"Neuer Kurs der Bundesregierung: Feminismus nicht mehr erwünscht"
1. Am Freitag hatte ich hier berichtet, dass feministischen Vereinen wie ProQuote die üppige staatliche Bezuschussung mit hunderttausenden von Euro jetzt gekürzt werden soll, vermutlich weil wir solche Frivolitäten kein Geld mehr haben. Schon am Freitag wurde gemeldet, dass es anderen feministischen Grupen ähnlich geht. Inzwischen titelte die "taz" angepisst: "Neuer Kurs der Bundesregierung: Feminismus nicht mehr erwünscht".
Der Artikel dreht sich um eine Entscheidung des Bundesfamilienministeriums unter Ministerin Karin Prien (CDU), künftig keine Fördergelder mehr für den Feministischen Juristinnentag bereitzustellen. Als Ursache werden "Sparzwänge und eine veränderte Prioritätensetzung" genannt. Die Tagung soll dennoch stattfinden, allerdings mit Einsparungen und Spenden. Prien verweise auf eine "moderne Gleichstellungspolitik", die nicht allein Frauen, sondern auch Männer berücksichtigen solle. Sie habe "nichts dagegen, auch Männerministerin zu sein", hatte Prien am Freitag erklärt.
Und in der Tat, auf die Frage der taz, ob mit moderner Gleichstellungspolitik gemeint sei, dass auch Männer an so einem Juristinnentag teilnehmen sollten, antwortet Priens Sprecherin: "Eine moderne Gleichstellungspolitik muss auch Männer mit einbeziehen, um zu echten Fortschritten zu gelangen."
Außerhalb der taz heißt es ausführlicher:
Vor 40 Jahren sei es ein Meilenstein gewesen, Frauen in den Namen des Ministeriums aufzunehmen. "Heute geht es auch um die Sichtbarkeit von Männern in ihren besonderen Bedarfslagen. Vielleicht gehören sie daher in den Namen dieses Ministeriums - in jedem Fall will ich mich ihren Belangen auch widmen, da gelingende Gleichstellungspolitik Frauen und Männer adressiert." Zurückhaltender äußerte sich Prien auf die Frage, ob der am 8. März stattfindende internationale Frauentag in Gleichstellungstag umbenannt werden sollte. "Das ist ein historisch gewachsener Begriff. Um den zu ändern, müsste ich Mitstreiterinnen und Mitstreiter finden", sagte sie. "Für mich ist klar, dass wir mehr den Blick auf Männer legen müssen."
Feministinnen sind natürlich empört darüber, dass die Gelder für ihre Projekte nicht mehr so fröhlich sprudeln sollen wie bisher. Die taz berichtet: Allein für die Verpflegung der 350 Frauen, die zum Juristinnentag anreisten, benötige man doch schon einen fünfstelligen Betrag.
Wie verwöhnt kann man eigentlich sein? Männerrechtler reisen seit Jahren auf eigene Kosten zu ihren Veranstaltungen an, obwohl bei weitem nicht jeder von ihnen über das Gehalt einer Richterin verfügt. In den Augen der "taz"-Feministinnen scheint diese Geschlechterkluft eine Selbstverständlichkeit zu sein und eine Einschränkung des Selbstbedienungs-Buffets ein Skandal. Wenn euch eure Anliegen angeblich so wichtig ist, dann bezahlt euer Käffchen halt einmal selbst!
Immer mehr zeigt sich hier, wie sehr wir alle vor einer Entscheidung stehen: Gleichberechtigung oder Feminismus. Auf welcher Seite die "taz" dabei steht, ist klar.
Die Stimmen, die in diesen Artikeln ausführlich zu Wort kommen, stammen vor allem aus feministischen Organisationen.
Es wird kaum untersucht, nach welchen Kriterien das Ministerium generell Projekte fördert oder streicht. Ob andere Programme ebenfalls Mittel verlieren, bleibt unklar.
Die von Prien erwähnte Idee, Gleichstellungspolitik stärker auch auf Männer zu beziehen, wird nicht näher diskutiert. Der Artikel prüft nicht einmal, ob dafür neue Programme geplant sind oder ob das nur heiße Luft ist.
Es fehlt jeder Überblick darüber, wie viele feministische Projekte weiterhin gefördert werden und wie groß ihr Anteil am Gesamtbudget ist.
