Donnerstag, August 28, 2025

"Ungeheuerlicher Vorgang" – Interne Papiere zeigen Diskriminierung von Männern bei der Polizei

1. "Die Welt" beschäftigt sich mit aktuellen Vorwürfen von Männerdiskriminierung:

Bei der Polizei im niedersächsischen Uelzen sind männliche Beamte nach internen Vorgaben offenbar systematisch benachteiligt worden. Das berichtet der „Spiegel“ unter Berufung auf dem Magazin vorliegende Dokumente.

Demnach heißt es darin, beim Aufstieg von Polizeioberkommissarinnen und -kommissaren zu Polizeihauptkommissarinnen und -kommissaren "müssen" 69 Prozent der Beförderungen an Frauen gehen.

Man nannte die Bevorzugung von Frauen "Maßstabsüberziehung". Was damit gemeint ist, steht in der Präsentation gleich dahinter: "indem mehr Frauen als Männer entsprechend beurteilt werden". Die Folien wurden demnach im Wesentlichen von der übergeordneten Polizeidirektion Lüneburg erstellt, die für zwölf Kommissariate zuständig ist.

Das Verwaltungsgericht Lüneburg, vor dem betroffene Polizeioberkommissare klagten, stoppte im Sommer 26 Beförderungen in der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen. Von diesen wären 14 an Frauen und 12 an Männer gegangen. Das Gericht warf den Verantwortlichen einen Verstoß gegen Artikel 33 des Grundgesetzes vor, wonach jeder Deutsche "nach seiner Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amte" habe.

Bei den betroffenen Klägern handelte es sich um drei Beamte im Alter zwischen 40 und 59 Jahren. Sie machten vor Gericht geltend, sie seien schlechter bewertet worden, weil sie Männer seien. Die Verfahren blieben im Januar 2024 erfolglos – die Richter kippten die Beurteilungen nicht. Gleichwohl stellte das Gericht klar, dass die Vorgaben aus der Präsentation grundgesetzwidrig seien.

Jörn Memenga vom Bund Deutscher Kriminalbeamter sprach dem "Spiegel" gegenüber mit Blick auf die Quotenregelung von einer "Anleitung zur Manipulation bei der Beurteilung von Beamtinnen und Beamten" und von einer "Diskriminierung von Männern aufgrund ihres Geschlechts".

Die Polizeidirektion ließ daraufhin alle 42 Beamtinnen und Beamten, die 2023 in Uelzen eine Bewertung erhalten hatten, erneut beurteilen. Nach Angaben Betroffener fielen einige Ergebnisse zwar besser aus, die Rangfolge änderte sich aber nicht wesentlich. Von den gestoppten 26 Beförderungen wurden inzwischen die meisten vollzogen. Drei Verfahren laufen noch, da Polizisten auch gegen ihre erneuten Bewertungen juristisch vorgehen.

Die Polizeipräsidentin der Direktion Lüneburg, Kathrin Schuol, nannte die Präsentation im SPIEGEL "missverständlich" und betonte: "Wir haben keine Kenntnisse von weiteren Kommissariaten mit einer solchen Präsentation."

Die Quoten für die Beförderung von Frauen würden aus einem "Gleichstellungsplan" stammen, den die Polizeidirektion Lüneburg verfasst hätte. Dieser habe nur "hypothetischen Charakter" und dürfe nicht als Anleitung für konkrete Beurteilungen verstanden werden.

Die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD) erklärte, der Fall werde intern aufgearbeitet, er sei aber "im Rahmen des Beurteilungs- und Bewertungsverfahrens der Polizei Niedersachsen nicht bedeutsam".

Die CDU-Opposition im Landtag forderte eine umfassende Aufklärung. Die Parlamentarische Geschäftsführerin Carina Hermann sprach von einem "ungeheuerlichen" Vorgang und verlangte Klarheit, ob es ähnliche Vorgaben auch in anderen Polizeidienststellen gegeben habe.


Ob die SPD-Ministerin Daniela Behrens den Vorfall wohl auch als "nicht bedeutsam" bagatellisiert hätte, wenn es sich bei den benachteiligten Beamten um Frauen gehandelt hätte? Bis 2021 war Behrens Leiterin der Abteilung Gleichstellung im Bundesfrauenministerium.



2. Ebenfalls in der "Welt" findet man ein Interview mit Marcus Gnau, ehemaliges Mitglied des Bundesvorstands im Verein Väteraufbruch für Kinder, zum Thema Kindesunterhalt: "Ein Oberarzt lebte nach der Trennung im möblierten Ein-Zimmer-Apartment von seinem Selbstbehalt"

Kein Zitat-Auszug, das Interview ist bei Interesse am Thema in Gänze lesenswert.



3. Der MDR beschäftigt sich mit den Kosten der Wehrpflicht für den einzelnen "Menschen", also de facto Mann:

Wer zur Bundeswehr – oder zum Wehrersatzdienst – muss, bleibt Arbeit oder Ausbildung fern. Den Betroffenen fehlt damit ein Jahr, in dem sie Geld verdienen und ansparen können, für Bildung und beruflichen Aufstieg. Problematisch ist aus Sicht der Forscher vor allem der Bruch zwischen Schule und Ausbildung oder Studium, den ein Wehrdienst verursacht. Eine OECD-Studie aus dem Jahr 2010 zeigt, dass diese Bildungsbrüche die Hauptursache für niedrigere Einkommen bei früheren Wehrdienstleistenden sind.

Schlechtere Bildung, weniger Zeit zum beruflichen Aufstieg und zum Vermögensaufbau – das summiert sich. In der Folge ist das Einkommen über das gesamte Leben geringer, wie die Ifo-Modellrechnung zeigt.

