Donnerstag, Februar 12, 2026

Die Femosphere: "Frauen zwischen Männerhass, Enthaltsamkeit und Leid"

1. Die Frauenzeitschrift Annabelle beschäftigt sich mit der "Femosphäre" im Internet und stellt fest, dass sie nicht weniger problematisch als die verhasste "Mannosphäre" ist.

Seit Jahren etabliert sich im Netz eine Szene, die die britische Medienwissenschaftlerin Jilly Kay als Femosphere bezeichnet – als weibliches Pendant zur Manosphere, dem Online-Potpourri aus Incels, Pick-up-Artists und Andrew-Tate-Fans.

(...) Da sind zum Beispiel die Women going their own Way, also Frauen, die dazu aufrufen, freiwillig Single zu bleiben und unabhängig von Männern zu leben.

Auf der Seite The Female Strategy finden sich Frauen, die Männer abfällig als Scrotes bezeichnen und sich gegenseitig Tipps geben, um nicht auf die Tricks von Low Value Men, also Männer geringen Wertes, hereinzufallen.

Und dann sind da noch Imageboards – anonyme Foren nach dem Vorbild von 4chan, einer berüchtigten Plattform der Manosphere –, die von radikalen Feministinnen dominiert werden, die sich offen zu Männerhass und Transfeindlichkeit bekennen.

Gemeinsam ist den Frauen in diesen Gruppen vor allem eins: ihr Heteropessimismus, also der kollektive Frust darüber, Männer zu begehren – gespeist durch Mobbing, Erfahrungen sexualisierter Gewalt und dem Alltag in einer patriarchalen Gesellschaft.


Wie kürzlich eine KI hier erklärte (und wir ohnehin schon wissen): Bei Frauen findet man gute Gründe, warum sie sich furchtbar verhalten, bei Männern nicht.

"Was ist schlimmer: Einsamkeit oder Missbrauch?", fragt eine zweifach geschiedene Mutter bei The Female Strategy. "Wenn man sich ein bisschen länger mit der Thematik beschäftigt, merkt man schnell, wie schlecht Männer für uns Frauen sind. Stalker, Vergewaltigungen, Mord. Ich hatte hier und da Männer, aber ich kann durch die Reihe weg sagen, dass Männer eine Frau nur ausnutzen. Wieso soll man sich so was zumuten?"

Das Mass an Fatalismus schwankt. Je radikaler die Frauen in ihrem Heteropessimismus sind, desto eher ist ihr Männerhass in ein ideologisches Gerüst gebettet, das dem der Manosphere ähnelt.

(…) Die Soziologin Madeline Bobo von der Georgia State University in Atlanta hat in ihrer Masterarbeit Femcel-Foren analysiert. Sie interessiert vor allem die Frage, welche Funktion sie für die Frauen haben – und wie sie sich von den Incel-Foren unterscheiden.

"Viele Männer, die sich als Incels identifizieren oder sich mit Incel-Ideologien beschäftigen, werden gewalttätig, werden zu Amokläufern", sagt sie. Bei Frauen hingegen sei bislang nichts Vergleichbares zu beobachten.


"Viele Männer"? Das wäre mir neu, aber vielleicht bin ich mittlerweile betriebsblind geworden. Also frage ich mal wieder bei der Künstlichen Intelligenz nach. Die Antwort:

Die Aussage im Artikel ist stark übertrieben und nicht durch Fakten gedeckt. Es gibt keine Evidenz dafür, dass "viele" Männer, die sich als Incels identifizieren oder mit der Ideologie beschäftigen, gewalttätig werden oder zu Amokläufern. Die große Mehrheit der Incels (Schätzungen gehen von Zehntausenden aktiven Nutzern in Online-Foren aus) begeht keine Gewalt. Viele leiden unter Depressionen, Angststörungen, Einsamkeit und Suizidalität – die Szene hat eine hohe Rate an Selbsttötungen. Umfragen zeigen, dass 70–80 % der selbstidentifizierten Incels Gewalt ablehnen.

