Samstag, September 06, 2014

Schwarzer und Lafer: Zweierlei Moral

Alice Schwarzer und der Spitzenkoch Johann Lafer stehen im Visier der Steuerfahndung. Doch nur bei Schwarzer hält die Staatsanwaltschaft dicht. Misst die Justiz mit zweierlei Maß?


Die Potsdamer Neuesten Nachrichten kommentieren.

Samstag, November 21, 2015

Lesermail: Die doppelte Moral des Cem Özdemir

Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Wie sehr die Belange von Jungs und Männern unsere Politiker einen feuchten Kehricht interessieren, das kann man im Moment sehr gut an einem aktuellen Kommentar in der Süddeutschen Zeitung erkennen, in dem ein Torsten Denkler den Grünen Cem Özdemir dafür lobt, eine kritischere Handlung zum Islam anzumahnen.

Besonders ins Auge gesprungen sind mir dabei die Worte "Kein heiliges Buch steht über den Menschenrechten. Kein heiliges Buch steht über der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland", so gesagt anscheinend von Herrn Özdemir. Meine erste Reaktion war: Das erinnert mich doch sehr an die Argumentation kontra Beschneidung im Herbst 2012, als es unter anderem um die Abwägung zwischen Religionsfreiheit und den Menschenrechten ging.

Ob Cem Özdemir da wohl auch nach diesem Prinzip gestimmt hat? Hat er nicht. Natürlich. Damals hat er im Gegenteil so argumentiert, dass die Beschneidung ein "akzeptiertes Wesenselement" zweier Religionen wäre und damit nicht illegalisiert werden dürfe.

Im Text der Süddeutschen Zeitung dagegen macht er ein Kehrtwende, denn dieses Mal sind ja nicht die Buben die Leidtragenden: "Seinen Glauben zu leben kann nicht bedeuten, die eigene Tochter zu verstoßen, weil sie mit offenem Haar durch die Straßen zieht. Kann nicht bedeuten, die Söhne zu kleinen Paschas heranzuziehen, die Frauen nicht die Hand geben. Es muss eine Debatte geben, was rückständige Kultur ist [...]".

Einen Politiker, der erst Religion über Menschenrechte stellt, und für die Legalisierung der Verstümmlung männlicher Sexualorgane stimmt, später aber groß tönt, das Grundgesetz würde über jeder Religion stehen – den kann doch niemand mehr ernst nehmen. Wir lernen: Männliche (und NUR die!) Beschneidung, das ist ein wichtiges Wesenselement von Religionen, und damit schützenswerter als elementare Menschenrechte für Jungen. Diese Jungen aber "zu kleinen Paschas heranzuziehen", das ist "rückständige Kultur"... und darüber muss man dann schon reden. Denn dieses Mal sind ja nicht die Jungs die geschädigten, sondern die Mädchen.

Dass dieser Glaube – ganz salopp – ans Patriarchat durchaus auch Wesenszüge einer Religion hat, darauf kommen aber weder Özdemir noch Denkler.


Nachtrag: Ein Grünen-Mitglied aus meinem Netzwerk hat mich freundlicherweise darauf hingewiesen, dass Özdemir an der Bundestagsabstimmung zur Beschneidung nicht teilgenommen haben konnte, weil er zu diesem Zeitpunkt noch gar kein Mitglied des Bundestages war. Es kann hier also nur generell um sein Messen mit zweierlei Maß in diesem Bereich gehen und nicht um sein Abstimmverhalten.

Sonntag, Februar 22, 2009

Dissertation Schwithal enthüllt interessante Aspekte über weibliche Gewalt

Ich bin dieses Wochenende endlich dazu gekommen, Bastian Schwithals Dissertation Weibliche Gewalt in Partnerschaften. Eine synontologische Untersuchung genauer zu lesen, in der Schwithal mehrere hundert internationale Gewaltstudien einer Metaanalyse unterzieht. ("Synontologie" ist die Soziologie der Partnerschaft.) Bei der Lektüre bin ich auf einige interessante Inhalte gestoßen, die auch mir zuvor so nicht bekannt waren.

Beispielsweise kommt Schwithal in einem Exkurs auch auf Gewalt im öffentlichen Raum zu sprechen. So wie viele andere, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben, bin zwar auch ich zu der Erkenntnis gelangt, dass der Anteil von Frauen unter den Tätern höher ist, als man gemeinhin annimmt, habe das aber vor allem für eine Entwicklung der letzten Jahre gehalten. Tatsächlich gab es aber schon Mitte der Neunziger erstaunliche Zahlen. Schwithal führt dazu auf Seite 111 seiner Arbeit aus (dort jeweils mit Quellenangaben in den Fußnoten):

Eine Reihe weiterer Studien zeigte, dass Gewalthandlungen nicht nur im privaten Bereich und in beträchtlichem Ausmaß von jungen Frauen und Mädchen – anders als oftmals glauben gemacht wird – ausgehen. So kam eine repräsentative Untersuchung von Heitmeyer et al. aus dem Jahr 1995 zu dem Ergebnis, dass neben 15% der westdeutschen und 18% der ostdeutschen männlichen Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 22 Jahren, die angaben, im vergangenen Jahr Körperverletzungen begangen zu haben, es bei den weiblichen Jugendlichen 9% bzw. 7% waren. Höhere Verbreitungsraten fanden Mansel und Hurrelmann (1998) in ihrer in Nordrhein-Westfalen durchgeführten Studie. 43% der Schüler und 22% der befragten Schülerinnen gaben körperverletzende Handlungen gegenüber anderen zu. Tillmann et al. (2000) fanden in ihrer Untersuchung heraus, dass 8% der männlichen und 4% der weiblichen befragten Schüler einer hessischen Schule angaben, zur "Kerngruppe" von gewalttätig agierenden Jugendlichen zu gehören. Heitmeyer et al. (1995) sprechen von einem "weiblichen Aufholprozess". Ein Vergleich der Anteile jugendlicher Gewalttäter in den Jahren 1986 und 1994 kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Anteil der weiblichen Befragten, die Gewaltdelikte begangen haben, von 25 auf 42% erhöht hat und der Anteil der männlichen Befragten von 47 auf 64%.


Die jungen Männer haben also noch immer einen klaren "Vorsprung" bei Gewaltdelikten, allerdings kann man bei 42% an Täterinnen unter allen jungen Frauen nicht wirklich von Einzeltätern sprechen.

Was die Gewalt in Partnerschaften betrifft, geht beispielsweise eine Untersuchung des Frauenministeriums davon aus, dass Frauen zwar ähnlich häufig wie Männer zu Tätern werden, Frauen aber infolge schwerer Gewalt auch weitaus häufiger schwerere Verletzungen davontrügen. Dem ist nicht so, wie Schwithal auf Seite 136 zusammenfasst:

Übersicht "Studien: Severe Violence" gibt die Ergebnisse von 94 Studien und Untersuchungen hinsichtlich schwerer Gewaltformen ("severe violence") wieder. Ähnlich wie bei "minor violence" lässt sich auch hier die Beobachtung machen, dass ein höherer Anteil an Frauen schwere Gewalt gegenüber einem Intimpartner gebraucht als umgekehrt. Das Verhältnis von Männern und Frauen im Hinblick auf "verübte Gewalt" ist 47,0% zu 53,0%. Bei "erlittener Gewalt" ergibt sich hinsichtlich der Geschlechtsverteilung folgendes Bild: 52,3% Männer gegenüber 47,7% Frauen hatten schwere Gewaltformen durch einen Intimpartner erlitten.


Auf Seite 138 seiner Dissertation führt Schwithal die Erkenntnisse zu sexueller Gewalt zusammen:

Übersicht "Studien: Sexual Violence" gibt die Ergebnisse von 55 Studien und Untersuchungen wieder. Hinsichtlich sexueller Gewalt lässt sich die Feststellung machen, dass Frauen häufiger diese Form der Gewalt erleiden als Männer. Allerdings lässt sich anhand der Ergebnisse in der Tabelle auch ablesen, dass Männer ebenfalls und im weitaus größeren Ausmaß als bisher angenommen sexuelle Gewalt (auch schwere Formen) erfahren. Beim Verüben von sexueller Gewalt ergibt sich ein Geschlechtsverhältnis von 57,9% Männer gegenüber 42,1% Frauen und hinsichtlich "erlittener Gewalt" ein Männer-Frauen-Verhältnis von 40,8% zu 59,2% .


Von der allgemein herrschenden Auffassung, dass sexuelle Gewalt fast automatisch männliche Täter und weibliche Opfer bedeutet, bleibt unter der Lupe der Wissenschaft wenig übrig.

Generell scheint in unserer Gesellschaft zweierlei Maß zu bestehen, was Gewalthandlungen angeht – je nachdem von welchem Geschlecht sie begangen werden. Dazu schreibt Schwithal auf Seite 229:

Eine andere Studie untersuchte die Akzeptanz von Gewalt in Intimpartnerschaften mit Hilfe von Daten, die durch eine repräsentative telefonische Befragung auf nationaler Ebene von 5.238 Erwachsenen gewonnen worden waren. Die Befragten akzeptierten in höherem Maße Frauen, die ihre Mänmner schlugen. Ferner zeigten sie eine höhere Toleranz gegenüber Gewalt in Partnerschaften, wenn sie zuerst von Gewalthandlungen von Frauen gegenüber Männern befragt wurden. Eine Umfrage des U.S. Department of Justice kam zu folgendem Ergebnis: 41% der befragten Amerikaner finden es weniger gravierend, wenn eine Frau ihren Mann tötet als umgekehrt.


In diesem Zusammenhang zitiert Schwithal eine Studie der australischen Kriminologin Catriona Mirrless-Black:

Virtually no male victims defined their experience as a crime. Female victims of chronic domestic assault were the most likely to describe their most recent experience as a crime (39%), male victims of intermittent assault the least (1%).


Auf diesem Ungleichgewicht basiert natürlich eine entsprechend verzerrte Anzeigenhäufigkeit, die Polizisten und sogar Männergruppen zu der kühnen Behauptung verleiten, dass Frauen eindeutig häufiger Opfer von häuslicher Gewalt als Männer seien. (Genderama berichtete.)

So gut die von Schwithal zusammengetragenen Fakten auch belegt sind, so schwierig dürfte es bleiben, sie einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Sicher gibt einem das Internet neue Möglichkeiten, aber auch hier existieren Hürden: Die Gesinnungswächter der Wikipedia etwa werden mit Sprüchen wie "Ich habe schließlich Soziologie studiert!" weiterhin versuchen, diese Inhalte aus ihrer Enzyklopädie draußen zu halten. Und dass sich die Chancen von Genderama auf irgendwelche Ehrungen durch Blog-Preise deutlich verschlechtern, wenn ich immer wieder solche politisch nicht korrekten Erkenntnisse zum Thema mache, ist mir natürlich selbst klar. Weit schlimmer bleibt jedoch die Situation in den klassischen Medien, wo sich heute noch Schwachsinns-Artikel wie dieser finden. Journalisten werden hier zum Sprachrohr von Ideologinnen und stellen das Thema häuslicher Gewalt derart verzerrt dar, dass sie ihre Leser regelrecht dumm halten. Zu dem, was ich in diesem Blog gerne als "Deppenjournalismus" bezeichne, äußert sich auch Bastian Schwithal auf Seite 307 seiner Arbeit:

Bei der printmedialen Darstellung von Gewalt und Tötungsdelikten gegenüber männlichen Intimpartnern fällt des Weiteren auf, dass sich ein Teil der Darstellungen – wenn auch nur ein verhältnismäßig kleiner – mit der Thematik in einer ironisierenden und "augenzwinkernden" Art und Weise auseinander setzt. Interessanterweise handelt es sich bei diesen Fällen nicht immer nur um Artikel, die aus so genannten "Boulevardzeitungen" stammen, sondern oftmals um solche aus "renommierten" Tageszeitungen. So gut wie gar nicht findet innerhalb der Artikel ein Bezug zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen statt, wonach Männer im gleichen Maße von Gewalt betroffen sind, was in Anbetracht der durchschnittlichen Artikellänge jedoch nicht wirklich verwundert.


