Warum Frauen zu Komplizen von Sexualstraftätern werden
Sagte ich hier schon mal, dass sich an manchen Tagen erwähnenswerte Beiträge häufen und man an anderen Tagen so gar nichts findet? Das stimmt immer noch.
1. Die Frankfurter Allgemeine beschäftigt sich damit, warum Frauen "Komplizen von Sexualstraftätern werden". (Die Frage, warum Frauen zu Tätern werden, war wohl zu kühn für dieses Blatt.) Schon, die Frage legt nahe, dass dies irgendwie erklärungsbedürftig wäre, so als ob das Fehlen eines y-Chromosoms es verhindern würde, dass man solche Taten begeht. Nun ja. Ein Auszug aus dem Artikel:
Die Journalistin Tara Palmeri, die 2021 in einer Recherche für das Magazin "Politico" die Rolle der Frauen im System Epstein beleuchtete, schrieb, man stelle sich diese Gruppe am besten als Pyramide vor. Unter der unangefochten an der Spitze stehenden Maxwell arbeitete eine Schar von Assistentinnen, die die Mädchen für Epsteins Missbrauch einplanten und verwalteten. Außerdem, so Palmeri, gab es jene Frauen, die dem Milliardär ihre Freundinnen zuführten und dafür Geschenke erhielten. Im Laufe der Jahre wechselten nicht selten Opfer die Seite und wurden zu Täterinnen. Sie selbst, schreibt Palmeri, sei von der schieren Zahl der Frauen um Epstein überrascht gewesen. "Viele Betroffene sagten, sie fühlten sich besonders von denen verraten, die gegen die unausgesprochene Regel verstießen: dass Frauen andere Frauen schützen, besonders Minderjährige."
Welche Frauen-sind-bessere-Menschen-Combo soll solche Regeln aufgestellt haben?
Weibliche Täterschaft irritiert, weil sie verbreiteten kulturellen Stereotypen wie dem der friedfertigen, einfühlsamen Frau widerspricht. Die Sozialwissenschaftlerin Christina Thürmer-Rohr prägte bereits in den Achtzigerjahren den Begriff der "Mittäterschaft von Frauen". Damit wandte sie sich gegen eine Verklärung der Frau als reines Opfer des Patriarchats. Sie schrieb, dass Frauen nicht nur Opfer patriarchaler Gewalt seien, sondern diese "auch mittragen, absichern und organisieren können". Frauen, so Thürmer-Rohr, "steigen auch eigentätig ein, gewinnen Privilegien, ernten fragwürdige Anerkennung und profitieren von ihren Rollen, sofern sie sie erfüllen". Oft nutzen Täterinnen Eigenschaften, die als typisch weiblich gelten, wie Empathie oder Fürsorglichkeit, um das Vertrauen ihrer Opfer zu gewinnen.
Man würde sich weniger einen Knoten ins Hirn machen, wenn man auf "kulturelle Stereotypen", also Klischees und Vorurteile, verzichten würde – von "typisch weiblichen Eigenschaften" bis zur Existenz eines ominösen "Patriarchats". Wenn Frauen und Männer in Täterschaft vereint sind, dann ist eine künstliche Trennung, nur um unsere Vorurteile zu bewahren, nicht sinnvoll.
"Eigentätig eingestiegen" ist auch Angelika W. im Fall Höxter. Sie gab sich als die harmlose, freundliche Schwester oder Vertraute ihres Partners Wilfried W. aus. Von 2011 bis 2016 lockte das Paar Frauen über Kontaktanzeigen in ihr Haus im ostwestfälischen Bosseborn bei Höxter. Im Keller des Hauses hielten sie mehrere Frauen gefangen, quälten und folterten sie. Infolge der Misshandlungen starben zwei Frauen. Der minder intelligente und von seiner Mutter dominierte Wilfried W. und Angelika W. ergänzten sich offenbar perfekt. Die forensische Psychiaterin Nahlah Saimeh, die Angelika W. begutachtete, attestierte ihr ein "hohes Maß an Mitleidlosigkeit". In einem Gespräch mit Angelika W. sagte Saimeh zu ihr, sie wäre eine gute KZ-Wächterin gewesen. Angelika W. fühlte sich geschmeichelt. Das Zusammenspiel mit Wilfried W. formulierte Saimeh einmal so: "Er setzt die Regeln, wie Mutti sie vorgegeben hat. Sie akzeptiert das vorbehaltlos, aber sie perfektioniert das System. Und beide verschwören sich gegen eine dritte schwächere Person."
