Alice Schwarzer schmeißt hin: Ihr Magazin "Emma" wird eingestellt
1. Das Aus für Alice Schwarzers feministisches Magazin "Emma" ist gekommen. Viele Medien berichten, darunter n-tv:
Die Ausgabe vom 8. Dezember werde die letzte sein, teilte die "Emma" mit. Wirtschaftliche Gründe seien dabei nicht ausschlaggebend. "Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben", versicherte Schwarzer in einer Erklärung. "Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!"
"Emma" habe über drei Generationen hinweg die Stellung gehalten und "gegen so manchen Unsinn im Namen des Feminismus" Position bezogen. "Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet."
Die inzwischen 83-jährige Schwarzer ist Deutschlands bekannteste Feministin. Die von ihr gegründete "Emma" erschien am 26. Januar 1977 zum ersten Mal. Ihr Motiv dabei beschreibt Schwarzer heute so: "Es war die Frauenfeindlichkeit der von uns Feministinnen sogenannten 'Männermedien', die mich zu dem Schluss kommen ließ, dass wir Journalistinnen ein eigenes Magazin, eine eigene Stimme haben müssten."
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 hat sich Schwarzer, teils zusammen mit Sahra Wagenknecht, immer wieder für schnelle Friedensverhandlungen mit Russland ausgesprochen. Kritiker werfen ihr vor, sie verliere aus dem Blick, wer in diesem Krieg der Aggressor und wer das angegriffene Land sei. 2024 räumte sie ein, dass ihre Haltung zum Ukraine-Krieg auch Folgen für die Abonnentinnenzahl der "Emma" habe. Zwar habe es "für Emmas Friedenskurs" 2023 viel Zustimmung von den Leserinnen gegeben. "Aber immerhin jede fünfte Leserin hat aus Protest ihr Abonnement gekündigt. Das soll weh tun - und tut es auch. Warum tun Leserinnen das bei einem Magazin, das vom Abo lebt?"
Weil sie erkannt haben, wie fragwürdig es vielleicht immer schon war?
2. "Werden Frauen im Gesundheitswesen wirklich benachteiligt?" fragt das Magazin CICERO in einem Beitrag, der nur Abonnenten im Volltext online zugänglich ist. Das ist schade, denn man bräuchte diesen Artikel nur jedem entgegenzuhalten, der an eine solche Benachteiligung glaubt. Darin heißt es:
Frauen werden im Gesundheitswesen systematisch benachteiligt, so heißt es immer wieder. Der genaue Blick zeigt: Männer sind unterm Strich nicht besser dran.
(…) Der Befund ist dramatisch. "Diagnose: Frau. Wie mich die männerbasierte Medizin fast das Leben kostete" nennt Christina Pingel ihr Buch. Bei der Autorin ist ein Herzfehler zehn Jahre lang nicht erkannt worden. Passiert sei das nicht, weil Fehldiagnosen in der Medizin leider immer wieder vorkommen, sondern weil sie "eben nur eine junge Frau" war, der Ärzte ihre massiven Beschwerden schlicht nicht abgenommen hätten. Kein Einzelfall, sagt sie. Frauen würden oft vorschnell als "zu emotional und sensibel" abgestempelt. Die ganze Medizin sei "hauptsächlich für und von Männern geschaffen". Frauen würden deshalb in Praxen und Krankenhäusern "konsequent vernachlässigt". Pingel beruft sich unter anderem auf den Bestseller-Autor und Wissenschaftsjournalisten Dr. Werner Bartens. Er spricht in seinem Buch von einem "Gesundheitsrisiko weiblich" und erklärt, "warum Frauen von der Medizin falsch verstanden und schlechter behandelt werden". Und wer schnell mal ins Internet schaut, findet genau diese Ansicht fast durchgängig bestätigt, seriöse Medien inklusive.