Auf den letzten Seiten seiner Dissertation fasst Schwithal zusammen, wer seines Erachtens daran die Hauptschuld trägt, dass ein Großteil der Bevölkerung beim Thema "Gewalt in Partnerschaften" einem Weltbild anhängt, das mit den tatsächlichen Forschungsergebnissen nichts mehr zu tun hat:

Einer der Hauptgründe für die falsche Wahrnehmung innerhalb der Gesellschaft ist, dass Medien und Regierungen durch ihre Informationspoliktik dazu beitragen. Dies fiel durch die Analyse der öffentlich gemachten Daten zu weiblicher Gewalt gegen Männer auf. (…)

Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland "Interventionsprojekte gegen häusliche Gewalt". Ihre Ziele lassen sich mit dem Berliner Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt wie folgt darstellen:

• Rahmenbedingungen zu schaffen, die den umfassenden Schutz und die ausreichende Unterstützung von Frauen und Kindern gewährleisten;

• Die Rechte misshandelter Frauen zu stärken und ihre Rechtsposition auszubauen;

• Die gesellschaftliche Ächtung der Gewalttaten und der Täter durchzusetzen;

• Den Tätern für ihre Taten die Verantwortung zuzuweisen, zum Beispiel durch die polizeiliche Ingewahrsamnahme der gewalttätigen Männer und/oder durch zivilrechtliche Anordnungen und strafrechtliche Sanktionen;

• Das koordinierte Vorgehen aller beteiligten Einrichtungen gegen häusliche Gewalt zu praktizieren und transparent zu machen;

• Aufklärung über männliche Gewalt gegen Frauen und Präventionsarbeit zu etablieren.

Das männliche Opfer findet bei solchen Zielsetzungen keinerlei Erwähnung. Dies steht im Einklang mit der Äußerung von Frau Bergmann, der ehemaligen Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die am 12. Mai 2000 in einem Interview mit der Ost-West-Wochenzeitung "Freitag" auf die Frage: "Planen Sie auch Männerhäuser?" sagte: "Nein, Männerhäuser planen wir nicht. Ich denke, das ist auch nicht nötig! Wenn Männer keine Gewalt anwenden, brauchen sie auch keine Zufluchtsorte."


Während Frau Bergmann unter den deutschen PolitikerInnen sicher intellektuell besonders herausragend war, hat sich die ideologisierte Einseitigkeit der Anti-Gewalt-Politik auch im Hause von der Leyen nicht geändert. Männer als Opfer interessieren nicht. So ist das eben in unserer Gesellschaft: Die Ministerinnen kommen und gehen, die Geschlechterapartheid bleibt bestehen.

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Mittwoch, März 18, 2009

Und was war sonst so los? (2)

So wie letzten Mittwoch möchte ich auch heute das Genderama-Schwerpunktthema "Benachteiligung der Jungen" für andere aktuelle Meldungen aus der Geschlechterdebatte unterbrechen.

Der Daily Mail zufolge verbietet die Europäische Union in Zukunft Anreden wie "Miss" und "Mrs.", "Madame" und "Mademoiselle" sowie "Frau" und das ohnehin ausgestorbene "Fräulein", weil diese sexistisch seien. Und das ist erst der Anfang – viele weitere Ausdrücke, die auf das Geschlecht einer bezeichneten Person Bezug nehmen, werden ebenfalls verboten:

Scottish Tory MEP Struan Stevenson described the guidelines as 'political correctness gone mad'.

He said: 'This is frankly ludicrous. We've seen the EU institutions try to ban the bagpipes and dictate the shape of bananas, but now they seem determined to tell us which words we are entitled to use in our own language.

'Gender-neutrality is really the last straw. The Thought Police are now on the rampage in the European Parliament.

'We will soon be told that the use of the words "man" or "woman" has been banned in case it causes offence to those who consider 'gender neutrality' an essential part of life.'


Naja, ihr Eurokraten habt ja auch mit aller Macht zu diesem Irrwitz beigetragen.

Auch in Deutschland wird der Feminismus noch als Heilsbringer gesehen – zumindest für die stark gebeutelte SPD. So forderte, nach norwegischem Vorbild, Frank Müntefering eine Frauenquote für Aktiengesellschaften. Ab 2013 sollen in den Aufsichtsräten zu mindestens 40 Prozent Frauen sitzen – oder wie immer man diese Wesen dann nach EU-Recht bezeichnen wird.

Derweil mehren sich die Indizien, dass der schwächere berufliche Aufstieg von Frauen etwas mit deren eigenen Entscheidungen zu tun haben könnte. So berichtet der FOCUS, dass Frauen nach einer Auszeit nur ungern wieder in Berufe zurückkehren, die sie als unangenehm empfinden – eine Freiheit, die Männer als Familienernäher nicht haben:

Als besonders unattraktiv erweisen sich Berufe mit langen Arbeitszeiten, das heißt mit mehr als 46 Stunden pro Woche – zum Beispiel bei Friseurinnen -, oder mit einem körperlich anstrengenden oder monotonen Arbeitsalltag – zum Beispiel der von Gebäudereinigerinnen. So nehmen Friseurinnen erst nach durchschnittlich 170 Monaten beziehungsweise 14 Jahren wieder eine Beschäftigung auf, viele kehren überhaupt nicht mehr zurück in den Beruf.


Derweil wird der Feminismus immer spleeniger: Im Libanon gibt es jetzt rosafarbene Taxis nur für Frauen. Und in Köln-Ehrenfeld Ampelmädchen.

Die kanadische National Post berichtet über eine neue Studie, die feststellte, dass in Sachen Sex inzwischen zweierlei Maß zu Lasten der Männer herrscht:

The study, published in the Canadian Journal of Human Sexuality, found that society accords men less "sexual latitude" than women, deeming it abnormal for a man to be disinterested in sex, to engage in homosexual fantasy, and to engage in submissive sexual acts.

"The double standard used to give men more sexual freedom than women, but these findings indicate that the dynamic is changing" said Alex McKay, research coordinator for the Sex Information and Education Council of Canada. "Men are forced to abide by a certain gender role, while women are today more free to be themselves. In this sense, the standard actually works against the man."


Unter der Schlagzeile Nach Scheidung muss jeder für sich selbst sorgen sieht Spiegel-Online ein "wegweisendes Urteil" des Bundesgerichtshofs in Sachen Unterhaltsrecht voraus.

Der Freitag thematisiert mit einem japanischen Brauch als Aufhänger das anhaltende Geschlechtergefälle beim Dating. Ein Auszug:

Die britische Webseite Top Table will herausgefunden haben, dass bei 85 Prozent der Rendezvous, die in einem Restaurant stattfinden, der Mann heimlich oder offen die Rechnung bezahlt - egal ob das Date gut verlief oder nicht. Nur ein Drittel der Frauen gab an, von sich aus vorzuschlagen, die Rechnung getrennt zu begleichen. Eine europaweit durchgeführte Studie von SAB Miller kam zu dem Ergebnis, dass 81 Prozent der Männer davon ausgehen, bei der ersten Verabredung mit einer Frau die Drinks zu bezahlen.

Dabei scheint es sich keineswegs bloß um ein Gebaren zum Umwerben einer möglichen Künftigen zu handeln. Auch in festen Beziehungen lassen Männer sich Geschenke mehr kosten. Recherchen der Internetseite Money Supermarket haben ergeben, dass britische Männer am Valentinstag 48, Frauen hingegen nur 22 Pfund ausgeben.

Halten Männer um die Hand einer Frau an, gilt in angelsächsischen Ländern die Faustregel, dass der Verlobungsring den Gegenwert von drei Monatsgehältern hat - was übrigens auch ein „Brauch“ ist, der auf die Initiative eines Unternehmens zurück geht: in diesem Fall der Diamantenfirma DeBeers.


Die "taz" meldet, dass "die 11- bis 17-jährigen Mädchen gerade den deutschen Buchmarkt bestimmen". Das erklärt einiges.

Für von prominenten Frauen begangene Gewaltakte stehen inzwischen nicht nur Rihanna und Amy Winehouse, sondern auch Angelina Jolie, die Brad Pitt "mit einer Tracht Prügel aus dem Haus" gejagt haben soll. Oder war es doch "nur" eine Ohrfeige? Viel interessanter als die Antwort auf diese Frage ist, dass für unsere Medien häusliche Gewalt durch Frauen kein Problem, sondern noch immer ein Schenkelklopfer ist: "Prügelina packt die Peitsche aus" betitelt so etwa der Schweizer "Blick" einen launigen Artikel.

Auch das Ex-Model Kelly Bensimon macht auf diese Weise Schlagzeilen :

Laut mehreren US-Medienberichten soll die temperamentvolle Promi-Frau ihren 30-jährigen Verlobten Nicholas Stefanov verprügelt haben. Resultat: Stefanov hat ein blaues Auge und eine tiefe Schnittwunde auf der linken Wange.

Ein Bericht der Fox-News schildert die Vorkommnisse: «Stefanov floh am Dienstagmorgen aus Bensimons Appartment an der Centre Street in New York und zeigte die zweifache Mutter danach auf dem nächsten Polizeiposten an.» Bensimon stellte sich erst zwei Tage später der Polizei und wurde wegen Körperverletzung angeklagt. Am 31. März findet ihre Gerichtsverhandlung statt.


Bemerkenswert ist einmal mehr die hilflose Reaktion, die das männliche Opfer mittlerweile zeigt:

Ganz anders tönt das von dem 30-jährigen Stefanov: «Sie ist ein grossartiges Mädchen. Ich will über das Geschehene wieder hinwegkommen. Aber was soll man machen, wenn einen ein Mädchen schlägt? Einfach nur stillhalten wie ein Punching-Bag?»

Ausserdem meinte der Geschlagene, dass er jetzt wohl im Gefängnis sässe, hätte er zurückgeschlagen. Und: Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass Bensimon ihn geschlagen habe.

Stefanov nimmt seine Peinigerin fast schon in Schutz, wenn er erklärt, wie «anständig» sie sich bei der Prügelei verhalten habe: «Sie war wenigstens so höflich und zog vor dem ersten Schlag den Verlobungsring aus.» Ausserdem sei sie am Abend des gleichen Tages noch zu ihm zurückgekehrt, wie er hinzufügt.


Eine Gruppe von Frauen, die den Ex-Musicstar Salome Clausen zusammengeschlagen haben, wurden inzwischen von der Polizei gefasst.

Und zuletzt mal wieder eine TV-Warnung: Die Phoenix-Talkrunde diskutiert heute Abend ein in den letzten Monaten auch in diversen Presseartikeln vorkommendes Thema, bei dem das weibliche Geschlecht mal wieder zum besseren Menschen phantasiert wird: "Die Wirtschaftskrise – Frauen wäre das nicht passiert?"

Unmittelbar nach meinem letzten Genderama-Wochenrückblick kam es zu einem Amoklauf, der Dutzende weitere derartige Gewaltdrohungen nach sich zog (schließlich sogar von einem Mädchen). Gleichzeitig und leider wohl auch dadurch bedingt hat das Jungenthema in den Medien einen großen Schritt nach vorne gemacht. Ich hoffe, dass die nächste Woche friedlicher wird und das Thema trotzdem in den Medien bleibt.

Mittwoch, November 14, 2012

Die Welt: "Mediziner will Vaginal-Beschneidung legalisieren"

Genderama berichtete schon vor einer Woche über den Gynäkologen, der die Legalisierung der Genitalverstümmelung bei Jungen zum Anlass nimmt, dasselbe auch bei Mädchen zu fordern. Inzwischen hat auch Die Welt diesen fragwürdigen Mediziner entdeckt und lässt in ihrem Artikel die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes e.V. gegen ihn Position beziehen:

"Wir protestieren gegen jeglichen Versuch, den Schutz der körperlichen Unversehrtheit von Kindern zu schwächen", sagte die Vorstandsvorsitzende Irmingard Schewe-Gerigk. Die Organisation warnte bereits vor Wochen in einer Stellungnahme zum Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur männlichen Beschneidung: Die Legalisierung männlicher Beschneidung könne zu Forderungen nach einer Legalisierung weiblicher Genitalverstümmelung auf Grundlage des Gleichheitsgrundsatzes führen.

"Die Reaktion des ägyptischen Arztes zeigt, dass der Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Beschneidung bei Jungen die Befürworter der weiblichen Genitalverstümmelung ermutigt, eine Legalisierung weiblicher Beschneidung zu fordern, mit dem Argument, dass die Jungenbeschneidung straffrei bleibt", sagte Franziska Gruber von Terre des Femmes der "Welt".


Bekanntlich begrüße ich es sehr, wenn Feministinnen und Männerrechtler gegen offenkundigen Irrsinn ausnahmsweise einmal an einem Strang ziehen. So ganz kann Terre des femmes allerdings auch bei diesem Thema das Messen mit zweierlei Maß nicht ablegen:

"Die körperliche Unversehrtheit bei einwilligungsunfähigen Kindern muss geschützt werden. Erwachsene Männer sollen aber weiterhin das Recht haben, eine Beschneidung durchführen zu lassen. Die weibliche Genitalverstümmelung stellt allerdings eine Verletzung der Menschenrechte da. So sollen nicht nur Mädchen, sondern auch einwilligungsfähige Frauen weiterhin nicht das Recht besitzen, sich beschneiden zu lassen", sagt Gruber.