Der Artikel setzt voraus, dass der Juristinnentag politisch wichtig ist, liefert jedoch wenig empirische Informationen zur konkreten Wirkung solcher Veranstaltungen.
Ein faktenorientierter Artikel hätte schlicht getitelt "Bund streicht Förderung für Feministischen Juristinnentag". Er hätte die Begründung des Ministeriums und die Kritik durch Organisatorinnen des Juristinnentags durch Stimmen aus der Wissenschaft oder Parteien ergänzt, um dem Leser so verschiedene Argumentationslinien zu zeigen. Er hätte geprüft, welche anderen Projekte im selben Haushalt gestrichen wurden. Er hätte zwischen nachprüfbaren Fakten und Bewertungen oder Befürchtungen der Beteiligten unterschieden, aber die Kritik nicht bereits in der Schlagzeile als Schlussfolgerung des Artikels präsentiert. Und wenn das Ministerium eine stärker geschlechterübergreifende Gleichstellungspolitik ankündigt, würde ein neutraler Bericht erklären, was damit gemeint ist, welche Programme existieren oder geplant sind und wie andere Länder oder Regierungen ähnliche Ansätze verfolgen. So entstünde ein breiterer politischer Kontext.
Nichts davon findet man in der "taz". Es handelt sich um reine Agitation. Kann man bei der "taz" überhaupt noch informative Sachartikel schreiben oder lediglich als Artikel verkleidete Kommentare? Es ist kein Wunder, dass dieses Blatt wochentags aus den Kiosken zurückgezogen werden musste, weil die Leute es nicht mehr kaufen wollten. So wie die "taz" es tut, kann man ein Blog veröffentlichen, aber keine seriöse Zeitung.
Und vermutlich findet man bei der "taz", dass man ebenfalls staatlich gefördert werden müsse, weil man doch schließlich feministisch sei.
2. Eine Redakteurin der Süddeutschen Zeitung hat ein paar Anmerkungen zum Modethema "verängstigte Frauen" zu machen:
Im Dezember erschien auf der Homepage dieser Zeitung ein Bericht unter der Überschrift "Als Frau bist du nirgendwo sicher". Fünf Münchnerinnen erzählten darin, wie es ist, als Frau nachts alleine in der Stadt unterwegs zu sein, also "wie sich die ständige Unsicherheit anfühlt", "warum sich nicht der Nahverkehr ändern muss", sondern was genau das Problem ist ("das Problem sind Männer"). Das titelgebende Zitat stammte von einer nicht näher beschriebenen Frau namens Viktória, die nach einem Oktoberfest-Besuch in einer vollen U-Bahn von einer Gruppe Betrunkener bedrängt wurde. Keiner der Umstehenden half ihr.
"Als Frau bist du nirgendwo sicher": Kein Zweifel, dass Viktória das seither so empfindet, es ist ihr gutes Recht.
Aber ist es außerdem auch wahr?
Der Artikel reiht sich ein in ein großes Klagelied von Frauen, seit einiger Zeit nahezu im Wochentakt veröffentlicht in der SZ und in anderen Medien. Berichte über unerwünschte Berührungen, brunftige Blicke, lüsterne Sprüche, über Panik im Angesicht dunkler Straßen und uneinsehbarer Unterführungen, über hämmernde Herzen, angstfeuchte Stirnen und Hände, die den Schlüsselbund umklammert halten, immer. Denn wer weiß: Man könnte damit zuschlagen müssen.
Was man niemals liest, sind Berichte von Frauen, denen im Habitat der deutschen Großstadt außer einem klebrigen Spruch noch niemals etwas zugestoßen ist. Die sich weitgehend unbehelligt durch München, Berlin und Oberhausen bewegen. Ein Leben lang. Allein. Auch nachts.
Ich bin eine von ihnen.
(…) Ich bin als Jugendliche im Dunkeln allein durch den Wald gejoggt. Ich bin als Au-pair in London um vier Uhr morgens fünf Kilometer allein von Camden Town nach Highgate gelaufen, weil der Nightbus nicht kam und ich das Geld fürs Taxi sparen wollte. In München bin ich später nach jeder Party allein nach Hause geradelt, durch den Englischen Garten, durchs Bahnhofsviertel, durch die stockdunklen Isarauen, wo einem die Besoffenen in lauen Sommernächten nur so vor die Füße kippten, damals schon.
