Neujahrsgrüße und die wichtigsten Meldungen der letzten Wochen
Ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr! Gleichzeitig danke ich denjenigen von euch sehr herzlich, die dazu beitragen, dieses Blog am Leben zu halten. Viele von euch haben den Ernst der Lage verstanden und Genderama über die Weihnachtstage mit ihren Spenden unterstützt, manche wirklich großzügig. Das ist wertvoll und freut mich sehr – vielen Dank dafür!
Damit kommen wir ohne Umschweife zu den relevanten Meldungen der letzten Wochen. Ich habe sie mal in zwei Blogeinträge aufgeteilt, damit es nicht wieder ein endloser Lappen wird – morgen geht es also weiter damit.
1. "Haben Frauen bald mehr Geld als Männer?" fragt die Zeitschrift "Elle" und berichtet über eine anstehende Übertragung enormen Reichtums von Männern an Frauen: "80 Billionen US-Dollar sind es weltweit laut dem World Economic Forum. Forbes geht davon aus, dass rund 70 Prozent davon an Frauen gehen."
2. "Rowohlt geht Väterrechtlern auf den Leim" phantasiert eine Schlagzeile der Berliner "taz", die ein gutes Beispiel dafür ist, warum dieses Blatt sich als tägliche Ausgabe nicht mehr am Kiosk halten konnte: Für viele dürfte es allzu offensichtlich geworden sein, wenn die Redaktion mit solchen Schlagzeilen randständige Ansichten als objektive Fakten verkaufen wollte. In diesem Artikel wettert Matthias Meisner darüber, dass Rowohlt beinahe ein Buch über Eltern-Kind-Entfremdung herausbrachte. Jetzt ist die Veröffentlichung anscheinend verschoben worden, weil es feministische Agitation dagegen gab. Im fraglichen Buch steht zwar ironischerweise eine Mutter im Zentrum, die Entfremdung erlebt, aber schon der Umstand, dass auch nur über dieses Problem gesprochen wird, ist einigen überhaupt nicht recht. Konsequenterweise gibt es unter diesem Artikel keine Kommentarspalte, so dass niemand den darin verbreiteten Unsinn richtigstellen kann. Anders als in der "taz" dargestellt, wird Eltern-Kind-Entfremdung sehr wohl in der Wissenschaft ernstgenommen, ebenso übrigens wie der sogenannte Denialism, der so tut, als gäbe es dieses Problem nicht.
3. Die Neue Zürcher Zeitung berichtet, wie ukrainische Männer nach ihrer Gefangennahme von Russen vergewaltigt werden.
4. Stefanie Unbehauen hat einen Artikel über männliche Opfer häuslicher Gewalt veröffentlicht, der ärgerlicherweise mit der fettgedruckten Behauptung beginnt, nur jedes fünfte Opfer häuslicher Gewalt sei männlich. (Das bezieht sich alein auf das Hellfeld, das in der kriminalstatistik sichtbar wird) Wer sich die Zeit nimmt, den Artikel weit genug zu lesen, stößt immerhin auf den Ansatz einer Richtigstellung:
Der Psychotherapeut und -analytiker Prof. Dr. Christian Roesler geht sogar noch einen Schritt weiter. Auf Grundlage internationaler Studien kommt er zu dem Ergebnis, dass Partnerschaftsgewalt gleichermaßen Männer und Frauen betrifft. Das führt er auch in seinem Buch "Partnerschaftsgewalt und Geschlecht - Häufigkeit und Geschlechterverteilung, Erklärungskonzepte und Interventionsstrategien" aus.
Wenn man jetzt noch erklärt hätte, dass es kein einzelner Wissenschaftler ist, der diese Auffassung vertritt, sondern dass dies schlicht der Stand der Forschung ist … und wenn man das dann noch an den Anfang des Beitrags gestellt hätte … Stattdessen kommt die Politologin Monika Schröttle zu Wort, die behauptet, dass "viele Männer keine Zufluchtsstelle benötigen, da es sich in den meisten Fällen nicht um schwere Gewalt handelt. (…) Insofern glaube ich nicht, dass wir mehr Schutzeinrichtungen benötigen." (Auch das sieht die Forschung anders.)
