Väter nach einer Fehlgeburt: "Sie sind doch nur der Ehemann!"
1. Stirbt ein Kind in der Schwangerschaft, richtet sich das Mitgefühl fast immer auf die Mutter. Bei der "Zeit" erzählen drei Väter, wie sie Fehlgeburten erlebt und verarbeitet haben.
2. Von einer "Herdprämie für Männer" schreibt die taz angesichts der neuen Elterngeldpläne des Familienministerums: Der Staat wolle nicht mehr das volle Elterngeld zahlen, wenn sich ein Paar die Kinderbetreuung nicht annähernd gleich aufteilt.
3. Volle 74 Menschen verloren nach Angaben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) im vergangenen Jahr auf Baustellen ihr Leben. Zudem zählt die Gewerkschaft jährlich 400 Tote infolge von Berufskrankheiten. Sie ist daher alarmiert und warnt die Beschäftigten in einer Pressemitteilung, Gefahren bei der Arbeit nicht einfach hinzunehmen.
Der Leser, der mich auf diesen Artikel darüber hinwies, merkt an: "Wenn Frauen eher tödliche Arbeitsunfälle erleiden würden, täte man bei der Berichterstattung groß drauf hinweisen." Das Wort "Männer" komme aber im gesamten Artikel nicht vor.
4. Im feministischen Lager kommt es weiterhin zu einer nicht enden wollenden Kette von Tragödien: der Geburt von Söhnen, einer Erfahrung, die als "vernichtend" beschrieben wird:
"Dieses Baby wird einen Penis haben", sagte die 32-jährige Anna, die sich zum Zeitpunkt unseres Gesprächs im zweiten Trimester befand. "Das fühlt sich so … obwohl ich verheiratet bin und einen Ehemann habe, fühlt es sich einfach fast wie etwas Fremdes an." (Ich nenne einige der Eltern und werdenden Eltern nur mit ihrem Vornamen, um ihre Privatsphäre zu schützen.) Die Angst, dass dein Kind verwirrend anders sein wird als du, geht weit über körperliche Merkmale hinaus (obwohl das Konzept der männlichen Pubertät eine weitere Quelle anatomischer Bedenken war). Wie die 34-jährige Rana Othman, Mutter eines 13 Monate alten Jungen, es ausdrückte: "Ich weiß, wie man sich als Frau in der Welt zurechtfindet, und das hat mir meine Mutter beigebracht. Ich weiß nicht, wie es ist, sich als Mann in der Welt zurechtzufinden. Ich habe keine Ahnung. Ich habe wirklich keine Ahnung." Sarah konnte dieses Dilemma nachvollziehen: "Ich weiß, wie man eine selbstbewusste Frau großzieht, die sich nichts gefallen lässt, aber ich weiß nicht wirklich, wie man einen einfühlsamen Mann großzieht." Ihr Sohn ist 4, und "im Alltag sehe ich ihn einfach als Individuum", sagte sie. "Aber hin und wieder löst irgendetwas bei mir so eine Reaktion aus, bei der ich denke: Oh, Scheiße. Es ist wie eine riesige Verantwortung, die auf mir lastet, das Problem der weißen Männer zu lösen."
(…) Ein Freund kam zu Besuch, als ich schwanger war, und zählte die verschiedenen Gründe auf, warum sein kleiner Sohn schwieriger zu bändigen sei als seine engelsgleiche Tochter. Er erzählte das alles so beiläufig, als wäre ihm gar nicht bewusst, dass er damit meine schlimmsten Befürchtungen bestätigte. Doch meine Sorge, dass kleine Jungen kleine Terroristen sind, ist weniger ein alarmierendes potenzielles Problem als das, worauf Sarah und andere anspielten. Ich war so sehr damit beschäftigt, mir Sorgen zu machen, dass mein wildes Kind niemals still in einer Ecke lesen wollen würde, dass ich mich der Möglichkeit, er könnte in die "Manosphere" hineingezogen werden, nicht voll und ganz gestellt hatte.