Die Rede ist von einem "Gender Health Gap", einer Gesundheitslücke zulasten der Frauen. Und die Politik reagiert. "Das Thema Frauengesundheit braucht mehr Aufmerksamkeit, mehr Verständnis und mehr Wissen", sagte die bis Juli 2026 amtierende Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Deshalb hat ihr Ministerium (BMG) 2026 zwei "Förderrichtlinien" erlassen. Bis zu zehn Millionen Euro stehen für Forschungsvorhaben bereit. Ähnlich beim Bundesforschungsministerium: Auch hier können sich Forscher um Mittel für "Innovative Datenanalysen für Frauengesundheit und geschlechtersensible Medizin" bewerben. Daneben gibt und gab es Einzelprojekte zur Frauen- wie auch zur Männergesundheit und Projekte, bei denen es um den Vergleich geht. Nach Mittelhöhe und Projektanzahl scheinen jene für Frauen aber klar zu überwiegen. Im BMG gibt es denn auch das Referat 322 für Frauengesundheit. Erst kürzlich war dort eine gut dotierte Stelle ausgeschrieben. Ein Pendant zur Männergesundheit fehlt. Und das Forschungsministerium bekennt im Mai 2026 in seiner Bilanz nach einem Jahr unter Dorothee Bär voller Stolz: Es gebe jetzt neben der "Hightech Agenda Deutschland" und "Rekordinvestitionen in die Raumfahrt" endlich auch einen "längst überfälligen Fokus auf Frauengesundheit".
Aber sind Frauen in Medizin und Gesundheitsfürsorge wirklich durchgängig im Nachteil? Es gibt eine sehr einfache Methode, das zu kontrollieren. Erstaunlicherweise wird sie bei dem Thema fast immer ausgeblendet. Es ist der Blick auf die gesundheitliche Gesamtbilanz:
● Für Frauen wird im deutschen Gesundheitswesen 21 Prozent mehr Geld ausgegeben als für Männer. 2002 waren es sogar noch 38 Prozent. Ein Teil der Mehrkosten hat damit zu tun, dass Frauen die Kinder kriegen. Der Löwenanteil ist der Tatsache geschuldet, dass Frauen älter werden. Ohne die Kosten für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett sowie für die höhere Lebenserwartung wird für Frauen gleich viel ausgegeben wie für Männer. Das klingt fair und nicht nach einem systemischen Nachteil für Frauen.
● Frauen erhalten im Gesundheitswesen mehr Aufmerksamkeit als Männer. Sie haben deutlich mehr Termine bei Ärzten. Gespräche mit ihnen dauern länger. Die gesetzliche Krebsfrüherkennung setzt bei ihnen früher ein. Ihnen werden häufiger Medikamente verschrieben, wobei im Durchschnitt die Dosierung etwas niedriger ist.
● Last but not least: Frauen werden im Durchschnitt vier bis fünf Jahre älter als Männer. Hauptursache: Männer leben gefährlicher in Beruf und Freizeit und unsolider im Privaten (Ernährung, Rauchen, Alkohol, Risikoverhalten). Aber selbst bei Männern und Frauen, deren Lebensführung ganz ähnlich ist, sind Frauen eher im Vorteil. Das zeigt die renommierte "Klosterstudie". Für sie hat man Lebensdaten von Mönchen und Nonnen verglichen. Das Ergebnis: Auch bei Ordensleuten leben Männer kürzer als Frauen, wenn auch nur um 1,5 Jahre.
● Eine angeschlossene Studie zeigt auch, dass nichts dran ist an dem oft behaupteten schlechteren Gesundheitszustand, mit dem Frauen seltsamerweise trotzdem länger leben sollen ("Gender Health Paradox"). Der vermeintlich schlechtere Gesundheitszustand ergibt sich schlicht durch ihre längere Lebenserwartung. Nach hinten raus hat der Mensch eben mehr Beschwerden.
