Extremismusexpertin: "Linke und Liberale haben die Probleme junger Männer zu lange übersehen"
1. DER SPIEGEL hat die Extremismusforschin Julia Ebner, die sich feministisch verortet, zu ihrem neuen Buch "Von Fitness zu Faschismus: Gefahren extremer Männlichkeit" interviewt. Ebner spricht von einer "Renaissance destruktiver Männlichkeit", wobei natürlich die "Manosphere" erwähnt werden muss, sagt dann aber auch ein paar maskulistisch relevante Dinge:
"Weil die #MeToo-Debatte für männliche Teenager und junge Männer eine viel größere Bedeutung hatte, da sie in ihrer Männlichkeit noch nicht so gefestigt waren und noch nach ihrer Identität suchten. Manchmal wurde die Debatte dazu nicht differenziert geführt. Zu viele Männer hatten das Gefühl, in ihrer Identität als Mann unter Generalverdacht gestellt, vielleicht sogar dämonisiert zu werden. Als würden alle Männer als gefährlich abgestempelt, als wäre jede Art der Männlichkeit toxisch, nicht nur eine bestimmte Ausprägung von Männlichkeit. Letztlich fühlten sich zu viele Männer gekränkt, vielleicht sogar erniedrigt. Sie wähnten sich als Opfer von angeblich radikalem Feminismus. Dieses Gefühl hat den Backlash gegen #MeToo verstärkt, den Wunsch nach einer radikalen Gegenkultur. Was in den Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren die linke Gegenkultur war, das Civil Rights Movement, sehen manche heute in der Männerrechtsbewegung."
Aus gutem Grund.
"Es geht um ein soziales Angebot, das junge Männer auffängt und einbindet, das ihnen Selbstbewusstsein vermittelt, ein Gefühl von Selbstermächtigung. Denn viele junge Männer haben derzeit den Eindruck, auf der Strecke zu bleiben. Viele sind einsam und fühlen sich sozial isoliert, was vielleicht auch daran liegt, dass die Gesellschaft ihnen tatsächlich weniger Angebote macht als jungen Frauen."
"Wir werden nicht umhinkommen, auch auf die Ängste und Unsicherheiten junger Männer einzugehen, auch ihre Frustrationen und Negativerfahrungen erst mal gelten zu lassen. Denn viele Probleme, die junge Männer in unserer Gesellschaft haben, sind für sie ähnlich emotional besetzt wie andere Probleme für junge Frauen. Wichtig wären Bridging-Algorithmen auf Social Media, also überbrückende Algorithmen, die dafür sorgen, dass wir nicht nur die Positionen der eigenen Gruppe sehen. Da gibt es vielversprechende Experimente. Aktuell sehen sich alle bestätigt im eigenen Leid, aber übersehen das Leid der anderen. Was fehlt, ist wechselseitiges Verständnis."
"[Linke und Liberale] hinken der Dynamik hinterher. Sie haben die Probleme junger Männer zu lange übersehen. In dieses Vakuum konnten radikale Influencer und Politiker vorstoßen. Von der AfD über Reform UK bis MAGA haben populistische Rechte erfolgreich den Eindruck vermittelt, sie seien die Einzigen, die sich um das Wohlergehen von Männern kümmern würden. Das muss sich ändern. Wenn wir über Prävention reden, beschäftigen wir uns zu Recht oft damit, wie wir Falschinformationen effektiv begegnen können. Aber wir beschäftigen uns viel zu selten damit, welches Angebot wir dem Angebot rechter Gruppen entgegensetzen könnten. Es geht um Zugehörigkeit und Identität."
Dazu einige Anmerkungen von mir:
Es geht nicht allein "um Zugehörigkeit und Identität", sondern um ganz konkrete Benachteiligungen von Männern, die beendet werden sollten.
Das seufzende "Wir werden nicht umhinkommen, auch auf die Ängste und Unsicherheiten junger Männer einzugehen", klingt zu sehr danach, dass Ebner das ja gerne vermeiden würde und allein durch den wachsenden gesellschaftlichen Druck gezwungen wird, sich dazu aufzuraffen.
Es ist natürlich keine subjektive Wahrnehmung vieler Männer, dass ihr gesamtes Geschlecht verdammt wird, sondern nachweisbar. Allein in diesem Jahr hat Genderama etliche Beispiele verlinkt und kann problemlos damit weitermachen (siehe gleich den nächsten Eintrag der heutigen Presseschau).
Julia Ebner darf ihr Buch auch bei der "Welt" bewerben, hier unter der Schlagzeile: "Es ist bei vielen Männern das Gefühl entstanden, sie würden dämonisiert" Wo diese Gefühle nur herkommen mögen? Man käme im Kampf gegen Extremismus womöglich besser voran, wenn man nachweisbare Probleme nicht auf bloße "Gefühle" reduzieren würde.
2. Der angebliche Vergewaltigungsfall an der Universität Cornell motiviert eine andere Autorin auf Spiegel-Online zu ihrem Artikel "Warum es wichtig ist, zu verstehen, dass es doch All Men sind" – so als wollte sie das Versagen der Linken und Liberalen, von denen Julia Ebner spricht, noch einmal veranschaulichen. Christian Schmidt hat diesen neuesten Anfall von Geschlechterhass schon am Samstag zerpflückt. Mir genügt hier der Hinweis, dass zum Jugendwort des Jahres 2026 wohl nicht grundlos "Ragebait" gekürt wurde.
