Dienstag, August 11, 2026

Großbritannien: "Wir sollten mehr Frauen ins Gefängnis stecken"

1. Die britische Tageszeitung Telegraph widmet sich in einem aktuellen Beitrag dem Geschlechtergefälle bei Häftlingen und die verquere Debatte darüber.

Weniger Frauen ins Gefängnis schicken. Das ist der Konsens über das gesamte politische Spektrum hinweg. Es ist Teil von Premierminister Andy Burnhams Plan, Gefängnisplätze für Männer freizumachen. Die Konservativen haben erklärt, dass sie dem zustimmen, und sogar Colin Sutton, der neu gewählte Police and Crime Commissioner von Reform für Norfolk, befürwortet es. Selbstverständlich sind auch alle Gefängnisreform-Wohltätigkeitsorganisationen dafür.

Offenbar könnten genügend Frauen sicher freigelassen werden, um HMP Bronzefield, Englands größtes Frauengefängnis mit über 500 Insassen, für männliche Straftäter umzuwidmen.

Wie bei allem, was zu einer unhinterfragten Wahrheit geworden ist, muss die Behauptung, dass wir zu viele Frauen einsperren, kritisch hinterfragt werden. Es lässt sich ein starkes Argument für die gegenteilige Position vorbringen: dass zu wenige Frauen eine Freiheitsstrafe verbüßen.

Es gibt über 87.000 Gefangene in England und Wales, aber nur etwa 4 Prozent bzw. 3.500 davon sind Frauen. Das ist ein dramatischer Wandel im Vergleich zu früheren Zeiten.

Laut Zahlen des House of Commons waren im Jahr 1900 17 Prozent der Gefangenen Frauen.

Während die Gesamtzahl der Gefangenen seit 1900 vervierfacht hat, ist die absolute Zahl der weiblichen Gefangenen kaum gestiegen. 1901 kamen auf 100.000 Männer über 15 Jahren in England 152 männliche Gefangene; heute sind es 336 pro 100.000. Bei den Frauen lag die Zahl 1901 bei 27 pro 100.000, heute bei 14 pro 100.000. Die Inhaftierungsrate bei Männern hat sich in den letzten 125 Jahren mehr als verdoppelt. Bei den Frauen hat sie sich hingegen fast halbiert.

(…) Es gibt gute Gründe zu der Annahme, dass weitaus weniger Frauen angeklagt werden, als es möglich wäre. Sprechen Sie mit Strafverteidigern – einige werden zugeben, dass es oft genügend Beweise gibt, um Ehefrauen und Freundinnen von Drogenhändlern und anderen Schwerverbrechern selbst anzuklagen, dies aber nur sehr selten geschieht.

Wie die Angelegenheit um Nicola Sturgeon zeigt, ist es durchaus möglich, dass die Partnerin eines Betrügers von den Verbrechen ihres Mannes nichts weiß. Wer jedoch mit einem Drogenhändler zusammenlebt, müsste schon außergewöhnlich naiv sein, um nicht zu wissen, was der Partner treibt. Mit einigen engen Ausnahmen (vor allem im Zusammenhang mit Terrorismus, Kindesmissbrauch oder bestimmten Berufen wie im Bankwesen mit Meldepflichten) ist das Nichtanzeigen einer Straftat selbst keine Straftat. Doch bei vielen Partnerinnen von Kriminellen, so sagen Strafverteidiger, gibt es oft klare Hinweise darauf, dass ihre Verwicklung weit darüber hinausgeht.

Kriminelle reagieren wie wir alle auf Anreize und Abschreckung. Wenn praktisch keine nicht-gewaltätigen weiblichen Straftäterinnen mit dem Gefängnis rechnen müssen (und nur das würde einen spürbaren Unterschied bei der Überbelegung der Gefängnisse machen), dann wird die Zahl der nicht-gewaltätigen weiblichen Straftäterinnen mit Sicherheit steigen. Und kriminelle Banden werden einen Anreiz haben, sie einzusetzen.

Zu behaupten, dass weniger Frauen ins Gefängnis geschickt werden sollten, ist nicht feministisch und spricht ihnen die Handlungsfähigkeit ab. Wahre Gleichheit bedeutet, mehr Frauen hinter Schloss und Riegel zu bringen.