~ Patriarchat, ganz klar. ~
Gesteigert wird die Perversion in jenen Fällen, in denen sich Paare gemeinsam sexuell an ihren Kindern vergehen. Eine Mutter und ihr Lebensgefährte aus Staufen im Breisgau missbrauchten den zu Beginn des Martyriums siebenjährigen Sohn der Frau sowie ein dreijähriges Mädchen. Im Netz bot das Paar den Jungen zum Missbrauch an. Als der Fall 2018 an die Öffentlichkeit kam, sagte der Präsident des deutschen Kinderschutzbundes der "taz": "Dass eine Mutter hilft, ihren leiblichen Sohn Freiern im Netz zum Missbrauch anzubieten, habe ich mir bisher auch nicht vorstellen können." Es komme vor, dass Mütter vor dem Missbrauch in der Familie die Augen verschließen, das sei bei Missbrauchsfällen ein gängiges Muster. Aber für diese Art von krimineller Energie bei einer leiblichen Mutter habe ihm auch nach fünfundzwanzig Jahren, die er sich mit solchen Fällen beschäftige, die Phantasie gefehlt.
Weil wir eine Kultur haben, die wie besessen auf den Fehltritten von Männern herumhämmert und die von Frauen als systembedingt entschuldigt. Man könnte gegen sexuelle Gewalt entschiedener vorgehen, wenn man aufhören würde, in Frauen Verkörperungen von Engelwesen zu sehen.
2. "Teilzeit für die Kinder: Warum Väter sich das oft nicht trauen" titelt der MDR. Ein Auszug:
Bei seinen Vorgesetzten sei die Ankündigung, 12 Monate Elternzeit nehmen zu wollen auf wenig Verständnis gestoßen, erzählt Julian. Ein Grund sei die späte Ankündigung gewesen, räumt er ein. Er und seine Frau hätten die Schwangerschaft sehr lange für sich behalten, aus Angst, dass wieder etwas schief geht. "Also habe ich eine Abmahnung kassiert und einen Monat kein Gehalt bekommen. Man ist da sehr empathielos mit mir umgegangen."
Julian hat aber auch Verständnis für seinen damaligen Arbeitgeber. "Das sind zwei Drittel Männer dort. Und die arbeiten schon seit Jahrzehnten in diesem Schicht-System. Sieben Tage Spät, sieben Tage Nacht, sieben Tage Früh. Dann drei Tage mit der Familie und dann wieder von vorn."
Er hat Verständis für seinen Arbeitgeber, weil die dortige Ausbeutung von Männern seit Jahrzehnten etabliert ist. (Es mag Gründe geben, warum Schichtarbeit notwendig ist, aber "machen wir schon seit immer so" ist keiner.)
Nach der Elternzeit versuchte Julian, in die Firma zurückzukehren, scheiterte aber daran, das Schichtsystem mit der Kinderbetreuung zu vereinbaren. Er kämpfte um Teilzeit, bekam aber nur das Angebot, die Wochenend-Schichten einer Kollegin zu übernehmen. An den Wochenenden immer arbeiten, das wollte er auch nicht. Er verließ das Unternehmen.
Bei der Jobsuche sei es dann wiederholt an seinem Teilzeitwunsch gescheitert. "Bei einer Firma, zu der ich eigentlich sehr gern wollte, hat der Chef gleich die Karten auf den Tisch gelegt und gesagt 'Du, Kinder sind was Tolles, aber wir können keine Teilzeit-Kraft gebrauchen, die ständig wegen des Kindes ausfällt.'"
Schau an. Ich lese sonst ständig, die "Teilzeitfalle" treffe allein Frauen. Weil Journalisten das Raster "Geschlechterkampf" lieber ist als die Perspektive auf eine möglicherweise überholte Unternehmenskultur.
Michaela Hermann, Expertin für nachhaltige soziale Markwirtschaft bei der Bertelsmann-Stiftung, erklärte bei MDR AKTUELL, vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sei es unerlässlich, dass Sorgearbeit gleichmäßiger aufgeteilt werde. Sie weist aber auch darauf hin, dass es aktuell aus ökonomischer Sicht wenig Anreize dafür gibt. "Die Entscheidung, wer sich aus dem Erwerbsleben zurückzieht und die Sorgearbeit übernimmt, ist meist eine ökonomische."
