Dienstag, Mai 19, 2026

"Ich date nur noch unterwürfige Männer": Wie der Hass der Femosphäre immer weiter um sich greift

1. Unter der Schlagzeile "Ich date nur noch unterwürfige Männer" berichtet eine Kolumnistin des Berliner Tagesspiegels über ihren "Heteropessimismus", angeblich "das Beziehungsproblem moderner heterosexueller Frauen", aber eigentlich nur ein hübscheres Wort für Männerhass. Ihre Lösung sieht so aus:

"Soll ich dir morgen früh Croissants und Kaffee vorbeibringen?", steht in der Nachricht von dem Mann, den ich gerade date. "Heißt das, du willst zum Frühstück vorbeikommen?", frage ich zurück. "Nein, ich will dir nur was Gutes tun, bevor ich zur Arbeit gehe", bekomme ich zur Antwort. Was ich Besonderes gemacht habe, um das zu verdienen? Nichts. Außer vielleicht, mich auf einer Dating-App anzumelden, auf der man explizit devote Männer finden kann. Und seitdem ich solche Männer date, kann ich mir nicht mehr vorstellen, nochmal eine hetero Beziehung "auf Augenhöhe" zu führen.

Devot zu sein bedeutet, sich zu ergeben und unterwürfig zu verhalten. Etwas, das in Beziehungen historisch von Frauen erwartet wurde. Ich erwarte das heute von meinen männlichen Partnern.


Die Kolumnistin, die sich selbst als Feministin bezeichnet, behauptet, der Feminismus wolle eigentlich "eine gleichgestellte Partnerschaft". Das ist aber nur der Reklametext dieser Ideologie. Was sie eigentlich möchte, formuliert diese Feministin sehr offen:

Der devote Mann versteht die eigene Hingabe nicht als Bürde, sie turnt ihn meistens sogar an. Das macht ihn zwar nicht zum besseren Menschen, aber darum geht es auch nicht. Es geht nicht um ihn, es geht um seine Partnerin und die Tatsache, dass die Frau sich endlich einmal zurücklehnen und genießen kann, wenn ihr Partner ihr mit Demut begegnet. Demut ist die neue Augenhöhe.




2. Der Schweizer Tages-Anzeiger stellt eine weitere junge Frau vor: "Lena ist 26 und sagt: Ich hasse Männer". Hintergrund dafür ist, dass sie mehrere schlechte Erfahrungen machen musste. Seitdem ist die Hälfte der Menschheit bei ihr unten durch.

Mit ihrem Männerhass ist Lena nicht allein. In Internetforen haben sich Gemeinschaften gebildet, in denen Frauen solche und ähnliche Erfahrungen sammeln und diskutieren, um daraus praktische Schlüsse zu ziehen. «Eine der besten Arten, sich am Patriarchat zu rächen, ist es, Männer um deine Aufmerksamkeit buhlen zu lassen», steht etwa im Handbuch der "Female Dating Strategy" auf Reddit.

Die Forschung hat für solche männerhassenden Gruppierungen einen Begriff: Femosphere. Damit ist kein einheitliches Lager, sondern ein breites Spektrum mit oft widersprüchlichen Strömungen gemeint. Geprägt hat den Begriff die britische Medienwissenschaftlerin Jilly Boyce Kay – in Anlehnung an den bereits etablierten Begriff der Manosphere, also frauenverachtende Online-Gruppierungen mit Figuren wie Andrew Tate.

Die Femosphere umfasst diverse Online-Communitys von Frauen, die sich zwar alle als feministisch verstehen, inhaltlich aber weit auseinanderliegen: radikalfeministische Foren, Anti-Trans-Gruppen, datingspezifische Influencerinnen-Bubbles. Teilweise werden auch die konservativen Tradwives dazugezählt.


Der Tages-Anzeiger stellt noch einmal klar, dass diese Frauen natürlich immer noch besser sind als Männer, die sich im Internet tummeln, um dann weiter auszuführen:

Stattdessen erklären glamouröse Influencerinnen mit Hunderttausenden von Followern, wie man Männer durchschaut und sich von ihnen nicht blenden lässt. Ein Beispiel ist die Australierin Kanika Batra, der auf Instagram über 280’000 Menschen folgen. Batra bezeichnet sich selbst als "diagnostizierte Soziopathin" und verkauft eine "Datingbibel", die Manipulation statt Empathie predigt.

