende Störungsbilder wie ADHS oder auch Suchterkrankungen aufweisen. "In unserer Spezialsprechstunde für Internet- und Computerspielsucht arbeiten wir zu rund 99 Prozent mit Jungen", sagt Brandhorst. Das deckt sich mit der DAK-Studie, die Jugendliche seit 2019 befragt: In der jüngsten Erhebung litten 4,8 Prozent der Jungen, aber nur 1,9 Prozent der Mädchen unter einer behandlungsbedürftigen Computerspielstörung – mehr als doppelt so viele.
Das deutet darauf hin, dass Gaming für Jungen häufiger eine kompensatorische oder eskapistische Funktion übernimmt – und eher in Abhängigkeit mündet. Zugleich beobachtet Jordis einen Wandel: "In meiner Praxis kommen zunehmend mehr junge Männer in Therapie. Das war vor ein paar Jahren noch anders."
(…) Viele Jungen schlafen schlecht, bis der Rhythmus kippt. Tagsüber wirken sie fahrig, unkonzentriert oder apathisch, im Unterricht sind sie kaum präsent. In der Praxis von Jordis zeigt sich, dass psychische Belastung bei Jungen häufig auch in somatischen Reaktionen sichtbar wird, etwa in starken Kopf- oder Bauchschmerzen.
(…) Ein zentraler Auslöser ist die Rollenfrage. "Am tiefsten sitzt die Verunsicherung über die eigene Rolle als Mann", sagt der Jugendforscher Hurrelmann. Lange war sie klar: beruflicher Erfolg, finanzielle Verantwortung, Dominanz. Diese Ordnung ist zerfallen. "Viele Jungen wissen heute nicht mehr, was es bedeutet, ein Mann zu sein." Auch Jordis beschreibt diesen Bruch: "Der Konflikt zwischen gesellschaftlichen Männlichkeitsbildern und dem eigenen Erleben entsteht, wenn Jungen spüren: So soll ich sein – aber so fühle ich mich nicht." Problematisch werde das vor allem dann, wenn den Jungen die Sprache fehle, um ihr inneres Erleben zu benennen.
Das wird auch in der Schule sichtbar. Die Bildungsexpertin und Bestseller-Autorin Silke Müller beschreibt einen Alltag, in dem viele Jungen früh das Gefühl entwickeln, nicht mehr mitzuhalten. Sprachlastige Anforderungen, selbstorganisiertes Lernen und langes Sitzen kommen Mädchen oft eher entgegen. Jungen fallen dagegen häufiger durch Unruhe, Rückzug oder Provokation auf, erhalten seltener Anerkennung und schneiden im Durchschnitt schlechter ab.
Die Schule setze noch immer falsche Schwerpunkte, sagt Müller: zu stoffzentriert, mit veralteten Inhalten und Prüfungsformaten, zu langsam im Umgang mit gesellschaftlichem Wandel. Vor allem blende sie aus, dass Mädchen und Jungen unterschiedliche Herausforderungen haben. "Es wird von ‚den Jugendlichen‘ gesprochen, als seien die Probleme gleich. Das stimmt nicht."
(…) Entscheidend bleibt aber auch die Frage, welche Räume Jungen heute haben, um sich zu entwickeln. Es geht nicht nur um Programme, sondern um Orientierung. Hurrelmann sieht ein zentrales Defizit in der Rollenfrage. Prävention bedeutet für ihn nicht Rückkehr zu alten Mustern, sondern Offenheit für Vielfalt. "Es gibt nicht die eine Männerrolle."
Viele Jungen stehen heute vor erheblichen Herausforderungen. Gesellschaftlicher Wandel, veränderte Rollenbilder und ein Bildungssystem, das ihre Bedürfnisse oft verfehlt, verstärken diese Belastungen. Umso dringlicher ist es, Jungen gezielt zu unterstützen, ihnen vielfältige und positive Angebote zu machen und geschlechtsspezifische Unterschiede pädagogisch wie gesellschaftlich ernst zu nehmen. Nur so lässt sich verhindern, dass sie weiter den Anschluss verlieren – und aus einer Krise ein Dauerzustand wird.
2. In Irland wurden 19 Schüler im Alter von 14 bis 15 Jahren wegen Verdachts auf "toxische Männlichkeit" vom Unterricht ausgeschlossen. Ihre Eltern reagieren verärgert:
In einem Brief der Eltern an den Schulvorstand wird eine formelle Beschwerde über das "Verhalten” der Schulleiterin eingereicht.
Die Eltern fügten hinzu: "Es ist wichtig zu beachten, dass wir alle mal schlechte Tage bei der Arbeit haben. Ich hatte gehofft, dass die Schulleiterin über das Wochenende über ihre Überreaktion nachdenken, ihre Aussage zurücknehmen und sich bei allen Beteiligten entschuldigen würde. Stattdessen hat sie noch einmal nachgelegt und behauptet, dass es seit Monaten zu Einschüchterungen und Drohungen gekommen sei. Angesichts der Schwere dieser Vorwürfe habe ich die Gelegenheit genutzt, alle Lehrer meines Sohnes zu fragen, wie er sich in der Schule verhalte. Sie alle sagten, es sei eine Freude, ihn zu unterrichten. Ich habe auch jede Lehrerin gefragt, ob sie sich jemals von meinem Sohn bedroht oder eingeschüchtert gefühlt habe, und alle sagten, dass dies absolut nicht der Fall sei."