Zuletzt erklärt der Psychologe Björn Süfke es zu keinem großen Problem, dass im letztes Jahr beschlossenen Gewaltschutzgesetz männliche Opfer nicht vorkommen, denn andernfalls wäre "das Gesetz in dieser Legislaturperiode gar nicht verabschiedet worden". Süfke führt weiter aus: "Ich denke, dass in den kommenden Jahren, wenn der Ausbau der Frauengewaltschutz-Infrastruktur hoffentlich plangemäß voranschreitet, die Belange von männlichen und nonbinären Opfern sowohl mitgedacht als auch konkret hinzugefügt werden." Was man halt so denkt und hofft, wenn 400 Schutzeinrichtungen für Frauen – gegenüber mageren zwölf für Männer – weiter ausgebaut werden sollen.
5. Die Wochenzeitung "Freitag" ärgert sich darüber, dass auch viele linke Männer noch nicht feministisch genug seien. Ein Auszug aus dem Artikel macht deutlich, welches Diskussionsniveau in der Linkspartei herrscht:
Jan van Aken und sein "Du Arschloch"-Moment, in dem er die Angst der Frauen vor Gewalt vom Migrationshintergrund gewalttätiger Männer entkoppelt, wirkt da wie Balsam auf die Seelen derjenigen, die sich so sehr gewünscht haben, ein Mann spreche endlich einmal aus, was für Frauen Realität ist: Männer sind die Gefahr.
Van Aken reagierte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wiesbaden spontan auf die Aussage eines Mannes, seine Tochter hätte Angst vor Migranten: "Du Arschloch! Natürlich hat deine Tochter Angst, wenn da eine Horde von Männern steht. Da ist aber völlig egal, ob sie migrantisch oder nicht migrantisch sind. Das Problem heißt nicht Migration. Es heißt Männer!"
Warum bitte sollten Menschen eine Partei wählen, in der sie als "Problem" gelten?
Es folgen einige Schlagzeilen in schnellerer Folge, weil sie sich sehr gut gegenseitig kommentieren:
6. Die Welt: "Als meine Mutter erfuhr, dass ich mich wieder mit Papa treffe, brach für sie eine Welt zusammen"
7. Die Süddeutsche: "Babys sind doch süß. Es sei denn, es sind Jungen"
8. Der Tages-Anzeiger: "Es wird ein Bub. Seitdem habe ich Weinkrämpfe".
9. Die taz: "Gespräche übers überflüssige Geschlecht. Als echte Feministin musst du eigentlich Single bleiben"
10. Der MDR: "Wie Frauenhass in den Sozialen Medien der Gesellschaft schadet".
Nee, klar, der Hass auf FRAUEN ist das große Problem in unserer Gesellschaft … Bei den Öffentlich-Rechtlichen merkt man wirklich GAR nichts. Ein Auszug aus dem Beitrag:
Die geschlechtsspezifische Gewalt steigt immer weiter. Das hat das BKA dieses Jahr nochmal verdeutlicht. Und zwar körperlich, psychisch, wirtschaftlich und digital. Grund ist laut BKA das Gefühl der Bedrohung, das viele Männer haben – die fortschreitende Gleichberechtigung macht ihnen Angst. Das Internet dient als Echokammer dieser Ängste. Unter dem Begriff der Manosphere verbreiten sich im Internet millionenfach misogyne Ansichten.
Als einziges konkretes Beispiel für diesen angeblich immensen Hass auf Frauen hat der MDR das hier entdeckt:
Der Influencer "bachelor bby" hat bei Youtube über 85.000 Abonnenten. Bei Tiktok über 200.000 Follower. Und er verbreitet Weisheiten wie diese: "Girls, die gut aussehen, werden auf Yachts eingeladen. Um als Mann auf eine Yacht eingeladen zu werden, muss der fame sein, sehr reich sein, sehr hilfreich für einen reichen Typ sein oder selber eine Yacht besitzen."
Im Ernst? Das war das Schlimmste, das ihr gefunden habt? Das ist für all das Gepolter ein bisschen arg dünn. Das BKA wird Statements wie "attraktive Frauen werden auf Yachts eingeladen" doch sicher irgendwie in den Griff bekommen?
