Hat Baerbocks "feministische Außenpolitik" Deutschland den Sitz im Weltsicherheitsrat verhagelt?
1. Der Merkur berichtet aus Nairobi:
Die deutsche Niederlage im Rennen um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat wirkt in Berlin weiter nach. Besonders die Präsidentin der Generalversammlung, Annalena Baerbock (Grüne), gerät dabei zunehmend unter Beschuss. Doch die Kritik an Baerbock bleibt nicht auf Deutschland beschränkt.
Am Rande eines Gipfeltreffens afrikanischer Spitzenpolitiker in Nairobi fand Botswanas Alt-Präsident Mokgweetsi Masisi (…) eindringliche Worte: "Vielleicht hätte sich Frau Baerbock darauf konzentrieren sollen, ihre Arbeit in der deutschen Diplomatie zu erledigen, anstatt zu versuchen, Nigerianern vorzuschreiben, wo sie ihre Toiletten zu bauen haben, und den Afrikanern zu sagen, wie sie mit Elefanten umgehen sollen." Weiter sagte Masisi: "Vielleicht hätte Deutschland dann mehr Stimmen aus Afrika für den UN-Sitz erhalten."
(…) Masisi betonte: "Ich fühle mich besser und zuversichtlicher in unseren Beziehungen zu Deutschland, jetzt, wo Frau Baerbock aus dem Amt ist." Er sprach von einem "herablassenden und respektlosen Verhalten" Deutschlands.
Wollte Baerbock den Nigerianern tatsächlich vorschreiben, wo sie ihre Toiletten zu bauen haben? O ja. Die Berliner "taz" stellte das vor drei Jahren als feministische Außenpolitik vor, über die auch keinerlei Diskussion gewünscht war:
Nein, feministische Außenpolitik sei eine Selbstverständlichkeit. Das Auswärtige Amt will künftig Rechte von Frauen und strukturell benachteiligten Gruppen immer mitdenken. (…) Als Beispiel nannte Baerbock etwa den Wiederaufbau eines zerstörten Dorfes in Nigeria – wo Sanitäranlagen eben nicht mehr am Rand der Siedlung geplant werden sollen, sondern den Sicherheitsbedürfnissen von Frauen und Kindern entsprechend in zentraler Lage.
Das scheint einigen Unmut in Afrika erzeugt zu haben. Man hat fast den Eindruck, die Buschmänner und -frauen wollten gar nicht von weißen Feministinnen missioniert werden. Dabei klappt das bei den hiesigen Eingeborenen doch so gut! Selbst "herablassendes und respektloses Verhalten" von Feministinnen beanstanden deutsche Politiker nie.
2. Österreichs "Standard" berichtet über einen Prozess wegen einer angeblichen Vergewaltigung. Die betroffene Frau hat es dabei nicht leicht, was unter anderem daran liegt, dass sie in der polizeilichen Vernehmung erklärt hatte: "Ich bin auf ihm geritten und es hat mir gefallen." Danach wird es nicht besser, weshalb es schließlich hierzu kommt:
"Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll", begründet die Richterin dann ihren "eindeutigen Freispruch". Petschniker schließt nicht aus, dass die 29-Jährige sich vielleicht missbraucht gefühlt habe, der Angeklagte habe das aber nicht erkennen können, verweist sie auf die Schilderung des Taxifahrers.
"Ich fand Sie glaubwürdig und Sie sind von Anfang an bei Ihrer Schilderung geblieben", wendet sie sich an den Angeklagten. Bei der Frau sei das anders: "Sie erweitert wirklich jedes Mal ihre Aussage. Bei der Polizei hat sie gesagt, der Angeklagte habe Analverkehr versucht. In ihrer schriftlichen Stellungnahme ein Monat später beschreibt sie, er habe gesagt, er wolle Analverkehr, da er kein Kondom habe. Bei der Sachverständigen hat sie dann behauptet, er sagte, das Kondom sei gerissen. Und heute, bei ihrer vierten Aussage, spricht sie davon, dass es Analverkehr gegeben habe und sie massive Schmerzen gehabt habe!"
