Widerworte gegen die alltägliche Hetze
Die letzten Tage über wurden Männer pauschal für Dinge beschimpft und angefeindet, für die sie nicht das Geringste konnten. Allmählich ist es Zeit, sich wieder mit denjenigen Männern zu beschäftigen, von denen tatsächlich das Böse ausgeht.
Der Manosphäre.
Aktuell hat das Redaktionsnetzwerk Deutschland die Politikwissenschaftlerin Sina Laubenstein interviewt, die, gefördert unter anderem vom Bundesjustizministerium und Auswärtigen Amt, digitale Gewalt und internationale Ausprägungen der Manosphäre erforscht: "Inhaltlich ist das Spektrum groß und reicht von frauenfeindlichen Dating-Tipps bis zu Fantasien über männliche Vorherrschaft." Wir Männerrechtler werden natürlich auch erwähnt. Der Artikel ist der übliche Sums, hundertfach durchgekaut, als ob es hierzulande nicht erlaubt wäre, etwas anderes zu diesem Thema zu schreiben. Erfrischendere Perspektiven, die nicht nach Brackwasser aus dem ideologischen Tunnel miefen, findet man nicht in den deutschen Medien, sondern im englischsprachigen Raum, etwa bei Sp!ked:
Zunächst einmal: Was bedeutete die Einführung der Red Pill für die Geschlechterbeziehungen? Ist die #MeToo-Bewegung zu weit gegangen? Wie sieht es mit dem "Wokeism" im Allgemeinen aus? Unbeabsichtigte Folgen lauern überall, von der Sexualethik bis zum Feminismus.
Und man muss nicht lange suchen, um sie zu finden. Die Widersprüche, die dem Dasein als moderner Mann innewohnen, lassen sich leicht in Dating-Apps finden, wo Frauen regelmäßig angeben, dass sie einen "echten Mann" suchen, der sowohl "emotional bewusst" als auch "durchsetzungsfähig" ist. (…) Die Tates dieser Welt haben sich dorthin gewagt, wo andere sich nicht hintrauen. Dass sie zu weit gegangen sind und in einem sexistischen Abgrund gelandet sind, sollte den Rest von uns nicht davon abhalten zu fragen, ob der langjährige Angriff auf die Männlichkeit eine gute Sache war.
Der Irish Independent beschäftigt sich kritisch mit Louis Theroux Film über die Manosphäre, wo deutsche Medien nur brav mitgeschrieben haben, als hätten sie gerade den Katechismus erhalten:
Der Ton war sofort vertraut, weil wir das alles schon einmal gehört haben. Wir haben es letztes Jahr gehört, nachdem das Netflix-Drama "Adolescence" eine ähnliche Welle nationaler Beunruhigung ausgelöst hatte – mit seinem düsteren Porträt von Teenagerjungen, die in Online-Kaninchenlöchern verschwinden.
Erinnern Sie sich an den Aufruhr? Wir saßen alle da und redeten darüber, als wäre es das wirkliche Leben, zerlegten jede Szene und machten uns Sorgen um "die Jungs", als hätte man uns eine Sozialdokumentation statt eines Drehbuchdramas vorgelegt.
Alle taten so, als würden wir eine nationale Krise aufdecken, obwohl es in Wahrheit nur Schauspieler waren, die Texte an einem Set aufsagten.
Doch die Debatte fühlte sich real an, weil wir darauf vorbereitet worden sind, Jungen als Problem wahrzunehmen. Diese Geschichte – so fiktiv sie auch war – fügte sich nahtlos in das Narrativ ein, das wir bereits verinnerlicht haben: Jungen sind gefährlich.
Was alles noch in Ordnung, ja sogar notwendig wäre – wäre da nicht die Tatsache, dass unsere Reaktionen genau den Punkt der Manosphäre bestätigen.
Denn die stärksten Momente in Theroux’ Film sind nicht die Influencer, die sich für die Kamera in Szene setzen. Es sind die jungen Männer, die ihnen zusehen.