Seit 2014 werden etwa 8–10 hochprofilierte Massenangriffe (Mass Shootings, Van Attacks etc.) mit klarem oder starkem Incel-Bezug gezählt. Die genaue Zahl ist umstritten, weil viele Täter mehrere Motive (mentale Erkrankungen, Rassismus, allgemeiner Frust) hatten und Incel-Elemente nur ein Teil waren. Die meisten Täter waren junge Männer mit schweren psychischen Problemen, sozialer Isolation und multiplen Beschwerden. In Deutschland und Kontinentaleuropa gab es bisher keine vergleichbaren großen reinen Incel-Amokläufe. "Viele" wird der Realität nicht gerecht – es handelt sich um eine winzige, aber medienwirksame und gefährliche Extremfraktion innerhalb einer größeren, meist nicht gewalttätigen Online-Subkultur.


In der Annabelle heißt es weiter:

Zur Femosphere gibt es noch kaum Forschung, nur wenig Berichterstattung. Das liegt auch daran, dass die Gewalt, die von ihr ausgeht, kein Ventil findet ausser dem Leid, das die Frauen selbst erleben.

Statt dass sie politisiert wird wie die Menosphere, wird sie bagatellisiert. "Diese Frauen fügen sich selbst Schaden zu. Sie leiden unter starken emotionalen und psychischen Belastungen", sagt Madeline Bobo.


Bei beiden Geschlechtern gibt es Menschen, die psychisch stark belastet sind, und Mitglieder beider Geschlechter richten diese Belastung durch Hass auf das andere Geschlecht nach außen. Den Menschen sollte geholfen, und der Hass gebändigt werden. So zu tun, als ob es anders wäre, ist Augenwischerei.



2. Eine Mentorin von Frauen kritisiert starken ideologischen Druck: "Wer nicht feministisch genug ist, gilt oft als schlechtere Frau". In dem Artikel heißt es:

Was einst für Gleichberechtigung stand, wirkt heute oft wie moralischer Druck, denn die kleinste Kritik gilt schnell als Verrat. Immer häufiger geht es um Abgrenzung, nicht um ein Miteinander. Wer nicht 100 Prozent mitzieht, wird als frauenfeindlich oder misogyn abgestempelt.

So erlebt es auch Jasmin Karatas (38). Sie ist als deutsch-türkische Migrantin aufgewachsen. Als Frau. Als Gaming-Nerd. "Ich habe mich selbst aber nie als ‚etwas Besonderes‘ gesehen oder als Opfer meines Geschlechts. Das war einfach meine Realität." Natürlich merkte sie früh: Frauen und Migranten werden anders behandelt. Ihre Konsequenz: Handeln statt Meckern. Als Unternehmerin und Speakerin unterstützt sie heute u. a. Frauen im Business, organisiert Female-Only-Events und ist Vorbild für eine junge Generation der Nerd-Frauen. "Warum ich mich trotzdem nicht als Feministin, obwohl ich es im Tun bin, bezeichnen würde, hat einen Grund. Wenn du nicht die richtigen Begriffe benutzt, nicht radikal genug bist, bist du automatisch ‚anti‘. Wer keine ‚richtige‘ Feministin ist, ist plötzlich die schlechtere Frau oder sogar der schlechtere Mensch. Dann geht es mehr um vermeintliche Zugehörigkeit als um Rechte, Sicherheit und Teilhabe."

(…) Was Karatas besonders wütend macht: die ewige Opferhaltung, die sie oft auf Female-Events erlebt. "Die Männer", "wir müssen es ihnen zeigen", viel Bashing. "Diese Opferhaltung habe ich satt. Gleichberechtigung bedeutet auch, Männer zu respektieren. Wenn wir Respekt einfordern, müssen wir ihn auch geben."

(…) Auch Frauenquoten steht Karatas eher kritisch gegenüber. "Ich kenne Männer, die keinen Mentor bekommen, weil sie keine Frau sind. Und Frauen fühlen sich nicht wertgeschätzt, wenn sie das Gefühl haben, wegen einer Regel statt ihres Könnens ausgewählt zu werden. Das ist keine Gleichstellung." Stattdessen sollte der Mensch im Mittelpunkt stehen – unabhängig von Geschlecht oder Identität. "Es geht um Haltung und gegenseitigen Respekt. Und darum, diese Werte gesellschaftlich und rechtlich zu verankern."