Es ist so typisch: Unsere patriarchale Justiz glaubt Frauen einfach nicht.
3. Wenn man wie ich am Presseticker mit Nachrichten über die Geschlechterdebatte sitzt, fällt einem sehr auf, dass es derzeit fast keinen Tag gibt, an dem nicht irgendein Artikel gegen die Manosphäre wettert. Aktuell erklärt die Frankfurter Rundschau, dass sogar Louis Therouxs Doku, in der dieser die Manosphäre verdammt, problematisch sei:
Therouxs charakteristischer Dokumentarstil, der selten kommentiert und darauf vertraut, dass die Protagonisten sich selbst entlarven, trägt – wenn auch unbeabsichtigt – passiv zur Verbreitung ihrer kruden Frauen- und Weltsicht bei. Als Justin Waller, eine Internetpersönlichkeit, deren Markenzeichen scheinbar unerträglich enge Anzugjacken sind, mit Blick auf Miamis Skyline fordert, Theroux solle ihm "nur eine Sache hier" nennen, die "eine Frau erfunden und gebaut hat", hat der Filmer dem nichts entgegenzusetzen als ein verdutztes Gesicht. So wird Therouxs Manosphere-Darstellung Teil des Problems.
Das stimmt, aber in Wahrheit ist es noch viel erschreckender: Auch die Autorin der Frankfurter Rundschau trägt diese Haltung aus der Manosphäre weiter, ohne dass sie ihr irgendein Beispiel entgegensetzen kann. Gehört demnächst ALLES zum Wirkungskreis der Manosphäre? Beängstigend.
Der Artikel geht weiter; die Autorin versucht jetzt, irgendwie eine Verknüpfug von Manosphäre und Gewalt herzustellen:
Im August 2024 zog ein überwiegend männlicher Mob durch die Straßen von Belfast und anderen britischen Städten und griff Häuser und Geschäfte von Menschen mit Migrationshintergrund an – angeblich als Protest gegen die Tötung dreier junger Mädchen im britischen Southport im Vormonat. Rechtsextreme Aktivisten und Social-Media-Nutzer behaupteten, die Randalierer tobten in Solidarität mit und zum Schutz von Frauen und Kindern und erklärten die Gewalt als gerechtfertigt.
Ein Demonstrationszug, der sich gegen "Femizide" engagierte, also ein … feministischer Mob? Ich weiß nicht, ob dieses Beispiel so überzeugend ist, wie man bei der Rundschau glaubt.
Ein weiterer Absatz:
In den raren Momenten, in denen Theroux in der Doku versucht, seine Protagonisten und deren Ansichten zu hinterfragen, lässt er sich von dieser Nullachtfuffzehn-Moral aufs Glatteis locken. Als die Männer online Kontakt zu einem älteren homosexuellen Mann aufnehmen, ihn in die Innenstadt locken und brutal zusammenschlagen, wirkt Theroux aufrichtig bestürzt. Und doch kommentiert er: "Sie hatten ihn beschuldigt, ein Sexualstraftäter zu sein. Ich konnte nicht wissen, ob das stimmte." Und wenn es stimmte, was dann? Hätte das etwas an dem geändert, was seine Protagonisten dem Mann antaten? Wäre ihre Gewalt dadurch "verständlich" geworden? Hätte es sie zu den "Edlen" gemacht, als die sie sich selbst vor ihrem Online-Publikum präsentieren? Offenbar hat der amerikanische Neurowissenschaftler Robert Sapolsky recht: "Wir haben nichts gegen Aggression und Gewalt. Solange sie von den ,richtigen´ Menschen eingesetzt werden. Gegen diejenigen, die Gewalt ‚verdienen‘."
Das ist eine zutreffende Beobachtung. Das Problem ist: Es fällt einem nicht schwer, eine ganze Reihe von Äußerungen zu finden, mit denen Feministinnen Gewalt gegen männliche Sexualstraftäter fordern. Vor einigen Wochen forderte die Influencerin "Leonie Löwenherz" auf Instagram, dass Christian Ulmen "und andere Täter an ihren großen Zehen auf den Marktplätzen dieser Nation aufgehangen und öffentlich kastriert werden" sollten. Die Polizei Düsseldorf sah keinen Anfangsverdacht und ermittelte nicht.