Das Unangenehmste, woran ich mich erinnern kann: Als mir ein feister alter Sack, der mich beim Zurücktrampen nach einer Bergtour mitgenommen hatte, an einem Sommertag seine schweißige Hand aufs Knie legte und wissen wollte, ob ich auch nackt bade. "Können Sie anhalten", habe ich gesagt und bin ausgestiegen. Ich weiß noch, dass ich eine Woche später vorsichtig in mich hineinfühlte, ob in meiner Psyche irgendwas zu Bruch gegangen war. Doch außer Ekel war da nichts, kein Trauma, kein Generalverdacht gegen alles, was Mann war, keine lebensverändernde Geschichte, die ich vor Publikum hätte erzählen können. Da war keine Angst.
(…) Der Sicherheitsreport der Münchner Polizei verzeichnet für das Jahr 2024 insgesamt 312 Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung oder Übergriffigkeit in einem besonders schweren Fall. Lediglich ein Drittel dieser Fälle hat sich im öffentlichen Raum ereignet, das sind etwas mehr als hundert Opfer; man darf davon ausgehen, dass die allermeisten von ihnen Frauen sind. Ganz bestimmt würde sich jede dieser Frauen heute wünschen, dass sie an jenem Tag das Haus nicht verlassen hätte. Auf der anderen Seite leben im Zuständigkeitsgebiet der Münchner Polizei 1,9 Millionen Menschen. Hundert gewalttätige Übergriffe innerhalb eines Jahres: Damit ist das Risiko für Frauen im öffentlichen Raum nicht null, zumal die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Fälle hinzukommt. Aber es bleibt ein eher geringes Risiko.
Dem steht die wahrgenommene Bedrohung gegenüber, angeschwollen zu Godzilla-Größe: Laut einer Studie, die der städtische Kreisjugendring in Auftrag gegeben hat, fühlen sich zwei Drittel aller Münchnerinnen zwischen 14 und 27 Jahren im öffentlichen Nahverkehr nachts nicht sicher. 75 Prozent versuchen, Bus und Bahn bei Dunkelheit insgesamt zu meiden. Das passt zu den Zahlen, die das Bundeskriminalamt für ganz Deutschland ermittelt hat: Gut die Hälfte der Frauen möchte nachts lieber nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. 58 Prozent weichen bestimmten Parks, Straßen oder Plätzen aus. 37 Prozent gaben an, dass sie oft bis sehr oft nachts nur in Begleitung auf die Straße gehen. 41 Prozent gehen lieber erst gar nicht aus dem Haus.
Nun die Frage: Ist die Bereitschaft von Frauen, in der Öffentlichkeit jetzt über ihre Angst zu reden, schon Gegenwehr? Oder ist es nicht vielmehr die Festschreibung eines behaupteten Status quo, der mit der Realität nur wenig zu tun hat, von Medien aber bereitwillig verbreitet wird, weil Leute das offenbar lesen wollen – woraufhin immer noch mehr Frauen Angst bekommen, nachts das Haus zu verlassen, sich das Geschlechterverhältnis dort draußen also immer weiter zugunsten der Männer verschiebt?
Präziser: Ist es womöglich eine sich selbst reproduzierende Erzählung?
(…) Keine der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien hat sich über die in der "linksversifften Presse" (also SZ, Zeit, Spiegel) veröffentlichten Zeuginnenberichte so kugelrund totgefreut wie die AfD. Angst für umme – wie geil ist das denn?! Das kam sofort drauf auf die Wahlplakate: "Mehr Sicherheit für unsere Frauen und Töchter" ("unsere Frauen", es schüttelt mich). Das kam in die Pressemitteilung von Alice Weidel vom 28. Oktober 2025, ein Meisterstück der suggestiven Verknüpfung von Phänomenen, die miteinander wenig bis nichts zu tun haben: "Mehr als jede zweite Frau in Deutschland fühlt sich im öffentlichen Raum nicht mehr sicher. Diese alarmierende Zahl (…) ist ein weiterer Beweis für das Regierungsversagen bei der Migrations- und Sicherheitspolitik."
Der Artikel ist in Gänze lesenswert. Leider bleibt er eine Ausnahmeerscheinung. Beim Bayrischen Rundfunk findet man solange Murks wie diesen:
Studien deuten darauf hin, dass Catcalling weit verbreitet ist: 95 Prozent aller Frauen haben solche Erfahrungen schon mal machen müssen, wie eine nicht-repräsentative Online-Umfrage der Universität Trier aus dem Jahr 2022 zeigt.