2. Das Bezirksamt Neukölln möchte Gelder für Obdachlosen- und Suchthilfe streichen, wenn die betreffenden Helfer zu stark Israel kritisiert haben.



3. In Brandenburg hat man offenbar das Frauen unterdrückende Patriarchat abgeschafft, denn Frauen verdienen dort in 16 von 18 Regionen mehr als Männer.



4. "Schockstudie mit Mäusen: Werden Männer bald nicht mal mehr fürs Kinderkriegen gebraucht?" titelt die Wochenzeitung "Freitag" mit dem in vielen linken Kreisen üblichen Charme. Werden Männer beim "Freitag" nicht mal mehr als zahlende Leser gebraucht? Der Teaser des Artikels geht so:

Forscher haben eine Maus mit zwei Müttern und ganz ohne Vater gezüchtet. Unsere Autorin ist von Männern auf Dating-Apps so genervt, dass sie daraus eine radikale Idee für ihre beste Freundin entwickelt.


Der Artikel geht auf dem Niveau weiter, das sich hier schon erahnen lässt. Und demnächst irgendwann wird der "Freitag" einen neuen Beitrag darüber fabrizieren, wie übel der Frauenhass vieler Männer wäre …



5. In einem Youtube-Video, auf das ich heute gestoßen bin, beschäftigt sich die Therapeutin Vanessa Bentley mit den Folgen von Männerhass für die eigene seelische Gesundheit. (Den Link dazu sollte man vielleicht verschiedenen Redaktionen nach einem entsprechenden Artikel kommentarlos zusenden.) Bentley argumentiert, dass die Stigmatisierung von Männern und das Aufrechterhalten von Narrativen, die Männer pauschal als Täter oder Feindbild darstellen, nicht nur Männern schadet, sondern auch die psychische Gesundheit von Frauen nachhaltig belastet. Dabei beschreibt sie, wie im Zuge bestimmter gesellschaftlicher Strömungen die Kritik an Strukturen schrittweise auf die darin agierenden Personen übertragen wurde ("Männer sind das Problem"). Diese Männerfeindlichkeit basiere auf Verachtung und führe zu kognitiven Verzerrungen (zum Beispiel Generalisierungen, Katastrophisieren und Bestätigungsfehler). Für Betroffene – insbesondere Heranwachsende und Jungen – bedeute diese Form der Zuschreibung eine erhebliche Belastung für die Entwicklung der eigenen Identität. Unter Rückgriff auf paartherapeutische Erkenntnisse betont Bentley, dass Verachtung eine der Hauptursachen für den Zerfall von Beziehungen ist, da sie Respekt, Vertrauen und echte Intimität zerstört.

Auf gesellschaftlicher Ebene schwäche ein feindseliges Narrativ Frauen, da es sie in einem Dauerzustand der Abwehr und des Bedrohungsempfindens hält. Ein produktives Miteinander der Geschlechter wird erschwert, wenn Kooperation durch eine ideologische Feindbildkonstruktion ersetzt wird.

Deshalb plädiert Bentley für die Rückkehr zur Realität und die Überwindung pauschaler Verallgemeinerungen. Sie fordert Männer dazu auf, Beschämungen nicht kollaborativ hinzunehmen, und ermutigt Frauen, sich von Opfer-Narrativen zu lösen, um eine respektvolle und authentische Zusammenarbeit zwischen den Geschlechtern zu ermöglichen.



6. Die Berliner Zeitung hat den Religionsforscher Ryan Burge unter anderem zu jungen Männern interviewt:

Berliner Zeitung: Besonders junge weiße Männer kehren zur Religion zurück. Wie erklären Sie das?

Ryan Burge: Sie sind performativ religiös. Sie sagen eher, Religion sei ihnen sehr wichtig, aber sie gehen nicht häufiger in die Kirche. Es geht mehr um die Vibes von Religion als um die gelebte Erfahrung. Und das könnte das schlechteste Ergebnis der ganzen Sache sein. Religion ist nicht bloß ein Knüppel, mit dem man andere diskriminiert und sagt: Ich bin besser als du. Sie soll eine Gemeinschaft sein, die für eine gemeinsame Sache zusammenarbeitet.

