Australien: Opposition ernennt Schattenminister für Männergesundheit
1. Aus den australischen Nachrichten erfahren wir:
Die Vorsitzende der Liberalen Partei in New South Wales (NSW), Kelli Sloane, hat erklärt, "Männlichkeit sollte gefeiert werden", als sie die Schaffung eines neuen Postens in ihrem Team zur Förderung der Männergesundheit ankündigte.
Der Abgeordnete für Davidson, Matt Cross, der selbst eine Darmkrebserkrankung überlebt hat, wurde zum parlamentarischen Sekretär der Opposition für Männergesundheit ernannt.
Auch wenn es sich nicht um ein vollwertiges Schattenkabinett-Portfolio handelt, wird Cross faktisch als Schattenminister agieren, um die Lebenssituation von Jungen und Männern durch bessere körperliche und psychische Gesundheitsresultate zu verbessern.
Sloane erklärte, man sei es den vier Millionen Jungen und Männern in New South Wales schuldig, es besser zu machen.
In einem Interview mit dem Radiosender 2GB am heutigen Morgen sagte sie, das Thema Männergesundheit liege ihr besonders am Herzen, auch weil sie Mutter von drei Söhnen sei.
"Bevor ich Oppositionsführerin wurde, war ich Schattenministerin für Gesundheit, und mir ist die enorme Ungleichheit bei den Gesundheitsresultaten zwischen Männern und Frauen, Jungen und Mädchen aufgefallen", sagte sie.
"Männer haben ein dreimal höheres Suizidrisiko als Frauen. Sie sterben im Durchschnitt vier Jahre früher an vermeidbaren Ursachen, haben häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen, häufiger vermeidbare Krebserkrankungen und gehen seltener zum Arzt. Das sind massive Probleme, und diese Zahlen sollten uns ernsthaft alarmieren."
Sloane sagte, die gesellschaftliche Diskussion über Männer müsse sich ändern, sodass Männlichkeit wieder positiv bewertet werde.
"Wir müssen aufhören zu sagen, Männer müssten repariert werden, sie seien kaputt oder toxisch", sagte sie. "Stattdessen sollten wir sagen: Ihr werdet unterstützt, ihr werdet geschätzt, und eure Männlichkeit sollte gefeiert werden."
Die australische Bundesregierung hat bereits einen Sonderbeauftragten für Männergesundheit, Dan Repacholi, der im vergangenen Jahr ernannt wurde. Sloane erklärte jedoch, sie wolle das Thema auf Landesebene ernsthaft angehen.
Cross sagte, seine neue Rolle sei für ihn sehr persönlich, sowohl aufgrund seiner eigenen Krebserkrankung als auch wegen der kürzlichen Geburt seines Sohnes. "Wir müssen es Männern leichter machen, auf sich selbst zu achten – nicht schwerer", sagte er.
"Es geht darum, Leben zu retten, Familien zu unterstützen und sicherzustellen, dass Männer und Jungen in ganz New South Wales die Chance haben, länger und gesünder zu leben."
Ihr wisst ja inzwichen, dass ich fremdsprachige Beiträge von ChatGPT übersetzen lasse; das funktioniert am elegantesten und sehr zuverlässig. In diesem Fall hat die KI mir unter der Übersetzung angeboten, diese Entwicklung diskursanalytisch einzuordnen: etwa warum dieser Tonfall in Australien möglich ist, während ähnliche Aussagen in Europa oder Deutschland ganz anders aufgenommen würden. Auch diesmal will ich dieses Angebot nicht ablehnen.
1. Warum ist dieser Ansatz in Australien möglich?
Australien hat – trotz eigener Kulturkämpfe – eine stärker pragmatische Gesundheitspolitik als viele europäische Länder. Drei Faktoren sind entscheidend:
a) Männergesundheit als statistisches Faktum, nicht als Moralfrage
Sloane argumentiert konsequent mit Mortalität, Suizidraten, Krebs, Vorsorgeverhalten. Das verschiebt den Rahmen von Schuld und Ideologie hin zu Versorgungsdefiziten. In diesem Frame wirkt es legitim, Männer explizit anzusprechen, ohne sofort eine Täterdebatte auszulösen.
b) Föderalismus und politische Wettbewerbslage
Als Oppositionsführerin kann Sloane Themen besetzen, die kulturell sensibel sind, ohne sofort Regierungsverantwortung zu tragen. Das erlaubt symbolische Klarheit ("Männlichkeit feiern"), ohne sofort in konkrete Gesetzgebung übersetzen zu müssen.
c) Anglo-sächsische Tradition der "targeted health policy"
In Australien, Kanada und teilweise UK ist es akzeptierter, Gruppen gezielt anzusprechen (Indigenous health, veterans’ health, men’s health), ohne dies automatisch als Ausgrenzung anderer zu interpretieren.