(…) Die Kosten einer Wehrpflicht sind ungleich verteilt. Vor allem die eingezogenen Wehrpflichtigen – also die jungen Generationen – müssen die wirtschaftlichen Lasten tragen. Die Ifo-Ökonomen machen das unter anderem am Vermögen über die gesamte Lebenszeit fest. Das Vermögen eines Wehrpflichtigen ist in allen Szenarien etwa zwölf Prozent geringer, als bei Menschen, die nicht eingezogen werden.




4. Der SWR berichtet über einen Gender Gap schon bei der Finanzbildung von Jungen und Mädchen:

Das finanzielle Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen beginnt schon in der Schule - so ein Ergebnis der Studie. Jungs interessieren sich demnach mehr für Wirtschafts- und Finanzthemen. Der Aussage "Ich interessiere mich für Wirtschaft" stimmten mehr Jungs als Mädchen zu. Sie schnitten auch in Tests zu Finanzfragen im Durchschnitt besser ab als ihre Mitschülerinnen.

Das hat weitreichende Konsequenzen: Frauen entscheiden sich oft für schlechter bezahlte Berufe, investieren seltener in ihre private Altersvorsorge und haben im Alter weniger Geld. Das hat die Leiterin der Studie, Professorin Taiga Brahm vom Lehrstuhl für Ökonomische Bildung und Wirtschaftsdidaktik, mit ihrem Tübinger Team rund um Lucy Haag und Martin Biewen festgestellt.




5. Das US-amerikanische Wirtschaftsmagazin Fortune spricht an, dass in der jungen Generation Männer deutlich häufiger arbeitslos sind.

Obwohl Männer und Frauen der Generation Z nach ihrem Hochschulabschluss mit denselben Hindernissen auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert sind, sind junge männliche Fachkräfte weiterhin häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen. Seit Jahren haben sie Mühe, mit ihren weiblichen Altersgenossinnen mitzuhalten, die sie in Bezug auf Bildung und Arbeit weit überholt haben. Im ersten Quartal dieses Jahres waren laut einer FRED-Analyse 9,1 % der Männer im Alter von 20 bis 24 Jahren arbeitslos, verglichen mit nur 6,6 % der Frauen in dieser Altersgruppe.


Auch das Magazin Business Insider widmet sich diesem Problem.

"Im letzten Jahr hat sich die Lage für junge Männer verschlechtert", erklärte Sara Estep, Ökonomin am Center for American Progress und eine der Autorinnen des Berichts, gegenüber Business Insider. Zwar liegt die Arbeitslosenquote junger Männer unter dem historischen Höchststand, doch "die Entwicklung geht eindeutig in die falsche Richtung".

Die Analyse beleuchtet sowohl die Probleme, mit denen männliche Arbeitskräfte zu kämpfen haben, als auch die Bereiche, in denen Männer Fortschritte erzielen. Außerdem zeigt sie auf, wo politische Entscheidungsträger und Arbeitnehmerorganisationen ansetzen können.

Weniger Männer in der Erwerbsbevölkerung könnten zu Personalmangel in bestimmten Branchen führen und die Sozialversicherungskassen belasten – und die Männer, die nicht arbeiten, könnten Gefahr laufen, dass sich ihre psychische Gesundheit verschlechtert und ihr Glücksempfinden abnimmt. Es könnte hilfreich sein, jüngere Männer in die Sekundarstufe und Berufsschulen zu lenken; ebenso wie die Schaffung von Möglichkeiten für Arbeitnehmer mit Behinderungen.

Der Beschäftigungsstatus – oder vielmehr dessen Fehlen – jüngerer Männer und Männer im besten Erwerbsalter zwischen 25 und 54 Jahren belastet die Wirtschaft seit einigen Jahren. Eine Analyse des Pew Research Center ergab, dass 25-jährige Männer im Jahr 2021 weniger wahrscheinlich als ihre Vorgänger älterer Generationen einer Vollzeitbeschäftigung nachgingen und finanzielle Unabhängigkeit erreicht hatten. Junge Männer leben häufiger bei ihren Eltern als ihre weiblichen Altersgenossinnen.

Sobald sie jedoch das Alter nach der Ausbildung erreichen, gibt es einen weiteren Grund, warum Männer möglicherweise nicht am Arbeitsleben teilnehmen: Behinderung. Der durchschnittliche Anteil der Männer im Alter von 22 bis 27 Jahren, die eine Behinderung als Grund für ihre Nichtteilnahme am Arbeitsleben angaben, lag von April bis Juni 2025 bei 4 %, verglichen mit 2 % bei den Frauen. Wie der Bericht feststellt, arbeiten Männer häufiger in Umgebungen, in denen sie sich leichter verletzen können; der Anstieg der Behinderungen könnte auch auf die alternde Bevölkerung, Long COVID und bessere medizinische Diagnostik zurückzuführen sein.


Dass Männer weit eher von Berufsunfällen (übrigens auch und gerade tödlichen) betroffen sind als Frauen, thematisiere wir Männerrechtler seit 30 Jahren – genauso wie die Benachteiligung von Jungen im Bildungssystem.

"Ich denke, dass es im Bildungsbereich für Männer noch viel zu tun gibt. Wir sehen insgesamt schlechtere Ergebnisse für Männer und Jungen", sagte Estep. "Daher könnten Investitionen in die frühkindliche Bildung, Verbesserungen im Bildungsweg von Männern und die Förderung ihres Zugangs zu Hochschulen oder einer qualifizierten Ausbildung lohnenswert sein."


Vielleicht hören Politik und Medien ja bereitwilliger zu, wenn dieselben Dinge von einer Frau gesagt werden.



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