3. "Die Zeit" beschäftigt sich mit dem sogenannten "Heterofatalismus" vieler Frauen:

So entstand die Idee, mit möglichst vielen heterosexuellen Frauen zu sprechen, die sich desillusioniert und unzufrieden fühlen. Vor allem war ich daran interessiert, was sie mir über Männer erzählen. Denn auch in diesem Bereich bemerkte ich meine eigene Doppelmoral: Einerseits machte ich mich gerne mit G. über die Typen lustig, die sie datete. Gleichzeitig mag ich die meisten Männer, die ich kenne, bin ja selbst einer, und habe erhebliche Probleme zu verstehen, was meine Artgenossen so unerträglich macht. Und irgendwie kann es doch nicht sein, dass Männer und Frauen es so unglaublich schwer miteinander haben.

(…) Das Besondere daran, mit so vielen Frauen über ihre Dating-Erfahrungen zu sprechen, war nicht, was sie erzählten – sondern wie sehr sich das Erzählte ähnelte. Es wirkte manchmal so, als hätten sie sich abgesprochen. Teilweise benutzten sie die exakt gleichen Formulierungen. Was mich immer weniger überraschte, je mehr von ihnen mir sagten, dass Dating nicht nur ihr analoges Leben beherrsche, sondern auch die Feeds ihrer Social-Media-Apps voll seien mit Dating-Content, mit Berichten über gescheiterte Dates und Reels über psychologische Konzepte, die helfen sollen, die eigenen Emotionen besser zu regulieren und die richtigen Partner zu finden. Dating ist eine eigene Content-Industrie.

Eklatant auffällig war, wie sehr alle Frauen zu der Überzeugung tendierten, in der komplizierten Versuchsanordnung des Online-Datings nicht die Unfähigen zu sein, sondern diejenigen, die eigentlich alles richtig machten. Die ihre "Hausaufgaben gemacht" hatten, an sich "gearbeitet" hatten, "gewachsen" waren, über "sich nachgedacht" hatten und fähig waren, "ihre Bedürfnisse zu kommunizieren". Im Gegensatz zu den anderen – also den Männern. Man könnte es auch vorsichtig ein kollektives Überlegenheitsgefühl nennen.

Nur irgendwie schien dieses Selbstverständnis die Enttäuschung noch zu verstärken, dass sie noch immer keine feste Beziehung gefunden hatten. Sie brachten doch – um bei einer bereits erwähnten Formulierung zu bleiben – alle etwas an den Tisch. Hinzu kommt das Gefühl, für den persönlichen Erfolg abgestraft zu werden. In den USA haben zum Beispiel drei Millionen mehr Frauen einen Uni-Abschluss als Männer. Und für diese Frauen kommen schlechter gebildete Männer einfach nicht infrage. Es entsteht ein sogenannter Gender-Matching-Gap. Eine Verpaarungslücke.

Verkompliziert wird diese Konstellation in meinen Augen dadurch, dass viele Frauen zwar einerseits einen männlichen Partner suchten, sich aber gleichzeitig auf gewisse Weise in einem Konkurrenzverhältnis zum anderen Geschlecht sahen. Die meisten, die ich traf, sprachen immer auf zwei verschiedene Arten über Männer: von Männern als den Individuen, die sie dateten. Und von Männern als einer Art kollektiver Männlichkeit. Sympathie mit der ersten Kategorie war theoretisch möglich, wurde aber durch Antipathie für die zweite erschwert.

Gleichzeitig hatten alle Frauen, mit denen ich sprach, ein sehr ausgeprägtes Verständnis für ihr eigenes Frausein in der Welt: vom Gender-Pay-Gap, dem Umstand, dass Frauen für die gleiche Arbeit oft weniger Geld bekommen; vom Gender-Health-Gap, also dass Frauen oft schlechter diagnostiziert werden als Männer; und natürlich vom Gender-Care-Gap, dem Umstand, dass Frauen mehr unbezahlte Sorgearbeit machen als Männer. Eine Frau sagte: "Statistisch gesehen leben Frauen in Beziehungen ungesünder, während es bei Männern umgekehrt ist."

Es wirkte so, als ob all diese Dinge – die schlechten Erfahrungen mit dem Dating, das Wissen um die strukturellen Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern, die eigene Unabhängigkeit – zu einer Art Eskalation der Ansprüche führten. Viele Frauen machten jedenfalls sehr deutlich, sich nicht mehr mit Mittelmäßigkeit und Unklarheit abgeben zu wollen – eben weil sie eine romantische Beziehung nicht als Notwendigkeit, sondern sozusagen als Extra verstanden. "Meine Zeit ist zu wertvoll, als dass ich irgendwelche Kompromisse eingehe", sagte eine 35-jährige Artdirektorin.

