Dienstag, Juni 30, 2015

Professor Markus Meier: "Deshalb funktioniert die Große Koalition so lautlos effektiv männerfeindlich"

Dr. Bruno Köhler von MANNdat hat Professor Markus Meier, der aktuell mit seinem Buch "Lernen und Geschlecht heute" von sich reden macht, interviewt – hier einige Auszüge:

Geschlechterpolitik läuft in Deutschland zu stark nach dem Motto: Wenn Frauen irgendwo einen Nachteil haben, muss etwas geschehen, wenn Männer einen Nachteil haben, so gehört es sich einfach nicht, das anzusprechen, es ist entweder dämonisch oder lächerlich oder beides.

(...) Dass die neue Autonomie der Frauen nicht zu einer Emanzipation von Männern in Familiendingen geführt hat, dass also Frauenerwerbstätigkeit nicht zur Entlastung von Männern im Arbeits- und Stärkung im Familienbereich geführt hat, sondern mit viel akademisch-moralischem Blabla die Familie vollständig in die Deutungsmacht der Frauen überging, das ist, glaube ich, der eigentliche Knackpunkt des gegenwärtigen Geschlechterverhältnisses, da hakt es. Es wäre ja in den Siebzigern durchaus denkbar gewesen, z.B. eine Sorgerechtsquote für Väter einzuführen oder neben der Loyalitätspflicht auch die Alimentationspflicht abzuschaffen, das aber war politisch nicht angesagt.

(...) Durch die um sieben Jahre längere Lebenserwartung und das exponentielle Anwachsen des Altenüberschusses in der Bevölkerungspyramide werden die Interessen von alten Frauen das politische Klima in den nächsten Jahren zunehmend beherrschen, bei der letzten Hamburgwahl z.B. wählten schon zehn Prozent mehr Frauen als Männer! Steuerzahlende Männer zwischen 25 und 55 Jahren halten zwar ökonomisch das Rad in Schwung, sie entscheiden aber keine Wahlen (mehr). Männer und Väter sind als Wähler einfach uninteressant. PISA 2012 zum Beispiel bekennt erstaunlich freimütig, "since low-performing students [gemeint sind Jungen/Männer] are less likely to engage politically later on, the government has fewer incentives to unearth and examine the roots of their underperformance at school." (Genderreport, S. 20) Im Gegenteil, selbst eine Politik, die die leistungsfähigen Männer abhängt, kann sich darauf verlassen, dass die ihre Steuern trotzdem gesetzeskonform schön an den Staat abführen werden. Auch deshalb funktioniert die Große Koalition ja so lautlos effektiv männerfeindlich, das Ganze dem Wähler und der Wählerin natürlich verkauft als kleine Aufmerksamkeit nach jahrhundertelanger Benachteiligung etc.

Wie leben junge Männer und Frauen damit? Sie gehen das finanzielle, emotionale und soziale Risiko Ehe und/oder Kinderkriegen einfach nicht mehr ein, eine Gesellschaft stirbt sich selbst aus. Hat es noch nie gegeben

(...) Seit dem Verlust der sozialistisch-kommunistischen Utopien gerade auch der Intellektuellen haben die sich in so eine Anti-Männer-Utopie verrannt, die immer absurdere Züge annimmt. "Das weibliche Zeitalter bricht an, der große Mittag steht bevor, endlich wird alles gut und heil, frohlocket …" Und wie so oft in der Geschichte töten Utopien Mitmenschlichkeit – wo so viel Großartiges wächst, da darf man/Mann nicht zimperlich sein. Die Jungen sollen es sportlich nehmen, sobald der Feminismus die Welt verwandelt (konservativ) und revolutioniert (progressiv) hat, ist sowieso alles für alle gut, bis dahin ist es jetzt nur noch eine kleine Zeit … Und wer dann die Propheten und Prophetinnen der Neuen Zeit kritisch befragt, der ist dann schnell nicht nur kritisch, sondern "hate-speecher", Menschenverachter, Rechtsradikaler, ein Feind Gottes fast.

(...) Insgesamt gilt: Männer müssen sich solidarisieren und bei diesem Thema und für ihre Söhne (und Töchter), ihre Schüler (und Schülerinnen), ihre Studenten (und Studentinnen) zusammenstehen. Männer müssen Jungenthemen genauso selbstbewusst und selbstverständlich artikulieren, wie dieses für Frauen und Mädchenthemen inzwischen comme il faut ist. Der Vorteil der Feministen bei dem Thema ist ihr 40-jähriger Vorsprung, ihre Bereitschaft, wissenschaftliche Standards politischer Agitation unterzuordnen, ihre Utopiebeseeltheit mit entsprechendem Marschiertrieb und, damit zusammenhängend, inzwischen ihre pure Masse aus Überzeugten und Mitläufern. Was es den Männern schwer und leicht zugleich machen sollte: Es gibt keine Alternative!


Das Interview ist in Gänze lesenswert.

Vermischtes

Alarm! Die Selbstmordrate unter weiblichen US-Veteranen ist extrem hoch:

Vor allem ist bemerkenswert, dass die Raten sich sogar den männlichen Selbstmordraten annähern, obwohl das Risiko unter Männern sonst deutlich höher liegt.


Harald Martenstein hat den Studenten der Humboldt-Universität ein paar Worte zu sagen.

Und Janet Bloomfield hat fünf Aspekte zusammengestellt, inwiefern eine bessere Verhütungsmethode für Männer das Geschlechterverhältnis deutlich fairer gestalten dürfte.

Montag, Juni 29, 2015

"Sexismus, Lügen und Twitter: Wie eine Jägerin zur Gejagten wird"

Die Geschichte klingt zu gut: Bekannter, aber alt gewordener, weisser Wissenschaftler mit viel Prestige und Privilegien jetsettet um die Welt, und liefert vor Koreanerinnen eine bizarre, sexistische Rede ab. Eine deutlich jüngere, schwarze Journalismuslehrerin lässt sich das nicht gefallen, und informiert die Welt via Twitter empört über die Aussagen. Es kommt schnell zu einem Meme, in dem junge Wissenschaftlerinnen zeigen, wie "ablenkend sexy" sie in ihren Tätigkeiten aussehen, die Medien steigen in den Shitstorm ein – und kaum betritt der alte Mann wieder britischen Boden, wird er vom Sturm überrumpelt und gezwungen, sich mit einer Entschuldigung von seinen öffentlichen Ämtern zurück zu ziehen.