Eine nicht-repräsentative Online-Umfrage ist keine "Studie". Ihr wissenschaftlicher Aussagewert ist null. Warum wissen Journalisten so etwas nicht? Wenigstens macht der Bayrische Rundfunk etwas, was die taz hier eher bleiben lassen würde, nämlich eine abweichende Meinung anzuführen:
Fabian Endemann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für internationales öffentliches Recht und Menschenrechtsschutz an der Universität Münster und beschäftigt sich mit verfassungsrechtlichen Aspekten des Strafrechts. Er kritisiert, dass unter Catcalling auch Taten zu verstehen seien, die seiner Ansicht nach nicht ins Strafrecht gehörten, wie zum Beispiel Hinterherpfeifen oder Anmachsprüche: "Aus meiner Sicht sind solche Empörungsdiskurse eben nicht unbedingt zielführend und man sollte sich die Frage stellen, ob das Strafrecht der richtige Ort ist, um so Provokationen zu inszenieren."
3. Wie ein Papier des Mediendienstes Integration berichtet, erleben vor allem Schüler, deren Familien aus der Türkei oder arabischsprachigen Ländern eingewandert sind, rassistische Diskriminierung. Jungen sind davon stärker betroffen als Mädchen.
4. Der Internationale Rat für Männer und Jungen hat gestern folgende Pressemitteilung herausgegeben:
Eine Überprüfung von von der UN unterstützten Kinderschutzprogrammen zeigt einen Doppelstandard in geschlechterpolitischen Rahmenwerken im Hinblick auf Jungen und Mädchen. Während die UN ihre Verpflichtung zum Schutz von Mädchen ausdrücklich betont, gibt es keine größeren UN-Initiativen, die ausdrücklich darauf ausgerichtet sind, Jungen als eigenständige gefährdete Gruppe anzusprechen.
Beispielsweise dokumentiert der jüngste Jahresbericht des UN-Generalsekretärs über Kinder und bewaffnete Konflikte, dass beinahe 90 Prozent der Kinder, die in bewaffneten Konflikten rekrutiert und eingesetzt wurden, Jungen waren. Leider stellen UNICEF und andere UN-Programme das Problem in geschlechtsneutraler Sprache dar. Das erschwert es Programmverantwortlichen, Maßnahmen zu entwickeln, die der großen Zahl gefährdeter männlicher Kinder Rechnung tragen.
Ein ähnliches Muster zeigt sich bei Kinderarbeit. Von den rund 160 Millionen Kindern, die Kinderarbeit leisten, sind 70 Prozent Jungen; ein deutlich größerer Anteil von ihnen arbeitet zudem in gefährlichen Tätigkeiten, die ihre Gesundheit, Sicherheit und Entwicklung unmittelbar gefährden. Diese Jungen werden häufig gezwungen, in Hochrisikobranchen wie Bergbau, verarbeitender Industrie und Bauwesen zu arbeiten, wo sie giftigen Chemikalien, extremen Temperaturen und technischen Gefahren ausgesetzt sind.
Doch UN-Dokumente, die sich mit Kinderarbeit befassen, erkennen die Überrepräsentation von Jungen in den gefährlicheren Industrien nicht an. Ebenso wenig führen sie Strategien auf, um die geschlechtsspezifischen Risiken für Jungen zu verringern.
Im Gegensatz dazu wurden bei Problemen, von denen Mädchen überproportional betroffen sind — etwa Kinderehen und bestimmte Formen häuslicher Arbeit — geschlechtsspezifische Rahmenwerke umgesetzt, die gezielt auf Mädchen ausgerichtet sind.
Der Schutz von Kindern erfordert eine Politik, die sich an empirischen Befunden orientiert und im Verhältnis zu den dokumentierten Risiken steht. Wenn verlässliche Daten zeigen, dass Jungen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind — insbesondere bei der Rekrutierung für bewaffnete Konflikte und bei gefährlicher Arbeit —, müssen Regierungen und internationale Organisationen Strategien entwickeln, die gezielt auf Jungen ausgerichtet sind.
