Donnerstag, Januar 22, 2026

"Es gibt keine Abfahrt vom Highway des Männerhasses"

Dieser Tage hat die junge Publizistin Virgina Weaver einen Beitrag online gestellt, in dem sie kritisch mit sich selbst und ihrem Hass auf Männer ins Gericht geht. Da er seinen Finger auf eine zentrale gesellschaftliche Wunde legt, über die nur wenige zu sprechen bereit sind, halte ich ihn für aufschlussreich genug, um ihn als Volltext in deutscher Übersetzung zu veröffentlichen.



Es gibt keine Abfahrt vom Highway des Männerhasses

Wenn ein Junge frauenfeindlich wird, gibt es zahllose Anreize für ihn, rechtzeitig umzudenken. In der realen Welt finden nur wenige Menschen Frauenfeindlichkeit gut – zumindest nicht in den extremen Ausprägungen, die man online häufig sieht. Es gibt viele gute Gründe, Hass kulturell zu ächten, besonders eine so zerstörerische Form davon, und keinen einzigen guten Grund dagegen. Frauenfeindlichkeit ist Bigotterie, und Bigotterie ist schlecht.

Ich war einmal – nicht gestern, aber auch nicht in grauer Vorzeit – im Grunde das männerhassende Gegenstück zu dem, was jenseits der Red Pill liegt. Ich hatte panische Angst vor Männern, verachtete sie, betrachtete sie als minderwertig und konnte mich kaum in sie hineinversetzen. Ich vergeistigte meinen Männerhass. Irgendwann war meine Angst so groß, dass ich versuchte, öffentliche Räume zu meiden (das war während der Lockdowns, also meist möglich und sogar erwünscht). Ich ging offen mit meinen Vorurteilen um. Ich meinte jedes Wort.

Und ich bekam Beifall für meinen Männerhass.

Menschen in linksliberalen Milieus, in denen ich mich meist bewege, verschlangen so was. Obwohl ich politisch rechts von den meisten im akademischen Umfeld und den angrenzenden sozialen Sphären stehe, traf mein Männerhass einen Nerv, schnitt tief und brachte mir Anerkennung im progressiven Lager ein. Ich weiß nicht, wie viele Leute im Lauf der Jahre erkannten, dass mein Hass auf Männer ernst gemeint war, während die der anderen oft bloß eine Inszenierung unter Freundinnen war, bevor sie nach Hause zu ihren Ehemännern gingen. Manches frauenfeindliche Gerede funktioniert ähnlich, wohlgemerkt. Menschen sagen ständig beleidigende Dinge zuliebe von Status oder Humor, ohne es ernst zu meinen. Diejenigen unter meinen Freunden, die genau wussten, dass ich es ernst meinte, schienen damit völlig einverstanden zu sein, teils sogar neidisch.

So elend mich mein Hass auf Männer machte und so verwerflich jede Form von Bigotterie ist: Es gab keinen Anreiz, innezuhalten und meine Denkmuster über Männer zu hinterfragen. Alles in meinem Umfeld erlaubte meinen Hass zumindest, im schlimmsten Fall förderte es ihn. Die Menschen online, die sich über Männerhass beklagten, waren meist damit beschäftigt, Frauen, die keine Männer hassen, Männerhass zu unterstellen, und wirkten kaum wie ernsthafte Gegner. Sie boten keinen wirklichen Ausweg. Ich sprach aus naheliegenden Gründen kaum mit Männern persönlich, und selbst wenn ich es versuchte, war es unerträglich beängstigend. Sozial und politisch hätte es allgemein peinlich gewirkt, zu sagen, dass ich aus dem Männerhass aussteigen wollte.

Als mir meine männerfeindliche Energie plötzlich abhandenkam, lag das nicht daran, dass eine besorgte Freundin sagte: "Hey, du klingst androzidal, das ist widerwärtig, und du steigerst deine Angst, indem du das Verhalten meiner männlichen Freunde als feindselig deutest – beides ist problematisch." Es lag daran, dass ich angstlösende Medikamente bekam. Ja, lieber hypothetischer Leser: Die Triebkraft hinter meinem Männerhass war schlicht eine Angststörung, die sich ein Ziel gesucht hatte.