(…) Weitere Ratschläge von Batra: "Männer können dich nicht ausnutzen, wenn du nutzlos bist – gib dich also unnütz." Und wenn ein Mann will, dass die Frau kocht, empfiehlt sie: "Serviere Poulet-Sashimi. Wenn er den Rest der Woche im Badezimmer verbringt, schweisst euch das zusammen." Auf Instagram erreichte dieses Video, in dem sie Frauen dazu auffordert, ihre Männer mit rohem Poulet zu vergiften, über 755.000 Menschen.

Männer muss man ausbeuten, manipulieren, notfalls vergiften – mehr haben sie nicht verdient: Diesen Eindruck gewinnt schnell, wer sich in einer dieser Online-Bubbles bewegt. Willkommen in der Femosphere.

Lena ist keine Femosphere-Influencerin, sie bezeichnet sich selbst als Männerhasserin. Sie folgt feministischen Accounts, liest über Femizide und das Recht auf Abtreibung. "Diese krassen Femosphere-Seiten? Sehe ich eher selten."


Der Tages-Anzeiger muss ein drittes Mal betonen, dass Männer im Internet wirklich VIEL SCHLIMMER sind.

Für Tamara Funiciello, SP-Nationalrätin und bekennende Feministin, ist die Gleichsetzung der beiden Phänomene Femo- und Manosphere eine gefährliche Relativierung: "Die Manosphere führt zu Vergewaltigungen, Tötungen und hat heute auch Anhänger im Weissen Haus." Die Femosphere sei eine Reaktion darauf, dass der Staat und die Gesellschaft Frauen zu wenig schützten – also Ausdruck von Selbstschutz, sagt Funiciello. Die Wut der Frauen sei verständlich und wichtig. Doch Aufrufe zur Vergiftung mit rohem Pouletfleisch seien nicht zu rechtfertigen und keine Lösung.

Für Frauen, die keine Männer mehr daten wollen, hat Funiciello hingegen Verständnis: "Die Statistiken sind erdrückend", sagt sie – Femizide, häusliche Gewalt und sexuelle Übergriffe seien für Frauen an der Tagesordnung. Lena fantasiert manchmal von einer Welt, in der Frauen regieren und die Männer dominieren.




3. "Männern wird emotionale Imkompetenz unterstellt", berichtet der Väter-Coach Carsten Vonnoh in der Stuttgarter Zeitung. Ein Auszug:

"Das tieferliegende Vorurteil ist: Männer seien grundsätzlich die zweite Wahl als primäre Bezugsperson. Das zeigt sich in Kita-Gesprächen ("Können wir Ihre Frau erreichen?"), bei Behörden und auch im Familienrecht. Hinzu kommt der Verdacht, dass etwas mit der Mutter nicht stimmen könne, wenn die Kinder beim Vater leben – eine Unterstellung, die alleinerziehende Mütter so gut wie nie erleben.

(…) Alleinerziehende Väter stehen unter demselben Versorgerdruck wie andere Männer – die gesellschaftliche Erwartung, wirtschaftlich zu performen, verschwindet nicht, nur weil sie jetzt auch die Care-Arbeit allein stemmen. Das ist ein strukturelles Dilemma: Sie sollen beiden Rollen gerecht werden: dem Ernährer und der fürsorgenden Bezugsperson – haben aber dieselben 24 Stunden wie alle anderen auch. Alleinerziehende Mütter haben oft ähnliche ökonomische Herausforderungen, aber nicht denselben gesellschaftlichen Druck, ihre Identität über Erwerbsarbeit zu definieren. Väter hingegen erleben oft eine innere Zerrissenheit: Reduzieren sie für die Kinder, gelten sie schnell als ,nicht mehr ambitioniert‘. Bleiben sie im Vollzeit-Job, sind sie daheim ,nicht präsent genug‘. Dieser doppelte Anspruch wird kaum anerkannt."


Dazu komme der Missbrauchsverdacht.

"Männer mit Kindern – besonders mit Töchtern – stehen unter latenter Beobachtung. Körperliche Nähe, Umkleidesituationen und Übernachtungspartys werden kritischer beäugt als bei Müttern. Dieses implizite Misstrauen ist für viele Väter verletzend und schränkt ihre natürliche Beziehung zu den Kindern ein."




