Freitag, Februar 20, 2026

Looksmaxxing und der wachsende Druck auf Männer

Es gibt heute keine erwähnenswerten neuen Meldungen, aber bevor ich Genderama ausfallen lasse, zitiere ich lieber einen aktuellen Artikel des populärwissenschaftlichen Magazins Psychology Today, der sich mit Looksmaxxing beschäftigt – einem Thema, das vor allem für junge Männer eine Rolle spielt und das hier bislang noch nicht behandelt wurde. Über einen unnötigen Seitenhieb gegen die Manosphäre und gegen Incels kann man hinweglesen; ich verlinke hier ständig Beiträge, denen ich nicht zu einhundert Prozent zustimme. (Man kann den Seitenhieb aber auch als weiteren Beleg dafür nehmen, wie schwer sich manche Akademikerinnen damit tun, wenn Männer online über ihre Bewfindlichkeiten sprechen, was offenbar sofort mit Pauschalisierungen kommentiert werden muss.) Der Artikel stammt von einer Professorin und einer weiteren Wissenschaftlerin an der britischen Universität Warwick.



Wir haben bereits darüber geschrieben, dass der Druck, perfekt zu sein, zunehmend auch Männer betrifft – nicht nur Frauen. Jahr für Jahr wächst dieser Druck, und die Ideale, denen junge Männer nacheifern, werden anspruchsvoller und unrealistischer.

In einer aktuellen Studie von Barclays gaben 18 % der Männer an, sie fühlten sich unter Druck, gut auszusehen. Jeder Achte (12 %) hat im vergangenen Jahrzehnt Geld für einen kosmetischen Eingriff ausgegeben. Ebenfalls 18 % sagten, soziale Medien hätten inzwischen größeren Einfluss auf ihre Ausgaben im Bereich Schönheit; dazu passt die Meldung, dass der TikTok-Shop zum zweitgrößten Onlinehändler für Beauty- und Wellnessprodukte im Vereinigten Königreich aufgestiegen ist.

"Looksmaxxing" – ein Begriff, der in Online-Incel-Kreisen geprägt wurde – ist in sozialen Medien viral gegangen, insbesondere unter jungen Männern und Jungen. Er bezeichnet ein Spektrum von Strategien zur Verbesserung des eigenen Aussehens: von einfachen Beauty-Tipps oder "Softmaxxing" wie grundlegender Pflege und "Mewing" bis zu extremen Methoden oder "Hardmaxxing" wie Schönheitsoperationen und sogar "Bonesmashing", bei dem absichtlich auf den Kiefer geschlagen wird, um ihn zu verändern.

Die wachsende Popularität von Looksmaxxing-Videos und Onlineforen zeigt, dass männliche Schönheitsideale klarer umrissen und anspruchsvoller werden. Junge Männer, die diese Ideale anstreben, glauben, muskulös, groß und markant geschnitten sein zu müssen. Entscheidend ist dabei, dass sich angeblich genau messen lässt, wie gut man diesen Vorstellungen entspricht – etwa durch Attraktivitätsskalen, Kieferwinkel oder Proportionen zwischen Gesichtszügen.

Auffällig ist, dass Online-Incel-Gemeinschaften den Begriff "Lookism" übernommen haben, um ihre Kritik daran zu formulieren, wie stark Aussehen in unserer globalisierten Welt wirkt. Oberflächlich deutet das auf ein Bewusstsein hin, dass das eigene Erscheinungsbild viele Chancen beeinflusst – etwa bei Jobs, Freundschaften oder Intimität. Statt diese Erfahrungen jedoch im Rahmen der wachsenden Bedeutung von Äußerlichkeit zu reflektieren, richtet sich der Incel-Diskurs auf Frauen als angebliche "Torhüterinnen" von Schönheit und Begehrtheit. Diese Erzählung fehlt in vielen Looksmaxxing-Diskussionen in sozialen Medien; zugleich weist Krista Fisher darauf hin, dass die Popularität von Looksmaxxing "ein unerfülltes Bedürfnis von Jungen" anspricht. Männer und Jungen haben weniger Räume, um über Körperbild und den erlebten Druck zu sprechen. Looksmaxxing bietet ein Forum, um Gefühle zu teilen, und scheint eine Form von Unterstützung unter Gleichaltrigen bereitzustellen. Bewegungen wie Body Positivity, Body Neutrality oder Self-Care sind nicht frei von Problemen, haben Frauen jedoch Räume eröffnet, um diesen Druck zu thematisieren. Tatsächlich ist es unter Frauen verbreitet, über empfundene oder wahrgenommene Schönheitsmängel zu sprechen – online wie offline. Männer und Jungen hingegen haben ihr Aussehen oder Versagensgefühle in diesem Bereich traditionell seltener mit Gleichaltrigen diskutiert.

Der Aufstieg von Looksmaxxing gibt Anlass zur Sorge – nicht zuletzt wegen seiner Ursprünge in der Incel-Kultur und der sogenannten Manosphere sowie der damit verbundenen frauenfeindlichen Untertöne. Zugleich verweist er auf den wachsenden Perfektionsdruck, dem Männer ausgesetzt sind. Zwar existierten Schönheitsideale in unterschiedlichen Formen schon immer, doch sie waren örtlich begrenzt, galten nicht für alle und wurden nicht als verpflichtend erlebt. Selten wurden Männer und Jungen primär über ihr Aussehen bewertet – weder von anderen noch von sich selbst. Das verändert sich. Männer und Jungen streben unrealistischen Idealen nach, investieren intensiv in ihren Körper, gehen Risiken ein – von Steroidkonsum bis hin zu Operationen – und gewichten Schönheit mitunter höher als andere Werte wie Intelligenz oder Gesundheit. Besonders die Varianten des Looksmaxxing, die auf Proportionen und Symmetrie fokussieren, lassen Attraktivität messbar erscheinen und vermitteln jungen Männern und Jungen, wie gut oder schlecht sie angeblich abschneiden. Der Trend macht deutlich, wie stark der Perfektionsdruck inzwischen auch Männer und Jungen prägt. Zunehmend scheinen sie – wie zuvor viele Frauen – bereit, sehr weit zu gehen, um ein besseres, normgerechteres, perfekteres Gesicht und einen entsprechenden Körper zu erreichen.




kostenloser Counter