"Selbstmordraten nicht hoch genug" – DIE ZEIT berichtet über den Männerhass der Femosphere
1. In einem aktuellen Beitrag beschäftigt sich DIE ZEIT mit dem Männerhass, der in der Femosphere zutage tritt (zu der sich die ZEIT selbst demnach nicht zu rechnen scheint). Der Beitrag enthält unfassbar viel Geschwurbel wie diesen:
Würde man in der Fußgängerzone einer beliebigen deutschen Innenstadt herumlaufen und dagegen Männer fragen, was eine Femcel ist, hätten vermutlich die wenigsten eine Antwort parat. Nicht nur, weil kaum über Femcels, also female incels, weibliche Incels, berichtet wird. Sondern auch, weil Männer sich nicht so gut mit Männerhass auskennen und auskennen müssen. Es gab noch keine Attentate im Namen der Misandrie, und es gibt auch keine weiblichen Andrew Tates, die mit ihrer Hetze Millionen von Followern mobilisieren. Femcels laufen gemeinhin unter dem Radar.
Der Grund, dass – vermutlich – generell weniger Menschen wissen, was eine Femcel ist, liegt vor allem daran, dass Leitmedien diese Fraktion nicht thematisieren, schon gar nicht als Problem erkennen, sondern ihren Männerhass oft übernehmen. Das war bei der ZEIT erst vor wenigen Tagen der Fall. Es gab sehr wohl schon Attentate im Namen der Misandrie – der Sprung von "ich weiß nichts davon" zu "das gibt es nicht" ist ein kühner Sprung der Autorin –, es gibt sehr wohl Frauen, die mit ihrer Hetze zahllose Follower mobilisieren, und über den Hass dieser Fraktion und seine Folgen berichtet Genderama täglich.
Nach diesem Quatsch wird der Artikel immerhin aufschlussreicher (auch wenn er die extrem heterogene Manosphere auf ihre radikalen Ränder reduziert):
Trotzdem existiert diese Parallelwelt zur Manosphere, eine Welt der unfreiwillig (und freiwillig) Zölibatären, der Frustrierten und Enttäuschten, der Einsamen und Abgehängten; eine Welt des Männerhasses und der Gewaltfantasien. Diese Welt wird Femosphere genannt, ein Sammelsurium aus Internetforen mit zum Teil mehreren Tausend Mitgliedern. Genau wie die Manosphere ist sie ein Ort, um Gleichgesinnte zu treffen, um sich aus der realen Welt zurückzuziehen, um zu ranten, seiner aufgestauten Wut Luft zu machen. Auch sie ist ein Ort der Extreme, der Ideologie und der Radikalisierung.
Aber natürlich sind Frauen bei der ZEIT immer noch bessere Menschen:
Und während sich die Wut der Männer oft gegen die Frauen richtet, die sie verschmähen, richtet sich die Wut der Frauen – zumindest die Wut der "Forever Alone Women" – häufiger auch gegen sich selbst. In Form von Essstörungen, Selbsthass, Suizidgedanken. "Der Zorn von Femcels ist kein Ressentiment, das in rachsüchtige Gewalt umschlägt, sondern eine tragische Form des Ressentiments, die sich Gerechtigkeit nicht einmal vorstellen kann", schreibt die britische Medienwissenschaftlerin Jilly Boyce Kay in einer der wenigen akademischen Auseinandersetzungen mit dem Thema. Kay war es auch, die zuerst den Begriff der "Femosphere" vorgeschlagen hat, um die Onlineszene zu beschreiben. "Kein zuvor bestehendes Anspruchsdenken wurde verletzt. Der Zorn der Femcels ist tragisch, weil es keine Möglichkeit gibt, Unrecht wiedergutzumachen. Es kann nichts getan werden."
Auch viele männliche Incels richten ihre Depression und Verzweiflung vor allem gegen sich selbst.
Sonja ist seit drei Jahren Mitglied bei "The Female Strategy", einem Forum "exklusiv für Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen". Sie werde bald 40 und sei zweimal geschieden. Sie habe ein Kind und stecke in einem Sorgerechtsstreit mit dem Vater. Als sie sich damals angemeldet habe, habe sie selbst noch gedatet, schreibt sie. "Mittlerweile möchte ich nichts mehr mit Männern zu tun haben. Wenn man sich länger mit der Thematik beschäftigt, merkt man relativ schnell, wie schlecht Männer für uns Frauen sind." Stalking, Vergewaltigungen, Mobbing, Mord – die Liste negativer Dinge, die Frauen mit und durch Männer widerführen, sei lang.
Aus welchen Foren Sonja diese sexistischen Gedanken wohl hat? Die Schuld der Leitmedien kann es doch nicht gewesen sein?
In Foren wie "The Female Strategy" gibt es weniger Selbstzweifel, kein Zögern bei der Frage, wer schuld daran ist, dass sie nicht die Intimität finden, die sie sich trotz allem wünschen. Schuld sind "Low Value Men", abgekürzt LVM, Männer geringen Wertes. Schuld ist das Patriarchat. Persönliche Enttäuschung und politische Haltung münden in der Überzeugung, ohne Männer besser dran zu sein. Und das ist gar nicht so weit weg von Hashtags wie #Boysober, die zu einem männerfreien Leben ermutigen; oder von der 4B-Bewegung in Südkorea, die Nein sagt zu Dating, Sex, Ehe und Kindern. Man muss nicht mehr in den Nischen des Internets suchen, um Frauen zu finden, die ihrem Begehren entsagen. Es wird kritischer darüber gesprochen, wie gewaltvoll Männer sein können. Was sich online zum Teil zu radikalem Männerhass steigert, heißt in gemäßigten Sphären Heteropessimismus. Es beschreibt den kollektiven Frust angesichts der eigenen Heterosexualität; die Resignation darüber, dass Männer in kulturellem Aspik gefangen sind, wie die US-Autorin Jessica Grose es einmal formuliert hat.