4. Im Frankfurter Magazin Novo beschäftigt sich Georgina Mumford damit, warum junge Frauen Männer fürchten. Mumford stellt zunächst fest, "dass ein Geschlecht weitaus stärker in den 'Geschlechterkrieg' involviert zu sein scheint als das andere": Nur 35 Prozent der Frauen der Generation Z unter 25 Jahren haben eine positive Meinung vom anderen Geschlecht, während umgekehrt 72 Prozent der Männer Frauen zu schätzen wissen – "eine merkwürdig hohe Zahl, angesichts der angeblichen Misogynie-Epidemie, über die wir uns in letzter Zeit so aufregen." Mumford berichtet über eine Frau, die unter bestimmten Bedingungen zu einer Partnerschaft in der Lage ist:

Sie beschrieb ihren an Privatschulen ausgebildeten, heterosexuellen, weißen Freund als "verdammten Labrador" – ein Begriff, der an den Internet-Archetyp des Golden-Retriever-Freundes (GRBF) erinnert. Der GRBF ist ein hingebungsvoller und harmloser junger Mann, der bereit ist, die Rolle des emotionalen Begleiters zu übernehmen. Ähnlich wie sein Vorgänger aus der Millennial-Generation, der "Himbo", ist er liebevoll, albern und vor allem unproblematisch. Sein Mangel an Intellekt, gepaart mit dem verzweifelten Wunsch zu gefallen, macht ihn ausdrücklich zu keiner Bedrohung für deine Empfindlichkeiten und deinen Status.


Allmählich schält sich ein Muster heraus, welche Männer in den Augen dieser feministischen Frauen Gnade finden. Mit einer gleichberechtigten Partnerschaft hat das alles nichts zu tun.

"Ich liebe es", gab ein Freund von mir zu, als er sich auf genau diese Passage in dem New Statesman-Artikel bezog. "Das ist so ehrlich." Er fuhr fort, die Beziehungen mehrerer "verdammter Labradore" zu beschreiben, die er persönlich kennt – junge Männer, die so sehr darauf bedacht sind, ihre Partnerinnen glücklich zu machen, dass sie bereit sind, jede Art von Behandlung zu ertragen. Einem, erinnert er sich, sagte seine Freundin, er dürfe nur bei ihr übernachten, wenn er sie und ihre Freundinnen bei einem Wettlauf vom Club nach Hause schlage. Sie waren bereits auf halbem Weg, während er noch aufbrach. Doch mit nur wenigen Minuten Vorsprung holte ihr Freund sie keuchend ein und wurde für seine Anstrengungen eingelassen, anstatt im Dunkeln nach Hause stapfen zu müssen.

Ein anderer Kumpel meines Freundes hatte noch mehr Pech. Er durfte nie bei ihr übernachten, da seine Partnerin nicht bereit war, eine schlechte Nachtruhe zu riskieren. Er wurde zu jeder Nachtstunde nach Hause geschickt, nachdem er den Abend mit ihr verbracht hatte – sogar an seinem Geburtstag. "Meine Aufgabe ist es, sie glücklich zu machen", sagte der niedergeschlagene junge Mann, als mein Freund das Thema ansprach. Mein Freund erzählt mir, dass Männer, wenn sie in keiner anderen Weise gebraucht werden – weder wirtschaftlich noch körperlich –, jede Form von Beziehung annehmen, die sie bekommen können.


Der Dating-Pool für junge Tagesspiegel-Redakteurinnen ist also immer noch groß.

"Die Vorstellung, einen Freund zu haben, ist ein bisschen beängstigend", sagte mir kürzlich eine Freundin. "Es ist ja nur irgendein Typ, von dem man dann entschieden hat, dass er gefahrlos und gut genug ist, um ihn auszuwählen. Und was, wenn man nicht alle Fakten kennt? Was, wenn er sich plötzlich von dir abwendet? Vor allem bei all den Reddit-Seiten und den ‚Red Pill'-Inhalten und so weiter. Dass all diese Frauen da draußen ihrem Mann vertrauen und sich dann herausstellt, dass er in diesen Chatrooms ist – oder schlimmer noch – ist erschreckend."


