Frauen werden beim Lohn noch immer diskriminiert? – "Das ist eine grobe Verkürzung, die in die Irre führt", erklärt die Ökonomin Conny Wunsch
1.
Die Professorin der Universität Basel kritisiert, dass der Bund bei der Lohnfrage suggestiv informiere und der Bevölkerung ein falsches Bild vermittle. Auch die Medien würden die Lage verzerrt darstellen. Lohndifferenzen seien nicht mit einer Diskriminierung der Frauen gleichzusetzen.
Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) hat Professorin Wunsch dazu interviewt. Sie erklärt dasselbe, was Männerrechtler seit Jahrzehnten erklären. Ein Auszug aus dem Gespräch:
NZZ: Frau Wunsch, das Eidgenössische Büro für Gleichstellung (EBG) schreibt auf seiner Website: "Frauen verdienen in der Schweiz 16,2 Prozent weniger als Männer – obwohl der Grundsatz ‹Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit› seit 1981 in der Bundesverfassung steht." Wie beurteilen Sie diese Aussage?
Professorin Wunsch: Es fehlt die entscheidende Erklärung: Bei den 16,2 Prozent handelt es sich um den Unterschied beim Bruttovollzeitlohn zwischen Männern und Frauen – ohne Berücksichtigung von Ausbildung, unterschiedlicher Berufswahl, Branche, Alter, Erfahrung und so weiter.
NZZ: Also wird bei den erwähnten 16,2 Prozent beispielsweise der Bruttolohn der jungen Floristin mit jenem des älteren Ingenieurs verglichen?
Professorin Wunsch: Das ist stark vereinfacht ausgedrückt, aber von der Idee her richtig.
(…) NZZ: Sie sagen, man müsse "faktenbasiert" vorgehen. Werden Fakten denn bewusst verschleiert?
Professorin Wunsch: Nein, das nicht, aber die Kommunikation ist oft fragwürdig. Der Bund sollte nicht im Titel der Medienmitteilung die Lohnunterschiede fett gedruckt, mit suggestivem Bezug zur Benachteiligung von Frauen, in den Raum stellen – diese werden dann von den Medien immer aufs Neue reproduziert – und dann irgendwo im erläuternden Bericht erklären, was die Lohnanalysen eigentlich berücksichtigen. Es wäre wichtig, dass die Öffentlichkeit besser versteht, dass beobachtete Lohndifferenzen nicht mit einer Diskriminierung der Frauen gleichzusetzen sind.
NZZ: Die Rolle der Medien wäre es, eine Schlagzeile zu hinterfragen. Wie beurteilen Sie die Berichterstattung?
Professorin Wunsch: Meiner Wahrnehmung nach stellen die Medien die Sachlage häufig verzerrt dar. Die Schlagzeilen, die der Bund liefert, werden dankbar aufgenommen, um auf eine angebliche Diskriminierung hinzuweisen. Es ist verständlich, dass die breite Bevölkerung, die sich ja nicht mit allen Details einer Lohnanalyse auseinandersetzt, an eine massive Ungleichbehandlung glaubt. Dies trägt dazu bei, dass die wahrgenommene Benachteiligung von Frauen deutlich grösser ist als die tatsächliche. Ich finde das hoch problematisch.
(…) Frauen gewichten bei der Wahl des Jobs oftmals andere Kriterien höher als Männer, etwa den Arbeitsweg. Man kann beispielsweise sagen: Eine Frau im ländlichen Umkreis von Zürich arbeitet lieber bei der Regionalbank in der Nähe als bei der UBS in der Stadt Zürich. Der Mann hingegen nimmt das Pendeln in Kauf und geht zur Grossbank, wo er für denselben Job mehr verdient. Schaut man nur die Löhne innerhalb eines Unternehmens an, fallen diese Unterschiede weg – und die Lohndifferenzen sinken massiv.
NZZ: Das sind nachvollziehbare Erklärungen. Der Bund sagt dennoch, dass es übers Ganze gesehen einen "nicht erklärbaren" Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen gebe, und zwar von 8 Prozent in der Privatwirtschaft und von 6 Prozent im öffentlichen Dienst.
Professorin Wunsch: Wir haben eine eigene Studie mit denselben Daten durchgeführt und sind auf tiefere Zahlen gekommen. Nach unseren Berechnungen beträgt die nicht erklärte Differenz in der Privatwirtschaft etwa 6 Prozent, im öffentlichen Sektor 3 Prozent. Aber wie bei der Analyse des Bundes fehlt auch bei unserer Studie die wichtige Komponente der Berufserfahrung. Diese ist entscheidend für die Höhe des Lohnes. Frauen verfügen, über die ganze Bevölkerung gesehen, im Durchschnitt über weniger Berufserfahrung als Männer. Das mag einen Gutteil der Unterschiede erklären.
2. Trotzdem sehen sich Frauen natürlich noch immer mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Im Wiener "Standard" etwa beschäftigt sich Isadora Wallnöfer mit dem Problem, wie man als Männerhaserin mit der Liebe zu einem Mann klarkommen soll – eine Frage, vor der vermutlich viele Radikalfeministinnen stehen, die zu ihrem Leidwesen heterosexuell sind. Ein Ku-Klux-Klan-Mitglied, dass im Bett auf Schwarze steht, hat es wohl auch nicht immer leicht.
"Männer beschäftigen mich, verwirren mich", heißt es in dem Artikel (das merkt man ihm an) und: "Sich vom Schicksal als Heterofrau zu distanzieren, ist nicht neu." Dazwischen: sehr viel Hass auf Männer, ausführlich dargeboten, der immer wieder mit den erotischen Bedürfnissen der Autorin zusammenknallt: "Denn obwohl diese Wut auf das Patriarchat angebracht war, konnte ich meine Bedürfnisse durch diesen Hass nie ersetzen." Tragisch.