Es ist, als hätten sie den einen Teil genommen, aber nicht den anderen – in vielerlei Hinsicht den schlechteren. Ich glaube, sie fühlen sich unbehaglich über das rasche Tempo des sozialen Wandels und suchen eine Erklärung oder eine Entschuldigung, je nach Perspektive.

(…) Viele junge weiße Männer haben mir erzählt, sie hätten angefangen, in die Kirche zu gehen, weil es der einzige Ort ist, an dem sie sich nicht dafür entschuldigen müssen, ein weißer Mann zu sein. Sie haben das Gefühl, der Rest der Gesellschaft richte sich nach Frauen, People of Color oder anderen Minderheiten aus, und die Kirche sei noch eine Bastion weißer männlicher Macht. Ich nehme das niemandem übel – man will dorthin gehen, wo man sich willkommen fühlt.




7. Das Blog "Wortvogel" stört sich an der Inflation bestimmter Begriffe:

Ich gehe mit Thomas Fischer nicht immer konform. Muss ich auch nicht. Aber er ist sehr gut darin, in seinen Kolumnen Recht von Gerechtigkeit zu trennen, die Moral von der Justiz – und das Arschloch vom Verbrecher.

In diesem Text setzt er sich mit den Reformplänen der Justizministerin auseinander, die den Gewaltbegriff massiv ausweiten/aufweichen will. Weil ich seine Meinung dazu seit Jahren selber predige, äußere ich mich hier dazu – und rege mich obendrein darüber auf, dass immer mehr Gesetze speziell auf tatsächliche oder empfundene Bedrohungen von Frauen zugeschnitten werden.

Früher war ein Gewaltverbrechen ein Gewaltverbrechen.

Heute ist Gewalt offenbar alles, was geeignet ist, jemanden "zu irritieren", "einzuengen", "unsicher fühlen zu lassen" oder "emotionale Belastungen zu erzeugen". Und wenn man sich lange genug durch die neuesten Vorschläge aus dem Justizministerium liest, gewinnt man den Eindruck, dass der Begriff "Gewalt" mittlerweile ungefähr dieselbe Präzision besitzt wie "toxisch", "Narrativ" oder "nachhaltig". "Gewalt" ist irgendwie das negative Pendant zur "Wellness".

(…) Besonders bemerkenswert ist dabei die Selbstverständlichkeit, mit der inzwischen explizit geschlechtsspezifische Schutzgesetze diskutiert werden. Nicht "Opferschutz". Nicht "Schutz vor Gewalt". Sondern Schutz von Frauen.

Natürlich: Frauen werden Opfer von Gewalt. Häufig. Schlimm. Unstrittig.

Aber Männer eben auch.

Und genau an diesem Punkt beginnt das rechtsstaatliche Unbehagen. Ein liberaler Rechtsstaat schützt die Bevölkerung – nicht ausgesuchte Teile davon. Man stelle sich probeweise die umgekehrte Formulierung vor: ein Gesetz zum besonderen Schutz von Männern vor psychischer oder sozialer Gewalt durch Frauen. Der öffentliche Aufschrei wäre auf der nach oben offenen Richter-Skala messbar.

Doch sobald "Frauen" im Titel steht, soll plötzlich jede Nachfrage unanständig wirken. Das ist kein Fortschritt.

(…) Nehmen wir den Kanadier, der 18 Monate im Knast saß, weil man ihm unterstellte, er habe im Internet versucht, sexuelle Kontakte zu Minderjährigen anzubahnen. Es gab keine Opfer, keine Zeugen, keine Beweise, kein Geständnis – nur seinen Usernamen, der auf den Drachenschrei im Computerspiel THE ELDER SCROLLS V: SKYRIM zurück geht. Das reicht zur Verurteilung. Es reicht, sein Leben zu ruinieren. Bis man dann feststellt, dass sein Username lediglich falsch abgeschrieben wurde.

Ups.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Frauen oder Kinder geschützt werden sollen. Natürlich sollen sie das. Genauso wie Männer.

Die eigentliche Frage lautet: Kann es in einem Rechtsstaat überhaupt Taten geben, die bei Frauen als Verbrechen gelten – bei Männern aber nicht? Ich möchte das nicht glauben. Und ich möchte es auch nicht unwidersprochen stehen lassen.