Am Ende könnte er noch eine eigene Meinung haben. Natürlich löst diese Vorstellung Angstgefühle aus. Stell dir vor, du hast endlich einen Partner gefunden, der ausreichend unterwürfig wirkt, und dann erwischst du ihn beim Lesen von Genderama.

Eine Umfrage von Whitestone Insight aus dem Jahr 2025 ergab, dass 62 Prozent der Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren Männer in ihrem Alter als "ziemlich beängstigend" empfinden.


An solchen Zahlen wurde lange gearbeitet:

Die Medienlandschaft ist derzeit vielleicht am wenigsten bereit, das Image der Männer zu verbessern. Weiße Männer, insbesondere aus der Arbeiterklasse, haben es besonders schwer, da sie so gut wie die einzige Bevölkerungsgruppe sind, die man politisch noch diffamieren darf. Die meisten jungen Männer im Vereinigten Königreich geben an, das Gefühl zu haben, dass ihre Darstellung in Film und Fernsehen bestenfalls unfreundlich und schlimmstenfalls "erbärmlich" ist.


Aber der Hass klickt und verkauft sich nun mal so gut.

Das Internet wird überflutet von Frauen, die noch nie eine erfolgreiche Beziehung hatten und Ratschläge an Frauen geben, die noch nie eine Beziehung hatten. "Ich mag keine toxischen Männer", sagt TheWizardLiz, eine Influencerin mit einer riesigen Fangemeinde. Ihr Video "Hör auf, dich mit mittellosen Typen zu verabreden" hat Millionen von Aufrufen.




5. Wer aus dem allgemeinen Männerhass ausscheren möchte, hat es schwer. Das gilt auch Sarah Engels, die für Deutschland beim ESC angetreten ist.

Da ihr neues Album den Titel "Strong Girls Club" trägt, wird sie im Podcast "Merci, Chérie" auf ihre Haltung zum Feminismus angesprochen. "Feministisch würde ich nicht sagen. Weil ich einen ganz, ganz tollen Mann habe und ich mag auch Männer", so die Antwort von Sarah Engels.

(…) Ein kurzer Ausschnitt des Interviews, der vorab veröffentlicht wurde, reicht aus, um im Internet eine Welle von Kritik auszulösen. "Peinliche Aussage", schreibt eine Instagram-Nutzerin. "Ja … Feminismus ist Männerhass und alle Feministinnen hassen ihren Partner … genau Sarah", kommentiert eine andere. "Oh nein, peinlich und schade. (…) Wenn man in eigenen Videos für Frauenrechte wirbt, sollte man das doch eigentlich besser wissen", lautet ein weiterer enttäuschter Kommentar. "Ich glaube, da weiß jemand nicht, was Feminismus ist", "Vielleicht wäre es gut, das Wort zumindest einmal zu googeln" oder "Ohne Feminismus könnte sie das alles nicht tun" gehören zu weiteren Reaktionen im Netz.


Es ist unerklärlich, wie Engels auf die "peinliche" Idee kommen konnte, Feminismus könnte etwas mit Hass auf Männer zu tun haben. Lebt sie etwa in der Wirklichkeit und nicht im Wörterbuch, wo diese Ideologie wesentlich freundlicher definiert wird?



6. "Es braucht den Mut zur Gegenrede" stellt der Professor für klinische Psychologie und Sozialpsychologie Michael Klein in einem Gastbeitrag für die Neue Zürcher Zeitung fest. Dieser Artikel erschließt, woher der Männerhass von immer mehr jungen Frauen kommen dürfte:

Wenn über Männer gesprochen wird, dann geschieht dies in den Medien fast nur noch in negativer, abwertender Weise und voller Hetze. Über Frauen so zu berichten, wäre inzwischen völlig undenkbar. Die kanadischen Forscher Paul Nathanson und Katherine K. Young haben dies schon seit den 1990er Jahren beobachtet. Sie beschreiben, wie diese Stimmung als Misandrie (Verunglimpfung und Hass gegenüber Männern) mehr und mehr gesellschaftsfähig wurde, von bestimmten feministischen Zirkeln aktiv verbreitet wurde und sich schliesslich in den Medien fest etablierte. Es gehört inzwischen in den Leitmedien zum "guten Ton", Frauen positiv und als Opfer, Männer negativ und als – zumindest potenzielle – Täter darzustellen.