2. Warum wäre das in Deutschland oder Frankreich konfliktreicher?
In Kontinentaleuropa ist der Diskurs stärker moralisch aufgeladen.
a) "Männlichkeit" ist semantisch kontaminiert
Der Begriff wird nicht mehr neutral gelesen, sondern als Chiffre für Macht, Dominanz und Gewalt. Ein positiver Bezug wird schnell als Relativierung von Missständen interpretiert.
b) Sicherheits- und Gleichstellungslogiken vermischen sich
In Frankreich zeigt der HCE-Bericht genau das: Männergesundheit, männliche Identität, Onlinekultur und Extremismus werden in einen Sicherheitsrahmen gezogen. Damit wird Abweichung vom gewünschten Männlichkeitsideal potenziell pathologisiert.
c) Nullsummendenken im Gleichstellungsdiskurs
Unterstützung für Jungen und Männer wird als Konkurrenz zu Frauenförderung wahrgenommen, nicht als Ergänzung. Dadurch entstehen Abwehrreaktionen, die in Australien schwächer ausgeprägt sind.
3. Bruchlinien zur "toxische-Männlichkeit"-Debatte
Sloanes Ansatz widerspricht dem dominanten europäischen Narrativ an drei Stellen:
- Von Defizit- zu Ressourcenperspektive
Nicht: "Männer sind problematisch", sondern: "Männer sterben früher und brauchen bessere Ansprache."
- Trennung von Gesundheit und Moral
Gesundheitsverhalten wird nicht als Ausdruck falscher Werte gelesen, sondern als Ergebnis sozialer Prägung, Zugangsbarrieren und Rollenbilder.
- Anerkennung ohne Idealisierung
"Männlichkeit feiern" bedeutet hier nicht, Gewalt oder Dominanz zu legitimieren, sondern Identität nicht pauschal zu delegitimieren.
Das ist ein entscheidender Unterschied: Europa versucht, Männlichkeit umzuerziehen. Australien versucht, Männer zu erreichen.
4. Warum dieser Ansatz institutionelles Vertrauen stärkt
Politisch ist das nicht trivial. Solche Signale wirken auf mehreren Ebenen:
a) Anerkennung reduziert Abwehr
Gruppen, die sich dauerhaft als Problem adressiert fühlen, verlieren Vertrauen in Institutionen. Anerkennung senkt die Wahrscheinlichkeit von Rückzug, Zynismus und Radikalisierung.
b) Prävention statt Stigmatisierung
Wenn Männergesundheit nicht als Korrekturprojekt, sondern als Versorgungsauftrag erscheint, sinkt die Hemmschwelle, Hilfe anzunehmen.
c) Glaubwürdigkeit staatlicher Neutralität
Ein Staat, der sichtbar auch männliche Verwundbarkeiten adressiert, wirkt weniger selektiv moralisch und mehr universalistisch.
5. Der entscheidende Punkt
Der australische Text zeigt etwas Seltenes: Man kann Männer gezielt unterstützen, ohne Frauen zu entwerten. Man kann Männlichkeit anerkennen, ohne Missstände zu leugnen. Man kann Prävention betreiben, ohne Moralpanik.
Genau diese Balance fehlt in vielen europäischen Debatten.
Wenn es euch stört, dass ich in Genderama von einer KI erstellte Texte aufnehme, meldet mir das gerne per Mail oder über die sozialen Medien zurück. Ich selbst finde solche Analysen erhellend, zumal sie ja nur eine Ergänzung einer Presseschau darstellen, die ansonsten weiter abläuft wie bewährt. Mir gefällt der Stil des nüchternen Erklärens in einer ansonsten aufgeheizten Debatte.
2. Die Süddeutsche Zeitung beschäftigt sich mit den fragwürdigen Vorwürfen sexueller Übergriffigkeit, die gegen den berühmten Physiker Erwin Schrödinger (1887-1961) kursieren. Ein Auszug aus dem Artikel:
Auf Druck von Studierenden benannte das Trinity College in Dublin, wo Schrödinger wirkte, einen nach ihm benannten Physiklehrsaal um. Ein Porträt von Schrödinger wurde aus dem College entfernt. Auch an der Humboldt-Universität in Berlin wurde zuletzt diskutiert, ob Schrödingers Name für ein Gebäude noch tragbar sei.