Es handelt sich also um völlig spiegelbildliche Prozesse, nur dass a) Männerhass Teil der allgemeinen Kultur ist und b) diese Kultur deshalb wesentlich sanfter darüber schreibt. Eine analoge Formulierung zu "Es wird kritischer darüber gesprochen, wie gewaltvoll Männer sein können" fände sich bei Berichten über männliche Incels nie.
Ihre extreme Form findet die Femosphere unter anderem in Imageboards (anonymen Internetforen, vergleichbar mit 4Chan, einer von vielen Incels genutzten Plattform). Hier baut sich der Männerhass, gestützt durch ein ideologisches Gerüst, zu Fatalismus auf. Statt von Männern ist nur noch von moids die Rede – male humanoids, in Anlehnung an die femoids, also female humanoids, eine entmenschlichende Bezeichnung für Frauen aus der Incel-Sprachwelt. Nicht nur gegen Männer wird hier – oft im Namen eines radikalen Feminismus – gehetzt, sondern auch gegen Transmenschen, die Frauenräume vermeintlich infiltrieren.
"Hasst ihr moids so sehr, dass ihr sie gerne alle tot sehen würdet?"
"Frauen dominieren Männer in der Arbeitswelt und bei der Bildung. Aber sie verlassen sie einfach nicht. Frauen scheinen sich immer noch gegen die Möglichkeit zu wehren, echte Gemeinschaften und Familien aufzubauen, die sie platonisch respektieren. Sie bestehen weiter darauf sich diesen Untermenschen zu verpflichten."
"Tägliche Erinnerung daran, dass die Selbstmordraten bei Männern nicht hoch genug sind."
Allmählich kommen wir zur Sache. Der nächste Schritt wäre zu fragen, wie unsere Kultur diese Frauen geprägt hat, damit sie sich derart entwickelt haben. Das könnte DIE ZEIT ruhig auch mal selbstkritisch tun. Stattdessen endet der Artikel mit exakt jenem Fazit zur den Frauen der Femosphere, das man von Anfang an erwarten durfte:
Vielleicht wäre es Zeit, ihnen aufmerksamer zuzuhören.
2. "Väter spielen eine einzigartige Rolle in der emotionalen und sozialen Entwicklung eines Kindes" stellt die britische Evolutionsanthropologin Anna Machin in einem Interview mit Stefanie Unbehauen für "Die Welt" klar. Machin führt darin aus:
"Väter möchten sich stärker einbringen und emotional präsenter sein. Viele von ihnen erkennen heute ihre Bedeutung im Leben ihrer Kinder. Allerdings hat die Gesellschaft diesen Wandel noch nicht vollständig vollzogen. Unterstützende Strukturen – insbesondere am Arbeitsplatz und beim Thema Vaterschaftsurlaub – sind noch nicht ausreichend angepasst. Flexible Arbeitsmodelle und eine väterfreundliche Arbeitskultur fehlen vielerorts. Echter Fortschritt erfordert umfassendere gesellschaftliche und strukturelle Veränderungen, damit Väter diese Rolle auch tatsächlich ausfüllen können."
3. Eine aktuelle Studie begleitete über einen Zeitraum von 14 Jahren mehr als 3.000 Erwachsene und untersuchte den Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und sozialer Isolation. Das zentrale Ergebnis lautet, dass psychische Belastungen wie Depressionen oder Angstzustände bei Männern deutlich häufiger mit einem Rückzug aus sozialen Beziehungen einhergehen als bei Frauen. Während sich die sozialen Netzwerke von Frauen trotz psychischer Probleme im Durchschnitt vergleichsweise stabil hielten, verloren Männer im Verlauf der Studie häufiger enge soziale Kontakte und berichteten von zunehmender Isolation. Dieser Zusammenhang blieb auch dann bestehen, wenn Faktoren wie Alter, Einkommen, Bildungsstand oder körperliche Gesundheit berücksichtigt wurden. Die Forscher betonen deshalb, dass Maßnahmen zur Förderung sozialer Beziehungen und frühzeitiger psychischer Unterstützung insbesondere für Männer wichtig sein könnten, um einer zunehmenden Isolation entgegenzuwirken.
4. Die Post. Einer meiner Leser weist mich darauf hin, wie unterschiedlich die britische und die deutsche Presse Schlagzeilen zu ein und derselben Tat formulieren.
Die britischen Zeitungen:
"Woman arrested after four men stabbed in London’s Covent Garden"
"Covent Garden stabbing: woman arrested after four men attacked"
"Covent Garden stabbing: Four men injured - as police arrest woman"
Viele deutsche Medien hingegen titeln:
"Vier Menschen in London niedergestochen – eine Frau festgenommen"
"Großbritannien: Vier Menschen in London niedergestochen"
"Eine Frau festgenommen: Vier Menschen in London bei Angriff niedergestochen"
"London: Mehrere Menschen in beliebtem Viertel niedergestochen– 47-Jährige angeklagt"
Mein Leser merkt dazu an:
Natürlich schreibt man im deutschen Blätterwald gerne alles von ein- und demselben Newsticker ab. Dass das Geschlecht der Opfer vielerorts so nonchalant hinter dem Wörtchen "Menschen" verschwindet, ist trotzdem auffällig, obgleich nicht wirklich überraschend. Hätte ein Mann vier Frauen niedergestochen, wären vermutlich bereits drei Talkshows über "toxische Maskulinität" und "männliche Gewalt im öffentlichen Raum" in Vorbereitung.
Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!
<< Home