Theroux trifft auf einige Anhänger von Justin Waller und fragt behutsam, was sie an dieser Welt anzieht. Ihre Antworten sind herzzerreißend.
Sie suchen nicht nach Frauenfeindlichkeit. Sie suchen Zugehörigkeit. Identität. Sinn. Bedürfnisse, die früher vielleicht in Familie, Schule oder Gemeinschaft erfüllt wurden, heute aber oft schwerer zu finden sind. Und genau hier beginnt die gesamte öffentliche Reaktion seltsam selbstzerstörerisch zu wirken.
Der Grund, warum Teenagerjungen überhaupt in diese Online-Welten abdriften, ist nicht – wie wir uns gern vorstellen –, dass sie eines Morgens aufgewacht sind und beschlossen haben, Frauenhasser zu werden. Es liegt daran, dass sich die reale Welt für sie zunehmend so anfühlt, als würde sie sie ablehnen.
Schon in der Schule wird ihnen auf tausend subtile und weniger subtile Arten vermittelt, dass Männlichkeit verdächtig ist; dass männliches Verhalten etwas ist, das kontrolliert werden muss; dass Jungen eine Problemgruppe darstellen.
Sie sind das Disziplinproblem im Klassenzimmer. Sie sind die Statistik in Kriminalitätsberichten. Sie sind die unbequeme Präsenz in Gesprächen über Geschlecht.
Kulturell werden sie irgendwo zwischen Risikofaktor und Pointe behandelt. Also gehen sie ins Internet. Und dort, im unübersichtlichen Geflecht aus YouTube, Podcasts und TikTok, finden sie Männer, die ihnen das Gegenteil sagen.
Du bist nicht das Problem. Die Welt ist es. Deine Lehrer, Journalisten und Politiker verstehen dich nicht. Deine Frustrationen sind berechtigt.
Man kann diese Influencer lächerlich finden – und viele sind es. Einige sind tatsächlich toxisch. Doch ihre Anziehungskraft ist nicht kompliziert: Sie geben Menschen Bestätigung, die sonst keine erfahren.
Und damit sind wir wieder bei der großen nationalen Reaktion, die jedes Mal folgt, wenn eine Dokumentation wie die von Theroux erscheint.
Denn was darauf folgt, ist keine Neugier, sondern Verurteilung. Noch mehr Erwachsene, die den Kopf über junge Männer schütteln, noch mehr Diskussionsrunden, die sie erklären, noch mehr Kommentatoren, die sie wie eine soziale Krankheit diagnostizieren. All das gießt nur Öl ins Feuer.
Das bedeutet nicht, dass Frauenfeindlichkeit eingebildet ist. Ist sie nicht. Einige Ecken des Internets sind tatsächlich hässliche Orte.
Doch es hat etwas seltsam Sinnloses, wenn eine nationale Debatte endlos über Jungen spricht, ohne jemals mit ihnen zu sprechen – als wären sie es nicht wert, überzeugt zu werden, gemocht zu werden oder auch nur verstanden zu werden.
Und wenn ich es leid bin, ständig zu hören, dass Jungen toxisch sind, dass sie ein Problem darstellen und dass alles, was sie tun, falsch ist – wie muss sich das erst für die Jungs selbst anfühlen?
Stellen Sie sich vor, Sie sind 16, scrollen durch Ihren Feed und hören die gesamte Erwachsenenwelt über Sie seufzen, den Kopf schütteln und Sie wie eine soziale Krankheit diagnostizieren.
Mit einer derartigen Dauerverurteilung kämen wir nie durch, wenn es um junge Frauen ginge. Warum ist sie also plötzlich akzeptabel, wenn es um Jungen geht?
Und dann tun wir überrascht, wenn einige von ihnen in die Ecken des Internets abwandern, in denen – so problematisch die Botschaft auch sein mag – ihnen wenigstens jemand sagt, dass sie nicht das Problem sind.
