Titelgeschichte beleuchtet Radikalisierung junger Frauen
1. Die Londoner Wochenzeitung New Statesman, die als Sprachrohr des linken Spektrums gilt, behandelt in seiner aktuellen Titelgeschichte die feministische Radikalisierung junger Frauen. Nun ist Großbritannien nicht identisch mit Deutschland, uns kulturell aber nah genug, dass es hier Überschneidungen geben dürfte. Wenn das so ist, dann zeigt dies, dass der Fall Fernandes/Ulmen nur ein Funke war, der ein ohnehin schwelendes Feuer zum Auflodern brachte. Ein Auszug aus dem Artikel, der damit beginnt, dass er die TikTok-Influencerin Phoebe O’Brien vorstellt (leuchtend grüne Augen, drei silberne Nasenringe, 80.000 Follower).
O’Briens Inhalte – und die einer wachsenden Zahl linker Influencerinnen – spiegeln in gewisser Weise jene männlicher Influencer. Während die toxische, oft stark rechtsgerichtete Politik der sogenannten Manosphere umfassend dokumentiert ist, zeigt sich die neue Generation weiblicher Influencerinnen ähnlich radikal – nur am anderen Ende des politischen Spektrums. Im Internet haben sich Frauen und Männer noch nie so stark voneinander entfremdet.
Diese Spaltung zeigt sich auch im Alltag. Exklusive Umfragedaten von Merlin Strategy für den New Statesman zeigen, dass junge Frauen zwischen 18 und 30 Jahren in Großbritannien die mit Abstand progressivste Bevölkerungsgruppe sind. Sie stehen dem Kapitalismus deutlich skeptischer gegenüber als junge Männer und glauben wesentlich seltener, dass die Wirtschaft zu ihren Gunsten funktioniert. Zugleich blicken sie deutlich pessimistischer in die Zukunft – sowohl in ihre eigene als auch in die der Gesellschaft. Auch ihre Einstellung zu jungen Männern ist negativer als umgekehrt.
Diese sogenannte "Femosphäre" umfasst unterschiedliche Tonlagen, doch ein Großteil der Inhalte verstärkt die Distanz zu Männern: von misandrischen Dating-Coaches, die Frauen raten, Männer grundsätzlich abzulehnen, bis zu explizit progressiven Content-Creatorinnen, die sich mit globaler und nationaler Politik beschäftigen. Viele der Accounts, mit denen O’Brien interagierte, äußerten sich scharf über Männer. Megan Cooper, eine britische "trauma-informierte ganzheitliche Therapeutin", betreibt den Podcast Higher Love, in dem sie über Gewalt gegen Frauen, "Hypermaskulinität" und ein "Ökosystem künstlich erzeugter männlicher Opferrolle" spricht. Auf Instagram kommentierte sie Konflikte im Iran, in Palästina, Beirut und Sudan. "Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber seit Monaten schmerzen mir die Knochen", schrieb sie im März. "Die Körperlichkeit der weiblichen Wunde." O’Brien teilte auch Beiträge von Frank Riot, einer Künstlerin mit langem, blond gebleichtem Haar. Auf deren Instagram-Seite finden sich Selfies mit "ACAB"-Bandanas und Suffragetten-Abzeichen neben Infografiken über Israels Kriegsverbrechen. "Triff mich bei den Ruinen der Kriegsmaschine", heißt es in einem Beitrag. "Küss mich im Morgengrauen ihres Untergangs."
O’Brien bezeichnet sich selbst eher als Revolutionärin denn als Aktivistin. "Revolutionärin bedeutet für mich: Ich will systemische Veränderung. Ich will nicht innerhalb dieser Systeme existieren, sondern ein Instrument der Revolution sein." Es mache sie körperlich unruhig, Ungerechtigkeit zu sehen und untätig zu bleiben. Vielleicht seien Frauen deshalb häufiger progressiv als Männer, mutmaßte sie – weil sie stärker mit ihren Emotionen und körperlichen Empfindungen verbunden seien. Diese Sicht wirkt essenzialistisch, doch O’Brien sagt, gerade diese Unruhe treibe sie an: "Der einzige Weg, dieses negative Gefühl loszuwerden, ist zu handeln."