Möglicherweise fehlen mir hier punktuell das Hintergrundwissen, um diese merkwürdige Unterscheidung zu verstehen. Allerdings erinnert sie mich nur allzu gut an die generelle feministische Grundhaltung, dass Frauen, die sich für Dinge entscheiden, die von Feministinnen nicht gutgeheißen werden (Hausfrauen, Sexarbeiterinnen, Masochistinnen, Kopftuchträgerinnen etc.), "vor sich selbst geschützt" werden müssen. Männern bei solchen Fragen Entscheidungsfreiheit zuzubilligen und Frauen nicht, wirkt auf mich ein ganz klein wenig frauenfeindlich und wenig emanzipatorisch.

Montag, Juni 15, 2015

Warum bekommt die Fußballerin Hope Solo eine Freikarte bei häuslicher Gewalt?

The charges against Hope Solo for beating her nephew were dropped, but the case is not closed—even though U.S. Soccer is behaving like it doesn’t exist at all.


Emily Shire beschäftigt sich auf den Seiten des linken Blogs The Daily Beast mit zweierlei Maß, wenn es um häusliche Gewalt geht.

Samstag, August 03, 2019

Übergriffig: Lena Dunham belästigt Brad Pitt – News vom 3. August 2019

1. Die bekannte US-amerikanische Feministin Lena Dunham versuchte bei der Premiere von Tarantinos "Once Upon a Time in Hollywood" Brad Pitt zu küssen. Aufnahmen davon erwecken beim Betrachter den Eindruck, dass Pitt zu diesem Kuss nicht wirklich gewillt war; er drehte sich zur Seite, so dass es Dunham misslang, ihre Lippen auf seine zu pressen. Daraus ist in den sozialen Medien eine Debatte entstanden, ob das Gebot der Einvernehmlichkeit nicht auch gelten sollte, wenn sich eine Frau an einen Kerl heran macht. Viele warfen Dunham einen sexuellen Übergriff und der Sexismusdebatte ein Messen mit zweierlei Maß vor. "Lena Dunham ist eine Heuchlerin" lautet ein typischer Kommentar. "Wenn ein männlicher Schauspieler dasselbe bei ihr gemacht hätte (was ich sehr bezweifle), würde sie ihn metooen bis zur Bewusstlosigkeit."

Auffällig ist, dass infolge dieser Online-Debatte auch hierzulande wesentlich mehr Artikel, als es noch vor ein paar Jahren der Fall gewesen wäre, sehr kritisch über Dunhams "Kussattacke" berichten. Nur zwei Beispiele: "Wir lieben Lena Dunham, dass sie Brad Pitt auf dem roten Teppich aber einfach ungefragt küsste, ist problematisch" befindet die Zeitschrift "Woman", und das Magazin "Glamour" titelt: "Lena Dunham belästigt Brad Pitt. Dieser Kuss geht gar nicht!" In dem "Glamour"-Artikel heißt es:

Natürlich ist das umgekehrter Sexismus! Wenn Leonardo DiCaprio Lena Dunham oder Margot Robbie niedergeknutscht hätte, würden wir nämlich genau das gleiche sagen: Das geht nicht. Das ist übergriffig. (...) Es ist verwunderlich, dass gerade Lena Dunham ("Girls") diesen ganz einfachen Grundsatz vergessen hat. Sie selbst ernannte sich zu einem Sprachrohr der Feminismus-/Gleichberechtigungsdebatte und des #metoo-Movements – auch wenn man ihr das inzwischen leider kaum mehr ernsthaft abnehmen kann.

(...) Klar, der 55-jährige Schauspieler hätte sie einfach zur Seite schubsen können. Dann würde ich heute eine andere Geschichte schreiben: Eine darüber, wie ein bekannter Schauspieler sich gegenüber seiner Kollegin richtig daneben benommen hat. Eine darüber, wie #metoo immer noch nicht in den Köpfen der privilegierten weißen Männer angekommen ist und was für ein mieser Kerl der Ex-Mann von Angelina Jolie und Jennifer Aniston doch wirklich zu sein scheint.


Gut, der "Glamour"-Artikel ist zum Ausgleich mit demonstratv viel feministischer Rhetorik aufgeladen, und es wird natürlich nicht darauf hingewiesen, dass die veränderte öffentliche Wahrnehmung solcher Übergriffe wesentlich Männerrechtlern zu verdanken ist, die in den sozialen Medien immer wieder die herrschende Doppelmoral angeprangert haben. Trotzdem: Noch vor wenigen Jahren konnte man diese Argumentation nur in unseren Foren und Blogs lesen, während sich die "normalen Menschen" über "diese Spinner" kaputt lachten, die ernsthaft meinten, Männer würden denselben Schutz verdienen wie Frauen. Wir bewegen uns Stück vor Stück nach vorne zu einer vernünftigen und fairen Debatte.



2. Der Geschäftsführer von Gillette versucht das milliardenschwere Fiasko, das der Firma durch ihre männerfeindliche Reklame entstanden ist, zum moralischen Sieg umzudeuten: Die acht Milliarden Verlust seien ein Preis, den man für MeToo gerne bereit sei zu zahlen. Darüber hinaus beharrt der Gillette-Chef darauf, dass die Reklame nur eine kleine Minderheit an Kunden verletzt habe. Trotz dieses Großspurigkeit gehe ich davon aus, dass Firmen es sich in Zukunft zweimal überlegen werden, ob Männer wirklich immer noch eine Gruppe darstellen, die sich in Werbespots gefahrlos verunglimpfen lässt. Kaum ein Unternehmen hat Milliarden zum Verjuxen übrig, nur um sich damit bei einer bestimmten politischen Gruppe einzuschmeicheln.



3. Die Post. Genderama scheint bei vielen von euch die Wahrnehmung für unterschwelligen Sexismus in Nachrichtenmeldungen geschärft zu haben. Immer wieder schreiben mir neue Leser, die ich bislang nicht kannte, Mails mit bemerkenswerten Beobachtungen dazu. Heute zum Beispiel schreibt mir einer von euch:

Sehr geehrter Herr Hoffmann,

ein kleiner Hinweis meinerseits zu einer Meldung auf tagesschau.de. Sie demonstriert den Sexismus unserer Tage.

Die wichtigsten Zitate:

"Mehr als 3800 Zivilisten sind in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in Afghanistan getötet oder verletzt worden, heißt es im Bericht der Vereinten Nationen."

sowie

"Frauen und Kinder seien die Hauptleidtragenden des Konfliktes in Afghanistan, heißt es in dem Bericht der UNAMA weiter."

und

"Während seit Anfang des Jahres 430 Frauen infolge von Kampfhandlungen oder Anschlägen getötet oder verletzt wurden, dokumentierte die UN-Mission in Afghanistan mehr als 1200 Fälle, in denen Kinder die Opfer waren - davon wurden fast 330 getötet und 880 verletzt."

Wenn man diese Zahlenangaben miteinander verbindet, bedeutet das wohl, dass die über 2100 getöteten und verletzten Männer nicht so wirklich zählen, obwohl sie mehr sind als Frauen und Kinder zusammengenommen.

Viele Grüße, und machen Sie weiter mit Ihrer wichtigen Arbeit!

Dienstag, März 03, 2015

Lesermail (Unverständnis der Bürger gegenüber Männerdiskriminierung)

Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Hallo Herr Hoffmann,

ich habe mir den Spiegelartikel, den Sie verlinkt haben, angeschaut. Den Artikel selbst habe ich nur kurz überflogen, da ja im Grunde klar ist, worum es da geht. Das Wesentliche hatten Sie ja außerdem zitiert.

Viel mehr hat mich die Reaktion der Leser interessiert, also bin ich gleich zu den Kommentaren.

Und so etwas habe ich noch nie erlebt. 100% - ich sage es nochmal deutlich – hundert Prozent (!) ALLER Kommentare waren derselben Meinung und alle haben sich um diesen einen Satz direkt oder indirekt gedreht, nämlich um diese eine Begründung, mit der eine Männerquote abgelehnt wurde. Alle haben dieses politische Vorhaben stark kritisiert, niemand fand es auch nur entfernt gut, gerecht oder auch nur vertretbar. So ziemlich jedem fiel diese Doppelmoral auf, dieses Mit-zweierlei-Maß-Messen, welches einem ja wirklich geradezu ins Gesicht springt.

Natürlich hätte ich den Glauben an die Menschheit – und an die Bürger in Deutschland im speziellen – verloren, wenn niemandem oder nur wenigen diese hammerharte Ungerechtigkeit aufgefallen wäre.

Aber gleich 100%? Ein starkes Stück. Ein geradezu phänomenaler Einklang.

Da ich stark bezweifle, dass diese "Einseitigkeit" durch selektives Einwirken der Spiegel-Mitarbeiter zustande kam (eher würde der Spiegel versuchen, das Gegenteil zu erreichen), kann das nur bedeuten, es gab (bisher) keinen einzigen Kommentator, der es anders sieht.

Ich stelle seit einigen Monaten einen Wandel im Internet fest. Sei es bei Youtube-Kommentaren, wo immer öfter männerrechtliche Einwände einfach so reingeschrieben werden, selbst wenn sich das Video gerade nicht explizit mit Politik und der Geschlechterdebatte beschäftigt, sondern z.B. (von der Öffentlichkeit längst akzeptiertes) Männerbashing oder andere Ungerechtigkeiten gegenüber Männern zeigt, sei es durch den inzwischen geradezu symptomatischen Einklang in den Kommentarspalten von Online-Artikeln wie dem hier besprochenen. Männer und Frauen betrachten den Feminismus-Trend immer kritischer, und die Aufmerksamkeit gegenüber solchen Themen verstärkt sich immer mehr.

Und das passiert ja nicht einfach so aus heiterem Himmel. Nein, solche Blogs wie Genderama sind da stark beeinflussend und oft auch der Auslöser für diesen Wandel im Denken vieler Leute. Was den deutschsprachigen Raum angeht, würde ich Ihren Blog sogar als eine der maßgeblich treibenden Kräfte betrachten, die zu solch einem Stimmungswandel beitragen.

Die Kommentare unter diesem Spiegelartikel sind ein geradezu exzellentes Beispiel dafür, dass unter anderem Ihre unermüdlichen Bemühungen endlich langsam Früchte zu tragen scheinen.

Achja, und als kleines Dankeschön werde auch ich Ihnen eine kleine Spende zukommen lassen. Zwar nicht mit "Maskubashing" als Auslöser, aber dafür als "Sie haben mir und allen anderen einen guten und wertvollen Dienst erwiesen"-Spende.


Herzlichen Dank!

Donnerstag, Mai 30, 2019

Reklame zum Vatertag: Telekom zeigt Edeka, wie's geht – News vom 30. Mai 2019

1. Die deutsche Telekom zeigt, wie man einen Werbespot zum Vatertag entwickelt, ohne sich dabei zum Deppen zu machen.



2. Dominik Raab, potentieller Nachfolger von Theresa May in Großbritannien, hat in einem aktuellen Interview noch einmal bekundet, "vermutlich kein Feminist" zu sein, sondern stattdessen "ein Verfechter von Gleichberechtigung und der Leistungsgesellschaft". Er wolle es Menschen auch nicht einfacher machen, ihre Geschlechtszugehörigkeit zu ändern.

Auf die Frage, warum er Feministinnen als "abscheuliche Fanatiker" bezeichnet habe, erklärte Raab: "Der Punkt, den ich angesprochen habe, ist, dass Sexismus falsch ist und es falsch ist, wenn er eine Frau oder einen Mann trifft, und ich denke, dass Gleichheit ein zu wertvoller Wert ist, als dass wir mit zweierlei Maß messen können."

Liebe Güte, was diesen Punkt angeht, ist der Mann ein Maskulist reinsten Wassers.

Auch Christian Schmidt beschäftigt sich heute ausführlich mit Raabs Standpunkt.



3. Die Post. Euch beschäftigt offenkundig noch die väterfeindliche Edeka-Reklame. Einer meiner Leser schreibt mir dazu:

Nach dem erneuten Männerbashing (erstaunlich die Kommentare unter dem Youtube-Video "nehmts mit Humor" - meine Empfehlung: beim nächsten Schuss gegen Frauen kommentieren "was regt ihr euch auf - nehmt's mit Humor" ... und dann Stahlhelm auf!) ;-) habe ich mir mal überlegt "was gehört denn alles zum Edeka-Konzern" und hab folgendes gefunden:

Netto: wird durch die Edeka-Gruppe beliefert, gehört zu 25% (oder gar mehr) Edeka

Spar: wurde 2005 von Edeka übernommen

Plus: 70% gehört Edeka, Komplettübernahme läuft noch (Sigi Gabriel machte es möglich).

Edeka betreibt ausserdem die Discountketten: diska, Netto Marken-Discount, NP-Markt

Ebenso gibt es selbständige Edeka-Händler, die das ganze Sortiment von Edeka beziehen.

Im Fachhandel ist Edeka auch sehr stark vertreten, Reisebüros, Bäckereien und -filialen usw.

