Montag, März 16, 2026

DIE WELT: "Es ist, als ob die Öffentlichkeit immer noch nicht akzeptieren will, wie hilfsbedürftig junge Kerle sind"

1. Nachdem er sich ordnungsgemäß als Feminist dargestellt und damit abgesichert hat, beschäftigt sich Julian Theilen in der WELT mit der Situation von Männern. Ein Auszug:

Während das Patriarchat in den letzten Zügen liegt, zeichnet sich nämlich schon ein neues Problem ab. Junge Männer verlieren den Anschluss. Ein paar nackte Fakten, die das unterstreichen: Junge Frauen schaffen häufiger das Abitur als Männer (55 Prozent). An der Universität übernehmen sie nach und nach klassische "Jungenfächer" wie Mathematik, Naturwissenschaften, Jura. Beim Medizinstudium liegt der Frauenanteil gar bei 70 Prozent. Frauen machen während der Unizeit auch öfter ein Auslandssemester über Erasmus.

Diese Fakten führt Eva Ladipo in ihrem neuen Sachbuch "Not am Mann. Die Erfindung toxischer Männlichkeit" an


"Not am Mann"? Die Tante hat meinen Buchtitel von 2014 geklaut.

um sie folgendermaßen abzurunden: "Es ist, als ob die Öffentlichkeit immer noch nicht akzeptieren will, wie hilfsbedürftig junge Kerle sind." Ladipo selbst akzeptiert diese Hilfsbedürftigkeit, die ihrer Auffassung nach in eine "Raserei, eine außer Rand und Band geratene negative Energie" mündet; für sie eine der Ursachen, dass der Westen immer autoritärer werde.


Man könnte sich sinnvoller um Männer kümmern, wenn man diesen Ansatz nicht von Anfang an mit solchen Abwertungen verbinden würde. Und gar noch geschickter wäre es gewesen, sich um Jungen und Männer zu kümmern, als diese so freundlich um Hilfe baten, wie das viele immer noch tun, als erst aufgrund der geschilderten "Raserei" aus den Puschen zu kommen. Auch weil man damit die Botschaft sendet: Raserei wirkt. Ohne diese Raserei wärt ihr Kerle uns immer noch von Herzen egal.

Der Grund für den männlichen Frust ist, Ladipo zufolge, so simpel wie wirkmächtig: Männer haben immer seltener Sex.


Klar, Männer denken bekanntlich an nichts anderes. Willkommen in der Mottenkiste der Klischees.

Frauen reagieren auf Dating-Apps nur auf 12,5 Prozent der Angebote, die sie erreichen. Und die jungen Männer kommen nicht durch die Schlafzimmertür, weil sie in den Augen vieler Frauen als Ernährer ausfallen. Als Ernährer fallen sie wiederum aus, weil sie immer häufiger über eine geringere Bildung und ein geringeres Einkommen als ihre potenziellen Partnerinnen verfügen und diese lieber nach oben daten.


Wenn ein Mann darauf hingewiesen hätte, dass Frauen "lieber nach oben daten", wäre er für diese zutreffende Beobachtung als frauenfeindlicher Incel beschimpft worden. Aus männlicher Perspektive hingegen ist es kurios, dass Lapido glaubt, Männer wären nur wegen dem Sex an einer Partnerschaft interessiert. Würde sie Frauen dasselbe unterstellen?

"Unten" wiederum sitzt der männliche Arbeiter – ohne Kapital und ohne Sex. Er ist "sozial unfruchtbar", wie Soziologen das nennen. Sein Traum, Versorger zu sein, ist ausgeträumt. Und dafür bekommt er kein Mitleid, im Gegenteil: Von der Gesellschaft muss er sich die nächste Backpfeife abholen und "privilegiert" nennen lassen, weil er ein Mann ist. Spätestens hier zerschellen linke identitätspolitische Konzepte an der Realität, weil sie materielle Fragen nachrangig behandeln. So sieht Ladipo das – und so könnten es auch andere sehen, die die politischen Diskussionen der vergangenen Jahre aufmerksam verfolgt haben.


Das stimmt. Es ist befremdlich, dass die Linke Identitätsfragen über die Klassenfrage gestellt hat, ohne darauf mehr als einen flüchtigen Gedanken zu verschwenden. Das Ergebnis: Die Managerin gilt gegenüber dem Obdachlosen als unterdrückt, weil … Patriarchat.

Der Gender-Pay-Gap wird in Deutschland seit Jahren stetig kleiner. Dass er noch nicht ganz verschwunden ist, liegt wohl nicht zuletzt an den Männern der Boomer-Generation, die noch besser bezahlt werden als gleichaltrige Frauen. Bei den ganz Jungen hingegen könnte sich der Gender-Pay-Gap sogar umkehren. In Großbritannien ist das schon der Fall: Dort verdienen junge Frauen in der Altersspanne 16 bis 24 mehr als junge Männer.