Längeres Leben, mehr Geld und mehr Aufmerksamkeit: All das ist noch kein Beweis dafür, dass es nicht doch Benachteiligungen von Frauen in bestimmten Medizinbereichen gibt. Aber sie nähren stark den Verdacht, dass die Benachteiligungen nicht so ausgeprägt oder relevant sind wie vermutet. Und vor allem legt es nahe, dass Männer ebenfalls benachteiligt werden, bloß an anderen Stellen, die weniger im Fokus stehen. Das Geheimnis hinter dem Befund "Gesundheitsrisiko weiblich" scheint denn auch schlicht zu sein: Besonders aussagekräftige Globaldaten wie Lebenserwartung, Gesundheitszustand, medizinischer Aufwand werden ignoriert. Stattdessen wird selektiv auf einzelne Daten geschaut, die zum gewünschten Bild passen.
3. Kate Manne ist eine Professorin an der Universität Cornell und berät die Studenten-Reporter, die dort eine angebliche "Vergewaltigung" der Studentin "Jane Doe" aufgedeckt hätten, was sie durch eigene Meinungsbeiträge unterstützt. Im Interview mit der bekannten Journalistin Katie Couric erklärt Kate Manne nun, die jetzige Generation junger Männer sollte als "die vergewaltigende Generation" etikettiert und von sozialen Medien ferngehalten werden, um sie davon abzuhalten, so viel zu vergewaltigen.
4. Das britische Magazin Spectator hat auf den Fall Cornell einen differenzierteren Blick und widmet ihm einen Meinungsbeitrag, wie man ihn in deutschen Leitmedien bezeichnenderweise nicht findet:
Der Fall von Jane Doe gegen Cornell und sieben ehemalige Studenten ist zu einem Rorschachtest geworden. Eine Lesart besagt, dass es sich um einen Fall von Gruppenvergewaltigung und institutioneller Vertuschung handelt. Eine andere Lesart, die auf den damals gesendeten Textnachrichten basiert, ist düsterer, chaotischer und weitaus unbequemer für die Empörungsindustrie. Diese Nachrichten erzählen eine andere Geschichte als das Narrativ rund um die Klage, und die "Believe Women"-Brigade würde es vorziehen, wenn Sie sie nicht lesen würden.
Am 19. Oktober 2024 besuchte Jane Doe, eine 20-jährige Cornell-Studentin, eine Veranstaltung ihrer Studentinnenverbindung in der Moonies Bar in Ithaca. Nach Angaben ihrer Klage hatte sie bis 23:00 Uhr etwa zehn Drinks getrunken. Sie ging zum Verbindungshaus der Chi Phi, um einen männlichen Freund, Matthew Ingalls, zu treffen. Ketamin war im Spiel. Weitere Männer betraten den Raum.
Die darauffolgenden Textnachrichten und Gedächtnisprotokolle enthalten Aussagen, die schwer mit der Klage in Einklang zu bringen sind. Von der Polizei gefragt, ob sie mit den frühen sexuellen Aktivitäten einverstanden gewesen sei, sagte Jane Doe: "Ich war extrem betrunken … Aber ich war mit alldem ziemlich einverstanden." Am nächsten Morgen, so eine Mitbewohnerin, erzählte sie lachend von dem Abend und sagte: "Oh mein Gott, ist das nicht verrückt?", ohne es als Vergewaltigung oder Übergriff zu bezeichnen.
(…) Sie bezeichnete den Vorfall als "Gangbang", schrieb aber: "Ich glaube nicht, dass wir uns für unseren Teil schämen sollten. Unser Körper, unsere Entscheidung."
Ich habe viele Aussagen angeblicher Vergewaltigungsopfer gelesen. Ich kann mich an keine erinnern, die einen Pro-Choice-Slogan verwendete, um einem angeblichen Vergewaltiger zu versichern, dass er sich für nichts schämen müsse.
Später änderte sie bekanntlich ihre Darstellung. Das hatte Folgen.
Zwei Männer wurden der Hochschule verwiesen, zwei suspendiert und zwei für nicht verantwortlich befunden. Scott Kretzschmar erklärt, er habe sie nie berührt, sei nur kurz eingetreten und wieder gegangen; ein Haartest auf Ketamin verlief negativ, und die Universität stellte nicht fest, dass er es von ihrem Körper geschnupft hatte. Dennoch werden online alle sieben namentlich genannt und als "die Cornell-Vergewaltiger" verurteilt.