(…) Auffällig ist jedoch, dass laut Umfrage gerade privilegiertere Frauen besonders pessimistisch sind. Frauen in Mittelschichtsberufen fühlen sich seltener von der Gesellschaft wertgeschätzt und glauben weniger daran, durch harte Arbeit erfolgreich zu sein als Frauen aus der Arbeiterklasse. Obwohl junge Männer häufiger arbeitslos sind, blicken junge Frauen deutlich skeptischer auf ihre finanzielle Zukunft. Auch sind weiße Frauen eher der Ansicht, dass das Land rassistisch sei, als nicht-weiße Frauen.
Dieser Mangel an Zuversicht überraschte mich. 2015 gründete meine Schule ihre erste feministische AG; wir lasen Caitlin Moran und Naomi Wolf, diskutierten auf Facebook mit Jungen über Begriffe wie intersektionalen Feminismus und strukturellen Rassismus. Themen waren Vergewaltigungskultur, Black Lives Matter, kulturelle Aneignung oder der männliche Blick. Doch seither ist die Desillusionierung gewachsen. Nach der Isolation während der Covid-Pandemie und angesichts der Reaktionen westlicher Regierungen auf den Gaza-Krieg hat sich ein ausgeprägter Pessimismus entwickelt.
(...) Bei einer Performance-Nacht in der Feminist Library in Peckham, die Spenden für Transgender-Projekte sammelte, bestand das Publikum überwiegend aus jungen Frauen. Die Beiträge reichten von Tanz über Improvisation bis zu politisch aufgeladenen Monologen. Eine Besucherin namens Anna erzählte mir von chronischen Schmerzen infolge von Endometriose und davon, wie sehr diese Erfahrung ihr politisches Denken geprägt habe. Sie empfinde Schmerz als grundlegenden Bestandteil weiblicher Existenz. Ihre politischen Ansichten seien radikaler geworden, nachdem sie sich durch bürokratische Verfahren entwürdigt gefühlt habe.
Auch andere Frauen schilderten ähnliche Entwicklungen. Viele verbinden ihre politische Haltung mit persönlichen Erfahrungen von Unsicherheit, Krankheit oder Ungleichbehandlung. Häufig richtet sich ihre Kritik nicht nur gegen einzelne Missstände, sondern gegen umfassendere gesellschaftliche Strukturen.
(…) Auffällig war auch die wachsende Distanz zwischen jungen Frauen und Männern. Viele Frauen lehnten es ab, Männer mit anderen politischen Ansichten zu daten. Einige wollten nicht einmal mit ihnen befreundet sein. Gleichzeitig äußerten sie die Sorge, Männer würden online zunehmend frauenfeindliche Inhalte konsumieren, während sie selbst mit männerkritischen Botschaften konfrontiert seien. Diese wechselseitige Verstärkung verschärft die Kluft.
Die Folgen könnten weitreichend sein. Beziehungen werden schwieriger, Einsamkeit und Frustration nehmen zu. Besonders junge Frauen unter 25 äußern die Überzeugung, dass die Umstände gegen sie arbeiten, unabhängig davon, wie sehr sie sich bemühen.
Alle Frauen, mit denen ich sprach, engagierten sich aus einem tiefen moralischen Antrieb heraus für eine Veränderung der Welt – einer Welt, von der sie glaubten, dass sie sich nicht für sie interessiere. Glück versprach dieses Engagement nicht unbedingt. Doch genau das schien für viele Teil der Haltung zu sein. "Wenn man sich wirklich um andere Menschen kümmert", sagte eine Studentin aus Leeds, "kommt man um einen gewissen Pessimismus nicht herum."
Ein Kommentar, den ich zu diesem Artikel auf Twitter gelesen habe, trifft den Sachverhalt gut: "Frauen waren noch nie so frei, so wohlhabend oder so unabhängig wie heute, sie waren noch nie so sicher, sie haben noch nie so viel Unterstützung und Anerkennung erfahren, sie hatten noch nie so viel Macht und so viele Möglichkeiten – und sie sind stocksauer deswegen."
2. Der Spectator eine konservative britische Wochenzeitschrift für Politik sieht die Dinge natürlich ganz anders als die jungen Damen. Dort pflichtet man dem Schauspieler Chris Eccleston bei, dessen Unmut über die wachsende Männerfeindlichkeit des Fernsehens ich hier gestern zitiert habe.
Um die wenig elegante Terminologie des linksliberalen Diskurses aufzugreifen, ließe sich heute durchaus argumentieren, dass Vorurteile gegenüber Weißen und Männern inzwischen "systemischen" Charakter angenommen haben.