3. Unter der Überschrift "Scheiße, es ist ein Junge!" wendet sich eine Redakteurin der feministischen Zeitschrift "Brigitte" gegen das in ihren Kreisen angesagte Gender-Disappointment, worüber junge Mütterer offenbar zuhauf auf Instagram posten: "Euer Sohn ist noch nicht einmal geboren oder gerade erst auf der Welt – und ihr sprecht trotzdem schon über ihn, als wäre er vor allem ein potenzielles Problem."
Das überrascht nicht – ein Großteil der Medien sprechen von jungen und Männern als potenziellem Problem. Während ich an diesem Beitrag sitze, spielt mein Spotify-Account zufällig gerade Marinas Hit von 2021, in dem es heißt "I Don't Want to Live in a Man's World Anymore". Der Unsinn durchtränkt usnere gesamte Kultur. Es braucht einiges an gedanklicher Anstrengung und Unabhängigkeit, um sich davon abzukoppeln, statt brav mitzulaufen.
4. Vor einigen Tagen habe ich hier gebloggt, dass einer aktuellen Studie zufolge gerade mal elf Prozent allen Männern "toxische Männlichkeit" zugeschrieben werden kann, und in meinem Beitrag darauf hingewiesen, dass schon unter diesen elf Prozent der Großteil "wohlwollende Sexisten" ausmacht. Inzwischen hat sich der Psychotherapeut Tom Golden eingehender damit beschäftigt. Ein Auszug:
Das auffälligste Problem liegt beim Label des "wohlwollenden Toxischen".
Um zu verstehen, warum das so ist, muss man sich die konkreten Fragen ansehen, mit denen Männer als "wohlwollende Sexisten" klassifiziert wurden.
Die Studie verwendete eine verkürzte Version des Ambivalent Sexism Inventory. Für wohlwollenden Sexismus umfassten die Items unter anderem Aussagen wie:
"Frauen sollten von Männern geschätzt und beschützt werden."
"Frauen verfügen tendenziell über ein höheres moralisches Empfinden."
"Viele Frauen besitzen eine Reinheit, die nur wenige Männer haben."
"Jeder Mann sollte eine Frau haben, die er verehrt."
"Frauen haben im Durchschnitt einen verfeinerten Geschmack und mehr kulturelles Gespür als Männer."
Lassen Sie sich das einmal durch den Kopf gehen.
Männer, die diesen Aussagen zustimmen, werden einer Kategorie zugeordnet, die als toxisch bezeichnet wird.
Nicht übergriffig.
Nicht zwanghaft.
Nicht gewalttätig.
Nicht manipulativ.
Toxisch.
Diese Aussagen beschreiben keinen Schaden.
Sie beschreiben keine Grausamkeit.
Sie beschreiben weder Dominanz noch Missbrauch.
Sie beschreiben traditionelle Bewunderung, Fürsorglichkeit und geschlechtliche Differenzierung – Vorstellungen, die seit Jahrhunderten Teil heterosexueller Beziehungen sind und bis heute von vielen Männern und Frauen befürwortet werden.
Man kann darüber diskutieren, ob diese Überzeugungen überholte Rollenbilder widerspiegeln.
Man kann argumentieren, dass sie Ungleichheit verstärken.
Man kann sogar sagen, dass sie einer früheren kulturellen Epoche angehören.
Aber sie als toxisch zu bezeichnen, ist ein ganz anderer Schritt.
"Toxisch" impliziert etwas Gefährliches.
Etwas Zersetzendes.
Etwas, das anderen schon durch seine bloße Existenz schadet.
Nichts in diesen Items belegt eine solche Form von Toxizität.
Was die Autoren getan haben – leise, aber entschieden –, ist, moralische Meinungsverschiedenheit in moralische Pathologie zu verwandeln.
(…) Hier liegt der entscheidende Taschenspielertrick.
Die Autoren fanden:
≈ 3 % der Männer mit hohen Werten bei feindseligem Sexismus und antagonistischen Eigenschaften
≈ 7 % der Männer mit höheren Werten bei wohlwollendem Sexismus und zentraler Bedeutung der Geschlechtsidentität
Diese Gruppen wurden anschließend zusammengezählt und – explizit oder implizit – als die toxische Minderheit der Männer beschrieben.
Doch diese beiden Gruppen sind nicht identisch.
Sie sind nicht auf dieselbe Weise schädlich.
Und eine von ihnen erfüllt keinerlei vernünftige Definition von Toxizität.
(…) Das ist keine abstrakte akademische Spitzfindigkeit.
Wenn Forscher Bewunderung als Toxizität etikettieren, geschieht kulturell etwas Bedeutsames:
Männer lernen, dass Zuneigung verdächtig ist.
Schutz wird als Kontrolle umgedeutet.
Hingabe wird zur Pathologie erklärt.
Männlichkeit selbst wird moralisch radioaktiv.
Und sobald das geschieht, wird die Kategorie der "toxischen Männlichkeit" grenzenlos ausdehnbar.
Jeder männlich konnotierte Wert kann in sie aufgenommen werden.
Jede Abweichung von ideologischer Neutralität kann als Schaden gerahmt werden.
Jeder Mann kann unter Generalverdacht geraten – nicht wegen dem, was er tut, sondern wegen dessen, was er glaubt oder wertschätzt.
Das hat mit Wissenschaft nichts zu tun.
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