Mittwoch, Mai 01, 2024

Warum Srebrenica kein Völkermord war

1. Das Massaker von Srebrenica ist eines der Greuel der jüngeren Geschichte, auf die sich Männerrechtler immer wieder beziehen. Alles Notwendige darüber erfährt man aus der Website zum Gender Empathy Gap.

Beim Massaker von Srebrenica ab dem 11. Juli 1995 wurden 8000 Jungen und Männer in einer UN-Schutzzone in unmittelbarer Nachbarschaft zu UN-Blauhelmsoldaten ermordet. Die Frauen und Kinder wurden in Bussen evakuiert und gerettet. Die Männer wurden ihren Schlächtern übergeben. Ein gutes Vierteljahrhundert später wird in der sogenannten Istanbul-Konvention das Menschenrechtsversagen der Weltgemeinschaft zum politischen Konzept. 27 Jahre nach Srebrenica hat die Weltgemeinschaft männlichen Opfern von Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung keine andere Lösung zu bieten als Wegschauen. 2021 bestreitet die den Grünen nahe Heinrich-Böll-Stiftung bezüglich des Massakers von Srebrenica einen Missstand zu Lasten von Jungen und Männern.

Nicht zuletzt aufgrund solcher Versuche wie die der Heinrich-Böll-Stiftung, männliche Opfer von Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch zu verharmlosen oder vielleicht gänzlich zu vertuschen, werden wir diese Menschenrechtsverbrechen und das Menschenrechtsversagen der Weltgemeinschaft in Erinnerung behalten.

Um die Ereignisse beim Massaker von Srebrenica vom Juli 1995 verstehen zu können, ist die Vorgeschichte bei der ersten Belagerung von Srebrenica 1993 essentiell. Denn bei der ersten Belagerung 1993 wurde der "Women and children only"-Codex zwischen UN und den Völkerrechtsverbrechern ausgehandelt, wodurch zwei Jahre später die UN den männlichen Teil der bosnischen Serben in der UN-Schutzzone ihrem Schicksal überließ.


(Der Text geht noch wesentlich länger weiter, aber für diesen Blogbeitrag möchte ich es dabei belassen.)

Aktuell ist wieder im Gespräch, wie man Srebrenica einordnen soll. Die Neue Zürcher Zeitung berichtet so darüber:

"Wir haben nichts dagegen, die Kriegsverbrechen in Bosnien und anderswo zu verurteilen. Aber wir sind dagegen, dass das serbische Volk als genozidär bezeichnet wird." Was den serbischen Aussenminister Ivica Dacic an einer Pressekonferenz Mitte April empörte, ist eine Uno-Resolution zum Völkermord von Srebrenica 1995. Sie wurde von Deutschland und Rwanda eingebracht, die Vollversammlung soll Anfang Mai darüber abstimmen. (…) Das Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) wertete 2001 den Massenmord als Genozid. 2007 kam der Internationale Gerichtshof (IGH) nach zusätzlichen Abklärungen zu demselben Schluss.

Der genaue Wortlaut der geplanten Srebrenica-Resolution ist noch nicht bekannt. Was man auszugsweise weiss: Der 11. Juli soll weltweit als Gedenktag für die Massaker etabliert werden. Die Resolution verurteilt "jeden Versuch, den Genozid abzustreiten". Zudem unterstützt sie «alle Bemühungen, die Täter dieses Massakers vor internationale Gerichte zu bringen». Der Hauptverantwortliche, Ratko Mladic, wurde 2017 vom ICTY zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

Das hindert die serbischen Regime-Politiker und ihre Medien aber nicht daran, von einem Angriff auf das Ansehen des serbischen Volkes zu sprechen. Dass der Vorstoss ausgerechnet von den Deutschen komme, so Aussenminister Dacic, sei besonders bitter.