Der ursprüngliche Staatsanwalt lehnte es 2024 ab, den Fall vor eine Grand Jury zu bringen, mit der Begründung, die Schilderung beschreibe ein einvernehmliches Verhalten, enthalte kein klares Fehlen von Einverständnis, und als Doe darum gebeten habe, aufzuhören, sei aufgehört worden.
(…) Es kann gut sein, dass etwas Schreckliches vorgefallen ist. Aber "kann" ist hier das entscheidende Wort. Die Verteidigung behauptet nicht, dass sie mit Sicherheit lügt. Sie stellt fest, dass ihre zeitgleichen Aussagen radikal von der Klageschrift abweichen und dass sich ihre Darstellung änderte, nachdem sie Kommentare von Fremden gelesen hatte. Auf dieser Grundlage ist der Zweifel nicht bloß berechtigt; er ist gewaltig. Die Unschuldsvermutung existiert genau für solche Fälle.
Wie wurde dies noch vor einer Anklage zu einer nationalen Angelegenheit? Aufgrund von zwei Wörtern: "Believe Women". Dieser Slogan begann als berechtigter Impuls der #MeToo-Bewegung: Frauen, die Übergriffe anzeigten, wurden allzu oft ignoriert. Aber aus "Frauen ernst nehmen" wurde "Glaubt Frauen, ohne Wenn und Aber". Das ist kein Rechtsgrundsatz, sondern dessen Abschaffung. Ein Gerichtsverfahren gibt es, weil wir niemandem glauben, bis die Beweise geprüft sind. Der Slogan überspringt diesen Schritt und geht direkt zur Verurteilung über.
Amerika hat die Konsequenzen gesehen. Ich habe den Epstein-Skandal umfassend untersucht und ein Buch darüber geschrieben, "Naked Lies". Die Industrie rund um die angeblichen Verbrechen von Jeffrey Epstein verlangte, dass Virginia Giuffre über jeden Zweifel erhaben sei. Dennoch zog sie 2022 ihre Anschuldigung gegen Professor Alan Dershowitz zurück und erklärte, sie habe sich bei seiner Identifizierung "möglicherweise geirrt". Es floss kein Geld.
Giuffre behauptete auch, vom damaligen Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor in New Mexico missbraucht worden zu sein. Zudem gab sie an, zum Nutzen ausländischer Präsidenten gehandelt worden zu sein, um dann 2016 in einer eidesstattlichen Aussage zuzugeben, dass die Episode in New Mexico frei erfunden war und sie nie ausländische Präsidenten getroffen hatte.
Im Fall Cornell hat der Anwalt, der Jane Doe vertritt, zuvor dafür geworben, Epstein-Opfer zu vertreten. Wir wissen noch nicht, wer auf wen zugekommen ist. Könnte die Anklägerin aus finanziellen Gründen lügen?
Es geht nicht darum, dass Frauen lügen; die meisten tun es nicht. Aber jede Anschuldigung ist eine Behauptung, und Behauptungen müssen überprüft werden. Das Versäumnis, dies zu tun, hilft Opfern nicht, es schafft welche: In Großbritannien nahm sich ein 17-Jähriger, der der Vergewaltigung beschuldigt wurde, das Leben, bevor seine Anklägerin die Anschuldigung zurückzog. Seine Mutter nahm sich im folgenden Jahr ebenfalls das Leben.
Schon die Römer wussten: "Ei incumbit probatio qui dicit, non qui negat" – Die Beweislast liegt bei demjenigen, der behauptet, nicht bei dem, der bestreitet. Dies dient uns seit zwei Jahrtausenden.
(…) Frauen glauben? Nein. Den Beweisen glauben. Das wird sich nie auf T-Shirts verkaufen, aber es ist der einzige unbestechliche Wegweiser zur Wahrheit.
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