Durch den Gender Pay Gap bringe meistens der Vater mehr Geld nach Hause als die Mutter, erklärt Hermann. "Das heißt, das Haushaltseinkommen bleibt stabiler, wenn die Frau kürzer tritt. Das ist eine rationale ökonomische Entscheidung, die man keinem Paar vorwerfen kann."
Und der Gender-Pay-Gap fällt vom Himmel und hat nichts damit zu tun, dass Frauen sich auch aus anderen als ökonomischen Gründen für ein vielschichtigeres Leben als Männer entscheiden? Er hat nichts damit zu tun, dass viele Frauen immer noch einen Ernährer und beruflich erfolgreichen Mann als Partner bevorzugen, um selbst stärker an der Erziehung ihrer Kinder teilzuhaben und von mehr Tagesfreizeit zu genießen?
3. Der Bonner General-Anzeiger beschäftigt sich mit der großen Enttäuschung, wenn der Nachwuchs ein Junge wird. Leider Bezahlschranke. Diese Schranke gibt es nicht bei Österreichs Standard, der dasselbe Thema anspricht:
Was genau macht Töchter so erwünscht? Die Antworten darauf sind selten offen ausgesprochen, aber Forschende interpretieren den Trend so: Mädchen gelten als empathischer, ruhiger und beziehungsfähiger. Als näher an dem, was man sich heute von einem "guten Menschen" erhofft. Buben hingegen erscheinen vielen als Herausforderung. Als laut, wild, potenziell problematisch. Als diejenigen, aus denen irgendwann Männer werden.
Und wer will so was schon in die Welt setzen? Erfreulicherweise stellt der Artikel dann die richtigen Fragen: ob Männer vielleicht nicht deswegen eher Probleme machen, weil Männer nun mal minderwertig wären, sondern weil ihnen unser System nicht gerecht wird.
Zahlen wie diese verstärken den Eindruck, Buben sind problematisch. Dabei sagen sie wenig über biologische Unterschiede aus und viel über gesellschaftliche Erwartungen, über ein Bildungssystem, das Anpassung belohnt, und über Vorstellungen von Männlichkeit, die wenig Raum für Verletzlichkeit lassen. Da sollte man ansetzen und sich fragen: Was brauchen Burschen, damit es ihnen besser geht? (…) Kinder werden nicht als Problem geboren. Sie werden dazu gemacht oder eben nicht.
(…) Ein Bub ist kein künftiger Täter, kein Symbol für patriarchale Strukturen. Zunächst einmal ist er ein Kind. Man muss Eltern, die einen Buben erwarten, also weder bemitleiden, noch muss man Influencerinnen, die ihr "Gender Disappointment" öffentlich breittreten, applaudieren.
4. Die Süddeutsche Zeitung hat einen Verhaltensökonomen danach befragt, welche Faktoren Menschen bei politischen Wahlen beeinflusst. Eine seiner Antworten: "Schaut man auf das Geschlecht, dann werden Frauen von den Wählerinnen und Wählern leicht bevorzugt."
5. Der Deutschlandfunk beschäftigt sich mit Strukturen, die Männer offensiv ausgrenzen: "Auf der Berlinale setzt sich fort, was im privaten wie digitalen Raum Konsens zu sein scheint: Männer stören einfach."
Da ist zum einen der größere Spaß, den frau angeblich ohne sie hat: beim Wellnesswochenende oder Mädelsabend etwa oder dem gemeinsamen Konsum mittelmäßiger Romcoms – romantischer Komödien – nach ein paar Runden Prosecco. Männer sind hier wie dort als Thema omnipräsent, frau lästert umfassend, analysiert Text- und Sprachnachrichten von Kandidaten oder Abzuservierenden und hechelt optische und sonstige Vorzüge designierter Toyboys durch.
(…) Last und sicherlich least sind Männer insgesamt im Leben der Frauen unerwünscht, weil sie es insgesamt verkackt haben. Eine Spezies, die all die Wein- und Epsteins, die Trumps und Pélicots hervorgebracht hat, muss in Summe gecancelt werden. Hashtags wie menaretrash, boysobriety oder zuletzt heterofatalismus praktizieren auf Social Media im handelsüblichen Empörungsduktus vielstimmiges Männerbashing. Toxisch bleibt toxisch, da helfen keine Therapien und keine Treueschwüre.
