Dienstag, März 17, 2026

Debatte im britischen Parlament: Sollte es einen Minister für Jungen und Männer geben?

1. Die britische BBC berichtet über eine Debatte, die von Männerrechtlern (Maskulisten) angestoßen wurde und vor der sich die deutsche Politik noch drückt:

Dr. Luke Evans erklärte, die Probleme, mit denen Männer und Jungen konfrontiert seien, erforderten eine ressortübergreifende Aufmerksamkeit der Regierung.

Sollte es also einen eigenen Minister für Männer und Jungen geben?

Diese Frage wurde im vergangenen Monat erneut aufgeworfen, als in der Westminster Hall, [dem Sitz des britischen Parlaments], eine Debatte stattfand, eröffnet vom konservativen Abgeordneten für Hinckley and Bosworth, Dr. Luke Evans, um die möglichen Vorzüge einer solchen Position zu erörtern.

Das Vereinigte Königreich ernannte 1997 erstmals eine Ministerin für Frauen, um Gleichstellung zu fördern und gesellschaftliche Herausforderungen anzugehen; dieses Amt besteht seither in unterschiedlichen Ausprägungen fort.

Ein entsprechendes Pendant für Männer und Jungen hat es jedoch nie gegeben, und Evans betont, es sei "nur gerecht", dies zu ändern.

Der frühere Hausarzt erklärte, Männer und Jungen gerieten in zahlreichen Bereichen – von der Gesundheit bis zur Bildung – ins Hintertreffen gegenüber Frauen und Mädchen.

Die Idee hat allerdings eine Debatte darüber ausgelöst, wie ein solches Amt konkret ausgestaltet sein könnte. Kritiker befürchten, es könne zu einer bloßen Symbolfunktion verkommen und die fortlaufenden Bemühungen um Gleichstellung von Frauen in den Hintergrund drängen.

Evans hat sich im Parlament wiederholt für die Einführung eines Ministers für Männer und Jungen eingesetzt. Der Amtsinhaber solle eng mit der Ministerin für Frauen und Gleichstellung zusammenarbeiten – ein Amt, das derzeit Bridget Phillipson zusätzlich zu ihrer Funktion als Bildungsministerin innehat.

"Es geht nicht um Männer oder Frauen", sagte Evans. "Ich habe immer betont, dass es um Männer und Frauen geht. Hier gibt es keinen Wettbewerb."

Er fügte hinzu: "Männer und Jungen geraten in so vielen Bereichen ins Hintertreffen. Es ist an der Zeit für eine Position, die regierungsübergreifend Politik im Ganzen betrachtet – vom Justizministerium über schulische Leistungen und Beschäftigungschancen bis hin zu psychischer Gesundheit, Suizid und Steroidmissbrauch. All diese Themen, in denen Männer überproportional betroffen sind, müssen in den Blick genommen werden. Wir haben bereits eine Ministerin für Frauen und Mädchen, daher ist es nur gerecht und richtig, hier ein Gleichgewicht herzustellen."

Ohne ein solches Amt, so Evans, bestehe die Gefahr, dass Männer und Jungen weiter zurückfallen.

In der jüngsten Debatte verwies er zudem auf gesundheitliche Ungleichheiten, die angegangen werden müssten. Besonders alarmierend sei, dass Suizid die häufigste Todesursache bei Männern unter 50 Jahren darstelle und dreimal so häufig vorkomme wie bei Frauen.

Zudem entfielen zwei Drittel der Todesfälle durch Lebererkrankungen auf Männer – eine Entwicklung, die sich in den vergangenen vier Jahrzehnten vervierfacht habe.

Evans äußerte auch Sorge über den Mangel an positiven männlichen Vorbildern. Dies habe dazu geführt, dass sich viele junge Männer kontroversen Online-Influencern wie Andrew Tate zuwenden.

Er bezeichnete den Begriff "toxische Männlichkeit" als problematisch: "Wir haben den Männern positive Vorbilder genommen und sie zugleich möglicherweise dämonisiert, indem wir sie als ‚toxisch‘ bezeichnen. Kein Wunder, dass Männer und Jungen Schwierigkeiten haben, ihren Platz in der Welt zu finden. Ich frage oft: Was ist ein guter Mann in der modernen Welt? Eine überzeugende Antwort habe ich noch nicht gefunden."

Im Bildungsbereich verwies Evans auf einen Bericht des Centre for Social Justice aus dem Jahr 2025, wonach Jungen in allen Fächern schlechtere Schulabschlüsse erzielen als Mädchen und Frauen bei den Hochschulzulassungen im Verhältnis drei zu zwei überwiegen.