(…) Es ist heutzutage nötig, sich als Mann für Männer zu artikulieren, Stärken, Schwächen und Probleme von Männern aufzuzeigen, zu reflektieren, die ausser Rand und Band geratene öffentliche Diskussion zurechtzurücken und – vor allem – der nachwachsenden Generation von Jungen im Chaos von Verunglimpfung und Extremisierung zu helfen.

Die vor allem in links-grünen Kreisen vielbeschworene "kritische Männlichkeit" macht Männer eher mundtot, negiert ihre intrapsychischen Konflikte mit radikalfeministischen Entwicklungen und zielt auf ideologische Anpassung. Richtig wäre es, Männern Wege zur gelingenden Bewältigung der Anforderungen der modernen, hochdifferenzierten, digitalen Welt aufzuzeigen, statt sie in platte Schablonen zu pressen.

Dass Männer über Frauen in der Öffentlichkeit oder den Medien sprechen, geschieht so gut wie gar nicht mehr. Dies gilt als patriarchalisch, übergriffig und misogyn. Männer haben daher – zu Recht – Angst, sich diesbezüglich zu artikulieren. Damit ist der Diskursraum zwischen den Geschlechtern praktisch zur Einbahnstrasse – "Frauen reden über Männer" – geworden.

(…) Der moderne Mann wird als Mängelwesen porträtiert. Ein Wesen, das ständig korrigiert, therapiert und umerzogen werden muss. Das ist jedoch keine wissenschaftliche Erkenntnis, sondern politisch motivierte Propaganda. Dies zu erkennen, ist der erste Schritt zur Veränderung. Männer sind anders als Frauen, jeder Mann ist anders als andere Männer. Der Blick muss sich wieder auf die Ressourcen richten, die Männer und Frauen gemeinsam, aber auch in ihrer Unterschiedlichkeit aufweisen. Die meisten Männer und Frauen sind gut. Männer und Frauen sind es zunehmend leid, in den Medien gegeneinander aufgehetzt zu werden.




7. "Die Zeit" betitelt einen aktuellen Podcast "Es gibt Frauen, die Gewalt ausüben, nicht weil sie sich wehren". Besonders kühn ist diese Schlagzeile nicht, die so tut, als handele es sich um vereinzelte Fälle, während in den letzten Jahren mehr Männer als Frauen Opfer häuslicher Gewalt wurden. Aber schon der Text darunter ist bereits besser:

Männer und Frauen berichten ähnlich häufig davon, in ihren Beziehungen körperliche Gewalt erfahren zu haben. Das belegt eine Dunkelfeldstudie des Bundeskriminalamtes. Wie kann das sein, denken wir bei Partnerschaftsgewalt doch vor allem an Männer als Täter? "Wir sehen Frauen oft nicht in ihrer Ganzheit, in ihrer Destruktivität, in ihrer Wut", erzählt die Soziologin und Gewaltforscherin Rebecca Gulowski den Podcasthosts Melanie Büttner und Sven Stockrahm.


Natürlich wird Männergewalt hier trotzdem als schlimer präsentiert, weil sie folgenschwerer sei und größere Angst auslöse. Trotzdem ist es gut, wenn hier einmal klargestellt wird, dass die Männerverachtung vieler junger Frauen und ihre Selbstwahrnehmung als bessere Menschen auf tönernen Füßen steht. Was den unterwürfigen Labrador-Mann als derzeit gesuchten Partner angeht, bietet dieser Typ sich als wehrloses Opfer von Partnerschaftsgewalt besonders an.



8. Weiter geht es mit einem Blick ins Ausland. Der New-York-Times-Artikel über die Folter vor allem männlicher Palästinenser in Israels Gefängnissen, den Genderama letzte Woche in deutscher Übersetzung dokumentiert, hat seitdem einige Wellen geschlagen. Yuli Novak, Direktor der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem, fasst das Wesentliche zusammen:

Was an den neuesten Berichten über sexuelle Folter von Palästinensern in israelischer Haft am meisten schockiert, ist nicht nur ihr inhärenter Schrecken. Es ist die Tatsache, dass sich die Maschinerie von Missbrauch und Leugnung trotz so vieler seit Langem offen sichtbarer Beweise immer weiter vertieft.

