Donnerstag, Februar 05, 2026

Vorwürfe sexueller Übergriffe: Neil Gaiman verteidigt sich gegen "Schmutzkampagne"

1. Neil Gaiman, einem der bekanntesten Fantasy- und Phantastik-Autoren unserer Zeit, wurde 2024 vorgeworfen, sich sexuell übergriffig verhalten zu haben. Vor fast exakt einem Jahr habe ich hier die Argumentation einer Feministin veröffentlicht, der zufolge Gaiman unschuldig sein dürfte. Jetzt hat sich Gaiman selbst noch einmal dazu geäußert:

Neil Gaiman hat weiterhin die Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens bestritten und bezeichnete sie als "Verleumdungskampagne", wobei er behauptete, es gäbe "E-Mails, Textnachrichten und Videobeweise, die ihnen eindeutig widersprechen".

In einer neuen, ausführlichen Erklärung, die Gaiman am Montag, dem 2. Februar, auf Bluesky teilte, sagte der Autor von "Good Omens", es sei "ein zeitweise alptraumhaftes eineinhalb Jahre" gewesen, und erwähnte auch ein neues Schreibprojekt, an dem er arbeite. "Diese Anschuldigungen, insbesondere die wirklich reißerischen, wurden von Menschen verbreitet und verstärkt, die viel mehr an Empörung und Klicks auf Schlagzeilen interessiert zu sein schienen als daran, ob die Dinge tatsächlich passiert sind oder nicht. (Sind sie nicht.)", sagte Gaiman in seinem ersten öffentlichen Kommentar zu den Vorwürfen seit fast einem Jahr.

(…) In seiner Erklärung am Montag sagte Gaiman, er sei "erstaunt" darüber, wie viel von der Berichterstattung über die Vorwürfe "einfach eine Echokammer war und wie die tatsächlichen Beweise abgetan oder ignoriert wurden".

Gaiman hat alle Vorwürfe gegen ihn bestritten. Seitdem wurde er von mehreren Projekten abgesetzt, die auf seiner Arbeit basieren, darunter "Anansi Boys" und die letzte Staffel von "Good Omens" auf Amazon.


Gaiman erklärte weiter:

"Was mich in diesem ganzen Wahnsinn am Leben gehalten hat, ist die Überzeugung, dass die Wahrheit irgendwann ans Licht kommen wird." Seit der Veröffentlichung der Anschuldigungen hat der Comicverlag Dark Horse die Zusammenarbeit mit Gaiman beendet, und auch DC Comics hat eine Neuauflage seiner Sandman-Reihe aus dem Programm genommen. Auch eine geplante Theateradaption von Gaimans Kinderbuch Coraline wurde abgesagt.

Gaiman erklärte auch, sein eigenes Motto sei: Wenn die Dinge schwierig werden, mach' gute Kunst. Und obwohl sich viele Fans von ihm abgewandt haben, habe er diese Zeit genutzt, um einen neuen Roman zu schreiben. Außerdem verbringe er die Hälfte jedes Monats damit, ein Vollzeit-Vater zu sein.


Dass zahllose Menschen bis heute nicht in der Lage sind, zwischen Vorwürfen und Tatsachen zu unterscheiden, bleibt ein gewaltiges Problem.



2. Die FOCUS-Redakteurin Tanit Koch beschäftigt sich mit der fehlenden Gerechtigkeit beim Kriegsdienst:

Vor wenigen Tagen wagte sich die Frauenunion an ein Thema, das direkt vom kommunikativen Lifestyle- und Dental-Fiasko der Christdemokraten verdrängt wurde – leider. Denn es verdient Aufmerksamkeit.

Die Unionsfrauen, von vermeintlich feministischer Seite gelegentlich als Hausfrauenunion verspottet, fordern in einem Antrag für den CDU-Bundesparteitag am 20. und 21. Februar: Nicht nur für junge Männer sollte der neue Wehrdienst-Fragebogen verpflichtend sein. Sondern auch für junge Frauen.

Verwegen. Ein Fragebogen! Perspektivisch steckt aber natürlich dahinter, dass auch Frauen Wehr- oder Ersatzdienst leisten sollen.

Es ist interessant, dass diejenigen, die sonst bei jeder Gelegenheit auf Genderneutralität und Unisex pochen, bei der Frage "Frauen in Flecktarn" entweder sehr still sind – oder dagegen.

Carmen Wegge etwa, Chefin der SPD-Frauen, sagte im Deutschlandfunk, sie lehne in Bezug auf Frauen und Bundeswehr alles ab, "was mit Zwang und Verpflichtung zu tun hat". Frauen sollten, wie bereits bisher, "gleichberechtigt freiwillig zur Bundeswehr gehen".