Wer Edeka meiden möchte, muss sich also gut über die Anbieter informieren, bei denen er/sie/es einkauft. Es könnte gut sein, dass der Laden Edeka gehört!

Sicher ist man vorerst bei Rewe, Real, Aldi und Lidl - und natürlich Bauernhof-Shops, wo die Waren zwar etwas teurer sind, aber dafür weiß man: Das Geld geht direkt zu den Bauern, man weiß, wie die Lebenmittel hergestellt wurden, UND man hällt den CO2-Abdruck klein weil die Kartoffeln nicht erst durch die ganze EU gekarrt wurden.

Alles in allem bleibt wohl nur zu sagen: Danke Aldi, dass du nicht Edeka bist!


Ein anderer Leser schreibt mir zum selben Thema:

Weil ich es noch nirgends gesehen habe möchte ich noch auf folgendes hinweisen.

Ich bin einer der Mimimi-Männer die eine Beschwerde beim Werberat eingereicht haben. Dass es dabei nicht um die Werbung für sich geht, ist, denke ich, allen Lesern des Blogs klar. Ich habe die Beschwerde eingereicht, weil ich gehofft habe, dass das Thema hochkocht und Aufmerksamkeit für unsere Anliegen kreiert. Deshalb habe ich mir den Spaß erlaubt, eine Beschwerde einzureichen. Ging ganz schnell. Online eine Pizza bestellen dauert länger.

Und jetzt bin ich also einer von 750, wie wir mittlerweile wissen. Man muss sagen, dass 750 jetzt nicht wirklich viele sind.

Aber laut dem Jahresbericht des Werberates wurden im Jahr 2018 702 Werbungen geprüft. Aus der Bevölkerung gab es dazu im ganzen Jahr 1235 Beschwerden.

Diese eine Werbung hat also alleine mehr als halb so viele Beschwerden ausgelöst wie im Vorjahr insgesamt eingegangen sind.

Daraus ergeben sich für mich zwei Folgerungen:

1. Der Werberat ist eine ziemliche Witzveranstaltung. Es reichen theoretisch zwei bis drei verbissene Feministinnen, die Werbungen melden. In der breiten Masse unserer Gesellschaft ist sexistische Werbung wohl kaum ein Thema. Trotzdem haben wir alle schon von den Rügen gelesen und auch schon aus der Politik Forderungen nach Verboten gehört.

2. Es gibt immer mehr Männer, denen dieser die Medien- und Politiklandschaft durchziehende Feminismus auf den Senkel geht. Und wir haben mit unseren Beschwerden über diese im Grunde genommene Lächerlichkeit gezeigt, dass wir durchaus genügend sind, um unsere Stimme zu erheben und Aufmerksamkeit zu erlangen. Es sollte also ein kleiner Hinweis auf jede noch so geringe Männerfeindlichkeit in Werbespots auf Herrn Hoffmanns Blog ausreichen, um den Werberat ordentlich mit Arbeit zu zuschütten. Ich hätte kein Problem damit, jeden Tag eine E-Mail an den Werberat zu schicken. Ganz egal, ob ich das ernst meine oder lächerlich finde. Es geht um Stimmungsmache.

Vom Feminismus lernen heißt siegen lernen. Das sehen wir ja auch an der Berichterstattung zur Petition zu Senkung des Umsatzsteuersatzes für Damenbinden. Da muss sich jetzt die Politik damit beschäftigen, damit jede Frau eine Steuerersparnis von 5€ im Jahr hat. So funktioniert Gleichberechtigung und Feminismus und dass das Thema nicht automatisch behandelt wird, zeigt uns wie wichtig Feminismus immer noch ist und dass es noch ein weiter Weg bis zu Gleichstellung ist.

Spaß beiseite: Wenn diese Petition 60.000 Narzisstinnen findet, die da unterschreiben, sollte es kein Problem sein, 60.000 frustriete Männer und entrechtete Väter zu finden die Petitionen wie "Sorgerecht und Abstammungsrecht" auf den politischen Plan zu bringen. Man muss sich nur mal absprechen und dann auf breiter Basis ein Thema pushen.

Aber für den Start schlage ich vor dass Sie, Herr Hoffmann, jeden Tag unter Ihren Blogeinträgen auf eine Werbung hinweisen, über die sich beschwert werden kann. Ich bin sicher, die Leser Ihres Blogs versorgen Sie mit den nötigen Ideen. Ich schlage diesen Spot (aus dem Hause Jung von Matt) vor. Ich fühle mich fürchterlich diskriminiert. Die Darstellung des nackten Mannes als Witzfigur ist ja wohl an Sexismus unübertroffen.


Ich möchte ja niemanden entmutigen, aber von den Protesten gegen EDEKA abgesehen waren selbst die wohlinformiertesten maskulistischen Petitionen bislang kaum einen bruchteil so erfolgreich wie die aktuelle Petition für die angebliche "Luxussteuer" auf Tampons, die vor allem auf einer kompletten Unkenntnis und wohl auch Desinteresse beruht, was das deutsche Steuerrecht angeht.

Sonntag, September 01, 2013

Birgit Kelle: Flammendes Plädoyer gegen die Diktatur des neoliberalen Feminismus

Man muss schon außerordentliche Courage besitzen, um in unserer Gesellschaft ein Buch zu veröffentlichen, das ernsthaft fragt, ob es für Frauen noch ein anderes Lebensmodell geben könnte, als so durchgehend wie möglich der Arbeitswelt zur Verfügung zu stehen. An der letzten prominenten Frau, die das gewagt hatte, rächten sich die Meinungsmacher unseres Landes unter anderem durch Schlagzeilen wie "Ist Eva Herman braun oder nur doof?" (Bildzeitung) und "Die Mutterkreuzzüglerin" (Frankfurter Rundschau) sowie ein STERN-Titelbild, auf dem ein Foto Hermans mit einer Aufnahme jubelnder Hitler-Anhänger zusammenmontiert wurde.

Damit hatten die deutschen "Qualitätsmedien" das Thema zunächst wieder aus der politischen Debatte verbannt, aber noch lange nicht erledigt. Welche Kluft zwischen der Parallelwelt von Politik und Medien einerseits und der deutschen Gesellschaft insgesamt besteht, verdeutlicht nun die Publizistin Birgit Kelle mit ihrem Buch Dann mach doch die Bluse zu, das noch am Erscheinungstag beim Online-Buchhändler Amazon auf Rang 116 vorstürmte, obwohl es dort noch immer nicht lieferbar ist. Einen ähnlichen Erfolg hatte Kelle schon Monate zuvor mit einem gleichnamigen Artikel für das Debattenmagazin "The European" verbuchen können, ihrer Gegenposition zum medial mit größtmöglicher Wucht inszenierten feministischen Riesenhype "Aufschrei". Kelles Artikel wurde über 170.000 Mal in den sozialen Netzwerken geteilt und damit aller Voraussicht nach schon jetzt zum erfolgreichsten Artikel des Jahres 2013.

Die groteske "Aufschrei"-Debatte bietet insofern auch den Aufhänger für Kelles Buch, denn gerade in dieser Debatte zeigte sich, so Kelle: "Wo jede Gegenmeinung mit öffentlicher Ächtung beantwortet wird, können Argumente nicht mehr sachlich ausgetauscht werden." Bestes Beispiel ist hier wie so oft Alice Schwarzer, die Kelle in einer Talkshowrunde tatsächlich unterstellte, für ihre Meinung bezahlt zu werden – vermutlich von der geheimen Zentrale des Patriarchats? Von selbst kann eine Frau offenbar gar nicht zu einer anderen Meinung gelangen als Alice Schwarzer.

Die offensichtlichen Denkfehler, die sich die Aufschreihälse von Anfang an leisteten, bringt Kelles Buch schnell auf den Tisch, dabei insbesondere das Messen mit zweierlei Maß. "Wir Frauen dürfen selbstverständlich alles und pochen darauf, dass es natürlich so verstanden werden muss, wie wir selbst es gemeint haben", Äußerungen von Männern aber werden danach beurteilt, wie sie bei einer bestimmten Frau angekommen sind. Allerdings habe "der heterosexuelle weiße Mann (...) kein Monopol auf Sexismus oder unangemessenes Benehmen, wir können das alle. Die Gesellschaft verurteilt aber nur das, was gegen Frauen gerichtet ist und vom Mann verübt wurde." Dabei gerieten die Maßstäbe oft völlig verloren. Während wir in einer hypersexualisierten Gesellschaft lebten und Lehrer inzwischen gar darüber klagten, dass manche Mädchen bei ihnen "fast in Unterwäsche" erschienen, entstehe wochenlange Hysterie, nachdem ein erwachsener Politiker einer erwachsenen Journalistin ein Kompliment zu machen versuchte. Währenddessen befindet eine Ministerin wie Ursula von der Leyen, es sei doch "kein Drama" wenn inzwischen Arbeitern in den USA beigebracht wird, dass sie Kolleginnen nicht länger als fünf Sekunden ansehen sollten, weil dies sonst als "Belästigung durch Blicke" gewertet werden könne.

Von der Auseinandersetzung mit den Verlogenheiten und dem totalitären Gebahren im Zusammenhang mit sexueller Belästigung greift Kelle nun auf andere Themen im Rahmen der Geschlechterdebatte aus, bei denen in der veröffentlichten Debatte und der daraufhin betriebenen Politik eine ähnlich starke Schlagseite herrscht. Mit "Diktatur des Feminismus" ist so eines der Kapitel des Buches treffend überschrieben. Ein gutes Beispiel ist die gesetzliche Frauenquote: Laut ARD-Deutschlandtrend befürworte sie nicht einmal ein Drittel aller Frauen, dank feministischer Medienmacht haben sie aber sämtliche Bundestagsparteien außer der kleinen FDP auf ihren Fahnen stehen. Kelle führt aus:

Kollektiven Atemstillstand und Hysterie löst es jedes Mal aus, wenn ich in einer Diskussionsrunde über Frauenquoten die These aufstelle, dass gar nicht alle Frauen in einen Vorstand wollen und möglicherweise deswegen so wenige dort ankommen. Sie wollen nicht?!? Das ist ein feministisches No-Go. Alle haben zu wollen. Denn auch hier gilt das Mantra: Man weiß doch, was die Frau will. Diskussion abgeschlossen. Ist doch alles schon gesagt worden von den Vorkämpferinnen der Frauensache à la Simone de Beauvoir, Alice Schwarzer, Bascha Mika, Elisabeth Badinter und wie sie alle heißen.


Simone de Beauvoir zitieren kann Kelle allerdings selbst: "Keiner Frau sollte es erlaubt sein", tönte de Beauvoir, "zu Hause zu bleiben und ihre Kinder großzuziehen. Die Gesellschaft sollte völlig anders sein. Frauen sollten diese Möglichkeit nicht haben, und zwar genau deswegen, denn hätten sie diese Möglichkeit, dann würden zu viele Frauen sie nutzen." Wenige Jahrzehnte später ist die von de Beauvoir geforderte Gesellschaft auf dem besten Weg, Wirklichkeit zu werden. Wenn Kelle etwa die Auffassung vertritt, jede Frau solle so leben, wie sie wolle, wird ihr von Feministinnen wie Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, allen Ernstes entgegengehalten, Kelle täusche sich, wenn sie glaube, sich frei für ein Leben als Hausfrau und Mutter entscheiden zu können – stattdessen leide sie am "Stockholm-Syndrom": einem seelischen Zustand, der Geiseln dazu bringt, mit ihren Kidnappern zu kooperieren. Dementsprechend, so Kelle, fiel in Österreich "der versammelte Feminismus 2011 fast in Ohnmacht (...), als eine Studie des österreichischen Familien- und Jugendministeriums das überraschende Ergebnis brachte, dass sich über die Hälfte der jungen Frauen zwischen 14 und 24 Jahren vorstellen kann, als Hausfrau zu leben, wenn der Partner genug Geld verdient." Als das österreichische Magazin "profil" allerdings zahlreiche Frauen nach ihren Gründen dafür befragte, wollten nahezu alle nicht namentlich genannt werden, weil ihre Haltung öffentlich verfemt wird.

Zu ähnlichen Ergebnissen wie die österreichische Untersuchung, fährt Kelle fort, "kam 2011 auch eine Studie der Organisation Mondial des Mères (MMM) mit Unterstützung der EU-Kommission mit 11.000 Müttern aus 16 europäischen Ländern. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie davon kaum noch etwas gehört haben. Studien solcher Art finden kaum Eingang in die deutschen Medien. Sie haben ja die 'falschen' Ergebnisse." Infolgedessen, so Kelle, haben sich alle politischen Parteien darauf verständigt, Mutterschaft auf ein Minimum zu reduzieren, damit die Frauen möglichst schnell wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. "Nach der viel beklagten vaterlosen Gesellschaft betreten wir nun die Ära der mutterlosen", folgert Kelle. "Damit sind alle Wurzeln der Kinder gekappt." Es sei aber "keine wirkliche Frauenpolitik und auch keine Errungenschaft der Emanzipation, dass ich mein Kind nun so schnell wie möglich abgeben soll. Es ist nichts als Kapitalismus pur."