Die jüngste Berichterstattung von Nicholas Kristof über dieses Thema in der The New York Times hat wichtige öffentliche Aufmerksamkeit darauf gelenkt. Doch Misshandlungen in israelischer Haft werden seit Langem von ehemaligen Gefangenen, Anwälten, Ärzten und Journalisten berichtet und von Menschenrechtsorganisationen dokumentiert. Seit Oktober 2023 hat diese Gesamtheit an Belegen eine grauenhafte Realität offengelegt: Israels Gefängnissystem ist in ein kriminelles Netzwerk von Folterlagern verwandelt worden.

In seiner Berichterstattung dokumentierte Kristof erschütternde Aussagen palästinensischer Männer, Frauen und Kinder, die von weitverbreitetem sexuellem Missbrauch, Vergewaltigungen und Demütigungen durch israelische Soldaten, Gefängniswärter, Siedler und Verhörbeamte berichteten. Israels Reaktion auf die Berichte folgte einem vertrauten Muster: den Missbrauch leugnen, jene angreifen, die ihn dokumentieren, und das System schützen, das ihn möglich gemacht hat. Das Außenministerium bezeichnete den Artikel der New York Times als "Hamas-Propaganda" und ging sogar so weit zu erklären, Israel werde die New York Times verklagen. Andere Beamte und Kommentatoren griffen auf den bekannten Vorwurf der "Blutverleumdung" zurück, forderten die Schließung der New York Times und taten im Allgemeinen alles in ihrer Macht Stehende, um nicht nur die Arbeit von Kristof zu delegitimieren – einem weltweit renommierten Journalisten, der über sexuellen Missbrauch in Konflikten rund um den Globus berichtet hat –, sondern auch die Arbeit all jener, die versuchen, diesen Missbrauch ans Licht zu bringen.


Kristof wurde für seine Berichterstattung zweimal mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, der wohl höchsten Ehrung für Journalisten: einmal für einen Bericht über das Masaker vom Tian'anmen-Platz in China, danach für seinen Bericht über den Völkermord in Darfur.

Ihr kollektiver Wutanfall dient nicht nur dazu, konkrete Vorwürfe abzustreiten. Es geht darum zu kontrollieren, was gesehen werden darf, wer gehört werden darf und wessen Schmerz Zugang zur öffentlichen Wahrnehmung erhält.

B’Tselem, die israelische Menschenrechtsorganisation, die ich leite, hat dieses System anhand von Aussagen freigelassener palästinensischer Gefangener dokumentiert, die in verschiedenen israelischen Einrichtungen festgehalten wurden. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt befinden sich Tausende Palästinenser innerhalb dieses Systems in Haft. Ihre Aussagen schildern ein Regime aus gezielter sexueller Belästigung und Misshandlung, Demütigung, Gewalt, Hunger sowie schwerer körperlicher und psychischer Folter. Sexuelle Gewalt ist dabei ein Teil eines umfassenderen Systems, das Palästinensern Rechte und Würde abspricht und sie nicht als Menschen behandelt, sondern als Körper, die erniedrigt, gebrochen und entsorgt werden können.

Die Berichte selbst sind ebenso konsistent wie grausam. In den von B’Tselem gesammelten und überprüften Aussagen beschreiben in israelischer Haft festgehaltene Palästinenser sexuelle Gewalt als Mittel der Folter und Dominanz: erzwungene Nacktheit, schwere Schläge gegen die Genitalien, auf nackte Gefangene gehetzte Hunde sowie erzwungene anale Penetration mit Gegenständen. Tamer Qarmut schilderte, wie ein Soldat ihn im Haftlager Sde Teiman vergewaltigte: "Während der Folter vergewaltigte mich einer der Soldaten. Er schob einen Holzstock in meinen Anus, ließ ihn dort etwa eine Minute und zog ihn wieder heraus. Dann schob er ihn erneut hinein, noch heftiger, und ich schrie aus voller Kehle. Nach einer Minute zog er den Stock wieder heraus, befahl mir, den Mund zu öffnen, steckte den Stock in meinen Mund und zwang mich, daran zu lecken."