Deutsche Journalisten dürfen vielleicht nicht wagen, so zu denken und zu schreiben, weil ihnen das bewusst machen würde, dass sie ein viel größeres Problem sind als Andrew Tate & Co., weil sie diesen Leuten die jungen Männer mit riesigen Baggerschaufeln zuführen.
Deutlich ausführlicher wird die kanadische Kulturwissenschaftlerin in einem Professor Janice Fiamengo in einem aktuellen Beitrag, der eine Studie über die Manosphäre zerpflückt und damit erklärt, woran die gesamte Debatte leidet, egal mit wie viel Steuergeldern sie finanziert wird. Ich zitiere Professor Fiamengos Erläuterungen hier im Volltext.
Nichts ist für eine Gender-Studies-Akademikerin oder einen -Akademiker auf der Suche nach Relevanz wirkungsvoller als ein Bedrohungsnarrativ – und was wäre dringlicher als die dunklen Ecken des Internets, in denen Männer (und die Frauen, die sie lieben) angeblich Frauenfeindlichkeit und männlichen Suprematismus verbreiten?
Viele Wissenschaftler beanspruchen heute Expertise in diesem Bereich der Gender Studies, untersuchen die angeblich explosive Fragilität und gewalttätigen Ängste von "Manosphäre"-Männern und rufen alle zur Umkehr auf, die sich der feministischen Zukunft widersetzen. Viele dieser Akademiker sind Frauen, die gut davon leben, vor männlichem "Hass" zu warnen, doch es gibt auch zahlreiche männliche Feministen – Kreuzritter gegen die angebliche Toxizität anderer.
In "Mapping the Neo-Manosphäre(s): New Directions for Research" geben vier Männlichkeitsforscher einen Überblick über die jüngste Forschung zu digitalen Medien und gewalttätigem Extremismus. Vivian Gerrand, Debbie Ging, Joshua Roose und Michael Flood geben an, Hunderte Studien zur Manosphäre gelesen zu haben, die sie als "Online-Ökosystem anti-weiblicher Akteure" bezeichnen.
Ihnen zufolge quillt die Manosphäre über vor Ressentimentpflege, Geschäftemacherei und Fantasien über Frauenvernichtung. Nichts darin sei gut, aufrichtig oder wohlmeinend. Verschiedene Untergattungen von Online-Inhalten – darunter Fitnessratschläge, Stoizismus und der "Tradwife"-Lebensstil – werden als Auswüchse eines frauenfeindlichen Extremismus dargestellt, vor dem Millionen Männer und Jungen gerettet werden müssten, nötigenfalls mit Zwang.
Die Forscher unterscheiden nicht zwischen Manosphäre-Inhalten im Allgemeinen und dem, was sie als männlichen Suprematismus bezeichnen – oder überhaupt zwischen diesen Begriffen und einer Vielzahl weiterer, allesamt abwertend gemeint. Schon ihr einleitender Absatz liefert ein regelrechtes Feuerwerk an Schlagworten, das jede Abweichung von marxistisch-feministischer Orthodoxie mit frauenfeindlicher Gewalt verknüpft.
Die Manosphäre, so heißt es, sei "verbunden durch den Glauben, dass die Mehrheitsgesellschaft eine männerfeindliche Verschwörung darstellt, die Männer benachteiligt". Manosphäre-Gruppen "rahmen die gegenwärtige Geschlechterpolitik als einen ‚Krieg gegen Männer‘". Diese Gruppen würden zudem "häufig frauenfeindlichen Missbrauch betreiben und Gewalt gegen Frauen anstiften" und so ein "Online-Umfeld eskalierender Schäden" schaffen.
Keine dieser Aussagen wird jemals mit Belegen untermauert – doch vermutlich ist es zu viel verlangt, Belege zu erwarten: Die direkte Gleichsetzung von männerfreundlicher Interessenvertretung mit mörderischer Frauenfeindlichkeit ist kein Gegenstand akademischer Debatten mehr, sofern sie es je war. Sie gilt als Axiom.