Es gibt seit Jahrzehnten keinen Gender-Pay-Gap mehr.

Was aber könnte ein Mann sein, wenn er nicht mehr Versorger ist? Vorschläge dafür hat es in den vergangenen Jahren reichlich gegeben. Der Mann müsse vom materiellen zum emotionalen Versorger werden und sich in Empathie und Care-Arbeit schulen – und angesichts der Gefühlsverkrüppelung nicht weniger Männer wäre das in der Tat nicht schlecht.


Wie schon gesagt: Auf Männer unter dem Vorwand, man wolle ihnen helfen, verbal auf sie einzuprügeln, macht das Hilfsangebot nicht besonders attraktiv.

Leider wird diese Forderung meist so paternalistisch von Frauen vorgetragen, dass sich der junge Mann in seiner Opferrolle noch bestätigt fühlt und bockt wie ein kleines Kind. Es ist wohl auch zu viel verlangt, von Frauen Mitgefühl zu erwarten.


Werden jetzt etwa beide Geschlechter gedisst?

Sie sind ja selbst noch im historischen Konflikt mit dem Patriarchat gefangen und zermürbt von den häufigen Sexismus-Erfahrungen auf der Straße.


Hübsche Botschaft: Frauen sind empathielos, weil sie Opfer eines Systems sind, das sie knechtet. Männer sind minderwertig, weil man sie nicht mehr ranlässt. Ach ja, die WELT. Immer noch vom intellektuellen Anspruch nur einen Hauch vom Schwesterblatt BILD entfernt.

Es bräuchte also Männer, die sich solidarisch mit dem abgehängten Mann zeigen. Bislang jedoch erweisen die sich als Totalausfall, indem sie entweder die erfolgreiche Frau zum Feindbild stilisieren oder aber Hetero-Männern vorhalten, was für Versager sie doch seien.


Ich würde Julian Thielen für seine Selbstkritik loben, nehme aber an, er meint mal wieder andere Leute. Immerhin scheint es diesmal den Richtigen zu treffen: einen Autor, der in seinem neuen Buch, wenn man der WELT glauben will, "schon den Wunsch nach ein paar Muskeln indirekt in die toxische Ecke rückt." Und beim letzten Absatz kann man Thielen klar zustimmen, wenn man die Branche kennt:

Buchverlage spielen dieses Spiel, in dem das eine Männerklischee (harter Kerl) durch ein neues (softer Typ) ersetzt werden soll, schon deshalb munter mit, weil sie den Mann als Zielgruppe bereits abgeschrieben haben. Zwar lassen sie Männer über Männer schreiben, absurderweise jedoch zielen sie damit auf ein weibliches Publikum.




2. Das Forum Soziale Inklusion legt in einer Datenanalyse offen, wie stark das Bundesfrauenministerium in die Diskussion um das deutsche Familienrecht eingreift und notwendige Reformen effektiv verhindert. Grundlage sind ein Netzwerk von Vorfeldorganisationen und finanzielle Abhängigkeiten, während alternative Perspektiven kaum Zugang zu Ressourcen, Gremien oder Öffentlichkeit erhalten. Eine wirksame und gesellschaftlich tragfähige Modernisierung des Familienrechts könne so nicht gelingen.



3. Nachdem der Frauenanteil im Parlament von Baden-Württemberg auch durch ein 2022 verändertes Wahlrecht nicht gestiegen ist, fordern Politikerinnen etwa aus der CDU und den Grünen erneut ein Paritätsgesetz, das jede Partei zwingen soll, genauso viele Frauen wie Männer als Kandidaten zu präsentieren.

Eine andere Variante wäre eine paritätsgebundene Mandatszuteilung. Dann würde der Landtag die Mandate nach der Wahl entsprechend verteilen. Der Versuch, per Gesetz zu verordnen, dass Wahllisten gleichberechtigt besetzt werden, war in Thüringen und Brandenburg an den dortigen Verfassungsgerichten gescheitert. Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU, Andreas Deuschle, sagte: "Für uns gilt: Die Bürgerinnen und Bürger entscheiden letztendlich mit ihrer Stimme, wer sie im Parlament vertritt."




4. Der bekannte Plagiatsjäger Stefan Weber dokumentiert eine erneute manipulierte Darstellung in der Tagesschau. Diesmal ist es eine Studie von HateAid und der TU München mit der Falschaussage, Politikerinnen würden im Netz besonders häufig angegriffen.