Der Fall des Nobelpreisträgers und Krebsforschers Tim Hunt sieht auf den ersten Blick aus wie ein phantastisches Hollywood-Drehbuch mit klar verteilten Rollen: Hier der groteske weisse Schuft, da die engagierte, schwarze Kämpferin gegen Ungerechtigkeiten, umgeben von Heerscharen von aus dem Nichts kommenden Aktivistinnen, die zusammen mit den Medien beweisen: Egal wieviel jemand früher geleistet hat, für Sexismus ist in dieser Gesellschaft kein Platz mehr. "In diesem Fall muss es wohl sein", twittert da auch ein Blogger des deutschen Spektrumverlags nachdenklich zum erzwungenen Rücktritt von Tim Hunt. Jeder will dabei sein, beim Sturz eines Mannes, der sich nach Jahrzehnten der Wohltaten für die Menschheit mit ein paar Worten als untragbarer Unhold bewiesen hat – im bewusst von drei Teilnehmern konzipierten Shitstorm als Warnung für alle anderen.


Hier geht es weiter mit Don Alphonsos Bericht über die verlorene Glaubwürdigkeit der Frau, die die Inquisition gegen Tim Hunt in Bewegung setzte.

Vermischtes

Wer vertraut uns noch? fragt die ZEIT und berichtet über "Leser in Lynchstimmung", was sie unter anderem mit der Morddrohung gegen Ronja von Rönne untermauert. Das Blog "Die Wahrheit über die Wahrheit" zerpflückt den ZEIT-Artikel: Bis zu ernst gemeinter Selbstkritik in den Leitmedien ist es offenbar noch immer ein gutes Stück hin.

Es kommt Bewegung in die TU Berlin, wenn auch noch nicht so wie gewünscht: Das Blog "Kritische Wissenschaft" berichtet über lustige Mails eines Dr. Klaus Richter, der durchsetzen möchte, dass der Vorname einer studentischen Tutorin, die eine "gendersensible Sprache" einforderte, nicht mehr erwähnt werden soll. Inzwischen ist die Berichterstattung über diesen Fall bereits weitergewandert.

Das "Blog des linken Maskulismus" hat ein paar Worte zum Thema Maskulismus und Schwulenbewegung zu sagen. Das Urteil des Obersten Gerichtshofs in den USA, dem zufolge Homosexuelle heiraten dürfen, wird inzwischen auch von fast 100 einflussreichen evangelikalen Christen unterstützt.

Und schließlich: Es gab offenbar mehr als einen Mann, der sich dem Terroristen am tunesischen Strand unbewaffnet in den Weg gestellt hat:

Angestellte des Hotel Bellevue in Sousse haben ihre Gäste vor einem Massaker bewahrt. Als der Attentäter am Freitag am Strand in Richtung des Hotels lief, bildeten sie einen menschlichen Schutzschild für die Urlauber. Er drehte wohl tatsächlich ab.

Als der Attentäter am Freitag am Strand in Richtung des Hotels lief, bildeten die Mitarbeiter einen menschlichen Schutzschild für die Urlauber, berichtet ein Augenzeuge der "Daily Mail".

Der Mann wörtlich: "Sie bildeten eine Kette und sagten: 'Du musst zuerst uns töten. Aber wir sind Muslime.'"

Der bewaffnete Attentäter hatte zuvor ausgerufen, er sei auf der Jagd nach Touristen. Er tötete 38 Menschen, machte aber offenbar vor der Barrikade der Hotelangestellten kehrt.


(Die "Daily Mail" spricht von "about a dozen men" und zeigt Fotos dazu. Bei der Übersetzung ins Deutsche geht die Geschlechtszugehörigkeit bekanntlich gerne verloren, wenn immer Männer etwas Gutes oder gar Heldenhaftes tun.)

A Voice for Men: Offener Brief an konservative Christen

In einem Offenen Brief an christliche Konservative geht Dean Esmay auf der männerpolitischen Website A Voice for Men zunächst kurz auf das Scheitern dieses Lagers beim Kampf gegen die Gleichberechtigung von Homosexuellen ein:

You lost. You really did. You lost completely and utterly.


Im folgenden Teil seines Textes warnt Esmay die christlichen Konservativen davor, dasselbe Schicksal beim Umgang mit der Männerrechtsbewegung zu erfahren:

I will also note for you something else: there’s this large and growing thing called the Manosphere, of which the large and growing and increasingly influential Men’s Rights Movement is part. No one controls that movement, and that’s a little scary. Have you ever heard that joke about "Organized Baptist" being a contradiction in terms? Yeah. It’s true of the Men’s Rights Movement too. A lot of conservative, religiously oriented guys and girls are here, and they are standing right next to the queers and the weirdos and the beggars and the prostitutes and the tax collectors.

Do you happen to remember who else partied with people like that? While others were busy piously reading from the scriptures and lecturing on immorality while living their own lives of hypocrisy and sin?

Here’s the thing: most MRAs welcome social conservatives with open arms. We really do. We just won’t let you be in charge, and we will not tell you what your itching ears want to hear. We have quite the marketplace of ideas going here, and we will listen to what you say, we will think on it, and if you are right we will say we think you right and if you are wrong we will say we think you wrong.

(...) Now, as I say, you could walk away from all this "Men’s Rights" drivel. Some of you have. I’ve read quite a few snotty, ignorant things by conservatives slamming MRAs. The overwhelming majority of those "conservatives" never even bothered to talk to one of us. I hope you guys realize that by doing this – by slandering people you haven’t even tried talking to on their own terms – you’re quite possibly harming your brothers, your sons. Because your sons are increasingly saying the same things we do. If not aloud to you, then to their friends.

(...) Keep this in mind though: you aren’t going to make conservatives out of most MRAs. But most MRAs – not all but most – will 100% accept conservative and religious MRAs and back you if you have a good ideas. Good ideas can come from all sorts of people.


Hier findet man den vollständigen Offenen Brief. Er verdeutlicht einmal mehr, dass die Lieblingsphantasie des Gender-Lagers, bei Männerrechtlern und Maskulisten handele es sich um eine "rechte" Bewegung, reines Wunschdenken ist. Tatsächlich handelt es sich um eine heterogene Bewegung, die Konservative, Progressive, Liberale und Menschen fernab aller politischen Lager willkommen heißt. Und genau das ist einer der Gründe, weshalb sie den dogmatischen Fundamentalisten und Betonköpfen der Gender-Szene ein solcher Dorn im Auge ist.