In einem einzigen Absatz bewegt man sich so von nicht-feministischen Positionen zu "männerfeindlichen Verschwörungen" und vom Glauben an einen "Krieg gegen Männer" zu "Anstiftung von Gewalt" und "eskalierenden Schäden". Wer sich auch nur oberflächlich mit antifeministischen Inhalten auskennt, wird diese begrifflichen Taschenspielertricks erkennen. Sind diese Akademiker wirklich mit ihrem Gegenstand vertraut? Wahrscheinlicher ist, dass sie eine Abkürzung zu einer politisch genehmen Position genommen haben.
Was ist mit der Vielzahl antifeministischer und männerfreundlicher Content-Produzenten – Rick Bradford (The Illustrated Empathy Gap), Tom Golden (Men Are Good), Alison Tieman und Kollegen (Honey Badger Radio), Bettina Arndt, Hannah Spier (Psychobabble), um nur einige zu nennen –, die keineswegs zu "Gewalt gegen Frauen anstiften"? Im Gegenteil, sie verfolgen eine Vision gegenseitiger Kooperation und Verantwortlichkeit zwischen den Geschlechtern, indem sie weibliche Privilegien und Paranoia zurückweisen. Ist das Manosphäre-Inhalt oder nicht?
Viele Vertreter von Männerrechtspositionen – Forscher wie Stephen Baskerville, Paul Nathanson, James Nuzzo, David Shackleton, Gerard Casey, Helen Smith und Grant Brown – dokumentieren schlicht männliche Benachteiligung anhand von Belegen. Sie behaupten keine Verschwörungen und schüren keine Ressentiments.
Und was den "Krieg gegen Männer" betrifft: Haben unsere Forscher jemals die umfangreichen feministischen Schriften gelesen, die den Tod von Männern feiern und offen eine Welt ohne sie propagieren? Wenn feministische Führungspersonen – viele davon Hochschulprofessorinnen – nicht nur toleriert, sondern gefeiert werden, wenn sie ihren Männerhass kundtun und eine "Dekontaminierung der Erde" fordern, was sollen vernünftige Menschen dann über männerfeindliche Einstellungen denken?
Dass es hier nicht um nüchterne Untersuchung geht, zeigt bereits die folgende groteske Behauptung über die angeblichen Ursprünge der Manosphäre:
"Die frühe Manosphäre war ein Konglomerat von Gemeinschaften, darunter Männerrechtsaktivisten, unfreiwillig Zölibatäre (Incels), Dating-Coaches, sogenannte Pick-Up-Artists, männliche Separatisten und christliche Konservative."
Tatsächlich gab es auch zahlreiche antifeministische Frauen (Karen Straughan, Judgy Bitch, Shoe On Head, Diana Davison und Hannah Wallen), die von der Härte und Unaufrichtigkeit des feministischen Projekts schockiert waren – auch wenn die Beteiligung von Frauen für die Forscher offenbar keine Rolle spielt. Der Punkt ist: Diese angeblichen "Gemeinschaften", die sich laut Darstellung am Beginn der Manosphäre "zusammenfanden", hatten nichts gemeinsam – weder in ihrem Weltbild noch in ihren konkreten Zielen. Es ist absurd zu behaupten, sie seien durch Frauenfeindlichkeit geeint gewesen.
Christliche Konservative raten Männern zur Enthaltsamkeit vor der Ehe und zur Ehe als Sakrament. Dating-Coaches raten zur aktiven Suche nach sexuellen Beziehungen. Incels raten zur Verzweiflung über deren Ausbleiben. MGTOW-Anhänger raten zum Verzicht auf Ehe und oft auch auf jede frauenzentrierte Bindung.
Ihre Ideologien – sofern man sie überhaupt so nennen kann – könnten unterschiedlicher kaum sein. Ihre Einstellungen zu Frauen reichen von idealisierender Verehrung und freundlichem Interesse über vorsichtige Gleichgültigkeit bis hin zu offener Ablehnung. Einige wenige in der Manosphäre hegen tatsächlich Hass auf Frauen – jedoch bei weitem nicht mit der Eindimensionalität, die sich in vielen etablierten feministischen Texten findet, die diese Akademiker nicht kritisieren.