Sie sei froh darüber gewesen, fährt Birgit Kelle fort, dass das erste Wort ihrer Kinder "Mama" war und nicht "Sabine aus der Kita". Auch den Moment, als eines ihrer Kinder zum ersten Mal gestanden habe, wolle sie lieber nicht "später im Jahresrückblick der Kindergartenmappe nachschlagen". Unweigerlich fühlt der Leser sich hier an die zahllosen Väter erinnert, die es bedauern, die Kindheit ihres Nachwuchses verpasst zu haben, weil sie sich in derselben Zeit für ihren Beruf aufopfern mussten. Dass nun auch Frauen dazu gedrängt werden, ihre Kinder so bald wie möglich in die Kita zu geben, um am Arbeitsplatz sofort wieder reinpowern zu können, hält Kelle für fatal. Die mediale Dauerpropaganda in diesem Bereich parodiert sie mit den folgenden Sätzen:

Fehlt eigentlich nur noch, dass wir Schwangerschaften gesetzlich auf sechs Monate verkürzen. Neun Monate – was für eine Zeitverschwendung! Dass das den Wirtschaftsexperten nicht längst selbst eingefallen ist, wundert mich. Drei Monate mehr für die Wertschöpfungskette auf dem mütterlichen Arbeitsmarkt. Die Frühchen bekommen wir doch auch so groß. Von einem Brutkasten in den nächsten, dann nahtlos weiter in die Krippe, Kita, Ganztagsschule, Turbo-Abitur, schnell ein Bachelor, ein unbezahltes Praktikum und dann ein Job für Mindestlohn. Fertig. Wer aufmuckt, wird mit Ritalin ruhiggestellt. Konsequenterweise sollten wir gleich die Kreißsäle in die Kitas verlegen, das spart Zeit und Geld.


Wer diese Rezension bis hierhin gelesen hat, könnte zu dem Eindruck gelangen, dass Kelle sich ihrerseits nur für die Interessen von Frauen einsetze, in ihrem Fall eben die der Mütter. Wer das glaubt, kennt Birgit Kelle schlecht. Die letzten Kapitel des Buches sind durchgehend den Männern gewidmet, auf denen ein totalitärer Feminismus ja nicht weniger herumtrampelt als auf den Müttern. Kelle beklagt hier nicht nur eine politische Korrektheit, die es Männern sehr schwer mache, die feministische Ideologie öffentlich zu kritisieren. Auch

institutionell sind wir männliches Brachland. Wir haben in Deutschland über 1900 kommunale Frauen- und Gleichstellungsbüros, auf Männerseite: null. Obwohl, doch, im Familienministerium existiert seit 2009 ein 'Referat Männer'. Immerhin, könnte man sagen, wenn es nicht so ein Trauerspiel wäre. Keine zehn Leute sitzen dort als Vertretung der halben Landesbevölkerung, und geleitet wird das Ganze – Sie ahnen es sicher schon – von einer Frau. Würden wir uns das als Frauen bieten lassen? Minimale Repräsentanz, und das mit einem Mann an der Spitze?


Dementsprechend sei das Männerreferat im Frauenministerium praktisch auch nur mit zwei Themen aufgefallen: "Mehr Männer in die Kitas" sowie den "Boys Day" – beides Projekte, die mehr Männer in jene Berufe führen sollen, von denen man Frauen mit Nachdruck abrät. Richtig überzeugend sei es jedenfalls nicht, "dass wir als Frauen nun versuchen, den Männern Bereiche schmackhaft zu machen, die wir selbst nicht wollen, die wir jahrelang schlechtgeredet und diffamiert haben. Und als Gipfel des Hohnes verkaufen wir das auch noch als 'Männerpolitik'." Was die Frage nahelegt: "Gibt es keine anderen Themen? Oder ist es einfach nur das, was Frau den Männern als Beschäftigungsfeld gönnt?"

Dass zuhauf männerpolitische Anliegen brachliegen, um die sich niemand kümmert, mit den entsorgten Vätern und der Jungenkrise angefangen, macht Kelle in einer stichpunktartigen Übersicht deutlich. Bei der Lektüre dieser Kapitel hat man stellenweise den Eindruck, dass Kelle heimlich Genderama liest, so gut ist sie über alles informiert, was in der Männerrechtsbewegung derzeit diskutiert wird. So weiß sie von dem "Expertengremium" nordeuropäischer Staaten, das im November 2012 empfahl, Kritik an der feministischen Ideologie am besten gleich ganz zu verbieten, ebenso gut Bescheid wie über die offene Revolte gegen die firmeninterne Frauenförderung, die im Frühjahr 2013 bei Daimler Benz ausbrach. "Das Internet ist voll von Selbsthilfegruppen für Väter, von Vereinen und Protestinitiativen" stellt sie fest. Eine angemessene politische Vertretung erhalten sie alle nicht. (Parteien wie die SPD, könnte man hier hinzufügen, brüsten sich sogar mit diesem Sexismus.) Insofern werde der Ton bei den vernachlässigten Männern immer schärfer:

Die entmachtete Väterfront ist bereits auf den Barrikaden. Ich erlebe gerade unter den geschiedenen und von ihren Kindern getrennten Vätern teilweise blanken Hass auf alles Weibliche. Ihre schlechten Erfahrungen haben sie radikalisiert. Sie sind kaum mehr zugänglich für Argumente und legen oft die gleiche Intoleranz an den Tag, die sie ihren geschiedenen Frauen vorwerfen. Die Fronten werden dort gerade auf- und nicht abgebaut.


Natürlich hat Kelle hier Recht; die meisten Genderama-Stammleser dürften wissen, wo man entsprechend radikalisierte Websites findet. Aber dieses Gepolter speist sich trotz einiger fataler Einflüsse von rechtsaußen nicht zuletzt daraus, dass es an einer vernünftigen Männerpolitik in Deutschland fehlt. Kelle hat hierzu einige Fragen, die nicht oft genug gestellt werden können:

Sollte Gleichstellung nicht bedeuten, dass alle Kräfte gleich stark vertreten sind? Dass es möglich wäre, Männerinteressen zu vertreten, ohne sofort als Frauenfeind dazustehen? Einfach so, als Selbstverständlichkeit. Wäre es abseits dieses Minireferats nicht sowieso Pflicht der Frauenministerin, sich um die Belange der Männer mit zu kümmern? Im Zweifel sogar gegen die Frauen? Es ist doch auch das Ministerium für Kinder, Senioren, Jugend und Familien. Unter den Senioren, Jugendlichen, Kindern und Familien leben 50 Prozent männliche Wesen. Tatsächlich scheint es jedoch, als sei dies ein Alles-außer-Männer-Ministerium.


Das Ganze gehe derzeit noch relativ glatt über die politische Bühne, weil trotz all der genannten Protestinitiativen ein überfälliger Massenprotest der Männer noch immer ausbleibe. "Wo bleibt euer Aufschrei?" fragt Kelle.

Der Bundespräsident lässt sich erklären, welche Worte er im Zusammenhang mit Frauen benutzen darf und welche nicht. Bei der Frauenquoten-Debatte sehr ihr zu, wie das Leistungsprinzip für eure Söhne ausgehebelt wird, und stimmt in den Chor mit ein. Ihr seht zu, wie eure Söhne an den Schulen zurückfallen und vermehrt therapiebedürftig werden. Nicht einmal, als die Universität Leipzig beschlossen hat, euch fortan als Frauen anzusprechen, und euch somit verbal entmannt hat, war ein Aufschrei zu hören. Ihr solltet wenigstens Frauenparkplätze vor der Uni Leipzig dafür einfordern! Es wird Zeit für eine parallele Männerbewegung, die klar artikuliert, was sie selbst will.


Dieser Männerbewegung könnte dann eine Frauenbewegung auf Augenhöhe gegenübertreten, die mit dem herrschenden totalitären und männerfeindlichen Feminismus nichts mehr gemein hat:

Wir brauchen als Frauen eine Emanzipation, die beide Seiten mitnimmt. Die Männer nicht bevormundet, sondern um ihre Einsicht kämpft, wo sie nicht sowieso schon vorhanden ist. Wenn wir also wollen, dass Männer sich um unsere Probleme kümmern, dass sie Verständnis haben, uns unterstützen, fördern, einsichtig sind, wäre es dann nicht das Mindeste, dass wir uns im Gegenzug auch um ihre Problemfelder kümmern? Auch als Frauen.


Während von unseren Medien nicht Birgit Kelle gehypt wird, sondern feministische Aufschreihälse wie Anne Wizorek, Nicole von Horst und Laura Dornheim, denen Sätze wie die obigen niemals über die Lippen kämen, zeigen Bücher wie Dann mach doch die Bluse zu, dass die Fronten gerade nicht zwischen den Geschlechtern verlaufen. Wir Männer haben einerseits Frauen wie Birgit Kelle, Monika Ebeling, Karin Jäckel und viele andere auf unserer Seite, während sich andererseits opportunistische Männer dem herrschenden Feminismus andienen und ihm versprechen, beim Ausgrenzen der aufmüpfigen Geschlechtsgenossen nach Kräften zu helfen – so wie es in jeder Diktatur Menschen gibt, die die Machthaber unterstützen, um so vielleicht in den Genuss der einen oder anderen Vergünstigung zu gelangen. Eine gestörte Gesellschaft gebiert gestörte Kinder. Der Weg, den Birgit Kelle vorschlägt, ist ein besserer – für beide Geschlechter.

Montag, Juni 01, 2020

Frauenministerin Giffey (SPD) will Corona-Hilfe nur feministischen Firmen geben – News vom 1. Juni 2020

1. Am 19. Mai berichtete Genderama, dass die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, forderte, Corona-Hilfsmaßnahmen der Regierung daran zu koppeln, dass die unterstützten Unternehmen, "mehr Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit zeigten", sich also der feministischen Ideologie beugten. Es dauerte keine 14 Tage, bis Frauenministerin Giffey sich daran machte, die grüne Vorlage zur Regierungspolitik zu machen. Sie nutzt jetzt die Pandemie aus, um Unternehmen zu erpressen:

Das von der Politik geplante Konjukturpaket gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie soll nach den Wünschen von Familienministerin Franziska Giffey (SPD) an Bedingungen bei der Geschlechtergerechtigkeit in Unternehmen gebunden sein. Das sagte Giffey laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" (BamS).

(…) Die SPD-Politikerin fordert, dass die Gelder an Maßnahmen zur Geschlechtergerechtigkeit geknüpft werden. "Wer Geld vom Staat bekommt, sollte im Gegenzug etwas dafür tun, die Lohnlücke zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu reduzieren, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu stärken oder Frauen in Führungspositionen zu bringen", sagte Giffey. Unternehmen, die nichts dafür täten, müsse man sagen: "So geht das nicht, dafür gibt es keine Staatshilfe."

Giffey kritisierte zudem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Sein Ministerium blockiere laut Giffey eine Frauenquote. Die Arbeit von Frauen während der Corona-Pandemie werde von der Union "mit zweierlei Maß gemessen". In systemrelevanten Jobs bekämen Frauen viel Lob, bei Frauen in Führungspositionen winke die Union jedoch ab.


Eine der bekanntesten SPD-Politikerinnen geht damit explizit auf Distanz zur CDU, während sie sich den Grünen annähert. Kündigt sich hier ein Lagerwahlkampf für die nächste Bundestagswahl an? Das könnte zum Rohrkrepier werden: Der aktuellsten Wahlumfrage zufolge hat die CDU alleine bereits mehr Stimmen als das rot-rot-grüne Lager zusammen (40 gegenüber 38 Prozent); nähme die CDU noch die FDP mit ins Boot gäbe es mit 48 Prozent sogar eine stabile bürgerliche Mehrheit. Zu verdanken ist diese Schwäche des linken Lagers auch den fragwürdigen Machtspielchen von Giffey und Göring-Eckardt.



2.
Markus Theunert lebt im Risikogebiet. Ein Mann, der beruflich über Gleichstellung spricht, kommt schnell in Konflikte, sei es mit Frauen oder mit Männerrechtlern. In diesem Interview erzählt der Schweizer Psychologe, warum er glaubt, dass gerade Männer vom Feminismus profitieren. Er ist dabei so vorsichtig, dass er immer wieder innehält und sich korrigiert: "Nein, Moment, das klingt nicht gut. Ich muss es anders sagen, sonst bekomme ich Haue."


Wie gut Markus Theunert dieser Drahtseilakt gelingt zwischen den feministischen Machthabern und einer maskulistischen Graswurzelbewegung, die nach Gleichberechtigung strebt, davon kann man sich in der Berliner Zeitung ein eigenes Bild machen.