Telepolis: Dozentin darf Studenten nicht zum Gendern zwingen

Ein Fall, auf den Genderama vor einigen Tagen mit Bezug auf das Blog "Kritische Wissenschaft" des Bildungsforschers Michael Klein hingewiesen hatte, ist inzwischen auch Thema bei Telepolis. Dort heißt es:

Dozenten, die bei Nichtgendern mit Punktabzug drohen, gibt es nicht nur an der TU Berlin, sondern auch an der Berliner Humboldt-Universität , am Geschwister-Scholl-Institut der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, an der Universität Hamburg, der Universität Salzburg, der Fachhochschule St. Pölten und der Fachhochschule des Berufsförderungsinstituts Wien. An diesen Hochschulen war bislang niemand für eine Stellungnahme zu eventuellen Auswirkungen der Entdeckung Zideks erreichbar.

Sonntag, Juni 28, 2015

Vermischtes

Die im englischsprachigen Raum recht bekannte Website Everyday Feminism hat erklärt, auf die Bezeichnung "Triggerwarnung" in Zukunft zu verzichten. Das Wort "Trigger" könne nämlich selbst bereits triggern, da es an Waffengewalt erinnere, was eine Re-Traumatisierung auslösen könne. ("Trigger" bedeutet soviel wie "Abzug") Des weiteren argumentiert Everyday Feminism:

What could be a trigger? "Anything. Absolutely anything," the article explains. Sometimes they can remind the person of sexual assault or a traumatic event. Sometimes it's something that has not happened to the person who is "triggered" or has nothing to do with them. "I am often triggered when I see books by Terry Pratchett," the author writes. ["I have been told that his books are fantastic, but I cannot bring myself to read any of them because Pratchett now suffers from Alzheimer’s disease."]


Das ergibt Sinn: Ich lese schließlich auch keine Texte von Goethe, weil sie mich nur daran erinnern, dass Goethe tot ist. Grundsätzlich könnte man der Argumentation von Everyday Feminism hinzufügen, dass das Wort "Trigger", auch da es oft in triggernden Zusammenhängen erscheint, bereits selbst zum Trigger werden kann. Aus diesen Gründen wird auch Genderama weiterhin auf Trigger-Warnungen verzichten: sozusagen als Zeichen der Rücksichtnahme auf die feministischen Lesern dieses Blogs. Das Risiko, dass ich Opfer von Waffengewalt durch dieses Wort re-traumatisiere, möchte ich ohnehin vermeiden.

Apropos Waffengewalt: Der aktuelle Terroranschlag in Tunesien führte mal wieder zu einem Beispiel patriarchaler Frauenunterdrückung, über das man in den Büchern von Alice Schwarzer, Bascha Mika und Anne Wizorek auffällig wenig liest.

Währenddessen berichtet die Daily Mail darüber, dass die Frau, von der die Sexismusvorwürfe gegen den Nobelpreisträger Tim Hunt ausgingen, nicht gerade die Glaubwürdigste ist.

Zuletzt eine Randnotiz aus den USA: Tickets für die letzte Veranstaltung der feministischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton waren so schwach nachgefragt, dass ihre Partei sie gratis unters Volk streuen musste. Schon vor einigen Wochen musste Clinton eine "Veranstaltung nur für Frauen" auch für männliche Gäste freigeben, damit nicht zu viele Plätze leer blieben.

Samstag, Juni 27, 2015

Schwule gegen Feminismus: "Weil Schwule nicht euer Eigentum sind"

Dean Esmay erklärt auf A Voice for Men, warum auch das Engagement für Schwule zur Männerrechtsbewegung gehört.

Lesermail (Homo-Ehe und Vaterlosigkeit)

Einer meiner Leser antwortet auf diesen Leserbrief:

Die Lesermail, die du heute abgedruckt hast, hat mich nachdenklich gemacht. Zunächst als Vorbemerkung: Es ging hier ja erst einmal nur um die Öffnung der Ehe, nicht um die Kindererziehung. Allerdings stimmt es natürlich, dass beides eng miteinander zusammenhängt.

Tatsächlich geht es mir ähnlich wie dem Leser: Auch ich bin ohne Vater (und ohne irgendeine männliche Bezugsperson) "groß" geworden. Schaut man nur auf die Zahlen, sieht mein Werdegang soweit auch sehr gut aus: Ich habe ein gutes Abitur gemacht, einen ausgezeichneten Bachelorabschluss, bin gerade dabei, einen ebenso ausgezeichneten Masterabschluss zu machen und werde dann eine Promotion starten. Soweit top.

Ich bin mittlerweile aber auch schon seit ein paar Jahren in Therapie, weil ich die Probleme, die mit meiner Vaterlosigkeit zu tun haben, solange verdrängt habe - nicht wahrhaben wollte - bis sie sich schließlich nicht mehr ignorieren ließen. Und ich habe gemerkt, dass ich meine herausragenden Leistungen vor allem deshalb gemacht habe - und an dem damit verbundenen Stress beinahe kaputt gegangen wäre - weil ich versucht habe, dadurch meine innere Leere zu füllen; mir dadurch die Anerkennung zu erkämpfen, die mir von väterlicher Seite niemals entgegengebracht wurde. Das ist alles andere als gesund, und das, obwohl es formal alles super aussieht. Statistiken sind kalte Zahlen; Die individuellen Geschichten, die dahinter stehen, mit ihren individuellen Motiven, Ängsten, Hoffnungen, werden dadurch nicht hinreichend abgebildet.

Dennoch weiß ich nicht, ob man das wirklich so 1:1 auf das Thema Homosexualität übertragen kann; Ich weiß nicht, ob nicht ein zweiter Vater die Mutter, eine zweite Mutter den Vater adäquat ersetzen kann. Es kann sein; vielleicht aber auch nicht. Ich weiß es nicht. Ich bin deshalb auch skeptisch, wenn es um Kindererziehung ohne Vater respektive ohne Mutter geht. Da kann ich deinen Leser schon verstehen. Aber ich bin auch meiner eigenen Skepsis gegenüber skeptisch; Denn wer weiß, vielleicht geht das ja doch. Auch meine Erfahrungen stehen schlussendlich nur für mich allein; Schon mein Bruder kann es ganz anders erlebt haben. Das muss man sich immer bewusst machen.