5. Die Frankfurter Allgemeine hat sich mit der Philosophin Maria-Sibylla Lotter darüber unterhalten, dass sich viele zu schnell als hilflose Opfer sehen und warum Eigenverantwortung heute nicht mehr attraktiv erscheint. Lotterführt dazu aus:

"Mein Alltag spielt sich ja weitgehend an der Universität ab – wo Plakate und Flyer zunehmen, die auf Sicherheitsbedrohungen besonders für Frauen hinweisen; dazu wird auch ausdrücklich rein Verbales gerechnet. Natürlich ist es wichtig, auf Gefahren hinzuweisen und sich zu überlegen, wie man mit Bedrohungen umgeht. Gleichzeitig hat das aber auch die Wirkung, dass die soziale Welt als eine Bedrohung wahrgenommen wird – zumal Frauen nicht als wehrhafte Personen, sondern als verletzliche Wesen angesprochen werden."


Und wenn man dann noch Frauen statt allein als Opfer oder "wehrhafte Personen" auch als offensiv handelnde Akteure wahrnehmen würde …



6. Einem Mann, der von der Polizei angeschossen wurde und später starb, musste zehn Minuten länger auf einen Krankenwagen warten, nachdem eine Polizistin, die unter einer "leichten Panikattacke" litt, den ersten Krankenwagen, der am Tatort eintraf, für sich beansprucht hatte.

Bemerkenswert, wie symbolisch dieser Vorfall für das aktuelle Verhältnis der Geschlechter insgesamt ist.



7. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Lieber Arne,

ich möchte dir heute wieder ein paar Fundstücke zusenden:

- Die heute-show macht am 13.3.2026 den satirischen Beitrag zu einer Führerschein-Ausbildung wie in Österreich zu einem völlig unironischen Hassposting gegen Männer, indem sie ihn mit den Worten beendet: "Väter. Irgendwie süß, aber völlig nutzlos." (Das "Fazit" hat nichts mit dem Thema des satirischen Beitrags zu tun.)

- Dazu gehört auch, dass im ORF passend zum Frauentag ein Mann nach metoo-Vorwürfen abgesetzt wurde (Generaldirektor Weißmann), ohne bewiesene Schuld oder relevante Strafbarkeit der Handlungen und allein aufgrund der Aussage und auf Wunsch einer anonymen Frau. Kurz zuvor hatte der SPÖ-Chef Babler wieder einmal mehr Frauen in Führungspositionen gefordert bzw. sich auf dem SPÖ-Parteitag für Frauen eingesetzt. Und der SPÖ-Geschäftsführer kommentierte mit einem unironischen männerfeindlichen Hassposting: "Es ist bezeichnend, dass – wie so oft – es Frauen sind, die es wieder einmal richten müssen." Dazu meine These: Die Sozialdemokratie hat sich in Deutschland wie in Österreich Männerfeindlichkeit als politisches Projekt ausgesucht, denn sie will die Stimmen der Frauen, darum werden wir noch viel davon bekommen.

- Die CDU hat in Baden-Württemberg die Wahl nicht gewonnen, aber dazugewonnen, obwohl sie zu feige war, männliche Sexualität zu verteidigen. Stattdessen hat sie – wie auch die AfD – wieder einmal mitgespielt dabei, ganz gewöhnliche und normale männliche Sexualität zu kriminalisieren, zu pathologisieren und zu entmenschlichen, die nun einmal junge, hübsche und geschlechtsreife Frauen jung und hübsch oder auch bezaubernd oder gar begehrenswert findet. Das ist soweit normal und unproblematisch, problematisch wäre tatsächlich der Machtmissbrauch (wogegen wir auch zurecht Regeln haben), der aber nachweislich nicht stattgefunden hat. Von mir bekommt die CDU oder auch die AfD dafür keine Stimmen. Die feminisierte Gesellschaft ist krank, nicht die Sexualität des Mannes!

- Mein Arbeitgeber bietet jetzt Kurse für junge Eltern an, bei denen im Mittelpunkt die Frage steht, "wie sich Familienaufgaben gut aufteilen lassen." Nachdem ich einen Kollegen auf die offensichtliche Übergriffigkeit des Arbeitgebers angesprochen habe (Was geht den Arbeitgeber die Aufteilung der Familienaufgaben an?), antwortete er damit, dass er das nicht schlimm finde. Kein Wunder ist die Feminisierung unaufhaltsam auf dem Vormarsch, wenn selbst die Männer nichts dagegen haben, staatliche Vorschriften für ihr Privatleben zu bekommen. Denn ich bin überzeugt, dass mit der Aufteilung der Familienaufgaben nichts anderes gemeint ist als die feministische Forderung nach 50:50, ohne auch nur im Geringsten daran zu denken, die Väter den Müttern rechtlich gleichzustellen.




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