Bemerkenswert ist, dass die Berliner Zeitung automatisch davon ausgeht, dass ihren Lesern geläufig ist, was "Männerrechtler" sind. Schließlich hat uns dieses Blatt (so wie die meisten Leitmedien) ihren Lesern niemals vorgestellt und befragt auch jetzt lieber einen feministisch orientierten Mann aus dem Ausland als Männer-Aktivisten aus heimischen Gefilden.



3. "Gewalt in der Kita ist ein riesiges Tabu" berichtet eine Bildungssoziologin. Woran kann das nur liegen? Gibt es vielleicht Gemeinsamkeiten mit anderen Problemen im Zusammenhang mit Gewalt, die in der öffenlichen Debatte tabuisiert werden?



4. "Selbst die Frauen wollen keine Gendersternchen" heißt es in der Überschrift eines aktuellen Artikels von Susanne Gaschke. Der Beitrag bezieht sich auf eine von "Welt am Sonntag" in Auftrag gegebene Umfrage mit folgendem Ergebnis: Nur ein Drittel der Befragten ist "ganz" oder "eher" für das Genderdeutsch mit all seinen Kapriolen wie Sternchen, Binnen-I und Unterstrichen mitten im Wort. Sogar die Frauen lehnen diese "geschlechtergerechte" Sprache mehrheitlich ab. Susanne Gaschke führt dazu aus:
"Die schlichte sprachliche Schönheit des Grundgesetzes reicht vielen politischen Aktivisten nicht mehr", sagt der Kieler Verfassungsrechtler und Rechtsphilosoph Robert Alexy: "Sie wollen ihre Mitbürger durch Sprache erziehen und die Wirklichkeit durch Sprache beherrschen."

ZDF-Talkmaster Markus Lanz sieht es ähnlich: "Die Lage einer verfolgten Minderheit in China wird keinen Deut besser, wenn man von Uigurinnen und Uiguren redet und sich dabei die Zunge verrenkt. Denn dann achten die Zuschauer nur noch auf den Versprecher und kriegen gar nicht mehr mit, worum es eigentlich geht." Er frage Frauen in seinem Umfeld und seine weiblichen Talkgäste immer mal wieder, ob sie sich sprachlich diskriminiert fühlten, sagt der Journalist: "Zu meiner großen Überraschung verneinen es so gut wie alle. Deshalb ändere ich auch nichts." Zu viele Leute seien der Meinung, man könne die Welt mit Formalismen retten. "Das ist aber Unfug", sagt Lanz.

Dienstag, Mai 20, 2008

Tötungsdelikte: Professor Amendt beklagt zweierlei Maß

Professor Gerhard Amendt, Leiter des Instituts für Geschlechter- und Generationenforschung an der Universität Bremen, hat einen neuen Gastkommentar in der "Welt" veröffentlicht. Er beginnt so:

Wie muss man sich das erklären, dass ein Mann, der fünf Mitglieder seiner Familie mit einer Axt erschlägt, in Untersuchungshaft genommen wird, eine Frau hingegen, die drei tote Säuglinge über Jahre in der Kühltruhe ihres Kellers verwahrt, zugleich in die psychiatrische Klinik eingewiesen wird?

Im Fall des Mannes, so wird im Wiener "Standard" gemutmaßt, muss man das Profil des Täters herausfinden, um andere gewaltbereite Männer an Ähnlichem zu hindern. Als Motiv der Tötungen nannte der Mann aus einem Wiener Nobelviertel, dass er seiner Familie die Scham über sein berufliches Scheitern in aller Öffentlichkeit ersparen wollte. Die zwanghafte Fürsorglichkeit eines tief beschämten Mannes nimmt so einen mehrfach tödlichen Ausgang!

Im Fall von Frauen besteht hingegen die Tendenz, nach deren Motiven erst gar nicht zu fragen. Beim Mann geht es um einen gefährlichen Täter, bei der Frau um eine Kranke, deren eingeschränkte Verantwortungsfähigkeit durch Einweisung in die Psychiatrie vorweggenommen wird. So als könne individuell nicht sein, was gesellschaftlich nicht sein darf! Dass Frauen gewalttätig sind und töten!


Hier geht es weiter.

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Freitag, November 20, 2020

Giffeys Doktortitel: Kramp-Karrenbauer fordert Konsequenzen – News vom 20. November 2020

1. Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer forderte Konsequenzen, falls Giffey der Doktortitel aberkannt werden sollte.

"Die Untersuchung der Doktorarbeit und vor allem der Vorwürfe, die damit verbunden sind, muss fortgeführt werden - und sie muss schnell zu einem Ende gebracht werden, noch vor den anstehenden Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus", sagte Kramp-Karrenbauer bei einer Veranstaltung der Augsburger Allgemeinen. Kramp-Karrenbauer sagte weiter, sollte sich herausstellen, dass sich die Vorwürfe bewahrheiten, "gehe ich davon aus, dass Frau Giffey das tut, was sie nämlich selbst schon angekündigt hat - und ich gehe davon aus, dass die SPD hier eben nicht mit zweierlei Maß misst."


Gestern war kurz durch die Medien gegeistert, dass Giffey gegen eine erneute Überprüfung ihrer Doktorarbeit klagen wolle. Das wird von der Ministerin inzwischen bestritten.



2. Auf n-tv würdigt Anna Meinecke Pauline Harmanges Anleitung zum Männerhass. Nur einige Auszüge aus einem wortreichen Beitrag:

Die französische Autorin Pauline Harmange schickt sich an, den Männerhass salonfähig, wenigstens zum Gegenstand der Debatte um Gleichberechtigung zu machen. (…) Mit gutem Gewissen, eben, weil sich das eine mit dem anderen nicht vergleichen lässt. Aktion, Reaktion: Männerhass nach Harmange bedeutet Widerstand. (…) Sie hat einen Punkt: Vielleicht muss feministische Argumentation stellenweise weniger sanft formuliert sein. (…) Harmange beobachtet ganz richtig eine Tendenz innerhalb des feministischen Diskurses, sich mit Männern sicherheitshalber zu verkumpeln und sie unter Betonung des eigenen Humors sowie der eigenen Nettigkeit als Verbündete zu umwerben. Diese Taktik führt de facto oft in eine Sackgasse. (…) Man kann das vielleicht auch erst einmal als gesundes Misstrauen auslegen gegenüber einer Gruppe Menschen, von denen erfahrungsgemäß nicht zu erwarten ist, die Interessen von Nicht-Männern konsequent durchzusetzen. Männerhass ist demnach eine reine Vorsichtsmaßnahme. (…) "Ich hasse Männer" ist Harmanges Einladung, alte Debatten aus einer neuen Haltung heraus zu denken.




3. Unter der Schlagzeile " Diese Frauen wollen die Redezeit von Männern beschränken" berichtet die Schweizer Zeitung "20 Minuten" über einen Vorstoß zu "gendergerechter Redezeit" im Basler Parlament. Wie so oft beweist Feministinnen der Widerstand zu dieser Idee, dass sie richtig liegen: "Da haben wir offenbar in ein Wespennest gestochen" freut sich eine der Initiatorinnen auf Twitter.



4. Die Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz, die zum Bundesfrauenministerium gehört, startete gestern pünktlich zum Internationalen Männertag eine bundesweite Sensibilisierung für von häuslicher Gewalt betroffene Männer. Das ist ein sehr erfreulicher Schritt nach vorne, aber mehr Koordinierung der verschiedenen Aktionen wäre wünschenswert: Letzte Woche noch hatte Giffeys Ministerium einen Großteil der Republik mit Plakaten bepflastern lassen, auf denen bei Opfern von häuslicher Gewalt nur von Frauen die Rede war.

Leider bezieht sich auch die "Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz" nur auf das kriminalpolizeilich erfasste Hellfeld der Gewaltopfer, wodurch ca. 75 Prozent der männlichen Opfer unsichtbar bleiben und die gesamte Debatte in eine Schieflage gerät, die beiden Geschlechtern schadet. Dass die Opfer unter Frauen und Männern gleich verteilt sind, ergaben die ersten Studien im Jahr 1980.



5. Die Reaktion der deutschen Medien auf den Internationalen Männertag ist gestern so dürftig ausgefallen, wie man erwarten musste. Ein typisches Beispiel hierfür ist ein Artikel in der "jungen welt", die Menschen wie Lili Kramer vom queerfeministischen Bündnis "What the fuck" dazu befragten und die Antwort erhielten, dass der Männertag "eine überflüssige Erfindung mit einer problematischen Message" sei.Selbst als Unterstützer des Feminismus werden Männer abgelehnt, weil sie ja doch alles falsch machen:

Als eine Männergruppe etwa die Proteste gegen den "Marsch für das Leben" unterstützen wollte, habe sie letztlich Aufmerksamkeit und Energien abgezogen, so Kramer. Statt tatkräftiger Hilfe habe es langwierige Debatten darüber gegeben, ob sie statt – wie vom Bündnis gebeten – Plakate zu kleben nicht lieber Kuchen backen könnten, welcher allerdings nicht benötigt wurde.


Im selben Artikel befindet der ATTAC-Activist Rubin Kettner, der die Proteste gegen die Abholzung im Dannenröder Wald begleitet, das Geschlecht ohnehin als "soziale Konstruktion": Männliche Rollenmuster gelte es zu überwinden, Männer sollten Frauen vor allem zuhören und ansonsten "einfach die Fresse halten". In ähnlich respekt- und würdeloser Weise geht es in diesem Artikel weiter.

Der Deutschlandfunk berichtete über den Internationalen Männertag so:

Männer müssen eine authentische und klare Antwort auf den Feminismus finden, sagt der Soziologe und Männerforscher Richard Schneebauer. (…) Als Provokation oder zumindest als verunsichernd empfinden viele Männer den Feminismus oder die #Metoo-Bewegung. Und als Reaktion darauf flüchten sich manche in den sogenannten Maskulismus. Sie sehen sich als Opfer und wenden sich erst recht traditionellen Rollenmustern zu.

Der Soziologe Richard Schneebauer, der seit 20 Jahren über Männer forscht und sie berät, findet: Das ist die falsche Reaktion. Hier würden nur Hilflosigkeit und Verletztheit in Wut umgewandelt, und das sei gefährlich.


Für das herrschende System ist diese Wut bestimmt gefährlich. Im Bereich der menschlichen Psyche allerdings markiert der Augenblick, wo Depression in Wut umschlägt, den Moment der Heilung. Dass dieser gerechte Zorn oft seine Gründe hat und in eine Verbesserung unerträglicher Zustände umgesetzt werden kann, ist politischen Aktivisten jeglicher Coleur seit langer Zeit klar.

Weitgehend herrscht bei einem gesellschaftspolitisch wichtigen Thema (Männer sind schließlich keine kleine Randgruppe in der Bevölkerung) in den deutschen Medien wie in der Politik Grabesstille. Dass es auch anders geht, zeigt der Blick nach Großbritannien. Dort haben die "gefährlichen" Männerrechtler das Geschwätz von Soziologen mit einer Einstellung wie Schneebauer ignoriert und fahren deshalb erste Gewinne ein.

Beispielhaft ist hier die Tageszeitung "Telegraph". Dort erklärt ein Artikel, was es mit dem Männertag überhaupt auf sich hat; ein zweiter Beitrag ist treffend überschrieben mit "Der Männertag ist eine Erfolgsgeschichte der Gegenkultur". Darin heißt es:

Jedes Jahr ist der Internationale Männertag in Großbritannien ein großer Erfolg, und 2020 ist keine Ausnahme. Mehr als 150 Unternehmen (große und kleine), Wohltätigkeitsorganisationen, Universitäten, Schulen, Fußballvereine, Unterhaltungskünstler, öffentliche Organisationen und Gemeindegruppen nehmen daran teil – auch das Unterhaus mit einer von den Abgeordneten Philip Davies und Ben Bradley anberaumten Generaldebatte. Es wird erwartet, dass der #InternationalMensDay der beliebteste Hashtag auf Twitter sein wird. (Das war in den Jahren 2017 und 2018 so - die nervtötenden Parlamentswahlen waren im letzten Jahr dazwischengekommen!)

Die Palette der Veranstaltungen reicht von großen Unternehmen, die Motivationskonferenzen mit bekannten Rednern (Colin Jackson und Nigel Owens) sponsern, bis hin zum öffentlichen Dienst, der für seine Mitarbeiter Veranstaltungen zur psychischen Gesundheit durchführt. Andere reichen von Wohltätigkeitsveranstaltungen wie "Men's Sheds Cymru's Bring a Butty" bis hin zu Spendenaktionen für Oxfordshire Mind. Es gibt auch die erste jährliche Verleihung der Men and Boys Awards für diejenigen, die einen herausragenden Beitrag zur Förderung der Pflege, des Mitgefühls und des sozialen Wandels für Männer und Jungen in Großbritannien geleistet haben.