8. Eine neue Studie bestätigt, dass manche klassisch männliche Verhaltenswesen Männern schaden können (und andere nicht), womit sie differenzierter ist als neunzig Prozent von dem, was man in deutschen Medien zu diesem Thema findet:

Die Beziehung zwischen traditionellen Männlichkeitsidealen und der psychischen Gesundheit von Männern ist nach neuen Forschungsergebnissen hochkomplex. Während einige gesellschaftliche Erwartungen an das Verhalten von Männern neutral oder sogar schützend wirken, zeigt eine neuere Studie, dass bestimmte Normen – nämlich emotionale Unterdrückung und extreme Selbstbezogenheit – eindeutig mit höheren Raten von Angstzuständen und Depressionen verbunden sind. Die Studie hilft, die psychologischen Mechanismen dahinter zu erklären, und zeigt, dass diese spezifischen Ideale mit Schwierigkeiten bei der Verarbeitung und Bewältigung von Emotionen zusammenhängen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Sex Roles" veröffentlicht.

Forscher haben beobachtet, dass Männer seltener professionelle psychologische Hilfe in Anspruch nehmen und eine Therapie häufiger abbrechen als Frauen. Männer weisen zudem hohe Raten an internalisierenden Symptomen auf. Unter internalisierenden Symptomen versteht man psychische Erkrankungen, bei denen Betroffene psychisches Leid nach innen richten, anstatt es aggressiv nach außen zu tragen; typische Beispiele sind Depressionen und Angststörungen.

(…) Wichtig ist, dass die Forscher Männlichkeit nicht als einzelnes, homogenes Konstrukt betrachteten, sondern als eindimensionales und mehrdimensionales Gefüge von Normen. In vielen industrialisierten westlichen Ländern reichen diese traditionellen Ideale von Streben nach sozialem Status und Risikobereitschaft bis hin zu Stoizismus und der Unwilligkeit, Verletzlichkeit zu zeigen. Die Studie zielte darauf ab, genau zu identifizieren, welche dieser spezifischen Erwartungen schädlich, welche neutral und welche möglicherweise sogar schützend sind.

Um den Zusammenhang zwischen diesen kulturellen Erwartungen und der psychischen Gesundheit zu verstehen, betrachteten die Forscher zwei spezifische psychologische Konzepte: Alexithymie und Emotionsregulation.

Alexithymie beschreibt ein Persönlichkeitsmerkmal, das durch schwere Schwierigkeiten gekennzeichnet ist, eigene Emotionen zu erkennen und zu benennen. Menschen mit hoher Alexithymie neigen dazu, ihre Aufmerksamkeit nach außen zu richten, anstatt ihre inneren Gefühle zu analysieren. Emotionsregulation hingegen ist die Fähigkeit, emotionale Reaktionen zu überwachen, zu bewerten und zu verändern, um einen gewünschten Zustand oder ein Ziel zu erreichen.

Die Forscher stellten die Hypothese auf, dass bestimmte kulturelle Erwartungen Jungen von klein auf beibringen, Verletzlichkeit zu unterdrücken. Wenn Kinder wiederholt dazu angehalten werden, Trauer oder Angst zu verbergen, um stark zu erscheinen, verlieren sie die Gelegenheit, das Erkennen und Verarbeiten dieser Gefühle zu üben. Im Laufe der Zeit kann sich aus diesem Mangel an Übung im Erwachsenenalter eine Alexithymie entwickeln.

Um dieses Modell zu testen, rekrutierten die Forscher 740 Männer aus den USA und dem Vereinigten Königreich für eine umfangreiche Online-Befragung. Die Teilnehmer waren zwischen 22 und 80 Jahre alt und stammten aus unterschiedlichen Bildungs- und Beschäftigungsverhältnissen.

Die Umfrage umfasste mehrere Fragebögen zur Erfassung verschiedener Aspekte der psychologischen Profile der Teilnehmer. Ein Fragebogen maß, wie stark jeder Teilnehmer zehn verschiedenen traditionellen Männlichkeitsnormen entsprach. Dazu gehörten Eigenschaften wie Risikobereitschaft, Siegeswille, Statusstreben, Selbstständigkeit, die absolute Priorisierung der Arbeit und die Aufrechterhaltung strikter emotionaler Kontrolle.