(…) Man kommt irgendwann, wenn man sich nur lange genug diese Einstellungen, Erfahrungen und Ansprüche anhört, zu dem Schluss, dass es doch das Beste für alle wäre, Heterobeziehungen einfach abzuschaffen. Umstandslos, und bitte möglichst schnell. Denn wirklich niemand scheint bei dieser Sache gewinnen zu können. Die Männer erfüllen die Ansprüche der Frauen nicht, weswegen die Frauen ihre Ansprüche verschärfen, wodurch die Männer sie noch weniger erfüllen. Das kann hinten und vorn nicht funktionieren. Und anscheinend wissen das die Frauen auch: In einer Studie der Dating-Plattform Elite-Partner gaben 48 Prozent der Frauen ihren hohen Ansprüchen die Schuld an ihrem Single-Dasein.


Der "Zeit"-Autor hat daruafhin auch Männer nach ihrer Sicht der Dinge befragt. Wer sich dafür interessiert, kann das im verlinkten Artikel selbst lesen.



4. Gestern habe ich mich hier mit der schrottigen Berichterstattung von Leitmedien über die aktuelle Gewaltstudie des BKA beschäftigt. Eine positive Ausnahme ist das rbb inforadio, wo man schon mit der Überschrift kenntlich macht, worin der tatsächliche Erkenntnisgewinn dieser Studie liegt: "Dunkelfeldstudie: Partnerschaftsgewalt gegen Männer nimmt zu". Auch der Inhalt des Beitrags ist Gold im Vergleich zu den gestern von mir zitierten oft jämmerlichen Artikeln:

Björn Süfke leitet das Männerhilfetelefon. Er berichtet von sehr ähnlichen Anrufen, wie sie bei den Hilfetelefonen für Frauen eingingen, von "ganz normalen Männern, die meistens sehr akut, also an dem Tag selber, beispielsweise Partnerschaftsgewalt erlitten haben, unterschiedlichster Schweregrade, also von […] vielleicht einer Backpfeife bis hin zu massiver Gewalt oder Bedrohung mit dem Messer oder ähnlichem."

Auch von sexueller Gewalt berichten die Anrufer, erzählt Süfke. Die gebe es sowohl bei Jungen in der Kindheit als auch bei erwachsenen Männern. "All das, was medial bisher ganz wenig gehört haben, […] das können wir jetzt glaube ich auch nur deswegen so hören, weil wir dieses sehr niedrigschwellige Angebot des Hilfetelefons, […] anonym zu erreichen, geschaltet haben."

Wie auch bei Frauen wird auch Gewalt gegen Männer [selten] angezeigt. Süfke sieht dafür vor allem zwei Gründe: "Zum einen liegt natürlich weiterhin für Männer und für Frauen ein großes Tabu darauf. Es gibt eine große Scham, sich damit zu melden." Die sei für Männer noch einmal größer als für Frauen. Außerdem existiere häufig auch eine "große Angst, dass die Gewalt dadurch vielleicht noch schlimmer wird."

Bevor er ihnen dann Ratschläge gebe, erklärt Süfke, sei es zunächst einmal wichtig, ihnen gut zuzuhören: "Diese Männer haben ganz häufig noch mit niemandem jemals über die erlittenen Qualen gesprochen. Oder sie haben darüber gesprochen und sind nicht ernst genommen worden. Das berichten uns ganz viele Männer, […] dass ihnen schlicht ergreifend nicht geglaubt wurde."

Im nächsten Schritt werde dann zusammen mit dem Mann überlegt, wie es weitergehen und wo es weitere Hilfestellung geben könne. "Da haben wir natürlich das Problem", so Süfke, "dass es für Männer einfach noch nicht viele Beratungsstellen gibt. Aber da versuchen wir dann unser bestmögliches. Und oft ist für die Männer auch mit einem einzelnen Gespräch schon ganz viel Hilfestellung gegeben, weil sie merken: Sie sind nicht alleine mit dem Thema."




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