11. Auch die "taz" erklärt sicherheitshalber noch mal, warum Männer im Internet gefährlich sein sollen:
"Durch den Bilderstrom schleichen sich bestimmte Bilder und Gefühle bei vielen Jugendlichen unbewusst ein", erklärt Dahlmüller. Seit 2022 arbeitet er beim Institut Dissens e. V. und leitet Workshops für Jugendliche sowie Fortbildungen für Lehrkräfte zum Thema Männlichkeit. Die besonders große Auffälligkeit junger Männer für solche antifeministischen und teilweise auch queerfeindlichen Inhalte müsse in einen globalen antifeministischen politischen und sozialen Wandel eingeordnet werden, so Dahlmüller. Die junge Generation sei auch von Klima-, Wirtschafts- und Gesundheitskrisen geprägt.
Hingegen versprechen maskulinistische Influencer ihnen eine Handlungsfähigkeit, die allein von der eigenen Selbstbestimmung abhängt und einfache Antworten auf komplexe Orientierungsfragen bietet. Zu Fragen der queeren Identität bieten Menfluencer, Orientierung, indem sie behaupten, es gebe nur zwei Geschlechter, fasst Dahlmüller zusammen. In einem Alter, in dem es darum geht, sich in jeder Hinsicht zu beweisen, um dazuzugehören und Anerkennung zu finden, sind diese Inhalte gefährlich.
Die Auffassung, es gebe zwei Geschlechter, ist inzwischen also "gefährlich". Im realen Leben scheint es eher gefährlich zu sein, wenn man dazu eine andere Meinung hat, wie die Biologin Marie-Luise Vollbrecht im Interview mit der Zeitschrift CICERO berichtet. Auch hieraus nur mal ein Auszug:
Anfang 2024 war der letzte Prozess vorbei, auch das Interesse der Öffentlichkeit war geschrumpft. Es wurde erwartet, dass ich in mein normales Leben zurückkehre, aber ich stellte fest: Der Dreck, mit dem ich beworfen wurde, bleibt an mir haften. Es ist egal, ob man Recht bekommt oder ein Gericht sagt, dass man keine NS-Leugnung begangen hat. Die Leute behaupten es trotzdem. Ich bin in ein krasses Loch gefallen, hatte alle Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung.
(…) Ich verlor einen großen Teil meines Umfeldes. Manche brachen aus Überzeugung mit mir, das zog sich bis in die Familie. Ich musste gegen Leute vorgehen, die ich aus der Schulzeit kenne. Menschen haben versucht, private Geschichten über mich an die Presse zu verkaufen. Es gab Bekannte und Freunde, die zwar nicht glaubten, dass ich ein schlechter Mensch bin, sich aber wegen des sozialen Drucks trotzdem distanzierten. Es gibt auch Menschen, die zu einem stehen, aber nicht verstehen, warum man weiterkämpft. Die mitkriegen, wie schlecht es einem geht, und fragen: "Warum entschuldigst du dich nicht? Lösch einfach all deine sozialen Medien und tauch unter!" Aus diesem Grund hat sich mein damaliger Partner von mir getrennt.
(…) Ich war mal mit meiner Familie in einem Café, dann sind Leute aufgestanden und haben sich beschwert, dass wir dort sind. Ich bin aus Kneipen geschmissen worden. Leute haben auf der Straße vor mir ausgespuckt. Meine Meldeadresse ist gesperrt. Es gab von Aktivisten mehrere Versuche, meine Adresse auszuforschen – auch die meiner Familie, die gar nicht in Berlin wohnt. (…) Nun bin ich jemand, der sich auf dem Nachhauseweg fünfmal umguckt und manchmal so starke Angstzustände hat, dass er das Haus nicht verlassen kann.
Derselbe Hass, der Vollbrecht traf, wird aktuell fleißig gegen die "Manosphere" geschürt. Taz und MDR helfen mit. Wir dürfen uns noch auf ein paar heiße Jahre einstellen.
