Hübsche Studentinnen erhielten bessere Noten, bis die Kurse online gingen
1. Ein aktueller Beitrag weist auf eine Untersuchung hin, der zufolge attraktive Studentinnen in Präsenzveranstaltungen bessere Noten erhalten. Dieser Vorteil verschwindet jedoch im Online-Unterricht.
(Die Website, die darüber berichtet, ist momentan nicht direkt aufrufbar, aber mit etwas Getrickse kommt man an ihren Text. Ich hatte den Blogbeitrag dazu wegen sich überschlagender Meldungen über den explodierenden Männerhass in den letzten Wochen immer wieder verschoben; jetzt zitiere ich ihn trotz der gerade fehlenden Verlinkbarkeit: Die Studie, auf die sich der Beitrag bezieht, ist problemlos zugänglich.)
Eine im Fachmagazin "Economics Letters" veröffentlichte Studie hat bestätigt, was viele Studierende über Jahre hinweg wohl insgeheim vermutet haben: Die körperliche Attraktivität beeinflusst die Noten, die Studierende an Universitäten erhalten.
Doch hier wird es besonders interessant.
Als der Unterricht während der COVID-19-Pandemie ins Digitale verlagert wurde, sanken die Noten attraktiver Studentinnen in nicht-quantitativen Fächern. Bei männlichen Studierenden hingegen blieb der sogenannte "Schönheitsbonus" auch nach dem Wechsel zum Online-Unterricht bestehen.
Diese einzelne Beobachtung wiegt schwer.
Sie legt nahe, dass der Notenvorteil attraktiver Studentinnen nicht verdient, sondern gewährt war – und in dem Moment verschwand, als ein Bildschirm den direkten Kontakt im Hörsaal ersetzte.
Die Studie wurde von Adrian Mehic, einem Doktoranden an der Universität Lund in Schweden, durchgeführt und im August 2022 veröffentlicht.
Die Pandemie schuf – bei all ihren verheerenden Folgen – unbeabsichtigt die Voraussetzungen für ein aufschlussreiches natürliches Experiment. Es brachte eine stille und unbequeme Wahrheit ans Licht: Attraktivität beeinflusst Ergebnisse auch dort, wo wir dies selten hinterfragen – im Klassenzimmer.
Wie die Studie durchgeführt wurde
Mehic nutzte die durch COVID-19 verursachten Umbrüche im Hochschulbetrieb gezielt als natürliches Experiment.
Er griff auf Daten aus fünf Kohorten von Ingenieurstudierenden an einer schwedischen Universität zurück, mit einer Stichprobe von insgesamt 307 Personen. Zwei dieser Kohorten hatten einen Teil ihres Unterrichts im Online-Format absolviert.
Die Inhalte der Lehrveranstaltungen blieben unverändert. Lediglich die Vermittlungsform änderte sich.
Obwohl die Studierenden ermutigt wurden, ihre Kameras einzuschalten, bestand dazu keine Verpflichtung.
Um die Attraktivität der Studierenden zu messen, ließ Mehic deren Gesichter von einer unabhängigen Gruppe aus 74 Personen bewerten.
Das ist ein entscheidender Punkt.
Da die Kameranutzung freiwillig war, konnten Lehrende ihre Studierenden im Online-Unterricht häufig gar nicht sehen.
Damit war die Verbindung zwischen äußerem Erscheinungsbild und Wahrnehmung durch die Lehrperson für viele vollständig aufgehoben.
Ein etwaiger Attraktivitätsvorteil, der unter diesen Bedingungen bestehen blieb, musste also auf Fähigkeiten, Persönlichkeit oder Arbeitsweise beruhen – nicht auf dem Aussehen.
Zudem unterschied die Studie zwischen zwei Kursarten: quantitativen Fächern wie Mathematik und Physik, deren Bewertung weitgehend auf objektiven Prüfungen beruht, und nicht-quantitativen Fächern wie Wirtschaft oder Betriebswirtschaft, in denen Präsentationen, Hausarbeiten und Interaktion eine größere Rolle spielen.
Diese Unterscheidung erwies sich als zentral für das Verständnis der Ergebnisse.
Zentrale Ergebnisse
Im Präsenzunterricht erhielten attraktive Studierende in nicht-quantitativen Fächern bessere Noten – und zwar sowohl Männer als auch Frauen.
Das deckt sich mit früheren Annahmen der Forschung.
Frühere Studien aus Italien hatten bereits gezeigt, dass attraktivere Studierende häufiger kreditrelevante Kurse belegen und bessere Abschlussnoten erzielen.
Die schwedische Untersuchung ging jedoch einen Schritt weiter und isolierte die Ursachen dieses Effekts.
Bei Männern blieb der Attraktivitätsvorteil auch im Online-Unterricht bestehen. Bei Frauen verschwand er.
Das ist keine statistische Randerscheinung.