Zuletzt kann ich der Rundschau-Autorin immerhin zustimmen, wenn sie schreibt:
Es sind nie die wenigen Extremisten, die mich das Fürchten lehren. Es sind wir alle: mit unseren moralisch geprägten Vorstellungen von richtig und falsch, von Männern und Frauen. (…) Sie erwachsen aus unseren geschlechtsspezifischen Moralvorstellungen. Und werden genährt durch unser kollektives Bemühen, diese Ansichten aufrechtzuerhalten, derweil wir uns eifrig als geläutert, fortschrittlich und "besser als" sehen und präsentieren.
Das bringt es doch auf den Punkt: Frauen sind nicht besser als Männer und der Feminismus nicht besser als die Manosphäre.
Ich fürchte nur, dass die Rundschau-Autorin es so nicht gemeint hat.
4. "Russland setzt sexuelle Gewalt in der Ukraine gezielt gegen Männer ein" titelt der Schweizer Tages-Anzeiger und berichtet, dass das Land deshalb neben Israel jetzt auf einer schwarzen Liste der Vereinten Nationen stehe. In dem Artikel heißt es weiter:
Auffallend oft werden in der Ukraine Männer Opfer von sexueller Gewalt. Laut der UNO waren 280 Männer betroffen, 26 Frauen und 4 Mädchen. Viele Taten ereigneten sich in Haft – gegen ukrainische Kriegsgefangene, aber auch gegen inhaftierte Zivilisten und Zivilistinnen.
5. Einer meiner Leser weist mich auf einen aktuellen Beitrag der Nachdenkseiten über "Lavender" hin, eine israelische militärische KI, die dazu dient, menschliche Ziele zu markieren. In dem Beitrag des mehrfach preisgekrönten israelischen Journalisten Yuval Abraham heißt es:
Quellen zufolge bestand das einzige Protokoll zur menschlichen Überwachung vor der Bombardierung der von Lavender markierten Häuser mutmaßlicher "jüngerer" Militanten jedoch darin, eine einzige Überprüfung durchzuführen: sicherzustellen, dass das von der KI ausgewählte Ziel männlich und nicht weiblich ist. (…) In der Praxis bedeutete dies den Quellen zufolge, dass es für zivile Männer, die fälschlicherweise von Lavender markiert wurden, keinen Überwachungsmechanismus gab, um den Fehler aufzudecken.
6. Ein weiterer Leser schreibt mir aus Graz:
Lieber Arne Hoffmann,
im Blog des Tiroler Journalisten Alois Schöpf wurde gestern mein Artikel über den Gender-Bildungs-Gap in Österreich veröffentlicht, wo Jungs in einer von Frauen dominierten Bildungsszene zunehmend den Kürzeren ziehen. Ich habe dabei unter anderem auf einen FAZ-Artikel verwiesen, auf den ich durch Ihr Genderama aufmerksam wurde.
Auch in Österreich fordern Frauen immer wieder, Männer müssten Verantwortung für Verbrechen ihrer Geschlechtsgenossen übernehmen. Sogar unser Bundespräsident, der Alt-Grüne Alexander van der Bellen, stimmt in diesen Chor ein. Ich habe mich in zwei Texten damit auseinandergesetzt:
* Die Polemik "Der Feminismus als Staatsreligion" hat für schoepfblog-Verhältnisse ziemlich viele Leser aufgeregt. Hm.
* Mein sachlicherer Einwand "Männer sind nicht gewalttätig, weil sie Männer sind" hat dagegen keine Reaktionen hervorgerufen. Nur eine Autorin meinte in einer als eigener Beitrag erschienen Replik, ohne sich namentlich auf meinen Text zu beziehen: "Man kann Gewalt gegen Frauen nicht mit der gesamten, allgemeinen Gewalt verrechnen, weil es eine geschlechterspezifische Form der Gewalt ist." – "Weil"-Sätze klingen immer plausibel, selbst wenn sie nur aus heißer Luft bestehen.
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