Neue Studie: Warum ist unsere Gesellschaft derart auf Incels fixiert?
1. Aktuelle Forschung beschäftigt sich mit dem großen Interesse, das Incels in unserer Gesellschaft auslösen:
Incels ziehen eine außergewöhnliche öffentliche Aufmerksamkeit auf sich – nicht, weil sie besonders zahlreich oder gewalttätig wären, sondern weil ihre Erzählungen tief verwurzelte psychologische Verzerrungen ansprechen, die sie besonders einprägsam und leicht weiterverbreitbar machen. Zu diesem Schluss kommt eine in der Fachzeitschrift "Evolutionary Psychological Science" veröffentlichte Übersichtsstudie.
Incels (Kurzform für "involuntary celibates", also unfreiwillig Enthaltsame) sind eine Online-Subkultur, deren Mitglieder sich über die als unabänderlich empfundene Unfähigkeit definieren, sexuelle oder romantische Beziehungen einzugehen. Häufig stützen sie sich dabei auf die sogenannte „Black-Pill“-Überzeugung, wonach körperliche Attraktivität maßgeblich über den Paarungserfolg von Männern entscheidet und kaum veränderbar ist. In den vergangenen Jahren sind Incels zu einem wiederkehrenden Gegenstand wissenschaftlicher Forschung in Psychologie, Soziologie, Kriminologie, Politikwissenschaft und Medienwissenschaft geworden.
Auch in Dokumentarfilmen, Serienformaten, Podcasts und politischen Debatten spielen sie eine auffällige Rolle. Diese Sichtbarkeit überrascht angesichts der vergleichsweise kleinen Größe entsprechender Gemeinschaften und der begrenzten Zahl dokumentierter, weltweit mit Incels in Verbindung gebrachter Tötungsdelikte. Das Missverhältnis zwischen tatsächlichem Umfang und öffentlicher Aufmerksamkeit bildet den Ausgangspunkt der Studie: Warum nehmen Incels im öffentlichen Diskurs einen derart prominenten Platz ein?
Für den Erstautor William Costello begann das Projekt aus wissenschaftlicher Neugier und persönlicher Verbundenheit. "Es war sehr erfüllend, gemeinsam mit dem Wissenschaftler zu publizieren, der mir diese Theorie erstmals nahegebracht hat. Während meines Masterstudiums machte mich mein Ko-Autor Alberto Acerbi mit der Theorie kultureller Attraktion vertraut. Als er mir das Modell erläuterte, wurde mir klar, dass Incel-Narrative nahezu sämtliche Merkmale aufweisen, die Ideen kulturell ‚haftfähig‘ machen: Sie handeln von Sexualität, Status, moralischer Empörung, Koalitionsdenken, Bedrohungsvorstellungen gegenüber Frauen und Normverletzungen."
Er ergänzt: "Damals war das zunächst eine Intuition, doch es zeigte sich rasch, dass sie zutraf. Incels zogen weiterhin enorme Aufmerksamkeit in Wissenschaft, Politik, Medien und Kultur auf sich – in einem Ausmaß, das in keinem Verhältnis zu ihrer Größe und ihrem tatsächlichen Gefährdungspotenzial zu stehen scheint."
Das Ziel des Beitrags sei gewesen zu erklären, warum dies geschieht und welche Folgen es haben könnte, eine so randständige Gruppe kulturell derart aufzuwerten. Mit einem Augenzwinkern bemerkt Costello: "Manchmal denke ich, ich bin womöglich der einzige Forscher, der einen Artikel über die möglichen Schattenseiten der starken medialen Präsenz seines eigenen Forschungsthemas veröffentlicht."
(…) Nach Auffassung der Autoren bündeln Incel-Diskurse mehrere psychologisch wirkmächtige Themen zugleich. Erstens stehen Sexualität und Status im Zentrum – zwei evolutionsbiologisch bedeutsame und kulturell stark aufgeladene Bereiche. Da Paarungserfolg eng mit Vorstellungen von Rang und Männlichkeit verbunden ist, ziehen Berichte über männlichen sexuellen Ausschluss von sich aus Aufmerksamkeit auf sich. Zweitens ist die Incel-Identität "minimal kontraintuitiv": Incels erscheinen als gewöhnliche junge Männer, organisieren ihre Identität jedoch offen um sexuelles Scheitern herum und widersprechen damit verbreiteten geschlechtsspezifischen Erwartungen – was ihre Einprägsamkeit erhöht.
Hinzu kommen moralisch aufgeladener Ekel und ein Schutzimpuls gegenüber Frauen, insbesondere wenn frauenfeindliche Rhetorik oder Gewalt im Spiel sind. Ergänzt man dies um den Negativitätsbias – also die Tendenz, bedrohliche oder negative Informationen überproportional zu beachten – sowie koalitionspsychologische Muster des Denkens in "Wir gegen sie", entsteht ein narratives Bündel mit erheblicher medialer Durchschlagskraft.
(…) "Eine zentrale Lehre lautet, dass wir genauer reflektieren sollten, warum bestimmte Themen die öffentliche Aufmerksamkeit dominieren", sagt Costello. "Mediale Erzählungen setzen sich oft nicht deshalb durch, weil sie am zutreffendsten sind, sondern weil sie tief verankerte psychologische Mechanismen aktivieren – etwa gruppenbezogenes Denken, moralische Empörung oder Bedrohungswahrnehmungen. Wer diese Dynamiken erkennt, kann sich eher davor schützen, in moralische Erregungswellen hineingezogen zu werden."