(…) Als ich in meinen sozialen Medien einen Aufruf an Eltern richtete, ihre Erfahrungen mit der Enttäuschung über das Geschlecht ihres Kindes zu teilen, erhielt ich eine Flut von Direktnachrichten von Müttern. Es war schwieriger, Väter zu finden, die – zumindest anfangs – enttäuscht waren, einen Sohn zu bekommen, aber es gibt sie, und ich habe für diesen Artikel mit zwei von ihnen gesprochen. Der 30-jährige Cameron erzählte mir, dass er sich zwar ursprünglich eine Tochter gewünscht hatte, sich aber keine besonderen Sorgen darüber machte, einen Jungen großzuziehen. Er räumte ein, dass sein Sohn vielleicht "etwas wirklich Schlimmes" tun könnte, glaubt aber nicht, dass er darauf Einfluss nehmen kann. Was er tun kann, ist, seinen Sohn zu lieben und dafür zu sorgen, dass er "positive Menschen um sich hat". Camerons Beharren darauf, nicht persönlich für die hypothetischen zukünftigen Handlungen seines Sohnes verantwortlich zu sein, stand in krassem Gegensatz zu den Gefühlen einiger Mütter. Viele von ihnen plagt – meiner Meinung nach zu Unrecht – ein starkes Gefühl der Verantwortung für das zukünftige Verhalten ihrer Söhne. Cassie Wood-Triplett, 34 Jahre alt und Mutter eines 6-jährigen Jungen, erzählte mir, dass sie sich oft fragt: "Wie schaffe ich es, dass er Empathie entwickelt und nicht zu einem schrecklichen Mann heranwächst, denn es gibt so viele schreckliche Männer?"
Die Betroffenen haben mein volles Mitgefühl für diesen schweren Schicksalschlag.
5. Ein Samenspender aus Kansas, der vor fünf Jahren einem lesbischen Paar durch seine Spende helfen wollte, ist nun in einen Unterhaltsstreit verwickelt und wird vom Staat zur Zahlung von Unterhalt aufgefordert.
6. In Großbritannien hat inzwischen jeder fünfte Junge entweder selbst eine Künstliche Intelligenz als Partner-Ersatz oder kennt einen solchen Jungen. Während "kennt einen solchen Jungen" natürlich den Sinn hat, die Betroffenenzahlen hochzujazzen (wenn in einer Schulklasse einJunge bekanntermaßen eine AI-"Freundin" hat, zählen plötzlich zum Beispiel 30 Schüler als betroffen), gibt diese Entwicklung trotzdem Anlass zur Besorgnis. "Diese Apps wurden entwickelt, um Daten zu sammeln und mit den Nutzern Geld zu verdienen. Sie wollen, dass die Nutzer sich mit einem Charakter identifizieren und ihn regelmäßig nutzen", sagt Lee Chambers von der Organisation Male Allies. "Sie ermutigen die Nutzer, ihren ‚Partnern‘ virtuelle Geschenke zu kaufen – Rosen, Schmuck, virtuelle Pralinenschachteln –, die nur in der App existieren. Während das für ältere Menschen seltsam erscheinen mag, ist der Kauf digitaler Güter für junge Menschen ganz normal: Sie sind es gewohnt, für eine Spieluniform oder eine neue Waffe in Fortnite zu bezahlen. Letztendlich monetarisieren sie die Einsamkeit der Menschen und verstärken diese Einsamkeit, um mehr Geld zu verdienen."
7. In eigener Sache: Ich bin seit gestern nicht mehr auf X/Twitter. Über Pfingsten wurde mein Konto von einem Account in Kalifornien gehackt – vermutlich nicht gezielt ich persönlich, sondern routiniert im größeren Ausmaß –, um es für Scam und andere verbotene Aktionen zu nutzen. Ich änderte mein Passwort – das war noch möglich – und informierte Twitter über die Sachlage, worauf ich sehr zügig eine offenbar automatisch erstellte Mitteilung erhielt, dass diese Sperrung endgültig sei. Es gibt keine einfachen Wege, um mit einem echten Menschen bei X Kontakt aufzunehmen, sich einfach mit einer neuen Mailadresse anzumelden bringt nichts, und ich frage mich, ob aufwändigere Wege die Mühe wert sind. Schon seit einiger Zeit bin ich nicht sehr glücklich damit, kostenloser Content-Creator für Elon Musk zu sein, was man bei Twitter ja automatisch ist, wollte wegen meines Netzwerks dort die Plattform aber auch nicht einfach verlassen. Jetzt hat mir Twitter die Entscheidung abgenommen.
Wer einen Genderama-Beitrag so gut findet, dass er ihn auf Twitter setzen möchte, kann leicht einen entsprechenden Link erzeugen, indem er auf die Uhrzeit unter dem Beitrag klickt. Wer mit mir in Kontakt bleiben möchte, kann das auch über meine bislang kaum aktiv genutzten Konten bei Instagram oder Bluesky tun, darf aber in den nächsten Tagen erst mal nicht mit einer Flut neuer Beiträge rechnen. Außerdem bin ich natürlich seit vielen Jahren auf Facebook. Auf X empfiehlt es sich, statt mir zum Beispiel "Bombe 20" zu folgen; wir sind bei den meisten männerpoitischen Fragen derselben Meinung.
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