(…) Es liegt nahe, diese beiden Beobachtungen miteinander zu verknüpfen: dass weiße Männer in der Fiktion häufig negativ gezeichnet und im realen Leben gesellschaftlich stigmatisiert werden. Man könnte sogar einen Zusammenhang zwischen beidem vermuten – eine Art sich selbst verstärkender Kreislauf.
Aktuelle Fernsehproduktionen, etwa "Adolescence", sowie Dokumentationen wie jene von Louis Theroux über die sogenannte Manosphere haben dazu beigetragen, die Vorstellung zu festigen, dass nicht bloß einzelne Ausprägungen problematisch sind, sondern Männlichkeit an sich. "Toxische Männlichkeit" wird dabei weniger als Abweichung verstanden, sondern eher als logische Konsequenz männlichen Verhaltens. Eigenschaften wie Stärke, Standhaftigkeit, Selbstständigkeit, Stoizismus und Zurückhaltung gelten nicht länger als positive Tugenden, sondern geraten unter Verdacht, mit Unterdrückung, Aggression und Wut verbunden zu sein. Sie stehen im Kontrast zu einem gesellschaftlichen Ideal, das traditionell eher mit Empathie, Konsens, Zusammenarbeit und emotionaler Offenheit assoziiert wird. In dieser Perspektive wird männliches Verhalten pauschal als problematisch bewertet.
Auch Weißsein wird zunehmend kritisch betrachtet. Der Begriff "Whiteness", geprägt im Umfeld der Critical Race Theory, beschreibt die These, dass rassistische Denkmuster strukturell in westlichen Gesellschaften verankert seien. Eine Sichtweise, die ursprünglich vor allem in akademischen Kontexten verbreitet war, hat inzwischen breitere öffentliche Aufmerksamkeit erlangt. (…) Überträgt man die zuvor erwähnte Terminologie, ließe sich argumentieren, dass Vorurteile gegenüber Weißen und Männern heute eine strukturelle Dimension erreicht haben. Wer sowohl weiß als auch männlich ist, befindet sich gewissermaßen an der Schnittstelle einer neuen, gesellschaftlich wenig angesehenen Form von "Intersektionalität": Kritik richtet sich sowohl gegen Hautfarbe als auch gegen Geschlecht, häufig mit dem Vorwurf, diese Merkmale gingen zwangsläufig mit Privilegien oder problematischen Einstellungen einher.
(…) Eccleston hat damit – wohl unbeabsichtigt – einen zentralen Punkt getroffen: Wenn Männlichkeit als Krise wahrgenommen wird, könnte dies auch damit zusammenhängen, dass Kultur und Medien kontinuierlich das Bild vermitteln, weiße Männer seien problematisch oder abweichend. Diese Darstellung verstärkt bestehende Narrative, die auch in Bildung und Erziehung weitergegeben werden. So setzt sich ein Kreislauf fort, in dem negative Zuschreibungen immer wieder reproduziert werden.
Ein solcher Kreislauf, so die Schlussfolgerung, müsste durchbrochen werden.
Die einzige Diskriminierung zu Lasten von Weißen, die der Spectator aufbieten kann, ist ein Punk-Festival zum Thema "Dekolonisierung". Das ist sehr dürftig. Die Benachteligungen, die Männer erfahren, füllen hingegen ganze Bücher.
3. Die britische Tageszeitung Telegraph schließlich, ebenfalls im konservativen Spektrum angesiedelt, berichtet, wie Dating für Männer zum Extremsport geworden ist:
Tristan Cressingham hatte nicht erwartet, dass seine siebenmonatige Beziehung auf so spektakuläre Weise enden würde.
Anfang November 2025 erhielt der 23-jährige Fotograf eine Nachricht von seiner damaligen Freundin, in der sie – so berichtet er – ausführlich darlegte, warum sie wieder Single sein wolle und welche Eigenschaften an ihm bei ihr das ausgelöst hätten, was sie als "Ick" bezeichnete.
Seinen Angaben zufolge handelte es sich um eine breit angelegte Kritik, die von der Länge seiner Shorts (offenbar zu kurz) bis zu seiner Neigung reichte, Nachrichten besonders schnell zu beantworten. "Im Grunde meinte sie, ich sei ein bisschen ‚cringe‘", sagt Tristan.
Zur gleichen Zeit ging ein Artikel von Chanté Joseph für die Vogue viral, überschrieben mit "Is Having A Boyfriend Embarrassing Now?". Der im Oktober 2025 veröffentlichte Text kritisierte nicht das Aussehen von Männern, sondern stellte das Konzept heterosexueller Beziehungen insgesamt infrage.