Zudem seien Jungen laut Zahlen von 2024 anderthalbmal so häufig von Schulverweisen betroffen wie Mädchen.

Auch auf dem Arbeitsmarkt zeigten sich Unterschiede: Nach Angaben des Office for National Statistics lag die Zahl arbeitsloser Männer im erwerbsfähigen Alter im Februar bei einer Million – dem höchsten Stand seit 2014.

Die Arbeitslosenquote junger Männer zwischen 18 und 24 Jahren erreichte in den drei Monaten bis Dezember 2025 zudem 17 % und übertraf damit sogar den Höchststand während der COVID-19-Pandemie.

"Es gibt zahlreiche weitere Zahlen", sagte Evans, "doch sie alle weisen darauf hin, dass es sich um ressortübergreifende und letztlich gesamtgesellschaftliche Probleme handelt."

Penny East, Geschäftsführerin der Fawcett Society, einer Organisation für Frauenrechte und Gleichstellung, erklärte hingegen, die Lösung der Probleme von Männern und Jungen komme letztlich auch Frauen und Mädchen zugute.

"Es gibt ernsthafte gesellschaftliche Probleme, die Männer und Jungen betreffen und angegangen werden müssen", sagte sie. "Eines der größten ist der Online-Frauenhass – wie verbreitet und normalisiert er ist und wie manipulativ er von manchen Männern kommerzialisiert wird. Wenn wir einige dieser Probleme lösen, hilft das Männern und Jungen – und zugleich Frauen und Mädchen, denn Frauenhass ist eine der Ursachen für viele ihrer Probleme."

Die Regierung müsse sich damit befassen, doch sei fraglich, ob ein eigenes Ministeramt die richtige Antwort sei: "Es darf weder symbolisch noch spaltend sein, und wir müssen die Vorstellung überwinden, es gehe um ein ‚Wir gegen sie‘."

Auch der konservative Abgeordnete Peter Bedford äußerte sich kritisch: "Es hat sich eine wenig hilfreiche Erzählung entwickelt, wonach Jungen ein gesellschaftliches Problem seien, das es zu kontrollieren gelte. Das fördert weder Ehrgeiz noch Verantwortungsbewusstsein."

Er erkenne zwar den möglichen Nutzen eines solchen Amtes, befürchte jedoch, es könne zu einem "bürokratischen Posten werden, hinter dem sich Politiker verstecken".

"Wir brauchen echte strukturelle und kulturelle Veränderungen in der gesamten Verwaltung, um die Lebensbedingungen von Männern zu verbessern – ebenso wie wir es für Frauen tun. Erst dann können wir das Leben aller Menschen nachhaltig verbessern."

Die Gleichstellungsministerin Olivia Bailey erklärte, die Labour-Regierung arbeite bereits an den von Evans angesprochenen Problemen. Premierminister Sir Keir Starmer habe den stellvertretenden Premierminister David Lammy beauftragt, entsprechende Maßnahmen ressortübergreifend zu koordinieren.

"Wir setzen uns dafür ein, Männer und Jungen in allen Bereichen zu unterstützen, in denen sie benachteiligt sind, und erkennen an, dass viele mit den Herausforderungen unserer heutigen Gesellschaft ringen", sagte Bailey.

Das Büro des stellvertretenden Premierministers sei eingerichtet worden, um diese Arbeit zu unterstützen und eine abgestimmte Vorgehensweise zwischen den Ministerien sicherzustellen, die zu messbaren Verbesserungen führe.

Zudem plane die Regierung noch in diesem Jahr einen nationalen Gipfel zu den Themen Männer und Jungen und habe 2025 erstmals eine nationale Männergesundheitsstrategie für England veröffentlicht.

Diese ziele darauf ab, die größten gesundheitlichen Probleme von Männern jeden Alters anzugehen, darunter psychische Erkrankungen und Suizid, Atemwegserkrankungen, Prostatakrebs und Herzkrankheiten.

Auch bemühe sich das Bildungsministerium, mehr männliche Lehrkräfte zu gewinnen, die Jungen als Vorbilder dienen könnten.

Schließlich erkenne die Regierung die "verheerenden Folgen" von Einsamkeit und sozialer Isolation für junge Männer ausdrücklich an.


Ich habe wirklich Schwierigkeiten, mir eine vergleichbare Debatte im Deutschen Bundestag vorzustellen.