Zugleich betont er die Bedeutung evidenzbasierter Entscheidungen: "Politische Maßnahmen sollten auf nüchterner, empirischer Forschung beruhen und nicht auf emotional wirksamen Dramatisierungen – etwa der Serie Adolescence."
Weiter führt er aus: "Als Forscher bereitet es mir Sorge, wenn öffentliche Debatten gelegentlich den Anschein von Wahrheit höher gewichten als überprüfbare Evidenz. Fiktion kann Diskussionen anstoßen, doch wirksame Interventionen oder politische Maßnahmen müssen fest in soliden Daten verankert bleiben und dürfen sich nicht allein von kultureller Viralität leiten lassen."
Für die Zukunft sehen die Autoren mehrere offene Fragen. "Eine zentrale Frage betrifft die Wirksamkeit – und mögliche unbeabsichtigte Nebenfolgen – vorgeschlagener Maßnahmen wie der Vorführung der Serie Adolescence in Schulen. Derzeit gibt es keine Belege dafür, dass dieser Ansatz Schaden verringert; zugleich besteht die Möglichkeit kontraproduktiver Effekte."
Pädagogen, Eltern und Fachleute für psychische Gesundheit hätten Bedenken hinsichtlich altersgerechter Vermittlung, möglicher Störungen des Unterrichts sowie fehlender strukturierter Begleitung oder Evaluation geäußert. Zudem bestehe das Risiko, dass stark moralisierende Darstellungen manche junge Männer eher entfremden, als einen offenen Dialog zu fördern.
(…) Auf mögliche Einwände angesprochen, stellt Costello klar: "Zu erklären, warum Incel-Narrative Aufmerksamkeit anziehen, bedeutet nicht, die durch Frauenfeindlichkeit verursachten Schäden oder die reale Belastung durch entsprechende Rhetorik zu relativieren. Vorsicht gegenüber Gruppen, die mit frauenfeindlicher Sprache assoziiert werden, ist angesichts historischer Gewaltmuster nachvollziehbar. Gleichzeitig sollte man im Blick behalten, dass die meisten Incels nicht gewalttätig sind, sondern in erster Linie mit psychischen Belastungen zu kämpfen haben."
2. Bei der Berichterstattung über häusliche Gewalt veranschaulichen derzeit NDR und n-tv, wie mediales Framing funktioniert. Der NDR beschäftigt sich mit dem Thema wie selbstverständlich unter der Frage "Warum werden Frauen nicht besser geschützt?", auch n-tv beschäftigt sich mit dem Thema einschließlich der aktuellen Gewaltstudie, als ob die Opfer ausschließlich weiblich wären.
3. In Basel wurde ein Mann mit einem zwei Monate alten Baby im Arm von einer Messerstecherin angegriffen. Fahrgästen eines Busses gelang es, die Täterin zu entwaffnen. Ob die Täterin und das Opfer einander kannten, wollte die zuständige Staatsanwaltschaft nicht beantworten.
4. Gesellschaftliche Privilegien sind was Feines: 94 Prozent der Frauen lassen den Wehrdienst-Fragebogen unbeantwortet.
5.
Eine Polizeikommissarin aus Düsseldorf (ehemals Kommissar) macht genau das, was der Gesetzgeber ihr ausdrücklich erlaubt hat: Sie erklärt vor dem Standesamt, dass sie jetzt weiblich ist. Punkt. Keine Gutachten, keine Therapie, keine Wartefrist, keine Nachfrage. Das war’s. Und plötzlich steht sie in der Frauenquote, in den Förderprogrammen, bei den Beförderungsrunden mit im Rennen. Genau so, wie das Selbstbestimmungsgesetz es vorgesehen hat.
Die Kolleginnen und Kollegen gucken natürlich komisch. Die eine oder andere spitze Bemerkung fällt. Und unsere Beamtin – weil sie offenbar noch nicht gelernt hat, dass man in Deutschland besser die Klappe hält – sagt (angeblich) offen: "Nächstes Jahr bin ich wieder Mann, das ist doch klar." Und zur eigenen Hochzeit: "Da heirate ich als Mann."
Das Polizeipräsidium riecht sofort Morgenluft: Disziplinarverfahren, Beförderung gestoppt, raus aus dem Auswahlverfahren. Die Beamtin wehrt sich mit Eilanträgen vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf (Aktenzeichen 2 L 3912/25, 2 L 4140/25, 2 L 134/26). Und was macht die 2. Kammer dieses Gerichts gestern? Sie erfindet den "Rechtsmissbrauch" bei der vermeintlich so freien Geschlechterwahl. Weil die Dame angeblich nur wegen der Beförderung gewechselt hat. Weil sie "eigentlich" Mann bleiben will. Weil ihre eigenen Worte die „Unwahrheit" der Standesamtserklärung beweisen würden. Und weil so jemand das "Achtung und Vertrauen" der Polizei nicht mehr verdiene. Mit anderen Worten: Das Gericht tut genau das, was der Gesetzgeber explizit verboten hat.
Im Lawblog geht es weiter mit dem Bericht.
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