"Zu hören, dass jemand sich im Grunde für dich schämt, ist verletzend – besonders, wenn man dachte, diese Person akzeptiere einen", sagt Tristan. "Und trotzdem wird dieser Begriff inzwischen ziemlich beiläufig benutzt. Es wirkt, als stecke dahinter die Annahme, Männer seien Frauen unterlegen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Mann mit einem Text Erfolg hätte, in dem behauptet wird, Freundinnen seien peinlich."
Dennoch wurde Josephs Artikel millionenfach gelesen; in sozialen Medien äußerten Frauen sowohl Zustimmung als auch Empörung. Er löste eine weltweite Debatte über den Zustand moderner Beziehungen aus und lenkte die Aufmerksamkeit auf das sogenannte "Heteropessimismus" – ein Begriff des Autors Asa Seresin, der die oft öffentlich geäußerte "Reue, Scham oder Hoffnungslosigkeit" heterosexueller Menschen – insbesondere von Frauen – in Bezug auf Dating und Beziehungen beschreibt.
"Ich glaube, viele von uns zahlen heute den Preis für problematisches männliches Verhalten vergangener Generationen", sagt der 29-jährige Grafikdesigner Josh aus Lancashire. Gemeint seien etwa stereotype Rollenbilder, mangelnde Eigenständigkeit oder die Erwartung, von der Partnerin versorgt zu werden, obwohl diese ebenfalls arbeitet. "Viele junge Männer erwarten das heute vermutlich nicht mehr, aber es gibt eine Menge Inhalte, in denen Frauen von ihren hoffnungslosen Partnern erzählen. Ich verstehe, warum man so jemanden nicht daten möchte. Nicht alle Männer sind so – aber das lässt sich schwer zeigen, wenn man gar nicht erst die Chance bekommt, Frauen kennenzulernen."
Christian, ein 40-jähriger Physiotherapeut aus Surrey, der sich kürzlich scheiden ließ, stimmt zu. "Dating im Jahr 2026 fühlt sich an wie ein Drahtseilakt – ganz anders als vor 20 Jahren, als ich zuletzt Single war. Ich hinterfrage mein Verhalten ständig. Ich will respektvoll wirken, aber nicht langweilig; unterhaltsam sein, aber nicht einfältig; interessiert, aber nicht verzweifelt. Ich möchte eine feste Beziehung, ohne einengend zu wirken. Und ich muss zugleich zeigen, dass ich mit der Manosphere nichts zu tun habe."
(…) Noch nie, so der Eindruck vieler Gesprächspartner, sei es schwieriger gewesen, Single zu sein. Daten des Pew Research Center aus dem Jahr 2020 zeigen, dass die Mehrheit der Singles – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Wohnort – mit ihrem Liebesleben unzufrieden war. Männer nannten häufig Schwierigkeiten, überhaupt jemanden anzusprechen; Frauen berichteten eher, es sei schwer, jemanden zu finden, der den eigenen Erwartungen entsprach.
Neuere Untersuchungen der Manchester Metropolitan University zeigen zudem, dass das Singleleben für Frauen zunehmend positiv und selbstbestimmt dargestellt wird, während alleinstehende Männer sich von negativen Rollenbildern geprägt fühlen – entweder als sorglose Lebemänner oder als sozial isolierte "Incels".
Simon, 51, Datenanalyst aus den West Midlands, berichtet, er habe auf Dating-Apps wie Tinder nur selten Erfolg. "Wenn überhaupt eine Antwort kommt, verläuft das Gespräch ins Leere", sagt er. "Ich habe aufgehört, mich ständig zu fragen, was ich falsch mache. Es wirkt, als würden Männer in meinem Alter pauschal negativ gesehen – als wären wir alle sozial isolierte Kellerbewohner." Früher habe er lange Beziehungen gehabt, doch im digitalen Dating habe sich sein Glück "verflüchtigt". "Ich würde gern jemanden kennenlernen, habe aber keine Ahnung mehr, wie."
Der Psychologe Lee Chambers, Leiter der Organisation Male Allies UK, erklärt, insbesondere die Verlagerung ins Online-Dating habe die Partnersuche stärker zu einem transaktionalen Prozess gemacht. Viele junge Männer hätten das Gefühl, der Aufwand lohne sich nicht mehr.
Ein weiteres Problem sieht er in oft weniger tiefgehenden Freundschaften unter Männern, was Isolation begünstige und sich negativ auf romantische Beziehungen auswirken könne. Zunehmend beobachte er auch ein wachsendes Interesse an KI-Partnern.