Dabei hatte niemand die in der Biografie erhobenen Vorwürfe überprüfen können: Schrödingers Nachkommen waren so schockiert [darüber], dass sie den privaten Teil des Nachlasses für die Öffentlichkeit und die Forschung sperrten. Nun jedoch konnte die Chemikerin sowie Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Magdalena Gronau vom Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZFL) Berlin zusammen mit ihrem Mann, dem ebenfalls am ZFL forschenden Historiker Martin Gronau, die gesperrten Dokumente erneut einsehen, darunter Schrödingers persönliche Tagebücher sowie Briefe der betroffenen Frauen, die deren Sicht auf Schrödinger wiedergeben. Das rund 150 Seiten umfassende Manuskript, das die beiden Forschenden zum Thema verfassten, wurde bereits zur Publikation angenommen, ist aber noch nicht veröffentlicht.
"In den von uns gesichteten Quellen finden sich keine Belege für eine pädophile Täterschaft Schrödingers, geschweige denn dafür, dass er wiederholt junge Frauen missbraucht hätte", sagt Magdalena Gronau. "Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass er, wie ihm öfter unterstellt worden ist, Autoritätsverhältnisse ausgenutzt hätte, etwa im universitären Umfeld."
Teilweise hätten sich die in einigen Medien erhobenen Vorwürfe als geradezu absurd herausgestellt, sagt Gronau. Als Beispiel nimmt sie die in Medienberichten erwähnte Lotte Rella, die Schwester eines Schulfreundes von Schrödinger. "Als Schrödinger Lotte kennenlernte, war er wahrscheinlich elf Jahre alt, Lotte zwei Jahre jünger", sagt Gronau. "Das waren noch Kinder." Ein Verwandter der Rellas, der durch erhaltene Familienbriefe Einblick in die Beziehung hat, bestätige zwar eine Freundschaft zwischen den Jugendlichen. "Entgegen den Behauptungen hatten sie aber wohl kein intimes Verhältnis."
(…) Für Gronau sind die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs und der Pädophilie eine Folge von schlechter wissenschaftlicher Praxis des Biografen Moore sowie der medialen Skandalisierungskultur. "Dass Schrödinger einen Lolitakomplex hatte, war eine Vorstellung des Biografen Walter Moore", sagt Gronau.
Der Amerikaner Moore verstand zwar etwas Deutsch, konnte aber große Teile von Schrödingers Tagebüchern gar nicht lesen. Denn diese hatte Schrödinger teils in der alten deutschen Kurrentschrift, teils in der schwierig zu entziffernden Gabelsberger-Kurzschrift verfasst. So konnte Moore von manchen Tagebuchseiten nur ein paar wenige Sätze entziffern. "Das ließ viel Raum für Spekulationen", sagt Gronau. "Moore hat den für seine Biografie interviewten Frauen auch suggestive Fragen gestellt und damit versucht, deren Aussagen in das von ihm gewünschte Licht zu rücken."
Der Blödsinn, Leute ungeprüft zu canceln, sobald nur irgendwelche Vorwürfe laut werden, sollte wirklich aufhören.
3. Christian Schmidt zerpflückt heute einen weiteren Artikel der Süddeutschen Zeitung: "Wut auf Männer ist wichtig, aber nicht immer eine Lösung".
4. Eine Berliner Mutter hat ihren Sohn, für den sie kein Sorgerecht hat, vor seiner Kita entführt. Die Polizei bittet die Öffentlichkeit um Mithilfe und hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung.
5. Zurück nach Australien. Dort hat sich eine verheiratete Musiklehrerin zu 15 Anklagepunkten schuldig bekannt. Die Vorwürfe umfassen unter anderem mehrere Fälle von Geschlechtsverkehr mit einem Kind unter 13 Jahren sowie nachdem das Kind seinen 13 Geburtstag erreicht hatte, außerdem den Besitz von Kinderpornografie. Craig war zum Zeitpunkt der letzten Vorfälle mit dem Kind des Jungen acht Monate schwanger. Das Baby wurde am 8. Januar 2025 geboren. Ein DNA-Test (durchgeführt an der Plazenta) bestätigte, dass der damals 12-/13-jährige Junge der Vater ist.
Der Junge kann vermutlich noch froh sein, wenn er der Täterin nicht noch Kindsunterhalt zahlen muss, wie das in mehreren Fällen in den USA geschah.
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