3. Mit "Wir sind diesen Männern intellektuell überlegen" betitelt "Die Zeit" ein Gespräch mit den Frauen, die den drei linken Fraktionen im Magdeburger Landtag vorsitzen. Das Foto, das den Artikel illustriert, wirkt ähnlich sympathisch wie diese Schlagzeile.
Bezeichnende Interviewfrage der ZEIT: "Lässt sich trotzdem sagen: Es sind nun die Frauen, die die Demokratie retten?" Das passt zum Weltbild des Artikels insgesamt.
4. Wenn schon nicht die Demokratie insgesamt, dann wenigstens die Sozialdemokratie? "Frauen retten die SPD!" schlagzeilt Silke Burmester in der taz. Das kann sein, Bärbel Bas ist gerade von ihren Ämtern zurückgetreten und lässt einen Mann das Ruder übernehmen. "Alternative zu Arschgeigen" schimpft eine weitere Überschrift des taz-Artikels, in dessen Teaser es heißt: "Männer haben die Volksparteien abgewirtschaftet, lebenserfahrene Frauen könnten sie wieder aufbauen." Ich bezweifle, dass narzisstischer Sexismus allein ausreicht.
Einige Kommentare unter dem Beitrag:
Genau, verdammte Männer! Wenn es in den großen Volksparteien mehr Frauen wie Julia Klöckner, Bärbel Bas, Nancy Faeser oder Christiane Lambrecht gäbe, könnten die den eitlen Männern mal zeigen, wie man richtig gute Politik macht.
Man muss schon die Augen ganz fest zumachen, um nicht zu sehen, dass in 16 Jahren Merkel der Stillstand verwaltet, notwendige Reformen ausgesessen und damit der Grundstein für den Politikverdruss der Menschen und gelegt wurde. Die Ampel mag an ihrer Zerrissenheit gescheitert und Merz eine Kardinalspfeife sein. Aber den Berg an nahezu unlösbaren Aufgaben hat Angela Merkel hinterlassen. Da muss man auf Kramp Karrenbauer, von der Leyen, Klöckner oder Reiche gar nicht mehr eingehen. Aber Hauptsache, einfach mal einen rausgehauen.
Le Pen, Meloni, von Storch, Weidel, Brinker: Läuft doch. Was will man mehr?
Na ja, der Artikel ist doch etwas einseitig. Es gibt eine ganze Reihe von Frauen in der Politik, die man besser rausschmeißen sollte. Z.B. Weidel, Reiche, Wagenknecht, usw.
5. Es hört nicht auf mit weiblicher Selbstbeweihräucherung: "Männer haben gelernt, von ihrer Arbeit zu erzählen. Frauen haben gelernt, sie zu erledigen", lobt sich eine Mitarbeiterin der "Zeit". Auch bei diesem Artikel sind die Kommentare das Beste:
Das Problem scheint wohl auch darin zu liegen, dass hier Frau ihren Blick auf "ihre" Care-Arbeit legt und die andere, im Haushalt ebenfalls notwendige, Care-Arbeit übersieht.
Ohne Ankündigung wechsle ich jeweils Sommer-/Winterräder, reinige diese, kontrolliere Profil und Reifendruck und lagere sie ein. Ebenfalls ohne Ankündigung kontrolliere ich Öl und andere Flüssigkeiten und fülle, falls nötig, auf. Des weiteren erneuere ich Schläuche, Reifen, Bremsbeläge, Bremsscheibe, Brems- und Schaltzüge oder entlüfte die Bremshydraulik, schmiere Ketten und stelle die Spannung ein. Habe fast unbemerkt die dazu notwendigen Werkzeuge und Utensilien herangeschafft. Dazu kommen die Reparaturen im Haushalt, wo ich die Unterschrankbeleuchtung in der Küche erneuert habe, die Ursache für den Schwarzschimmelfleck im Bad gefunden und behoben habe, die Türen nachjustiere, die defekte Steckdose erneuere, die PV-Anlage plane usw.
Es gibt viel zu tun und ich stelle fest, dass diese Tätigkeiten ebenfalls kaum wahrgenommen werden. Das typische "Vorsorgeparadoxon", so lange etwas funktioniert, wird es nicht wahrgenommen.
Jetzt sollte auch mal gut sein mit diesen wiederholenden Mann/Frau Erzählungen. In meiner Umgebung erlebe ich interessanterweise, dass die Beziehungen halten, die sich auf getrennte Arbeitsbereiche geeinigt haben.
Das Gejammer kann ich kaum mehr ertragen. Männer sind laut, dumm, unsensibel, eigentlich überflüssig. Frauen sind der bessere Teil der Menschheit. Zumindest in Deutschland. Ja, ja, ja, ich hab's verstanden. Und natürlich tragen Frauen keinerlei Verantwortung für ihr Schicksal. Weil sie nicht wählen dürfen.
Wann wurde im Laufe des Artikels eigentlich aus 'mein Mann' Männer und aus ich 'Frauen'? Bei uns im Haushalt ist es genau andersrum. (…) Finde es aber unsäglich, wie da wieder ein gender Thema draus gemacht wurde. Auch noch völlig ohne Einordnung. Ist das Arroganz, dass die Autorin meint, sie sei gleichzeitig die Gesellschaft? Ist das klickbait?
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