Attraktive männliche Studierende schnitten weiterhin besser ab, selbst wenn ihre Lehrenden sie nicht sehen konnten. Ihr Vorteil scheint also mit Eigenschaften wie Selbstvertrauen, sozialer Kompetenz oder Einfluss im sozialen Umfeld zusammenzuhängen.
Attraktive Studentinnen hingegen verloren ihren Notenvorteil in dem Moment, in dem ihre Sichtbarkeit entfiel.
Das deutet darauf hin, dass ihre besseren Noten im Präsenzunterricht zumindest teilweise durch andere Faktoren als Leistung beeinflusst waren.
Was wir über Noten annehmen – und was tatsächlich passiert
Viele gehen davon aus, dass Noten objektiv sind: dass ein guter Aufsatz wegen seiner Qualität gut bewertet wird, dass eine überzeugende Präsentation aufgrund ihres Inhalts überzeugt.
Die Daten zeichnen ein komplexeres Bild.
Die Forschung diskutiert zwei Erklärungen für den Attraktivitätseffekt: Erstens mögliche Bevorzugung attraktiver Personen durch Lehrende oder Arbeitgeber – bewusst oder unbewusst. Zweitens die Annahme, dass Attraktivität mit Eigenschaften einhergeht, die Leistung fördern, etwa Selbstsicherheit oder soziale Gewandtheit.
Mehics Studie wurde genau zu dem Zweck konzipiert, diese beiden Erklärungen auseinanderzuhalten – und liefert für Studentinnen eine klare Tendenz.
Auch andere Untersuchungen zeigen ein ähnliches Muster: Attraktive Dozentinnen erhalten im Präsenzunterricht bessere Bewertungen, während dieser Zusammenhang im Online-Format verschwindet.
Das Muster ist konsistent: Sichtbarkeit verstärkt den Vorteil – ihr Wegfall beseitigt ihn.
(…) Langzeitstudien zeigen zudem, dass dieser Effekt selbst dann bestehen bleibt, wenn Intelligenz, Persönlichkeit und familiärer Hintergrund einbezogen werden.
Über ein gesamtes Berufsleben hinweg summiert sich dieser Unterschied zu erheblichen finanziellen Ungleichheiten.
Die Weichen dafür werden offenbar bereits im Bildungssystem gestellt.
Wenn Noten nicht nur Wissen widerspiegeln, sondern auch äußere Erscheinung, hat das langfristige Folgen – für Studienchancen, Bewerbungen und Gehaltsverhandlungen.
Geschlechterunterschiede beim Attraktivitätseffekt
Besonders aufschlussreich ist, dass der Effekt bei Männern und Frauen unterschiedlich funktioniert.
Bei Männern scheint er vor allem mit inneren Eigenschaften verbunden zu sein. Attraktivere männliche Studierende zeigen laut Mehic mehr Durchhaltevermögen, stärkeren Einfluss auf Gleichaltrige und ausgeprägtere soziale Kompetenzen – Fähigkeiten, die sich gerade in weniger formalisierten Prüfungsformaten auszahlen.
Bei Frauen hingegen ergibt sich ein anderes Bild: Ihr Vorteil im Präsenzunterricht ließ sich nicht auf messbare Leistungsunterschiede zurückführen. Er war vorhanden, solange sie gesehen wurden – und verschwand, sobald dies nicht mehr der Fall war.
Was das "COVID-Experiment" sichtbar gemacht hat
Die Pandemie veränderte den Alltag in vielerlei Hinsicht.
Sie ermöglichte jedoch auch einen seltenen Vorher-Nachher-Vergleich: Was geschieht, wenn man das äußere Erscheinungsbild aus einer Bewertungssituation entfernt?
Das Ergebnis war eindeutig.
Attraktive Studentinnen, die im Präsenzunterricht bessere Noten erhalten hatten, verloren diesen Vorteil im Online-Format unmittelbar.
Alles andere blieb gleich:
die Inhalte,
die Lehrkräfte,
die Studierenden selbst.
Einzig die Sichtbarkeit änderte sich – und das genügte, um den Unterschied zu beseitigen.
2. Der NDR bespricht eine Aufführung der Oper "Herzog Blaubarts Burg". Diese zeige "das Patriarchat in seiner Erbärmlichkeit":
Dieser Blaubart steht für männliche Gewalt, die sich durch die Geschichte zieht. Das ist bis zur Pause so schlüssig und musikalisch so brillant erzählt, dass man staunt. Es ist Musiktheater, das hautnah im Heute ankommt. Und klarmacht, dass Morde an Frauen, Vergewaltigung, digitale Gewalt immer noch an der Tagesordnung sind. Eine Geschichte, die ihre Blutspur durch die Jahrhunderte zieht bis heute. Das ist erschütternd, aufwühlend, gerade jetzt.
3. In den USA sollen künftig alle wehrpflichtigen Männer automatisch für den Militärdienst registriert werden.
Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!

<< Home