(…) Es scheint, je mehr Männer sich Mühe geben, Muster zu überwinden, Weiblichkeitsanteile in sich zu stärken und hin und wieder sogar auf Privilegien zu verzichten, desto verlorener ihr Posten. Es ist nicht genug, es wird nie reichen. Es reicht allein den Frauen. Sisters are doing it for themselves. (…) Diversität zu fordern, ohne ein Miteinander der Geschlechter als Grundlage zu sehen, scheint mir ein Widerspruch in sich zu sein.
Dieser Widerspruch ist derartig offenkundig, dass man sich schon fragt, warum etliche Frauen ihn nicht sehen (wollen).
6. Es gibt erfreuliche Gegenbeispiele. Das Hamburger Abendblatt porträtiert eine Frau, die sich gegen Eltern-Kind-Entfremdung engagiert:
Heute ist sie im Vorstand des Väter-Netzwerks Nürnberg, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Als Frau fühlt sie sich unter Vätern wohl: "Ich halte nichts von der Spaltung von Müttern und Vätern. Beide Seiten sind von Entfremdung betroffen." Die Kooperation mit anderen Verbänden wie Papa Mama Auch, dem Väteraufbruch für Kinder, dem Forum Soziale Inklusion, den Eltern für Kinder im Revier oder der Bundesinitiative Großeltern ist Julia Leykauf sehr wichtig. "Man muss sich vernetzen und die Zusammenarbeit mit anderen Mitstreitern und Mitstreiterinnen suchen."
7. Auch die "taz" beklagt das Fehlen von Männern, allerdings speziell der feministischen Männer. Aufhänger ist die sinkende Zahl von Eheschließungen, worüber frau sich bei der "taz" allerdings freut:
Aus feministischer Sicht ist die zunehmende Hetero-Ehelosigkeit ein voller Erfolg. Schließlich ist die Ehe eines der Fundamente des Patriarchats und der männlichen Kontrolle über Frauen. Um das zu verschleiern, wird Heiraten bis heute romantisch verklärt, eine Hochzeit als schönster Tag des Lebens betitelt. Eine ganze Industrie macht gute Geschäfte damit.
Studien zeigen zwar, dass sich rund drei von vier Frauen eine Partnerschaft wünschen, allerdings wollen die meisten auch einen feministischen Partner. Das Problem: Davon gibt es nicht viele. Das untermauern gruselige Zahlen: Laut einer Umfrage von YouGov bezeichnet sich nicht einmal jeder zwölfte Mann als Feminist. Eine andere YouGov-Umfrage zeigte, dass nur jeder dritte Single-Mann eine Partnerschaft auf Augenhöhe haben will.
Wenn sich nicht einmal jeder zwölfte Mann als Feminist bezeichnet – was macht den Feminismus dann derart unattraktiv? Und die von der taz verlinkte verlinkte Yougov-Umfrage zeigt keineswegs, "dass nur jeder dritte Single-Mann eine Partnerschaft auf Augenhöhe haben will." Sie zeigt, rund die Hälfte der Männer glaubt, Frauen seien bereits gleichgestellt. Ich weiß nicht, wie man das einer taz-Journalistin erklären kann, aber das sind zwei unterschiedliche Dinge. Dass die Kommentarfunktion unter dem Titel geschlossen ist, verwundert bei derart offensichtlichen Schnitzern nicht.
8. Die "Welt" berichtet über Frauen, die Männern abgeschworen haben: "Wenn ihr Vibrator Rasen mähen könnte, bräuchte sie keinen Mann." Was ein Zeichen von gefährlichem Extremismus sein soll, wenn Männer keine Partnerschaften mit Frauen möchten, erntet umgekehrt großes Verständnis.
Johanna hat keine Lust mehr auf Männer. Ich sitze mit ihr und einer weiteren Freundin, Friederike, in einer Trattoria. Johanna zeigt nun gelangweilt ihre Matches auf Tinder. "Der sieht doch gut aus", sage ich, als ich das Bild eines Mannes auf ihrem Handy sehe, der seinen Golden Retriever gerade Pfötchen geben lässt, aber sie schaut uns nur desillusioniert an: "So Typen kenne ich, kann man vergessen. Der würde dir stundenlang von Hundeerziehung erzählen. Eigentlich kann man sie alle vergessen. Entweder sie labern dich zu, von wegen was für ‚ein Typ Mensch‘ sie sind, oder sie sind so charismatisch wie meine Zahnbürste und kriegen keinen geraden Satz raus."