"Mapping the Neo-Manosphäre(s)" enthält zahlreiche weitere unpräzise Behauptungen in erstaunlich banaler Sprache. Den Autoren gelingt es häufig nicht, einen klaren Sinn zu vermitteln – was den Verdacht nahelegt, dass es ihnen darauf gar nicht ankam.
So erklären sie etwa: "Die Identifikation der Manosphäre als Geschäftsmodell ist eine wichtige neue Entwicklung in der Forschung, die zeigt, wie viele Facetten der Neo-Manosphäre bestehende Verwundbarkeiten ausnutzen und sie in einem Zyklus ontologischer Erpressung monetarisieren, bestehend aus der Vermehrung von Bedrohungen, die ein Krisengefühl verstärken, und dem abwechselnden Versprechen von Lösungen."
Nachdem man sich durch dieses schwerfällige Akademikerdeutsch gearbeitet hat, soll der Leser offenbar zu dem Schluss kommen, dass es verwerflich sei, ein Problem zu benennen und Lösungen anzubieten, für die Menschen freiwillig bezahlen.
Wie soll das ein "Betrug" sein? Man könnte ebenso gut – und mit mehr Berechtigung – viele Gender-Studies-Forscher als Geschäftemacher bezeichnen, die mit erheblichen Steuergeldern und deutlich geringerer faktischer Grundlage eine angebliche Krise - weibliche Opfer und männliche Brutalität – dramatisieren, die andere dann akzeptieren oder zumindest finanzieren müssen.
Content-Produzenten, die ihre Arbeit monetarisieren, stehen im Zentrum der Kritik dieser Studie und werden wiederholt als ausbeuterische Geschäftemacher dargestellt, als "digitale Evangelisten", die Gutgläubige ausnutzen.
Dass niemand gezwungen ist, ihnen Geld zu zahlen, scheint den Ärger der Forscher eher noch zu steigern. Einige der angeblichen Scharlatane werden namentlich genannt: Ryan Holiday, Jordan Peterson, Lex Fridman, David Goggins und Jocko Willink werden wegen ihrer "vereinfachenden, extremen und polarisierenden Inhalte" verurteilt. Ebenfalls im Visier stehen Myron Gaines und Walter Weekes, die Tate-Brüder, Sneako, Pearl Davies, Estee Williams, Hannah Neeleman und Nara Smith.
Andere werden pauschal kritisiert. "Tradwives" etwa, weil sie "hierarchische und essentialistische Geschlechterbilder aufrechterhalten". Schwarze "Pick-Me"-Frauen, weil sie andere Frauen dazu ermutigten, "Zuflucht im Dienen für ihre Ehemänner zu finden". Schwarze Männer werden kritisiert, wenn sie die traditionelle Familie vertreten und als "homophob und transfeindlich" gelten. Muslimische Content-Produzenten würden angeblich "Stereotype eines patriarchalen, stoischen und intoleranten Islams bedienen".
Selbst relativ unpolitische Inhalte zu Gesundheit, Fitness, Gewichtsreduktion, Krafttraining, Selbsthilfe, Stoizismus oder Vermögensaufbau werden negativ bewertet und mit "Antifeminismus/Frauenfeindlichkeit" verknüpft, weil sie Eigenverantwortung und Individualismus betonen.
Hier tritt der autoritäre Elitismus der Autoren besonders deutlich zutage. Sie kritisieren Content-Produzenten für ideologische "Fehler", etwa dafür, "den Mythos zu verbreiten, jeder könne durch harte Arbeit reich werden", oder Jungen dazu zu ermutigen, Medikamente abzusetzen und stattdessen auf Ernährung und Fitness zu setzen. Männer aller Herkunft werden dafür gerügt, "individuelle Lösungen" für Lebensprobleme zu wählen. Manche vertreten sogar die "ketzerische" Idee, dass die Pflege von Körper und Geist eine sinnvolle Strategie im Umgang mit Krisen sei.