Ich engagiere mich seit 10 Jahren für den Internationalen Männertag und bin immer wieder beeindruckt von der Bandbreite der Aktivitäten und der positiven Aufnahme, die sie erfahren. Doch ich bin mir auch sehr bewusst, dass der Tag als ein gegenkulturelles Ereignis betrachtet wird.

Es gibt keine offizielle "Empfehlung" des Internationalen Männertags durch das politische Establishment, geschweige denn seine Förderung. In vielerlei Hinsicht wird dem Tag in den Korridoren der Macht mit Gleichgültigkeit begegnet. Die einzige zentralisierte Organisation dieses Tages widmet sich der Förderung von drei zentralen Themen, der Pflege einer Website und eines Twitter-Accounts sowie die Verteilung von Logos von der Men-and-Boys-Coalition-Wohltätigkeitsorganisation, die die Plattform allen zur Verfügung stellt, solange sie niemanden ausgrenzen.

Die drei Themen sind bewusst weit genug gefasst, um auf vielfältige Weise angewendet werden zu können und gleichzeitig dem treu zu bleiben, worum es im Wesentlichen geht: die Auseinandersetzung mit den Themen, die das Wohlergehen von Männern und Jungen betreffen, die Unterstützung von Wohltätigkeitsorganisationen, die Männern und Jungen helfen, und generell ein (zur Abwechslung) positives Gespräch über Männer und Jungen. Es ist unwahrscheinlich, dass sich diese Themen über viele Jahre hinweg ändern werden.

Leider ist die bittere Wahrheit, dass die Gleichgültigkeit des Establishments gegenüber dem Internationalen Männertag ein Zeichen für eine breitere Haltung gegenüber den Themen ist, die das Wohlbefinden von Männern und Jungen im Allgemeinen betreffen. Die Statistiken sind nach wie vor schockierend: Im Vereinigten Königreich nehmen sich Männer nach wie vor dreimal häufiger das Leben als Frauen, in der Republik Irland nach Angaben von Samaritern viermal häufiger; Jungen liegen in jeder Bildungsstufe hinter den Mädchen zurück, und im Vereinigten Königreich sterben Männer 1,7-mal häufiger an Covid als Frauen. Ich sehe einen Mangel an konzertierten politischen Maßnahmen, wenn es um Fragen geht, die Männer betreffen. Sicherlich muss es das geben, wenn wir in einer vollständig integrativen Gesellschaft leben wollen.

Die gute Nachricht ist, dass die Kultur der Gleichgültigkeit für den Erfolg des Internationalen Männertages irrelevant war. Frauen und Männer, ob als Einzelpersonen, über ihre Arbeitgeber (die meisten Veranstaltungen werden von Personalabteilungen organisiert) oder über Gemeinschaftsgruppen, haben nicht gewartet oder um Erlaubnis für eine offizielle Unterstützung oder Beförderung gebeten. Sie haben selbst Maßnahmen ergriffen, weil sie sich dafür entschieden haben. Heute werden Sie sehen, wie Frauen die sozialen Medien nutzen, um über den positiven Einfluss von Männern und Jungen zu sprechen; und Sie werden sehen, wie Männer eine Vielzahl von Möglichkeiten erhalten, lokale oder nationale Selbsthilfegruppen, Netzwerke und Helplines zu kontaktieren, die ihre Unterstützung fördern. Solch ein echtes gesellschaftliches Anliegen und Streben nach Veränderung bedeutet mehr, als es ein zentralisiertes Streben je könnte.

Dies ist Graswurzel-Großbritannien in Aktion, gegen eine Kultur des Schulterzuckens, des Verschließens der Augen und der Gleichgültigkeit - um den Internationalen Tag der Männer zu einem durchschlagenden Erfolg zu machen.


Bei der parlamentarischen Debatte, die in dem Artikel erwähnt wurde, fragte der konservative Abgeordnete Ben Bradley: "Können wir sicherstellen, dass 'Gleichberechtigung' genau das bedeutet, statt positive Diskriminierung auf Kosten bestimmter Gruppen?" und "Warum haben wir einen Minister für Frauen, aber nicht für Männer?"

Der Abgeordnete aus Mansfield forderte außerdem einen Aktionsplan, der männliche Selbstötungen angeht, Reformen des Kindesunterhalts, einen langfristigen Plan zur Verbesserung der Hilfen für Alkoholabhängige, die Förderung der Unterstützung neuer Väter und die Unterstützung "zurückgelassener" Jungen in der Ausbildung.

(...) Aber die vorgesehenen zusätzlichen Geschäfte haben die Debatte auf 60 Minuten verkürzt. Bradley sagte den Abgeordneten: "Ich habe meine Beiträge drastisch gekürzt - aus unseren drei Stunden ist eine Stunde geworden, was vielleicht auf das Problem hindeutet, dass Männerfragen von der Tagesordnung verdrängt werden. Das ist ein schönes Beispiel für das Problem."

Bradley kritisierte den allgemeinen Sprachgebrauch einschließlich "männliche Privilegien", "toxische Männlichkeit" und die Rede von Männern als Unterdrücker und nicht als Menschen, die einen positiven Beitrag leisten, oder Vorbilder sind. Er fügte hinzu: "Über Männer wird allzu oft als ein Problem gesprochen, das korrigiert werden muss. Allzu oft versucht das ständige Streben nach Gleichheit und Vielfalt, andere nach unten zu ziehen, anstatt alle aufzurichten".

Bradley sagte, er glaube, dass die Gleichheitsgesetzgebung manchmal zusätzliche Hilfe für "alle anderen außer Männern und Jungen" biete, und er drängte auf die Notwendigkeit, weißen Jungen aus der Arbeiterklasse in der Bildung zu helfen - da sie hinterherhinken.


Ein Video von Bradleys Rede findet man hier: Das Parlament ist zwar bezeichnenderweise fast völlig leer und Bradley erntete einen Shitstorm auf Twitter. Er erhielt in den sozialen Medien aber auch viel Unterstützung, und außer der eben verlinkten Daily Mail berichteten weitere Zeitungen wie die "Metro" sowie die BBC über seine Rede.

In der britischen Zeitung "The Northern Echo" zeigt die Psychologin Dr Rebecca Owens , wie man zu diesem Thema einen vernünftigen Artikel hinbekommt:

Männer und Frauen standen schon immer vor unterschiedlichen Herausforderungen in Bezug auf so ziemlich alle Lebensbereiche.

Die Gründe dafür sind sehr komplex und eng miteinander verknüpft und es zählen neben biologischen, physiologischen und psychologischen Faktoren auch sozio-politische Faktoren dazu.

Es bleibt jedoch eine Tatsache, dass Männer aufgrund der Vielzahl komplexer und interagierender Faktoren im Allgemeinen weniger Sympathie und Einfühlungsvermögen erhalten. Es mangelt in der Gesellschaft an Bewusstsein für Probleme, mit denen Männer konfrontiert werden können.

Zum Beispiel können Männer Opfer von intimer Partnergewalt und Zwangskontrolle werden, aber unsere gesellschaftliche Erzählung legt nahe, dass Männer nur Täter und Frauen nur Opfer solcher Gewalt sein können.

Ebenso sehen wir Jungen und Mädchen in der Regel sehr unterschiedlich. Selbst wenn sie die gleichen Verhaltensweisen zeigen, neigen wir dazu, diese Verhaltensweisen unterschiedlichen Ursachen zuzuschreiben.

Oft geht es darum, Mädchen als potenzielle Opfer, vielleicht von Ausbeutung, und Jungen als Täter oder Unruhestifter zu positionieren. Diese gesellschaftliche Erzählung stellt für Männer und Jungen eine enorme Barriere dar, nicht nur wenn es um den Zugang zu Hilfe geht, sondern auch in Bezug auf die Erkenntnis, dass sie Hilfe brauchen, und sogar in Bezug auf die Erkenntnis, dass ihnen geholfen werden kann.

Es besteht oft die Tendenz, breit angelegte Vergleiche anzustellen oder Menschen sehr breit zu gruppieren - wie etwa Männer und Frauen. Und wir sehen oft, wie Männer und Frauen in unserer dominanten gesellschaftlichen Erzählung gegeneinander ausgespielt werden.

Aber in Wirklichkeit ist es sehr gefährlich, so breite Vergleiche anzustellen. Eine solche Gruppierung von Männern im Gegensatz zu Frauen umfasst etwa 50% der Bevölkerung und stellt auf dieser Grundlage Vergleiche an und hebt Unterschiede hervor. Das ist einfach nicht richtig oder fair.

Wenn wir solche Vergleiche anstellen würden, wäre ein genauerer Vergleich wahrscheinlich der sozioökonomische Status. Im Laufe der Geschichte wurden Männer und Frauen mit niedrigerem sozioökonomischen Hintergrund ausgenutzt. Männer wurden zum Beispiel in den Krieg gezwungen. Männer aus der Oberschicht aber nicht, und Frauen aus der Oberschicht waren nicht wie Frauen aus der Unterschicht mit Unterdrückung konfrontiert.

Aber ich glaube, im Allgemeinen haben wir diese Art von Dingen vergessen: dass Männer oft auch unterdrückt und benachteiligt wurden, und einige Frauen nicht.

Männer können sich genauso wie Frauen in einer Reihe von schwierigen Situationen befinden - häusliche Gewalt und Missbrauch, Zwangskontrolle, Schwierigkeiten beim Kontakt mit Kindern oder bei der Versorgung von Familien.

Als Gesellschaft haben wir unterschiedliche Anforderungen und Erwartungen an Männer und Frauen gestellt, und es überrascht nicht, dass Frauen sich dagegen wehren, dass sie nicht unbedingt zu Hause bleiben und Kinder großziehen wollen, dass sie die Möglichkeit haben, arbeiten zu gehen, eine Ausbildung zu erhalten usw.

Aber es ist doch nur fair, dass wir die gleichen Optionen auch Männern anbieten. Männer sollten zu Hause bei ihren Kindern bleiben können, wenn sie es wollen und können. Das soll nicht heißen, dass Männer zu Hause bleiben oder arbeiten gehen SOLLTEN: Diese Wahl zu haben, ist wichtig, und eine Wahl zu haben, die allen zur Verfügung steht, bedeutet, dass wir allen gleiche Chancen bieten, ohne die Erwartung, dass diese Optionen auch gleich wahrgenommen werden.


Währenddessen nutzen die britischen Fathers 4 Justice den Männertag, um an Frauen- und Gleichstellungsbüros weiße Federn als Symbol für die Feigheit zu schicken, wegen der sie Männeranliegen bis heute nicht angehen möchten.

Und jetzt stelle man sich all das in Deutschland vor. Ja, mir fehlt dazu auch die Phantasie. Deutsche Journalistinnen feiern Bücher wie "Ich hasse Männer", und entschiedenen Widerspruch von prominenten Kolleginnen und Kollegen gibt es nicht.



6. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Hallo Herr Hoffmann,

am Mittwoch haben Sie einen Leserbrief zitiert, der die merkwürdige Einteilung in gute und nicht nennenswerte Opfer des islamischen Terrors in Mosambik thematisiert.

Das Ganze geht dort schon ein paar Tage.

Warum ich überhaupt schreibe: Diese Geschichte hat mich sofort an die "Bring back our girls"-Kampagne erinnert – nicht nur wegen der gleichen Ideologie der Angreifer. Für die 300 in Nigeria entführten Mädchen haben sich weltweit diverse Prominente engagiert, für die 500 abgeschlachteten Jungs hat sich niemand interessiert.

Den Vorgang hat Lucas Schoppe sehr schön dargestellt.

Bezeichnend ist auch, dass die Bevölkerung vor Ort in Nigeria keine Unterscheidung in gute Mädchen- und vernachlässigbare Jungenopfer machte. Dort war die Forderung: "Stop killing our children". Ist dieser Genderschwachsinn einfach nur Ausdruck der Wohlstandsverwahrlosung des fettgefressenen Westens?


Samstag, November 08, 2014

Missbrauchsvorwürfe gegen feministischen TV-Star Lena Dunham

Das Blog Achdomina beschäftigt sich mit den aktuellen Vorwürfen, die Schauspielerin und feministische Ikone Lena Dunham ("Girls") habe ihre kleine Schwester über einen Zeitraum, der sich über lange Jahre erstreckte, sexuell missbraucht. Das sei aus unbedachten Passagen in Dunhams Autobiographie deutlich geworden.

Wenig überraschend ist, dass Dunham augenblicklich von feministischer Seite verteidigt und in Schutz genommen wird. Diese Rettungsversuche zerlegt das Blog Toy Soldiers, zu dessen Kernthemen sexueller Missbrauch gehört.