2. Dass auch in Großbritannien Männerfeindlichkeit nicht ausgerottet ist, zeigt allein die Schlagzeile eines aktuellen Artikels der Daily Mail: "Unreife Männer verantwortlich für das Baby-Defizit in Großbritannien, sagt Bericht – weil sie die Übernahme von Verantwortung auf später im Leben verschieben".

Ein Artikel wie "Unreife Frauen verantwortlich für das Baby-Defizit unseres Landes, weil sie Karriere der Familie vorziehen", hätte es vermutlich nicht ins Blatt geschafft. Man hätte stattdessen empört die Rechte der Frau verteidigt, ihre eigenen Lebensentscheidungen zu treffen. Die implizite Forderung, dass es die eigentliche Aufgabe von Frauen wäre, für den Nachwuchs des Landes zu sorgen, wäre als mindestens reaktionär, wenn nicht rechtsradikal zurückgewiesen worden. Warum leistet man sich diesen Mumpitz also, wenn es gegen Männer geht?



3. Die britische Regierung plant, die Zahl inhaftierter Frauen in England und Wales deutlich zu reduzieren. Justizminister James Timpson, argumentiert, viele inhaftierte Frauen seien weniger klassische Täterinnen als vielmehr Opfer sozialer Umstände wie Armut, Gewalt oder instabiler Lebensverhältnisse. Kern der Reform ist das neu geschaffene Women’s Justice Board. Dieses Gremium soll Alternativen zur Haft stärken (z. B. gemeindenahe Maßnahmen) und gesetzliche Änderungen anstoßen, etwa Einschränkungen bei der Inhaftierung schwangerer Frauen. Die Regierung stellt dafür zusätzliche Mittel (über 30 Millionen Pfund) bereit, insbesondere für Unterstützungsangebote außerhalb des Gefängnisses. Ein zentrales Argument lautet: Frauen machen nur einen kleinen Teil der Gefängnispopulation aus (rund 4 Prozent), sind aber überdurchschnittlich häufig von Problemen wie häuslicher Gewalt, psychischen Belastungen oder Selbstverletzung betroffen. Das bisherige System werde diesen Besonderheiten nicht gerecht.

Schaut man sich eine US-amerikanische Studie zu diesem Thema an, zeigt sich: Menschen im Gefängnis berichten allgemein deutlich häufiger von traumatischen Kindheitserfahrungen als die Allgemeinbevölkerung. Erfasst wurden hier körperlicher, sexueller und verbaler Missbrauch, Vernachlässigung, familiäre Gewalt, psychische Erkrankungen im Elternhaus, Suchtprobleme oder die Inhaftierung von Angehörigen. 46 % der männlichen Gefangenen und 57 % der weiblichen Gefangenen hatten vier oder mehr solcher Erfahrungen gemacht.

Ist ein Unterschied von elf Prozent wirklich groß genug für ein eigenes Regierungsprogramm, das speziell Frauen aus dem Gefängnis holen soll? Ich finde: Wenn ähnliche Belastungen auch bei Männern bestehen (nur etwas niedriger), dann liegt eine breitere, geschlechtsübergreifende Reform näher als ein spezifisches Frauenprogramm.



4. DER SPIEGEL: "Der Mann dringt ein, die Frau empfängt – so will es die patriarchale Logik beim Sex." Ich weiß nicht, liebe SPIEGEL-Redakteure – seid ihr euch sicher, dass die Tatsache, dass der Mann beim Sex in die Frau eindringt und nicht umgekehrt, allein dem unterdrückerischen Patriarchat anzulasten ist? Kann man Tipps für schöneres Pegging nicht geben, ohne daraus eine ideologische Nummer zu machen?



5. "Kein Artikel über die Schrecklichkeit der Männer, der nicht darauf hinweist, dass es in Südkorea eine 4B-Bewegung gibt, in der Frauen Männern generell abgeschworen haben", stellt Christian Schmidt heute morgen fest und hat nachgeforscht, wie verbreitet diese Bewegung wirklich ist. Das Ergebnis: "Die große Mehrheit koreanischer Feministinnen lebt oder unterstützt 4B nicht aktiv. Es bleibt eine radikale, vor allem online sichtbare Minderheitenposition, die teilweise mit extremen Communities (z. B. WOMAD) assoziiert wird, die wiederum für Misandrie, Trans- und Homophobie kritisiert werden." Sie habe ihren Höhepunkt schon vor mehreren Jahren deutlich überschritten und sei seitdem zurückgegangen.



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