Ein anderer Zeuge berichtete: "Ich leide immer noch unter schweren Traumata. Sie hielten mich nackt fest, und Soldaten hetzten Hunde auf mich, die mich angriffen. Sie schlugen auf meinen Penis ein, banden ihn mit einer Plastikschnur ab und verursachten Schwellungen und Blutungen." Ibrahim Fuda, der im Negev-Gefängnis festgehalten wurde, sagte aus, dass er "Gefangene gesehen habe, die sexuell missbraucht wurden. Einige wurden von Hunden an empfindlichen Stellen angegriffen und mussten danach dringend operiert werden. Einige Gefangene bluteten aus dem Rektum und der Harnröhre."

Seit Oktober 2023 sind mehr als 88 palästinensische Gefangene während ihrer Haft im israelischen Gefängnissystem gestorben – eine nach jedem Maßstab beispiellose Zahl.

Fudas Aussage ist nur eine von vielen Schilderungen, die seit Langem öffentlich bekannt sind. Israelische Behörden und internationale Akteure können glaubhaft keine Unkenntnis behaupten. Und dennoch gehen die Misshandlungen weiter, weil sie keine Abweichung vom System darstellen, sondern Teil davon sind. Ein System, das auf der Leugnung palästinensischer Menschlichkeit beruht, wird palästinensisches Leid nicht als Beweis für ein Verbrechen behandeln.

(…) Die im Sommer 2024 in Sde Teiman, einer israelischen Militärhaftanstalt, aufgedeckten Misshandlungen lieferten ein besonders deutliches Beispiel dafür, wie weit der Staat geht, um Rechenschaftspflicht für die in diesen Gefängnissen begangenen Verbrechen zu verhindern. Ein palästinensischer Gefangener wurde in israelischer Haft sexuell missbraucht; der Vorfall wurde von Überwachungskameras aufgezeichnet und an die Öffentlichkeit geleakt. Der Fall wurde zu einem nationalen Skandal – nicht wegen dessen, was dem Gefangenen angetan wurde, sondern weil die Soldaten, die ihn mutmaßlich misshandelt hatten, festgenommen wurden und gewaltsame Proteste zu ihren Gunsten ausbrachen. Nach einer intensiven öffentlichen und politischen Kampagne wurden die Anklagen gegen die Soldaten im März fallengelassen, und der Generalstabschef erlaubte ihnen die Rückkehr in den Militärdienst. Benjamin Netanyahu feierte die Entscheidung, bezeichnete den Fall als "Blutverleumdung" und erklärte: "Der Staat Israel muss seine Feinde jagen – nicht seine heroischen Kämpfer." Die einzige Person, die in dieser Affäre bestraft wurde, war die Militärjuristin, die das Video geleakt hatte.

Das ist Straflosigkeit in der Praxis: Das System ist darauf ausgelegt, sich selbst und jene zu schützen, die die Misshandlungen ausführen.

Die Folter palästinensischer Gefangener ist Teil eines umfassenderen israelischen Angriffs auf palästinensisches Leben. Im Gazastreifen geht der Genozid weiter. Im Westjordanland verschärft sich die Gewalt durch das Militär und Siedlermilizen; ganze palästinensische Gemeinschaften werden von ihrem Land vertrieben. In Haftanstalten werden Palästinenser systematisch gefoltert. Das Muster ist überall dasselbe: eskalierende Gewalt, die Beseitigung von Beschränkungen und die Normalisierung eines Systems, das Palästinensern jeden Schutz entzieht.


Deutlich kürzer lässt sich die israelische Oppositionszeitung Haaretz zitieren, wenn sie kommentiert:

Wenn es sich dabei tatsächlich um eine Blutverleumdung handelt, dann ist noch schwerer zu verstehen, warum Israel sich weigert, Vertretern des Internationalen Roten Kreuz Zugang zu den Haftlagern zu gewähren. Wenn die Bedingungen, unter denen Tausende Gefangene festgehalten werden – Israel veröffentlicht ihre genaue Zahl nicht –, angemessen sind und dem Völkerrecht entsprechen, warum lässt man dann keine Besuche zu und beweist der Welt, dass dies tatsächlich der Fall ist?


Dazu wäre Israel gemäß der dritten und vierten Genfer Konvention eigentlich sogar verpflicht.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



kostenloser Counter