Leider kenne ich niemanden, der bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufgewachsen ist. Ich fände es super spannend, mich mal mit so jemandem auszutauschen und aus erster Hand zu erfahren, ob es auch dort diese Leere gibt. Vielleicht gibt es ja jemanden unter deinen Lesern, der darüber etwas sagen kann?

Jedenfalls denke ich wirklich, dass wir erst einmal unbedingt eine Debatte über die Vaterlücke brauchen, in der die verschiedenen Stimmen zu Wort kommen können, sodass man sich ein ausgewogenes Bild machen kann, anstatt sofort auf der Basis von Einzelschicksalen zu entscheiden, was - für alle - als richtig und was für falsch zu gelten hat.


Siehe ebenfalls zur Homo-Ehe und damit zusammenhängenden Themen:

Thank you, America!

Warum ich mich freue

The End of Gay Conversion Therapy

How Will the U.S. Supreme Court's Same-Sex-Marriage Decision Affect Religious Liberty?

"Feminismus und Ressentiment"

Wie es dazu kommen konnte, dass gerade der antiliberale, radikale Feminismus heute in vielen Kreisen Konsens geworden ist, ist an sich eine hoch interessante Frage. (...) Von angloamerikanischen Fakultäten ausgehend, vornehmlich aus den Fächern Französisch, Englisch, Anthropologie und eigens dafür geschaffenen Gender-Studies, haben diese Ideen Gutteile der öffentlichen Verwaltung und des Medienwesens unterwandert. Was in den 1970ern als radikaler, postmoderner Schwachsinn einiger Wichtigtuer im Fahrwasser von Derrida und Foucault galt, wird heute von jedem zweiten Magistratsbeamten und Zeitungspraktikanten als gegeben genommen.

Dabei können sich radikale Feministinnen nicht darauf einigen, ob Geschlechterunterschiede tatsächlich durchgängig kulturell konstruiert oder ob Frauen nicht doch von Natur aus überlegen sind. Egal, eines so gut wie das andere. Oder ob Transgender-Frauen weibliche Freunde sind oder einfach nur Männer, die die Weiblichkeit kolonialisieren und, um es mit Janice Raymond zu sagen, "Frauenkörper vergewaltigen, indem sie diese für sich beanspruchen". Gerechtigkeit ist verwirrend. Worüber man sich einig ist, scheint lediglich, dass Freiheit keine Rolle spielen darf, weil sie eine Vorschützung der patriarchalischen Macht ist, genauso wie das Private oder die Ergebnisse der Naturwissenschaften, die Behauptungen der Feministen und Gender-Theoretikern widersprechen; Liberalismus ist Schimpfwort, mit oder ohne vorgestelltes "Neo-".


Hier findet man den vollständigen Artikel des Dozenten für Rechtsphilosophie Christoph Kletzer.

Freitag, Juni 26, 2015

Supreme Court legalisiert Homo-Ehe für gesamte USA

The U.S. Supreme Court ruled 5-4 on Friday that it is legal for all Americans, no matter their gender or sexual orientation, to marry the people they love.


Die Huffington Post berichtet. Artikel in deutscher Sprache findet man etwa im Tagesspiegel und auf queer.de.

Heute Vormittag bereits wurde der Entschließungsantrag der nordrhein-westfälischen FDP zur "Ehe für alle" aufgrund diverser Enthaltungen einstimmig angenommen. Wie Dieter Stein heute in der "Jungen Freiheit" ätzte, befände sich die FDP schließlich "ohnehin im Griff der Homo-Lobby". Herzliche Glückwünsche hingegen sendet Genderama.

Sexismusvorwürfe: Protokoll soll Nobelpreisträger Hunt entlasten

Nobelpreisträger Tim Hunt ist zum Inbegriff für Sexismus an Hochschulen geworden, weil er getrennte Labors für Männer und Frauen gefordert hat. Nun ist ein internes Protokoll aufgetaucht: Allen sei klar gewesen, dass er scherzte.

(...) Dem Protokoll zufolge soll Hunt seine Aussage über Frauen in der Wissenschaft aber direkt im Anschluss als Scherz kenntlich gemacht und relativiert haben: "Jetzt im Ernst, ich bin beeindruckt von der ökonomischen Entwicklung Koreas. Und Wissenschaftlerinnen spielten darin ohne jeden Zweifel eine wichtige Rolle. Die Wissenschaft braucht Frauen, und Sie sollten trotz aller Hindernisse Wissenschaft betreiben, auch trotz solcher Scheusale wie mir."


Spiegel-Online berichtet.

FAZ: Die Gender-Ideologie spaltet das Land

Rüdiger Soldt kommentiert in der Frankfurter Allgemeinen:

Weil die Grünen und die SPD ein Verständnis von Minderheitenpolitik haben, wie es für Oppositionsparteien typisch ist, haben sie Forderungen von Lobbygruppen freihändig übernommen. Ein FDP-Wirtschaftsminister, der so unverblümt Formulierungen der Wirtschaft in seine Regierungspläne geschrieben hätte, wäre längst nicht mehr im Amt. Dass die Diskussion über den Bildungsplan regelmäßig zu großer Aufregung führt, hat nicht nur mit Missverständnissen in den Medien zu tun, die unfertige Arbeitspapiere skandalisierten. Wichtiger ist der Diskussionsstil in Deutschland, wenn es um manche Themen geht: Bei den Themen Einwanderung, Inklusion oder Gender lässt man Einwände nicht gelten, weil die Ziele als menschheitsbeglückend und emanzipatorisch überhöht werden. Darin sind insbesondere die Grünen wahre Meister.

(...) Es ist erstaunlich, wie ignorant sich gerade die Grünen, aber auch alle anderen Parteien seit Jahrzehnten gegenüber den Schattenseiten der zum Teil wissenschaftsfeindlichen Gender-Theorie verhalten. Schon der Hinweis, dass es sich um eine Zeitgeist-Theorie von begrenzter Reichweite handelt, wird als reaktionäre Aussage unter Bannfluch gestellt.


Hier findet man den vollständigen Artikel.

Lesermail (Homo-Ehe)

Einer meiner Leser mailt mir zu diesem Beitrag:

Ich weiß, es ist modern, für die Homo-Ehe zu sein und zu ignorieren, was jeder Mensch als Kind eigentlich in sich trägt: Die Sehnsucht nach Vater und Mutter.