Die Präambel der UN-Charta bekräftigt die Notwendigkeit gleicher Rechte von Männern und Frauen. Wenn jedoch das Geschlecht männlicher Kinder, die Schaden droht, verschleiert wird, erschwert das Maßnahmen, die den Risiken begegnen, denen sie ausgesetzt sind. Der International Council for Men and Boys (ICMB) ruft die Medien dazu auf, über diese Ungerechtigkeit zu berichten, und fordert politische Entscheidungsträger auf, gezielte Maßnahmen umzusetzen, die mit der vorhandenen Evidenz im Einklang stehen.
5. Die Post. Einer meiner Leser weist mich auf einen Artikel der taz hin und schreibt mir dazu:
Die taz gratuliert Reyhan Şahin aka Lady Bitch Ray zu ihrer Gastprofessur in der Universität der Künste Berlin und bezeichnet Frau Şahin als "hervorragende Provokateurin", erkennbar wie folgt: 2008 reagierte sie auf die Äusserung Ulf Poschardts, sie sei eine Nervensäge, mit der Antwort "Fuck off, Poschi" und einem Glas Wasser ins Gesicht des Betreffenden. Im selben Jahr brachte sie bei "Schmidt & Pocher" ein Glas Vaginalsekret mit.
Ich würde gern die öffentliche Reaktion auf einen Rapper erleben, der einer Moderatorin Wasser ins Gesicht schüttet und bei anderer Gelegenheit ein Glas mit Sperma zu einem Fernsehauftritt mitbringt.
Bei der taz denkt man sich vermutlich: Was höherwertigen Wesen erlaubt ist, ist minderwertigen noch lange nicht erlaubt.
6. Mehr Post. Ein weiterer Leser zeigt sich befremdet von einem Beitrag des SWR: "Armutsgefährdet trotz Vollzeitjob: Alleinerziehende Stuttgarterin berichtet von großem Druck". Er schreibt mir dazu:
Der Artikel ist ein schönes Beispiel für Framing.
"Allein in Stuttgart wachsen in über 12.000 Haushalten Kinder mit nur einem Elternteil auf. 85 Prozent sind Frauen."
Warum ist das denn so? Warum sind die Kinder bei den Frauen und nicht bei den Männern? Gab ja keine tödliche Männerseuche, die all die Frauen alleinerziehend zurückgelassen hat. Es ist ein Privileg, dass nach einer Trennung aus dem gemeinsamen Kind dann "mein Kind" wird.
"Nur jeder vierte unterhaltspflichtige Elternteil zahlt regelmäßig den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestunterhalt, so Paola Rapp weiter."
Die Einordnung fehlt, dass die unterhaltspflichtigen Elternteile (Väter) regelmäßig einfach finanziell nicht leistungsfähig sind, also selbst knapp bei Kasse sind. Der kontextlose Satz lässt den Leser mit dem Eindruck zurück, dass die Väter alle aus purer Bosheit den Unterhalt nicht zahlen.
"Nataschas Ex-Ehemann zahlt zwar Unterhalt und nimmt ihren gemeinsamen Sohn alle 14 Tage"
Wie es ihm finanziell seit der Trennung geht, wird nicht beachtet. Immerhin muß er nun genauso einen Haushalt alleine finanzieren, muß ihr Unterhalt zahlen und muß aber trotzdem die Kosten für das Kind, das er nur alle 14 Tage sieht, vorhalten. Aus welchem Grund er das Kind nur alle 14 Tage sieht (sehen darf?), wird nicht in Frage gestellt. Es wird einseitig die Mutter portraitiert. Eine journalistische Aufgabe wäre es, auch die andere Seite darzustellen.
Der Schlußabschnitt ist auch super:
"Kraft in ihrem Alltag schöpfe sie aus der innigen Beziehung zu ihrem Sohn und dem Glauben an Gott. Natascha di Nardo hofft auf eine gerechtere Politik, mit der Alleinerziehende mehr in Vollzeit arbeiten können, ohne ständig am Rande der Erschöpfung zu sein."
Hier wird kräftig auf die Tränendrüse gedrückt. Was sie aber konkret von der Politik erwartet, wird nicht formuliert. Es ist auch keine journalistische Einordnung erkennbar, welche Maßnahme bei prekären Familien hilfreich wäre. Letztlich dient dieser Abschnitt nur dazu, das Bild der benachteiligten alleinerziehenden Mutter festzuzurren und zu verstärken.
7. Zuletzt die Filmtipps. Demnächst im Kino: "No Mercy" über Gewaltfilme von Frauen sowie auf Netflix: "Into the Manosphere" über die wohl größte Bedrohung der Menschheitsgeschichte.
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