12. "Sorry, dass wir Männer auch noch da sind" klagt wegen dieses Meinungsklimas Dominik Prantl im Tages-Anzeiger. Nicht ohne schon im Anreißer klargestellt zu haben, dass Männer wirklich die schlechteren Menschen wären. Wobei auch diese Selbstgeißelung keinen Nutzen zeigt: "Wer heute beispielsweise bei einem Glas Wein während der Weihnachtsfeier den Hinweis fallen lässt, dass die Wortwahl in den Medien gegenüber Männern teilweise unpassend sei, wird schnell von Kollegen ins Kreuzverhör genommen." Ja, eben, von Kollegen! Es sind Journalisten, bei denen dieser groteske Sexismus die Herrschaft innehat. Und aus genau diesem Grund sind alternative Medienangebote im Web dringend notwendig – auch wenn in den etablierten Medien dann erst recht sämtliche Sicherungen rausfliegen vor Wut.
13. Generell scheinen es eher die etablierten Medien zu sein, die mit Schlagzeilen wie diesen ein immer schrilleres Niveau erzeugen: "Wenn ich 'Fotze' sage, ist das als Kompliment gemeint". Wir lernen: Zu glauben, dass es zwei Geschlechter gibt, ist Gewalt gegen Frauen, aber Frauen als "Fotze" zu bezeichnen, ist irgendwie nett.
14. Es ist die Süddeutsche Zeitung, die klarstellt, dass all dieser eskalierende Irrsinn längst keine Grundlage in der Wirklichkeit mehr hat:
Das Leben der meisten Frauen in den wohlhabenden Gesellschaften des Westens muss furchtbar sein. Zu diesem Eindruck kann gelangen, wer die vielen Beiträge in sozialen und klassischen Medien liest, in denen der weibliche Alltag auch in Deutschland als schier endlose Reihung von Demütigungen, Anfechtungen und Diskriminierung erzählt wird. Überall lauern offenbar toxische Männlichkeit, das Patriarchat, finstere Strukturen oder weitere Phänomene. Ein deprimierendes Bild, zusammengesetzt aus vielen dunklen Einzelteilen.
Diesem aber widersprechen die diversen Indizes, mit denen etwa die Vereinten Nationen oder andere Institutionen den Grad der Geschlechtergerechtigkeit in Gesellschaften quantifizieren. Deutschland gilt laut diesen Messinstrumenten als ein Land, in dem es um die Geschlechtergerechtigkeit im Vergleich zu den meisten anderen Staaten geradezu vorbildlich bestellt ist.
(…) Dieser Widerspruch lässt sich auch auf individueller Ebene messen, wie Psychologen in einer Studie im Fachjournal Psychological Reports demonstrieren, für die sie 735 Teilnehmer aus Deutschland befragt haben. Dabei gab die Mehrheit der Frauen an, dass sie deutlich weniger Diskriminierung beziehungsweise Ungleichheit erleben würde als die meisten anderen Frauen. Die durchschnittliche weibliche Lebenswirklichkeit in Deutschland sei weitaus negativer und von mehr Benachteiligung geprägt als ihre eigene, so lautete die Aussage der Mehrheit der Probandinnen.
Natürlich sei es denkbar, dass die Gesellschaft von stärkerer Geschlechterungerechtigkeit geprägt sei, als einige Frauen das persönlich erlebten, schreiben die Autoren Timur Sevincer und Gijsbert Stoet. Aber statistisch sei es nun mal unmöglich, dass so gut wie alle Frauen weniger ungleiche Behandlung oder gar Diskriminierung erführen als Frauen insgesamt.
Diese Beobachtung könnte mit erklären, so die Autoren, warum die Debatten rund um die Geschlechtergerechtigkeit in Ländern wie Deutschland trotz aller Fortschritte ungebrochen hitzig geführt werden. Es handele sich um eine "pluralistische Illusion", schreiben die Psychologen: also den Umstand, dass die Mehrheit der Überzeugung ist, dass alle anderen etwas erleben, was aber offenbar gar nicht zutrifft.
Frauen erleben sich selbst nicht als diskriminiert, glauben aber – offenbar aufgrund des feministischen Medienzirkus – anderen Frauen ginge es bestimmt anders. Und auf diesem Boden gedeiht ganz realer Hass auf die angeblich so unterdrückerischen Männer.
Wenn du meine Arbeit für dieses Blog durch eine Spende unterstützen möchtest, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts.
<< Home