Für Leser, die darin kein Problem erkennen, greifen die Forscher auf die sogenannte "Einstiegsthese" zurück: Wer sich ein paar Videos über positives Denken oder Finanzmanagement ansieht, könnte am Ende fragwürdige politische Einstellungen entwickeln oder traditionelle Rollenbilder bevorzugen.
"Die Hinwendung zu Gesundheit, Wellness und stoischen Konzepten ist eine bedeutende neue Entwicklung der Neo-Manosphäre und erfordert vertiefte wissenschaftliche Untersuchung." Selbst wenn sie nicht selbst suprematistisch sei, stehe sie diesem Gedankengut zumindest nahe.
Auch Psychotherapeuten geraten in die Kritik, wenn sie Behandlungsansätze für Jungen bevorzugen, die "strukturelle Machtanalysen vermeiden" und biologische Geschlechtsunterschiede anerkennen. Mit anderen Worten: Es gibt Therapeuten, die sich weigern, Männlichkeit als schädliches Konstrukt zu betrachten.
Letztlich verrät der Drang der Autoren, Männer und Frauen für ihre individuellen Interessen zu verurteilen, eine tiefe Frustration.
Die einfache Wahrheit ist: Für Gender-Studies-Experten ist es schwer zu ertragen, dass Millionen Menschen mehr Interesse an den Angeboten "unqualifizierter, aber einflussreicher Unternehmer" der Manosphäre haben als an ihren eigenen. Diese Frustration ist in jeder Zeile spürbar.
Die meisten akademischen Online-Vorträge werden nur von wenigen Dutzend oder Hundert Menschen angesehen und stoßen häufig auf verhaltene oder negative Reaktionen. Viele Fachpublikationen werden nahezu ausschließlich von Nachwuchswissenschaftlern gelesen, die selbst Zitationen sammeln müssen. Akademiker wie die Autoren dieser Studie erhalten ein sicheres Gehalt dafür, gegen männlichen Suprematismus zu polemisieren – doch kaum jemand entscheidet sich freiwillig, ihre Texte zu lesen.
Nach Tausenden von Worten, in denen rechte Gruppen, christliche Konservative, Incels, Fitnesstrainer, MGTOW-Anhänger, Gesundheitsbefürworter, Liebhaber traditioneller Rollenbilder und viele andere verurteilt werden, kommen die Forscher zu dem Schluss, dass diese "Abweichler" eingebunden werden müssten, um sie aus ihrem Extremismus zu führen: "Das Ausmaß des Problems erfordert dringende Bildungsmaßnahmen in Geschlechtergleichheit und kritischer Medienkompetenz."
Der Widerstand von Männern gegen feministische Indoktrination könne – so die implizite Annahme – durch noch mehr Indoktrination überwunden werden, gestützt auf ein "tieferes Verständnis ihrer Motive".
Wie man mit Menschen in Dialog treten soll, für die man offenkundige Verachtung empfindet, bleibt unbeantwortet. Ebenso wenig wird erwogen, ob ein solches "Verständnis" auch Empathie oder die Anerkennung berechtigter Anliegen umfassen könnte.
Auf den Ruf nach "Bildungsmaßnahmen" folgt erwartungsgemäß die Forderung nach Regulierung: "Die Kontrolle von Online-Plattformen muss stärker in den Vordergrund rücken." Wenn man mit Argumenten nicht überzeugt, soll der Staat eingreifen.
Trotz ihrer Positionen, Gehälter und ihres Zugangs zu Studierenden scheinen viele Gender-Studies-Akademiker zu wissen, dass sie die Manosphäre nur schwer inhaltlich widerlegen können. Angesichts ihrer mangelnden Bereitschaft, andere Perspektiven nachzuvollziehen, dürfte die Unterstützung für Zensur bestehen bleiben.
"Mapping the Neo-Manosphäre(s)" legt nahe, dass Gender-Studies-Akademiker zunächst ihre eigenen Ängste und Feindbilder hinterfragen sollten, bevor sie sich anderen zuwenden.
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