Friederike verdreht zustimmend die Augen: "Ja. Entweder selbstverliebt oder langweilig. Meine besten Abende habe ich, wenn ich allein mit den Kindern bin und Hanno auf Dienstreise. Sobald er die Tür aufmacht, sinkt meine Laune."
Weil das natürlich nicht reicht, legt die "Welt" noch mal nach: "Ich habe keine Lust mehr auf Dates – und ja, es liegt an den Männern". Selbstverständlich, an wem auch sonst? Alles minderwertiger Ausschuss überall.
9. Konstanz will ein Frauennnachttaxi einführen. Die Aktivistinnen, die das fordern, sind trotzdem unwirsch, denn es geht ihnen nicht schnell genug.
Sie finden die Aussagen einiger Stadträte, nach denen auch Männer Opfer von Gewalt werden können, "beschämend", denn "darum geht es hier nicht."
Es bleibt unerklärlich, warum nur jeder zwölfte Mann mit Feminismus etwas anfangen kann.
10. In Österreich gibt es eine Männerdemo gegen Männergewalt. Die Reklame dafür ist so offen agitatorisch, dass es weh tut: "Natürlich bringen nicht alle Männer Frauen um. Aber was machst du konkret dagegen?" Dagegen, dass nicht alle Männer Frauen umbringen? Der Veranstalter der Demo wird interviewt:
Die Demo richtet sich nur gegen Gewalt von Männern. Warum nicht gegen Gewalt allgemein?
Zeisberger: Weil es ganz konkret darum geht, Männer anzusprechen. Natürlich gibt es auch weibliche Gewalt. Aber jetzt geht es nicht darum.
"Jetzt" nicht, aha. Und wann sonst wird auch gegen Frauengewalt und für die Anliegen männlicher Opfer demonstriert?
Der Veranstalter führt weiter aus:
Ständig nur zu posten: "Not all men!" bringt nichts. Natürlich will niemand mit Tätern gleichgesetzt werden. Aber was machst du konkret? Lachst du bei sexistischen Witzen? Schweigst du, wenn ein Mann etwas Sexistisches sagt? Oder trittst du auch dagegen auf und sagst etwas?
Endlich mal ein paar gute Tipps, wie man als Einzelner Morde verhindern kann: nicht mehr bei sexistischen Witzen lachen. Zeisberger hat aber auch ein paar sinnvollere Vorschläge:
Therapie muss einfacher zugänglich werden. Wir müssen sie entstigmatisieren und es muss normal werden, dass wir sie in Anspruch nehmen. Dazu müssen aber auch finanzielle und logistische Hürden fallen. So wie es normal ist, dass man zum Hausarzt oder zur Hausärztin geht, muss ein Therapieplatz finanziert sein. In einer Gesellschaft, in der wir Milliarden für alles Mögliche ausgeben, müssen die paar Millionen drinnen sein.
Ich glaube, Zeisberger unterschätzt die Möglichkeiten erheblich, massenhaft Therapeuten auszuheben. Aber eine Psychotherapie auch für Männer attraktiver und zugänglicher zu machen, ist seit langer Zeit schon Thema hier auf Genderama.
Der Leser, der mich auf dieses Interview aufmerksam machte, schreibt mir dazu:
Auch in Österreich sind Männer häufiger Gewaltopfer als Frauen. Der Ansatz dieser Demo hat was von religiöser Erbsünde. Kollektive Haftung für individuelle Taten ist reaktionär und fällt hinter die Aufklärung zurück.
11. Eine Frau aus Minnesota ist angeklagt, ihren Partner getötet zu haben, nachdem er ihr den Sex verweigerte. Schuld war vermutlich der Mann und sie nur Komplizin, weil: Patriarchat. Und überhaupt, "darum geht es gerade nicht".
12. In einem aktuellen Video stellt Professor Dr. Christian Rieck eine aktuelle Studie vor, die untersucht, wie Künstliche Intelligenzen bestimmte gesellschaftliche Gruppen systematisch benachteiligen. Die Studie zeigt, dass KIs bei identischen Anfragen – etwa zu Darlehensanträgen oder Bewerbungen – Frauen gegenüber Männern bevorzugen.
13. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:
Ich freue mich, dass Sie sich kritisch mit der Gewaltstudie des BKA befasst haben, nachdem mich die meisten Medienberichte doch fassungslos zurückgelassen haben. Zu einem Punkt habe ich bislang noch nichts gefunden: Warum wurden alle möglichen Gewaltformen innerhalb von Partnerschaften abgefragt, während die Fragen zur Gewalt außerhalb von Partnerschaften auf sexuelle und digitale Formen beschränkt wurden?
Damit wurden ausgerechnet die Gewaltformen außer Betracht gelassen, von denen Männer überproportional betroffen sind - und die auch in der Gesamtbetrachtung dazu führen, dass die Opfer von Gewalt meist männlich sind.
Leider kann ich diese Frage nicht beantworten, ohne zynisch zu werden, und das wollen wir ja alle nicht. Mal schauen, was die Künstliche Intelligenz dazu meint:
Viele groß angelegte Gewaltstudien werden ausdrücklich als Untersuchungen zu Gewalt gegen Frauen konzipiert, weil sie aus konkreten politischen, rechtlichen und institutionellen Aufträgen hervorgegangen sind, nicht primär aus einem Anspruch, das gesamte Gewaltgeschehen geschlechtsneutral abzubilden. Dahinter stehen mehrere strukturelle Gründe.
1. Politische und rechtliche Mandate
Internationale Abkommen verpflichten Staaten ausdrücklich dazu, Gewalt gegen Frauen gesondert zu erfassen und zu bekämpfen. Ein zentraler Bezugspunkt ist die Politikarbeit des UN Women sowie europäische Vorgaben des Council of Europe, insbesondere durch Konventionen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Wenn Staaten solche Verpflichtungen erfüllen, entstehen Studien, deren Design bereits auf diese Zielgruppe zugeschnitten ist.
Das deutsche Bundeskriminalamt führt Forschung nicht nur aus eigenem wissenschaftlichem Interesse durch, sondern auch aufgrund politischer und rechtlicher Verpflichtungen. Deutschland hat internationale Abkommen ratifiziert, die verlangen, bestimmte Gewaltformen regelmäßig zu erfassen und darüber zu berichten. Nationale Behörden müssen daher Daten liefern, selbst wenn das Themenfeld politisch priorisiert wurde.
2. Historische Forschungslücken
Viele dieser Studien entstanden in einem Kontext, in dem politische Entscheidungsträger argumentierten, dass Gewalt gegen Frauen – besonders häusliche und sexualisierte Gewalt – statistisch untererfasst sei (geringe Anzeigequote, fehlende systematische Erhebungen). Große Spezialstudien sollten diese Datenlücke schließen. Sie waren daher themenzentriert (Gewalt gegen Frauen) statt gesamtgesellschaftlich angelegt.
3. Zweckgebundene Finanzierung
Forschungsprogramme werden häufig aus Haushaltslinien finanziert, die explizit auf "Gewalt gegen Frauen", "Opferschutz für Frauen" oder "Gleichstellungspolitik" ausgerichtet sind. Wenn Förderprogramme so definiert sind, orientiert sich auch das Studiendesign daran – schon aus praktischen Gründen, weil Förderziele erfüllt werden müssen.
4. Politik- und Maßnahmenorientierung
Viele dieser Studien sollen nicht nur Gewalt messen, sondern konkrete Politikmaßnahmen vorbereiten (Schutzangebote, Interventionsprogramme, Präventionskampagnen). Da zahlreiche Schutzstrukturen (Frauenhäuser, spezialisierte Beratungsstellen) historisch für weibliche Opfer aufgebaut wurden, richtet sich ein Teil der Forschung gezielt auf die Bedarfsplanung für diese Einrichtungen.
In diesem Sinne sind viele staatliche Gewaltstudien zugleich wissenschaftliche Untersuchungen und politikgetriebene Informationsinstrumente – eine Kombination, die in nahezu allen Bereichen amtlicher Sozialforschung üblich ist.
Okay, ich hätte dasselbe erklären können, aber es klingt viel nüchterner und eleganter, wenn eine KI das tut und böse Wörter wie "Femokratie" dabei vermeidet.
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