Bezeichnenderweise ist bereits die Berichterstattung über den Vorfall in den deutschen Leitmedien einhellig. So sieht der "Stern" Dunham als Opfer einer abstrusen Schmutzkampagne von rechtsradikalen Verwirrten, Dunhams Kritiker hätten eine "dreckige Fantasie". Die Süddeutsche Zeitung spricht von einem absurden Vorwurf konservativer Kritiker, der Welt zufolge drehen Antifeministen durch. Einmal mehr wirken deutsche Medien wie gleichgeschaltet: Hier soll dem Leser vermittelt werden, dass es schon verschwendete Zeit wäre, sich nur einen Augenblick lang ernsthaft mit diesen Vorwürfen zu beschäftigen. Als problematisch wird hier nicht Dunhams Verhalten diskutiert, problematisch sei vielmehr, dass "ein paar konservative US-amerikanische Spinner komplett irre geworden" seien, diese "Ultraverklemmten" seien "gestört" und meinten es leider ernst (so Anne Waak in der "Welt").

Das ist eine bemerkenswerte Reaktion in einer feministisch geprägten Medienlandschaft, in der es schon als sexueller Übergriff gilt, wenn ein Mann auf den Hintern einer Passantin blickt oder gar einen Flirt zu beginnen versucht. Männer erscheinen in dieser Szene automatisch als schuldig und ihr Verhalten als skandalös, Frauen als automatisch unschuldig und Vorwürfe gegen sie als empörender Irrsinn. Und dieses Messen mit zweierlei Maß ist in unseren Leitmedien durchgehend Tenor von der linken Süddeutschen bis zur konservativen "Welt".

Aus dem Eintrag der englischsprachigen Wikipedia über Dunham wird die Kontroverse trotz internationaler Berichterstattung selbstverständlich draußen gehalten. (Aus dem Eintrag der deutschen Wikipedia sowieso. Immerhin erfährt man dort prägnant einiges über Dunhams Hintergrund: "Dunham bezeichnet ihre Erziehung als feministisch ausgeprägt. Seit dem Alter von neun Jahren ist sie in therapeutischer Behandlung.")

Diskutiert wird das Thema heute bei Alles Evolution.

Samstag, März 21, 2009

USA: Zweierlei Maß bei Teenagersex

After a 17-year-old boy had sex with his 14-year-old girlfriend, he was charged with a felony for statutory rape. When a 17-year-old girl in the same town commited the same crime, she was charged with far less. Was the boy the victim of gender bias?

Alan Jepsen was playing videogames at his home in Sheboygan, Wisconsin, when the cops came knocking on his door. He was handcuffed in front of his sister and thrown in jail. In the words of his attorney, Jeffrey Purnell, “This child, this 17-year-old high-school kid, had to spend a week in jail—they locked him up and they put him in jail with grown-ups.”

His crime: Having sex with his 14-year-old girlfriend. And, perhaps, being a boy.


Hier geht es weiter.

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Montag, September 09, 2013

Frauen mit einem Jungen als Partner in der Popkultur: Keine große Sache

Portrayals of relationships between older women and younger men have showed up in pop culture time and again, from The Graduate to American Pie. But it seems like more have been cropping up lately. Alissa Nutting’s novel Tampa, published in July, is about a 26-year-old woman who builds her entire life as a teacher around her attraction to 14-year-old boys. The Lifeguard, which opened in theaters last weekend, stars Kristen Bell as a 29-year-old who returns to her hometown and has an affair with a teenager. And this week sees the theatrical release of Adore, starring Robin Wright and Naomi Watts as two best friends who fall for each other’s 18-year-old sons, and A Teacher, the story of a young woman’s undoing as her relationship with one of her high-school students comes to an end.

While these works vary from one another greatly, taken together they show how society tends to treat these kinds of relationships: as not all that big a deal.

The differing attitudes towards woman/boy relationships versus man/girl ones was, until recently, codified by the government. It wasn’t until the year 2000 that all 50 states had gender-neutral statutory rape laws. Until then, laws tended to punish the woman participant less harshly or not at all, even if she was the perpetrator. According to Carolyn E. Cocca, the author of Jailbait: The Politics of Statutory Rape Laws in the United States, the role of women sex offenders is routinely downplayed.


Hier geht es weiter – ein gelungener Artikel, gerade auch aus der Perspektive einer maskulistischen Filmkritik. (Nur im letzten Absatz, wo es heißt, das Messen mit zweierlei Maß sei dadurch erklärbar, dass Männer viel häufiger Täter bei häuslicher Gewalt seien, fällt die Autorin den überholten Klischees zum Opfer, die sie beklagt.) Das Fazit des Beitrags lautet:

For now, though, it seems pop culture still believes consent isn't an issue if the rapist is an attractive, older woman.

Montag, Februar 16, 2009

Die Rache der Beschneiderinnen

Eine Diskussion im gelben Forum wies mich heute Morgen auf einen aufschlussreichen Spiegel-Online-Artikel hin, der folgendermaßen angeteasert wird:

Bedroht und nackt durchs Dorf getrieben: Verfechter der Genitalverstümmelung haben in Sierra Leone eine Journalistin malträtiert. In Afrika ist die Beschneidung von Frauen und Mädchen grausamer Alltag - auch in Deutschland sind rund 20.000 Frauen beschnitten.


Erst im Laufe des Artikels erfährt der aufmerksame Leser, dass es sich bei diesen "Verfechtern", keineswegs um Männer, sondern um Frauen handelt:

"Ich hatte riesige Angst und flehte die Entführerinnen an, mich gehen zu lassen", erzählt Balama-Samba.


Folgt man dem Artikel, so ist Beschneidung für die verantwortlichen Frauen eigentlich nur eine Form von Emanzipation und Unabhängigkeit:

Die Geheimbünde seien eine Möglichkeit für Frauen, der Herrschaft der Männer zu entfliehen. Beschneiderinnen verdienen recht gut, während Frauen im traditionellen Familienbild Sierra Leones nur die Rolle der Hausfrau zukommt.


Ich habe bereits vor acht Jahren in "Sind Frauen bessere Menschen?" ausführlich erklärt, dass Genitalverstümmelungen an Mädchen in der Regel von Frauen durchgeführt werden. Trotzdem wird diese Praxis hierzulande natürlich – in ähnlich unpassender Weise wie etwa häusliche Gewalt – als Verbrechen von Männern gegen Frauen phantasiert. Keinen geringen Anteil daran haben Aktivistinnen wie beispielsweise Waris Dirie, ehemals Fotomodell und UN-Sonderbotschafterin, die 2008 allerdings durch eher seltsame Behauptungen auf sich aufmerksam machte.

In Diries Bestseller "Wüstenblume" (Seite 346 der Taschenbuchausgabe) findet man jene hübsche Passage:

"Vielleicht sollten die Frauen den Männern die Eier abschneiden, damit auf der Erde wieder ein Paradies entstehen kann. Die Männer würden ruhiger werden und sensibler mit ihrer Umwelt umgehen. Ohne diesen ständigen Ausstoß von Testosteron gäbe es keinen Krieg, kein Töten, kein Rauben, keine Vergewaltigungen."


Nun hat sich aktuell herausgestellt, dass hinter den geschilderten Fällen von Gewalt nicht Männer, sonder Frauen steckten. Angenommen, ein Männerrechtler würde ein Buch über Gewalttäterinnen schreiben und darin ähnliche Formulierungen verwenden wie Dirie es tut, solange es gegen Männer geht – ob er dann auch Bestseller-Autor und UN-Sonderbotschafter werden würde? Wohl kaum. Weit eher dürfte er von etlichen Seiten mit einer Aggression angegangen werden, wie sie sonst nur Esther Vilar und Eva Herman erlebt haben. Häufig werden Männerrechtler schon wegen weit zurückhaltenderer Kritik gebrandmarkt. Es gibt ein Wort für diese Extremform von Messen mit zweierlei Maß und dieses Wort lautet: Sexismus.

Nachtrag vom selben Tag: Ein Genderama-Leser berichtete mir als Reaktion auf diesen Beitrag, Dirie selbst habe in ihrem Buch geschildert, dass sie ihr Großvater immer vor den Beschneiderinnen des Dorfes in Schutz genommen hatte und diese ihren Willen erst durchsetzen konnten, als dieser Mann außer Haus war. Woher vor diesem Hintergrund der Hass ausgerechnet gegen Männer entstünde, sei nicht nachvollziehbar.

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Freitag, Januar 15, 2016

Safe Space bei Bonn: Schwimmbad-Verbot für männliche Flüchtlinge

Es geht los: In Bornheim bei Bonn erhalten männliche Flüchtlinge pauschal ein Schwimmbad-Verbot, weil es zu sexueller Belästigung gekommen sein soll:

Körperlich belästigt wurde im städtischen Bad zwar niemand, aber ein 18-jähriger Flüchtling soll eine 54-jährige Frau auf offener Straße sexuell belästigt haben. Diesbezüglich ermittelt die Polizei.


Wird die offene Straße jetzt auch für Flüchtlinge gesperrt?

Der Bonner Generalanzeiger schreibt dazu:

Es habe sich um Belästigungen verbaler Art gehandelt, erläuterte Schnapka. Anzeigen lägen nicht vor. Im Bornheimer Hauptausschuss konkretisierte er am Donnerstagabend, dass sechs Beschwerden eingegangen seien. (...) Die Flüchtlinge, reagierten betroffen und verständnisvoll auf das Verbot.


Womöglich wird das nicht die einzige öffentliche Einrichtung bleiben, die so verfährt.

Spannende Frage: Wie stellen sich Feministinnen dazu? Befürworten sie solche Maßnahmen, beißt sich das mit ihren Bekundungen, Flüchtlinge nicht ausgrenzen zu wollen. Sind sie dagegen, messen sie endgültig mit zweierlei Maß: Einrichtungen wie z.B. die Frauenbibliothek an der Uni Mainz, für die Männern der Zutritt verwehrt bleibt, rechtfertigen sich damit, dass sie ein Safe Space bleiben sollen, in denen Frauen nicht von Männern behelligt werden. Es gab zwar in meiner gesamten Studienzeit keinen bekannten Fall, wo eine Studentin beim Durchstöbern der Bibliotheken sexuell belästigt wurde, aber sicher ist sicher.

Vermutlich werden die Feministinnen das Dilemma lösen, indem sie fordern, das Schwimmbad nicht nur für die Flüchtlinge, sondern #ausnahmslos alle Männer zu sperren.

Freitag, Juli 13, 2012

Wenn Frauen über die Beschneidung von Jungen diskutieren

Der Humanistische Pressedienst kommentiert die Anne-Will-Talkrunde vom Mittwoch.

Zwei Männer und vier Frauen sollten dem Publikum eine adäquate Diskussion der Frage bieten, ob das kontroverse Urteil des Landgerichts Köln eine richtige Entscheidung darstellt. Dass diese Debatte in die Hose gehen könnte, war nur wahrscheinlich. Und man wird mutmaßen, ob künftige Diskussionen bei Will zu Themen wie dem Schwangerschaftsabbruch mehrheitlich mit Männern besetzt werden, oder woran es sonst lag, dass am Mittwochabend ganz überwiegend Frauen den Streit über den Sinn und Unsinn der Beschneidung von Penissen männlicher Kinder austrugen.


Oliver Tolmein ergänzt hierzu in der Frankfurter Allgemeinen:

In ihren nicht seltenen Wortduellen mit Ates zogen stets die Zuschauer den kürzeren, weil sie die überlagernden Frauenstimmen nicht mehr auseinander halten konnten. Will ließ die beiden dennoch meistens gewähren, weil sie offenbar an eine ordnende Kraft der Moderation nicht glauben will – und vielleicht auch, weil sie annahm, dass es dem Publikum in diesem Streit ohnehin weniger auf die Bedeutung der Worte ankäme als auf die Vehemenz des Engagements.


Immerhin gab es auch sehr positive Aspekte in der Diskussion bei Anne Will. So beklagte Angelika Kallwass die durch den Holocaust errichtete (ethische) Denkbarriere, und Holm Putzke konnte darauf hinweisen, dass die Medizin dem Kölner Beschneidungs-Urteil Rückendeckung gibt. Als eine prominente Stimme aus diesem Bereich wird hier in mehreren Artikeln der in Jungen- und Mänerthemen sehr sachkundige Vizedirektor des Klinischen Instituts für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Düsseldorf, Matthias Franz, zitiert:

Franz warnte davor, die Beschneidung mit zweierlei Maß zu messen. Während über die Verurteilung der Beschneidung von Mädchen und Frauen Einigkeit bestehe, würden bei dem Eingriff an Säuglingen und Jungen "beide Ohren zugehalten". Der Mediziner sprach von einem "erheblichen Wahrnehmungsausfall" in der Debatte.
Vielsagend war auch die Schlusssequenz einer in die Anne-Will-Sendung eingeblendeten Straßenumfrage unter jungen Muslimen: "Als richtiger Mann muss man beschnitten sein?" – "Ja, das ist so. Sonst kriegt man keine Frau."

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