Alle Studien sind nett und politisch so wahnsinnig korrekt, jedoch hält sich der Mensch nicht daran. Wie ich darauf komme? Weil ich ohne Vater aufgewachsen bin und sehr genau weiß, wie es ist, keinen Vater zu haben.

Oh, ich habe tolle Karrieren hingelegt. Ich war Anfang 20 schon weiter als viele erst mit 40, und wenn ich nicht aufpasse, steige ich weiter hoch in der Karriereleiter. Und das trotz Erziehungszeit für meine Tochter, die ich mir intensiv seit fast zehn Jahren immer wieder gönne.

Ich leite Unternehmen und bin ein sozial eingestellter Mensch, Familienvater und und und. Eigentlich ein gutes Beispiel, dass man ohne Vater groß und im Sinne unserer Werte erfolgreich werden kann. Ich würde sicher in einer Studie als gelungenes Beispiel auftauchen, wie gut man ohne Vater aufwachsen kann.

Aber was dabei verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass ich immer anders war als andere. Es hat mir immer etwas gefehlt, und erst ab 25-30 wurde mir klar, was es ist und was ich intensiv suche und was so schmerzt: einen Vater und auch ein männliches Vorbild. Vieles "Männliche" musste ich mir erst hart erarbeiten, und Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Männer ich als Ersatzpapa angehimmelt habe. Dabei hatte ich eine tolle Mutter und viele gute Freunde. Aber das, was mir fehlt, das habe ich nicht: einen eigenen Papa ...

Ähnlich wie mir geht es vielen anderen, die ohne Vater oder ohne Mutter aufwachsen. Und das gilt nicht nur für Alleinerziehende, sondern auch für homosexuelle Paare.

Wenn man selber einen Schmerz hat und weiß, woher er kommt, sieht man manches anders. Und da können viele Studien kommen und erzählen, was sie wollen.

Spiegel-Online: "Wir Rabenväter"

Arbeit und Familie zu vereinbaren - das ist kein reines Mütterproblem. Väter verzweifeln daran genauso, meinen Marc Brost und Heinrich Wefing. Weil berufliche Zwänge so viel zerstören: Sie machen müde, ruppig, stumm. Und sie töten die Liebe.


Hier geht es weiter.

Japan: Immer mehr Jungfrauen mittleren Alters

Yoko Wakatsuki berichtet für CNN:

When I was a young, single woman in Japan in the 1980s, the economy was red hot and so was the dating scene. Cool girls weren't ashamed of losing their virginity before marriage. Of course for me personally, losing my virginity was a big deal. But socially, it was no biggie. It was the 80s, Japan was alive, and life was good.

Goodness, how times have changed.

It's alarming for me, and many of my peers, to see the enthusiasm about sex and relationships we felt during our youth replaced by the sexual indifference seen in Japan today.

A government survey released this week suggested that nearly 40 percent of Japanese in their twenties and thirties are not in a relationship don't think they need a romantic partner, with many calling relationships "bothersome."

Another survey from 2010 found that one in four Japanese men in their thirties who've never been married are virgins. The figures were only slightly less for women.

This sexual apathy is extremely troubling for Japan, which has the world's most rapidly aging population, sparking concerns that citizens will not produce enough children to sustain a healthy economy in the coming years.

(...) Twenty years of economic stagnation seems to have led to emasculation of some Japanese men, who can no longer count on finding a job that will pay enough to support a wife and children.


Hier findet man den vollständigen Artikel.

Donnerstag, Juni 25, 2015

Vermischtes

Anlässlich eines aktuellen britischen Gerichtsurteils gegen eine Lehrerin fragt der Telegraph, warum ältere Frauen immer wieder mit Jungen Sex haben:

As a society, we tend to view cases of male and female sex offenders differently. We’re so used to hearing about male offenders that our reactions are honed – disgust, outrage and pity for the victim.

But when it’s a female offender, it’s different. Normally it’s portrayed as the woman falling in love with the boy so we see it as a strange but romantic affair where age is just an obstacle. We don’t always see her as a sex offender or the boy as a victim.

(...) Clinic psychologist Dr Jacquie Hetherton explains: "Women are stereotypically kind and loving and gentle and that doesn’t fit with our view of abusers. When we hear about examples in the news, we think, maybe the child misinterpreted it? We’re more likely to give these interpretations. We think ‘it can’t be that harmful for the child’, but research shows it is for people when they realise what happened. They feel used and abused. People tend to go, ‘it can’t be that bad’, and ‘cor ... lucky him’, especially if it’s an attractive teacher," says Dr Hetherton. "Society kind of endorses or supports [how the perpetrator sees the situation]."


In Deutschland schützt man sich noch vor solchen schwierigen Debatten und geht lieber auf Nummer sicher: zum Beispiel mit immer mehr Homo-Ampeln, die keinem Menschen wirklich helfen, es Stadtvätern aber erlauben, sich und ihre Toleranz selbst zu feiern, und für die man mit keinen Gegenstimmen rechnen muss, weil das ja homophob wäre. Eine Ausnahme bildet mal wieder der Schwulemiker.

Ein weiterer Versuch von Politikern, sich gegen Kritik zu schützen, besteht im besinnungslosen Durchgendern sämtlicher Formulierungen. Das kann dann auch schon mal zu "Gemeindinnen und Gemeinden" führen, wie es jetzt dem hessischen Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) passierte.

Der Mainzer Allgemeinen Zeitung wird der Gender-Trubel anscheinend auch ein bisschen zuviel. Offenbar, heißt es dort in einem Kommentar, habe die grüne Frauenministerin Irene Alt nichts daraus gelernt, dass der Verfassungsgerichtshof das Ansinnen von Rot-Grün stoppte, auf den Stimmzetteln zur Kommunalwahl im vergangenen Mai den bisherigen Frauenanteil in den jeweils zu wählenden Räten abzudrucken. Deshalb wurde zügig der nächste Mumpitz nachgereicht:

Wie weltfremd muss man sein, die öffentliche Vergabe von Aufträgen an die Frauenförderung der bietenden Unternehmen koppeln zu wollen? Schade eigentlich, dass die SPD diesen absurden Teil des neuen Gleichstellungsgesetzes nach der gestrigen Veröffentlichung durch AZ und SWR gleich kassiert hat. Die Reaktion des ein oder anderen mittelständischen Tiefbauunternehmers hätten wir gern noch dokumentiert ... Bleibt die Frage im Raum, ob Ministerpräsidentin Malu Dreyer das Thema kannte und erst stoppen ließ, als ihr die verheerende öffentliche Wirkung dieses Plans bewusst wurde.