Weitere Fragebögen erfassten den Grad der Alexithymie der Teilnehmer und ihre Fähigkeit zur Emotionsregulation. Schließlich bewertete die Studie das Vorhandensein und die Schwere internalisierender Symptome, wobei gezielt nach Anzeichen von Depression, Angst und Stress gesucht wurde.

Die statistische Analyse ergab, dass die Beziehung zwischen Männlichkeitsnormen und psychischer Gesundheit stark vom jeweiligen Normtyp abhängt. Vier spezifische Männlichkeitsideale standen in starkem positivem Zusammenhang mit höherer Alexithymie: die Priorisierung der Arbeit, der Drang nach absoluter Selbstständigkeit, der Siegeswille und die Betonung emotionaler Kontrolle.

Männer, die eine höhere Zustimmung zu diesen Normen angaben, hatten mit größerer Wahrscheinlichkeit Schwierigkeiten, ihre eigenen Gefühle zu erkennen und zu benennen. Die Forscher vermuten, dass das Vergraben in Arbeit oder die Weigerung, um Hilfe zu bitten, die Gewohnheit verstärken kann, innere Gefühlszustände zu ignorieren.

Andere traditionelle Männlichkeitsnormen zeigten diesen schädlichen Zusammenhang jedoch nicht, und einige schienen sogar förderlich zu sein. Männer, die sich stark zum "Statusstreben" bekannten, wiesen beispielsweise geringere Werte bei Alexithymie und weniger internalisierende Symptome auf. Normen in Bezug auf Risikobereitschaft und heterosexuelle Selbstdarstellung zeigten keine negativen Auswirkungen auf die emotionale Verarbeitung.

Für diejenigen, die ein hohes Maß an Alexithymie aufwiesen, zeigte die Studie einen starken Kaskadeneffekt: Weil es diesen Männern schwerfiel, ihre Gefühle präzise einzuschätzen, waren sie weniger gut gerüstet, diese Gefühle wirksam zu steuern. Diese Unfähigkeit zur Emotionsregulation war wiederum stark mit erhöhter Angst und Depression verbunden.

Durch die Verknüpfung dieser Variablen zeichneten die Forscher einen sequenziellen psychologischen Pfad nach: Der Druck, Idealen extremer Autonomie und emotionaler Unterdrückung zu entsprechen, steht in Verbindung mit der Unfähigkeit, eigene Emotionen zu identifizieren. Diese emotionale Blindheit schränkt die Fähigkeit ein, psychische Belastungen zu bewältigen, was letztlich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für das Auftreten internalisierender Symptome korrespondiert.

(…) Da Männlichkeit vielschichtig ist, warnen die Autoren davor, sie als einheitlich schädliche Kategorie zu behandeln, da eine solche Vereinfachung unkonstruktive Stereotype über Männer verfestigt.

Stattdessen bieten diese Ergebnisse gezielte Anhaltspunkte für Therapeuten und Pädagogen. Die Forscher betonten, dass das Versäumnis, grundlegende Schwierigkeiten bei der Gefühlsidentifikation frühzeitig in der Therapie anzugehen, die Wirksamkeit traditioneller psychologischer Behandlungen mindern könnte. Interventionen, die Männern zunächst beim Aufbau eines emotionalen Vokabulars helfen – ohne Männlichkeit als Ganzes zu pathologisieren –, könnten sich als äußerst nützlich erweisen. Zudem schlagen die Autoren Schulprogramme mit Fokus auf Gefühlsbenennung vor, um Jungen zu helfen, lange vor dem Erwachsenenalter eine gesündere emotionale Funktionsfähigkeit zu entwickeln.

Obwohl die statistischen Modelle einen sequenziellen Pfad nachzeichnen, stützt sich die Studie auf Querschnittsdaten. Ein Querschnittsdesign erfasst Informationen zu einem einzelnen Zeitpunkt, was bedeutet, dass die Forscher keine Kausalität beweisen können. Es ist möglich, dass Personen, die bereits unter hoher Angst oder Depression leiden, ihre Zustimmung zu Männlichkeitsnormen anders angeben als sonst.




Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



kostenloser Counter