Aus persönlichen Gründen war es kein Zufall, dass sich meine Angst auf Männer richtete. Vor allem war es kein Zufall, dass Männerhass ein so fester Bestandteil meines angstgeprägten Lebens wurde. Als ich Angst vor dem Autofahren hatte, gab es klare Gründe, diese zu überwinden. Heute fahre ich gern. Aber Angst vor Männern zu haben und diese Angst als fauchenden Hass auszuleben, wie ein verletztes Tier? Yessss queen.

Zur Klarstellung einiger Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, aber nun einmal das Internet betreffen: Ich halte Bigotterie unabhängig von Statistiken für schlecht – ich behaupte nichts über die relative Wirkung von Männerfeindlichkeit im Vergleich zu anderen Formen von Hass. Ich sage auch nicht, dass mir keine Informationen zur Verfügung standen, die mir hätten zeigen können, dass die meisten Männer keine Serienmörder sind. Spätestens im Erwachsenenalter hätte ich es besser wissen müssen, das geht auf meine Kappe. Das heißt jedoch nicht, dass große Teile einer gebildeten Gesellschaft den Hass in den Herzen von Männerhasserinnen befördern sollten.

Selbst in linken Räumen ist beiläufiger, aber intensiver Hass auf Männer weniger schick geworden. Dennoch taucht er auf, und meist wird angenommen, er wäre harmlos oder ein Scherz. Für jemanden im Raum ist es womöglich keiner, und sie würde davon profitieren zu erkennen, dass Männerhass nicht in Ordnung ist. Wahrscheinlich wird niemand sonst es ansprechen. Bitte tu es.




Einige Passagen aus Kommentaren unter diesem Beitrag:



Selbst wenn man die sozialen Anreize außen vor lässt, ist Online-Männerhass als Konstrukt so angelegt, dass er sich jeder externen Überprüfung entzieht. Jede Erwiderung wird umfunktioniert und als weiterer Beweis männlicher Schwäche gedeutet. Unverfängliche Wendungen wie "naja, tatsächlich ist es so …" oder "nicht alle Männer" – Dinge, die man ganz selbstverständlich sagt, wenn man Gegenbeispiele zu einer ungerechten Verallgemeinerung liefert – werden zu Memes darüber, wie ermüdend und begriffsstutzig Männer wären. Nachfragen oder der Wunsch nach Präzisierung sind ebenfalls unerwünscht, weil es "nicht ihre Aufgabe ist, dich aufzuklären", und so weiter.

Mein eigenes Leben berührt das kaum (schließlich gehöre ich "zu den Guten"); schädlicher ist es vor allem für die Frauen, die sich daran beteiligen. Es ist schon problematisch genug, dass sie sich damit in eine realitätsferne Mythologie über Geschlechterverhältnisse begeben. Hinzu kommt, dass implizit angenommen wird, Frauen müssten bei der Verteidigung einer Ideologie nach vereinfachten Spielregeln agieren. Ich halte Frauen nicht für grundsätzlich benachteiligt im Wettstreit der Ideen, doch diese Form von Männerhass legt an ihre Anhängerinnen geringere intellektuelle Maßstäbe an – was ihnen offenkundig schadet.




So wie die Dinge derzeit stehen, bin ich ziemlich sicher, dass ich in einer gemischtgeschlechtlichen Runde, wenn ich dort anmerken würde, dass Männerhass schlecht ist, als eine Mischung aus Folgendem wahrgenommen würde: (1) als Moralapostel, (2) als Mann, der einer Frau den Ton vorschreiben will (und damit als Frauenfeind), (3) als Mann, der die problematischen Seiten von Männern leugnet (ebenfalls also als Frauenfeind) und (4) als Paradebeispiel für ein fragiles männliches Ego. Ich versuche zumindest, Männerhass nicht aktiv zu bestätigen, wenn er auftaucht. Was eine tatsächliche Widerlegung angeht, glaube ich jedoch, dass dies – angesichts der Spielregeln, wie sie 2026 gesetzt sind – ein Feld ist, auf dem Frauen die Initiative ergreifen müssen (so wie du es hier tust).