Aber die SPD hat schon wieder ein neues Projekt gefunden: Gleichberechtigung in der männerdominierten Filmbranche. Weil Regisseurinnen nämlich viel weniger Rechte als Regisseure haben – so zumindest scheint man bei den Spezialdemokraten zu glauben. Die angedachten "Lösungen" liegen komischerweise alle im Bereich sexistischer Diskriminierung: eine Quotierung von Fördermitteln, finanzielle Anreize, Gesetzesänderungen. Aus eigener Kraft, lautet die zwischen den Zeilen mitgelieferte Botschaft, werden es Frauen NIE schaffen.

Führende schwedische Feministin gibt zu: Häusliche Gewalt hat nichts mit dem Geschlecht zu tun

Intimate partner violence (IPV) is not a gender issue – it is time for family peace.

In the last few days the results of the government investigation of IPV have been presented to me by the responsible minister. After reading them I am compelled by reality to present a dissaproving note to both the investigators and the government who still seem to be of the view that sexism is the solution to the problem of domestic violence.

The tone and the division was already defined right from the title – "The National Strategy to Combat Men’s Violence Against Women" – infering that we have a guilty sex and an innocent sex. But thanks to extensive research in the field, both at the national and international level, we now know with great certainty that this breakdown by sex is simply not true. We also know through extensive practice and experience that the attempts to solve the issue through this kind of analysis have failed. And they failed precisely because violence is not, and never has been, a gender issue.

In Sweden, however, even the slightest questioning of the current model has been regarded as swearing in an otherwise quiet and echoing church. Few are those who have dared to openly question the current model, but it is about time to start doing so. Sweden is, or should in any case strive to be, a knowledgeable society. This society is characterized above all by its willingness to be guided by free and politically independent research when it comes to making decisions affecting all of us. As such, careful analysis and lessons of accumulated experience ought to be an important criterion in decision making.


Hier geht es weiter mit dem Artikel Eva Solbergs, mit ihrer Erlaubnis übernommen von der männerpolitischen Website A Voice for Men.

"Frauen gegen Feminismus" wenden sich den "Meninisten" zu

Ein Trend in den sozialen Medien, die im letzten Jahr große Aufmerksamkeit auf sich zog, die "Women Against Feminism", rücken dem Lager der sogenannten "Meninists" näher: eine Bewegung, die das Formulieren männlicher Perspektiven mit einer Parodie auf den Feminismus verbindet. Das Medienportal Buzzfeed berichtet von einem sprunghaften Anstieg der Unterstützung, den Männerrechtler in den letzten Monaten in den sozialen Medien genossen hätten, und polemisiert gegen Männerrechtler, indem er ihnen (belegfrei) Sexismus unterstellt und argumentiert, dass wenn Männer sich jetzt auch noch zu Wort melden würden, das die "Ungleichheit der Geschlechter" weiter verstärken würde. Was Argumente angeht, ist der Artikel bemerkenswert schwach, dafür aber beeindruckend bunt und lebendig.

Hanna Rosin: "Wie man sinnvolle Debatten vermeidet"

Die Feministin Hanna Rosin beklagt im Magazin The Atlantic das Ende der argumentativen politischen Debatte:

Want to avoid a debate? Just tell your opponent to check his privilege. Or tell him he’s slut-shaming or victim-blaming, or racist, or sexist, or homophobic, or transphobic, or Islamophobic, or cisphobic, or some other creative term conveying that you are simply too outraged by the argument to actually engage it. Or, on the other side of the coin, accuse him of being the PC thought police and then snap your laptop smugly.

In the art of debate avoidance, each political camp has honed a particular style. Conservatives generally aim for the prenup approach, to preempt any messy showdowns. If you want to join the club, then you have to sign a contract or make a pledge — no new taxes, no abortions, no gay marriage — and thereafter recite from a common script. Progressives indulge a shouting match of competing identities that resembles an argument but is in fact the opposite, because its real aim is to rule certain debates out of bounds.


In Deutschland sieht es in dieser Hinsicht kaum anders aus als in den USA. Spätestens seit der sogenannten "Möllemann-Debatte" im Jahr 2003 wird zum Beispiel die Frage nach Vernunft und Moral der israelischen Politik mit einer Scheindebatte dadurch ersetzt, ob eine bestimmte Position nun antisemitisch sei oder nicht. Heute diskutiert man zehnmal lieber, wie "rechts" die AfD sei, als, ob ihr Vorschlag eines Einwanderungsgesetzes nach kanadischem Vorbild für Deutschland vernünftig wäre oder nicht. In der Geschlechterdebatte ist es nicht anders: Während zum Beispiel MANNdat eine diskussionswürdige Liste konkreter Forderungen vorlegt, reagieren darauf Leute wie Thomas Gesterkamp mit der Forderung, man solle nicht MIT Männerrechtlern diskutieren, sondern ÜBER sie, um dann im Radiogespräch mit dem MANNdat-Vorsitzenden Andreas Kraußer ganz erstaunt darüber zu tun, dass MANNdat den Geschlechterdialog fordert. Und Gesterkamps Spezi Andreas Kemper beschränkt sich so wie von Hanna Rosin geschildert weitgehend ebenfalls auf das Verteilen von Etiketten wie "rechts" und "transphob" sowie das Skizzieren obskurer "Netzwerke", offenbar weil das intellektuell weit weniger fordernd als eine Debatte auf Sachebene ist.

Und auch hierzulande sieht es im anderen Lager genauso aus. Auch dort ersetzen Menschen die Sachdebatte lieber durch eine Selbstinszenierung als "vom Zwang der politischen Korrektheit ungebeugt" und wettern gegen "Gutmenschen", denen man erst gar nicht auf argumentativer Ebene begegnen muss. Auf mein Befürworten der Homo-Ehe erhielt ich prompt eine Mail mit dem "Argument", wenn es bei der Ehe nur um Liebe gehe, könne man ja auch "seine Gürtelschnalle heiraten", aber da ich das "nicht verstehen wolle", sei jede Diskussion sinnlos. Ähnliche "Argumente" findet man auch in Blättern wie der Jungen Freiheit. Und die größte Bürgerbewegung der jüngsten Vergangenheit, die Pegida, bestand weiger im Argumentieren als darin, dass die Leute schweigend und beleidigt schmollend durch die Straßen stampften.