Gleichberechtigt freiwillig. Finde den Fehler. Wobei: In Artikel 3 Grundgesetz steht ja auch nur, "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" – nicht etwa "gleichverpflichtet".

(…) Mal am Anfang, mal am Ende der Diskussion muss dann die Verfassung herhalten: Artikel 12a zufolge dürfen Frauen "auf keinen Fall zum Dienst mit der Waffe verpflichtet werden". Darauf zu beharren, ist jedoch ein Argument der Kategorie "Geht nicht, weil: geht nicht".




3. Das Blog Schwulissimo berichtet:

Die Texas A&M Universität stellt ihren Studiengang für Gender Studien ein. Das gab die Hochschulleitung jetzt bekannt. Die Entscheidung fällt vor dem Hintergrund einer universitätsweiten Überprüfung des Kursangebots, demnach immer weniger Studenten Interesse an einem solchen Studiengang haben. Die Kosten, das Studienfach weiter anzubieten, seien damit zu hoch, betonte die Campusleitung. Der Beschluss folgt demnach einem neuen Trend in den USA, immer mehr Universitäten haben Fächer im Bereich Gender inzwischen beendet, darunter unter anderem die University of Iowa, die Wichita State University in Kansas und die University of California, Santa Cruz.

Auslöser der Überprüfung in Texas war ein Video, das im vergangenen Jahr viral ging und einen Studenten zeigte, der eine Professorin wegen Unterrichtsinhalten zur Geschlechtsidentität konfrontierte. Der Vorfall führte zu öffentlicher und politischer Kritik. Interimspräsident Tommy Williams traf dann schlussendlich die Entscheidung zur Einstellung des Studiengangs aufgrund geringer Studentenzahlen und den hohen Kosten, die dem gegenüberstehen.

"Wir wissen, dass dies eine verheerende Nachricht ist. Doch eine der zentralen Aufgaben von Universitätsleitungen ist der verantwortungsvolle Umgang mit öffentlichen Mitteln. Selbst die kleinsten Programme erfordern fortlaufende Investitionen in Lehrkapazitäten, personelle Unterstützung und administrative Aufsicht", so ein Sprecher des Interimspräsidenten gegenüber der Texas Tribune.

Texas A&M bot in der Frauen- und Gender-Forschung einen Bachelor of Arts, einen Bachelor of Science, ein Nebenfach sowie ein Zertifikat für Graduierte an. Derzeit sind nur noch 25 Studenten im Hauptfach und 31 Studenten im Nebenfach eingeschrieben. Bereits immatrikulierte Studenten und Studentinnen dürfen ihr Studium innerhalb der nächsten sechs Semester abschließen, neue Aufnahmen sind nicht mehr vorgesehen.




4. Die Post. Einer meiner Leser ärgert sich über einen aktuellen Beitrag aus Konstanz, der zwei Mitglieder von Terre des Femms bei deren Forderung nach einem Frauennachttaxi unterstützt, das jedes Jahr 50.000 Euro kosten würde. Die beiden Aktivistinnen hatten dem Oberbürgermeister der Stadt einen großformatigen Stadtplan überreicht, "auf dem Frauen jene Stellen markiert hatten, an denen sie sich spätabends besonders unsicher fühlen." Der Artikel bezeichnet dies als "Gefahrenstadtplan". Mein Leser merkt dazu an:

Wenn mit Gefühlen Politik gemacht wird.

Nur weil sie sich an den markierten Stellen unsicher fühlen, heißt es nicht, daß sie es sind:

a) ob dort tatsächlich Gefahrenschwerpunkte sind

b) ob dort besondere Gefahrenschwerpunkte für Frauen sind

c) selbst wenn in Konstanz entgegen aller Statistik mehr Frauen als Männer Gewaltopfer wären, ist das kein Grund einem Mann eine Hilfe und Vergünstigung nicht zu gewähren und nur den Frauen.

Es wäre eine journalistische Aufgabe, den Aktivistinnen solche Fragen zu stellen.


Mein Leser hat Recht. Ich kann mich auch mit einigen männlichen Lesern zusammentun und die Stellen auf einem Stadtplan markieren, wo "Männer sich spätabends besonders unsicher fühlen", um einen kostenlosen Taxidienst zu fordern. Allerdings bezweifle ich stark, dass daraus ein öffentlicher Auftritt mit dem betreffenden Oberbürgermeister und freundliche Berichterstattung erwachsen würde.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



kostenloser Counter