Als schwarzer/latino Mann fällt mir unweigerlich auf, wie ähnlich das dem rassistischen "Race Realism" der extremen Rechten ist: "Die sind unvorstellbar barbarisch und an all unseren Problemen schuld", "wir würden in einer Utopie leben, wenn diese Tiere uns nicht töten würden", "schau dir nur die Kriminalstatistiken an: Sie begehen viel mehr Gewaltverbrechen als wir!" und so weiter. Beide reagieren zudem äußerst defensiv, wenn man sie auf ihren Essentialismus anspricht, und bestreiten stets jede Behauptung von Über- oder Unterlegenheit.

Was ich daran ironisch finde: Die durchschnittliche Männerhasserin würde die Bigotterie des rechtsextremen Race Realism sofort erkennen und benennen, ist aber außerstande zu sehen, wie ähnlich ihre eigenen essentialistischen Vorstellungen von Männern (und Frauen) strukturiert sind.

Ich möchte dir außerdem ausdrücklich dafür danken, dass du darauf hingewiesen hast, wie verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert das Ganze im Mainstream ist. Frauenfeindlichkeit wird in der höflichen Mehrheitsgesellschaft zu Recht verurteilt, doch die Kehrseite dieser Medaille gilt als normal. Noch ärgerlicher ist, dass viele nicht einmal bereit sind, ihre Existenz anzuerkennen ("Männerhass gibt es nicht").




Das habe ich auch schon gedacht. Man kann Teile dieses männerfeindlichen Diskurses nehmen, einfach "Männer" durch eine nicht-weiße ethnische Gruppe ersetzen, und der Text würde nahtlos auf [die rechtsextreme Website] Stormfront passen.




Gute Lektüre. Ich bin eher ein Einzelgänger, daher fühle ich mich von geäußter Abneigung gegen mich – sei es wegen Geschlecht, Hautfarbe oder irgendetwas anderem – nicht besonders "beleidigt". Wenn ich irgendwo einen dieser niedlichen "Men-are-Trash"-Becher sehen würde, würde ich schmunzeln und mir merken, dass es sich um eine verbitterte Person handelt, mit der sich eine Interaktion nicht lohnt.

Was mich wirklich wütend macht, ist, dass diese Botschaften in den Mainstream eingesickert sind und nun auch bei Jungen ankommen. Dabei geht es nicht um erwachsene Männer, die sich gekränkt fühlen, sondern um Kinder, die Hassbotschaften ausgesetzt werden, die sie unmöglich angemessen einordnen können.

Die Antwort, die ich darauf meist bekomme, lautet, das sei gerechtfertigt wegen "dem, was Frauen über Jahrhunderte ertragen mussten". Also ist es vielen Frauen schlicht egal, dass unschuldigen Jungen vermittelt wird, sie seien Müll – oder würden zwangsläufig zu solchem werden.

Dem liegt die absurde Vorstellung zugrunde, Männer seien ein monolithischer Block, der geschlossen denkt und handelt. Wir haben keine wöchentlichen Männerversammlungen, in denen wir darüber abstimmen, ob unsere Mitglieder vergewaltigen, misshandeln oder belästigen dürfen. Die meisten Männer würden all das beenden, wenn sie die Macht dazu hätten. Sie haben sie nur nicht.

Wenn eine Frau Männer hasst, bitte sehr. Ich bin nicht die Gedankenpolizei. Aber behalt es in deinem Kopf oder in Räumen, in denen Jungen damit nicht in Berührung kommen. Du triffst damit keine "bösen Männer". Du schadest Kindern. Scheiß drauf.




Ich denke, es ist leicht, sich rational zurechtzulegen, wie man alle Männer für schlecht halten kann und trotzdem mit einem verheiratet ist, weil er "einer von den Guten" sei. Selbst Hitler hat einzelnen Juden Ausnahmen zugestanden und die Japaner als "asiatische Arier" betrachtet.




Es würde wirklich helfen, wenn Männer da nicht mitspielen würden. Ja, wir können einen Witz auf unsere Kosten ertragen – aber wir brauchen auch Rückgrat. Steht zu euch selbst.




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