(…) Die Dating-Coachin Hayley Quinn betont, dass Schwierigkeiten beim Kennenlernen nichts Neues seien, aber durch Internet und soziale Medien verstärkt würden. Gleichzeitig fördere die Manosphere ein Opferdenken bei Männern, das die Kluft weiter vertiefe.
Zugleich fühlten sich viele Männer sozial eingeschränkt. Eine Studie der University of Toronto aus dem Jahr 2024 zeigt, dass sie Schwierigkeiten haben, die Erwartungen moderner Männlichkeit in Beziehungen zu erfüllen. Quinn berichtet von verbreiteter "Ansprechangst": Männer fürchten, als aufdringlich zu gelten oder negative Konsequenzen im sozialen Umfeld zu riskieren. Dadurch bleibe oft nur das Online-Dating – mit all seinen Schwierigkeiten.
George, 31, Koch aus Dorset, beschreibt Dating als politisch aufgeladen und verunsichernd. "Ich habe das Gefühl, ich muss mich schon im Vorfeld rechtfertigen – als würde ich für das Verhalten anderer Männer mitverantwortlich gemacht", sagt er. Unterschiedliche Ratschläge aus sozialen Medien verstärkten die Unsicherheit zusätzlich.
Selbst alltägliche Situationen seien kompliziert geworden: Eine Frau habe sich bei einem Date daran gestört, dass er die Getränke bezahlt habe. Auch Höflichkeit könne missverstanden werden. "Frühere Generationen fanden Dating aufregend – für mich fühlt es sich eher unerquicklich an", sagt er.
(…) Ein 18-jähriger Student berichtet, dass er und seine Freunde von ihren Eltern dazu angehalten wurden, bei Partys schriftliche Zustimmung per Nachricht einzuholen – aus Sorge vor möglichen Vorwürfen. "Ich verstehe den Gedanken dahinter", sagt er, "aber es nimmt auch etwas von der Spontaneität."
Also kurz: Frauen schrauben ihre Ansprüche immer höher, während Männer sich bemühen, durch jeden Reifen zu springen, den man ihnen hinhält. Oder aber, sie verweigern sich dem ungleichen Datingmarkt ganz. Dann gelten sie aber als frauenfeindlich und gefährlich.
4. Bis zum 7. Juni muss Deutschland die neue Entgelttransparenzrichtlinie der EU umsetzen. Ein zentrales Element dabei ist, dass Beschäftigte ein stärkeres Auskunftsrecht darüber erhalten, wie ihr eigenes Gehalt im Vergleich zu ähnlichen Stellen aussieht. Sinn der Sache: eine angebliche Gehaltsdiskriminierung von Frauen zu bekämpfen. "Die Zeit" hat den Arbeitsrechtler Adam Sagen dazu interviewt. Ein Auszug:
ZEIT: Sprechen wir mal über die Männer. Auch in Unternehmen mit Gender-Pay-Gap gibt es Männer, die schlechter bezahlt werden als andere Männer, obwohl sie das Gleiche leisten. Für die ist diese Richtlinie nicht gedacht. Kann es trotzdem sein, dass auch sie profitieren?
Sagan: Wenn der Mann feststellt, dass er innerhalb seiner männlichen Vergleichsgruppe zu den unteren zehn Prozent gehört, nützt ihm die Richtlinie gar nichts. Das macht nur schlechte Stimmung. Mit der Richtlinie kommt er nur weiter, wenn er eine Frau findet, die gleichwertige Arbeit macht und dafür besser bezahlt wird. Das kann sich aus einer Auskunft des Unternehmens ergeben, über die wir schon sprachen. Der Auskunftsanspruch gilt natürlich auch für Männer.
ZEIT: Diskriminierung zwischen den Geschlechtern ist also verboten, innerhalb der Geschlechtergruppe aber nicht? Ist das rechtlich nicht fragwürdig?
Sagan: Das europäische Arbeitsrecht gebietet nicht gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Es wendet sich gegen Diskriminierungen wegen des Geschlechts, im Übrigen auch wegen der "Rasse", der ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung und der sexuellen Orientierung.
5. In der Stuttgarter Zeitung berichtet Stefanie Unbehauen, wie nach einem eskalierenden Sorgerrechtsstreit der Kontakt zwischen Vater und Tochter abbrach und wie die beiden sich wiederfanden.
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