Dabei geben die Leitmedien die Maxime "Bloß keine kontroverse Debatte!" vor. Da werden bei Blättern wie der Süddeutschen die Kommentarspalten schlicht abgeschafft, und wenn sich der SPIEGEL wieder herablassen will, um mit seinen Lesern zu sprechen, ist das keine Selbstverständlichkeit, sondern eine eigene Meldung wert. Und natürlich erwartet niemand, dass ich auf meinen Brief an die "Chrismon"-Redakteurin Dorothea Heintze eine Antwort bekommen habe. "Diskutieren" geht schließlich nur im Rahmen eines NDR-Talks, wo alle derselben Meinung sind – aber kontrovers? Hilfe, Hilfe, ich bin doch Feministin – wo ist mein Safe Space!?

Woran liegt dieser grassierende Unwille an Debatten in unseren Leitmedien? Vielleicht gar nicht mal nur an Böswilligkeit oder Dummheit, sondern an einem Grund, der von Harald Schmidt genannt wird:

Die junge Journalistengeneration, ist eher leicht beunruhigt, wenn sie vom eigenen Verleger durch Tierfutterversand im Internet ersetzt wird. Insofern hat es weniger mit Ideologie zu tun, als mit der leicht aufgeregten Suche nach Klicks.


Wir müssen nun mal Leistung bringen, um Geld zu verdienen. Für Debatten mit irgendwelchen Idioten, die nicht einmal unserer Ansicht sind, bleibt da echt keine Zeit.

"Rape Culture ist ein gefährlicher Mythos"

Earlier this month, Lauren Southern, a young Canadian reporter and a political-science student at the University of the Fraser Valley, caused a media storm when she challenged a ‘SlutWalk’ in Vancouver by holding up a placard which said ‘There is no rape culture in the West’. Last week, I talked to Southern about why she decided to speak out.

(...) This bizarre prizing of weakness on the part of contemporary feminists is, Southern explains, down to their refusal to engage in debate on a regular basis. ‘It’s not hard what they do. They go on to a street where everyone agrees with them, wearing their underwear, and get to show off for a day… They don’t surround themselves with people who disagree with them.’ This refusal to engage in debate was evident at the protest itself, with Southern having to climb up on to a plinth to avoid her sign being covered up by angry protesters.

(...) In fact, Southern’s concerns are reflected in the study, which states that ‘students seem less worried about sexual assault than the general public’. Only 12 per cent of the women interviewed for the study felt sexual harassment was a big problem in US universities, compared with 58 per cent of the general public. Clearly, there’s a disjoint between the massaged stats being peddled by feminist campaigners and the reality of these women’s day-to-day lives. While Southern acknowledges that feminist radicals are in the minority, she is concerned that "we live in a society where people will agree with the people who scream the loudest and are the scariest. Right now, we have a feminist hate mob on Twitter, which will harass you and threaten your job."


Hier findet man den vollständigen Artikel.

Hanna Rosin: "Sex auf dem Campus ist unmöglich geworden"

Noch einmal Hanna Rosin, noch einmal das Magazin "The Atlantic" (gestern erschien die aktuelle Ausgabe), diesmal zum Thema Sex-Paranoia an US-Unis. Das Leben von Studenten könnte heutzutage wunderbar sein – es könnte aber auch so aussehen:

But there is also a chance, alarmingly high these days, that you, Ashley, will wake up full of regret and shame and will eventually get a hysterical e-mail from your mother, who will have seen your distressed post on Facebook and figured out what happened, and will then urge you to go to a counselor’s office, where you will sob and be met with a confusing mix of suspicion and comfort, and then you will somehow, suddenly, find yourself spending nights pouring your heart out to a victims’ support group until your entire identity on campus gets reduced to "survivor."

And you, Tyler, you will also, maybe, wake up feeling a teeny bit of regret, but you won’t think about it all that much until you get a call from a counselor that prompts you, over the weeks and months, to neurotically replay every move: Weren’t we both totally into it? Did she say yes? To the first part or both parts? Were we equally drunk or was she a little drunker, and does it matter, since girl-too-drunk means she couldn’t know what she was doing but boy-too-drunk doesn’t give me the same pass? So you spend the rest of the term wondering: Am I going to be expelled? Is she going to carry around a mattress? Will anyone ever go out with me again?

Neue Metastudie: Kein Unterschied, ob Kinder bei homo- oder heterosexuellem Paar aufwachsen

Scientists agree that children raised by same-sex couples are no worse off than children raised by parents of the opposite sex, according to a new study co-authored by a University of Oregon professor.

The new research, which looked at 19,000 studies and articles related to same-sex parenting from 1977 to 2013, was released last week, and comes as the U.S. Supreme Court is set to rule by the end of this month on whether same-sex marriage is legal.

"Consensus is overwhelming in terms of there being no difference in children who are raised by same-sex or different- sex parents," University of Oregon sociology professor Ryan Light said on Tuesday.

(...) The studies, Light said, showed some disagreement among scientists on the outcome of same-sex parenting in the 1980s but it largely subsided in the 1990s, and a clear consensus had formed by 2000 that there is no difference between same-sex and different-sex parenting in the psychological, behavioural or educational outcomes of children.

"Across the board we find the iterative suggests there’s no significant differences," Light said. "To our knowledge this is the most comprehensive analysis of this type on this issue."


Hier findet man den vollständigen Artikel.

Pakistan: Zehnjähriger Junge der Affäre mit verheirateter Frau für schuldig befunden

A tribal court in southern Pakistan has convicted a 10-year-old boy of having an affair with a married woman in her late 30s and ordered him to pay a fine of around USD 7,000, police said Tuesday.


Hier geht es weiter.

Vermischtes

Nahchdem Kritik an ihrem EU-Genderpapier laut wurde, keift Maria Noichl nun zurück. Der Tonfall, den EU-Parlamentarierinnen so drauf haben, ist bemerkenswert.

Eine feministische Professorin fordert, dass von Frauen unterrichtete Kurse und Seminare besser bewertet werden sollten:

"Female faculty should receive an automatic correction—that is to say, a bonus—on their quantitative teaching evaluation scores," Pritchard writes, adding that such bonuses "should be determined by average gender bias in teaching evaluations at their institution or national averages."