(…) Efraim Zuroff, vormals Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, hat sich in die Diskussion eingeschaltet. Es sei offensichtlich, dass in Srebrenica ein schweres Kriegsverbrechen verübt worden sei. Doch die serbischen Täter hätten systematisch nur Männer und männliche Jugendliche ermordet und die Frauen verschont. Es könne sich deshalb nicht um einen Genozid handeln.


Meiner Einschätzung nach hat Efraim Zuroff hier Recht: Es handelt sich nicht um einen Genozid, sondern einen Androzid, einen Massenmord an Männern, und genau so sollte man es benennen. Dies gilt erst Recht in Zeiten, in denen Lobbygrupen für jeden Fall, beidem eine Frau ermordet wird, den Ausdruck "Femizid" durchzusetzen versuchen. Die einzigen Gründe, massenhafte Ermordungen speziell von Männern nicht in einen festen Begriff zu fassen, sind politisch-ideologischer Natur.



2. Die Offensive des israelischen Militärs in Rafah wird auch dann stattfinden, wenn es zu einem Geisel-Deal mit der Hamas kommen sollte. Das teilte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit. Näheres berichtet aktuell die linksliberale Londoner Nachrichten-Website Middle East Eye.

Israel errichtet Berichten zufolge ein komplexes System von Kontrollpunkten, das Männer im "militärischen Alter" daran hindern soll, in Vorbereitung auf seine Offensive auf die südliche Grenzstadt des Gazastreifens aus Rafah zu fliehen. Ein hochrangiger westlicher Beamter, der mit den militärischen Plänen Israels vertraut ist, berichtete das Middle East Eye unter der Bedingung der Anonymität.

Die Kontrollpunkte sollen es Frauen und Kindern ermöglichen, Rafah vor der erwarteten israelischen Offensive zu verlassen, aber unbewaffnete, zivile palästinensische Männer werden wahrscheinlich von ihren Familien getrennt und während des Angriffs in Rafah gefangen bleiben.

Die bisher nicht gemeldete Errichtung eines Rings von Kontrollpunkten um Rafah durch Israel unterstreicht die Pläne Israels, die Stadt anzugreifen, in der mehr als eine Million vertriebene Palästinenser in Zelten und behelfsmäßigen Lagern Zuflucht gefunden haben.

"Sie [die Israelis] haben ausgeklügelte Kontrollpunkte eingerichtet oder sind dabei, sie einzurichten ... Sie erlauben Frauen und Kindern, sich zu bewegen, aber kampffähige Männer sind eine andere Sache", sagte der hochrangige Beamte.

Die Einrichtung von geschlechtsspezifischen Kontrollpunkten rund um Rafah würde auch Israels Praxis, palästinensische Männer und männliche Kinder zu entkleiden und gewaltsam festzuhalten, wieder ins Rampenlicht rücken, da das militärische Verhalten des Landes im Westen zunehmend kritisch betrachtet wird.

Die Verhaftung palästinensischer Männer im Gazastreifen, die bis auf die Unterwäsche entkleidet fotografiert wurden, wurde im Dezember von den USA als "zutiefst verstörend" verurteilt.

Angehörige vieler fotografierten Männer erkannten sie wieder und sagten, sie hätten nichts mit der Hamas zu tun. Das israelische Militär wurde später beschuldigt, die Aufnahmen von Männern, die ihre Waffen abgeben, zu inszenieren.

"Israel hält jeden Mann für einen Hamas-Kämpfer, bis das Gegenteil bewiesen ist", sagte Abbas Dahouk, ein ehemaliger Militärberater im Außenministerium und Militärattaché im Nahen Osten, gegenüber Middle East Eye. "Das ist kein vernünftiger Schritt. Die Abriegelung von Rafah ist eine gewaltige Aufgabe und viel Glück dabei, Väter und Söhne von ihren Familien zu trennen."


Nachdem die Männer getötet worden sind, dürfte man wieder darüber diskutieren, welcher Begriff dafür angemessen erscheint.



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