(…) In den E-Mails der Schule wird behauptet, dass eine Gruppe von bis zu etwa 15 Jungen die Schulleiterin vor ihrem Büro auf "einschüchternde" Weise konfrontiert habe. Dieses Verhalten soll seit September andauern.
(…) In den E-Mails äußert die Schulleiterin auch Bedenken hinsichtlich der herausfordernden Haltung der Jungen, um sicherzustellen, dass sich keine "Kultur toxischer Männlichkeit" entwickelt. Die Schulleiterin schreibt: "Ich bin schon sehr lange im Lehrberuf tätig, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich heute Morgen das einschüchterndste und respektloseste Verhalten erlebt habe, das ich je erlebt habe."
Zu dem angeblichen störenden Verhalten gehören das Unterbrechen der Schulleiterin, Lärm machen und Lachen.
3. Ein Professor an der Elite-Universität Harvard hat dort gekündigt, weil ein brillanter Student zurückgewiesen wurde, weil er weiß und männlich war:
"Bei der Durchsicht der Bewerbungen von Graduierten im Herbst 2020 stieß ich auf einen herausragenden Kandidaten, der perfekt zu unserem Programm passte", schrieb er. "In den vergangenen Jahren wäre dieser Kandidat sofort an die Spitze der Bewerberliste gerückt. Im Jahr 2021 wurde mir jedoch von einem Mitglied des Zulassungsausschusses informell mitgeteilt, dass ‚das‘ [gemeint ist die Zulassung eines weißen Mannes] ‚dieses Jahr nicht passieren würde‘."
Er hob auch einen Fall hervor, in dem ein anderer Student trotz hervorragender akademischer Leistungen nicht in ein Graduiertenprogramm aufgenommen wurde.
"Im selben Jahr wurde ein nachweislich brillanter Student, den ich unterrichtet hatte und der buchstäblich der beste Student in Harvard war – er gewann den Preis für den Absolventen mit den besten akademischen Leistungen –, von allen Graduiertenprogrammen, bei denen er sich beworben hatte, abgelehnt. Auch er war ein weißer Mann."
Er sagte, er habe Freunde an anderen Universitäten gefragt, warum er abgelehnt worden sei, und habe "die gleiche Geschichte“ über Graduiertenzulassungsausschüsse gehört, die "dem gleichen unausgesprochenen Protokoll wie wir" folgten.
4. Im US-Bundesstaat New Mexico schoss eine Mutter ihrem elf Monate alten Sohn ins Gesicht, damit ihr Ex-Partner kein Sorgerecht erhalten würde.
Nach einem Gerichtsverfahren im Washakie County, Wyoming, im vergangenen Herbst wurde Stoner das gemeinsame Sorgerecht für Basil zugesprochen. Er "wollte schnell einen Zeitplan ausarbeiten, nach dem er seinen Sohn im Grunde genommen die Hälfte der Zeit bei sich haben würde", und seine ersten Besuche "verliefen wunderbar".
(…) Aber wieder weigerte sich Daly angeblich, ihrem Sohn zu erlauben, seinen Vater zu sehen. Stoner legte Berufung beim Gericht ein und erhielt angeblich eine SMS von seiner ehemaligen Freundin, in der sie ihn als Rabenvater beschimpfte, ihm mitteilte, dass sie seinen Sohn bereits dazu gebracht habe, jemand anderen "Daddy" zu nennen, und ihm sagte: "Awww, du hast mich verpfiffen."
Als Daly im Oktober nicht zu einer geplanten Gerichtsverhandlung bezüglich des Besuchsrechts erschien, wurde Stoner laut Zeitungsbericht das vorübergehende Notfall-Sorgerecht zugesprochen. Der Vater sollte Basil nie wieder sehen.
Die Verdächtige soll geflohen sein – zunächst nach Westen nach Worland, Wyoming, und dann nach Süden durch Colorado nach New Mexico. Zu diesem Zeitpunkt hatte Stoner bereits einen Privatdetektiv engagiert, um seinen Sohn zu finden. Es wurde ein Haftbefehl gegen Daly erlassen, aber es wurde keine Alarmmeldung herausgegeben, da die Behörden keine Beweise für eine "unmittelbare, gegenwärtige Gefahr für das Kind" vorliegen hatten.
Jemand kontaktierte die Polizei und teilte ihnen mit, dass Daly sich in einem Wohnmobilpark in der Nähe von Silver City, New Mexico, aufhielt, wie Cowboy State Daily berichtet. Beamte des Grant County Sheriff's Office reagierten darauf, und die Verdächtige versteckte sich angeblich mit ihrem Sohn in einem Wohnmobil in der Nähe des Schlafbaracks, in dem sie gewohnt hatte.
Als die Polizeibeamten versuchten, mit der Mutter zu verhandeln, soll sie eine 9-mm-Pistole genommen, sie auf das Gesicht ihres Sohnes gerichtet und geschossen haben. Die Polizei nahm sie daraufhin fest.
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