Vice.com berichtet über das Genre des Hatefuck-Pornos und interviewt dazu den Produzenten und Darsteller Rafael Santeria, der von sich selbst sagt, die meisten Frauen zu hassen. Als Ursache für seine Entwicklung nennt er unter anderem den Feminismus der autonomen Szene. Darüber hinaus berichtet er:

Ich habe keine Nachschubprobleme mit Frauen, die sich von mir in den Mund pissen lassen. Ich kenne erstaunlich viele, die meinem Standpunkt positiv und neutral begegnen. Viele meiner Berlin-Bekanntschaften haben sich ohne mein aktives Zutun als Antifeministinnen und Frauenfeindinnen geoutet. Und warum sollte ich von der Frau verlangen, dass sie ihre eigene Natur begreift? Das fällt ja selbst Männern schwer. Frauen verlangen naturgemäß nach Führung. Egal ob feministische Hardlinerin oder ultradevote Disko-Bitch: Keine Frau dieser Welt möchte ernsthafte Widerworte geben. Unterm Strich lässt sie sich lieber entwürdigen als gar keinen Schutz oder — schlimmer noch — keine Aufmerksamkeit zu genießen.


Das libertäre Magazin eigentümlich frei thematisiert mit der "taz" als Aufhänger die Unterstützung von öffentlichen Geldern für Medien, die im Sinne des politischen Establishments berichten und kommentieren. Der Artikel Johannes Schönbachs steht leider nur Abonnenten zur Verfügung. Ein Auszug:

Was in 20 Jahren ja leider Gottes wohl noch bestehen wird, wenngleich hoffentlich in ramponiertem, durch privaten Widerstand erschüttertem Zustand, ist der auf so groteske Weise zwangsfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk, der für sich allein betrachtet kaum Unterschiede zum Staatsfunk in einer sozialistischen Diktatur aufweist, jedenfalls zügig in einen solchen umgewandelt werden könnte. Es wäre ein Leichtes, diesem finanziell üppig ausgestatteten Produzenten staatlich erwünschter Nachrichten zwei oder drei Zeitungen beziehungsweise Magazine anzuschließen. Zum Beispiel könnten "Spiegel", "FAZ" und "Süddeutsche" kurz vor dem jeweiligen Konkurs durch staatliche Gelder stabilisiert und fortan künstlich am Leben erhalten werden, womit die Fassade des freiheitlichen Journalismus immerhin bestehen bliebe. In diesem Sinne darf man die momentane Zusammenarbeit von WDR, NDR und "Süddeutscher" bereits als eine Art Probelauf für spätere große Taten betrachten. Wie diese halböffentlich-rechtlichen Medien dann die Bevölkerung (in)formieren werden, kann sich jeder selber ausmalen. Aber man wird offiziellerseits im Wochentakt Eide schwören, dass Medienvielfalt herrsche.

Mittwoch, Juni 24, 2015

ZEIT-Umfrage: Deutsche haben kein Vertrauen in die Medien

O mein Gott, wie konnte das nur passieren?:

Fehlinformation, Einseitigkeit, schlechte Recherche – das sind laut einer Umfrage der ZEIT einige Kritikpunkte an der politischen Berichterstattung. Das Vertrauen sinkt.


Hier erfährt man mehr über eine Entwicklung, auf die unsere Qualitätsjournalisten emsig hingearbeitet haben. Ralf Homann und Nina-Marie Bust-Bartels: Dieser Applaus geht auch an Sie!

Gender-Schwindel an TU Berlin aufgeflogen

Das Blog "Kritische Wissenschaft" des Bildungsforschers Michael Klein berichtet über einen Studenten der TU Berlin, Sebastian Zidek, der sich darüber wunderte, dass es in den Richtlinien eines von ihm belegten Seminars heißt:

Auch die korrekte Verwendung von männlichen und weiblichen Ausdrucksformen und somit einer gendersensiblen Sprache wird in einer wissenschaftlichen Arbeit erwartet.


Auf Nachfrage bei seiner Dozentin, einer offenbar nachnamenlosen "Julia", erhält Zidek die folgende Antwort:

Bei der gendersensiblen Sprache handelt es sich nicht um eine Empfehlung, sondern um Vorgaben seitens der TU Berlin. Diese führen im Gegensatz zum Plagiat zwar nicht zu einer rechtlichen Verfolgung, falls du das meinst, müssen aber dennoch angemessen berücksichtigt werden, da es sonst zu Punktabzug kommt. Dies hat einfach damit zu tun, dass sich die Gleichstellung von Frau und Mann inzwischen als gesellschaftlicher Konsens auch in wissenschaftlichen Ausarbeitungen niedergeschlagen hat. Und dafür gibt es tatsächlich (im weiteren Sinne) auch rechtliche Vorgaben in verschiedenen Bereichen. Allerdings bisweilen ohne Konsequenzen, weil natürlich niemandem irgendwelche rechtlichen Folgen drohen, wenn er diese Vorgaben missachtet. Wir sind aber dazu angehalten euch diese gendersensible Sprache nahe zu bringen. (...) Du kannst das Ganze natürlich ignorieren, wenn der eine Punkt am Ende aber über den Sprung zur 1.7 entscheidet, wirst du dich ärgern, denn da hilft dann auch alles diskutieren nichts.


Statt das einfach zu "ignorieren" wandte sich Zidek lieber an die Rechtsabteilung seiner Universität. Von dort erhielt er die folgende Antwort.

Es gibt keine Vorgabe der TU-Berlin, nach der "gendergerechte Sprache" verwendet werden muss.


Mit den Modulverantwortlichen werde "diesbezüglich eine Rücksprache unter entsprechenden Hinweisen erfolgen."

Die Moral der Geschichte richtet sich vor allem an Studenten: Glaubt euren Dozenten nicht einfach jeden Mist – erst recht nicht, wenn es um das hoch ideologisierte Thema Gender geht. Sebastian Zidek ist gerade dabei, die entsprechende Frage notfalls vor dem Verwaltungsgericht zu klären. Damit könnte er einen wichtigen Präzendenzfall auch für andere Hochschulen schaffen, wo Ideologen immer mehr das Zepter übernehmen wollen.

Vermischtes

Das Blog The Hobo and the Gypsy zerpflückt einen Artikel der BILD mit der Schlagzeile "Warum sich besonders junge Männer der Isis anschließen. As Sex-Frust in den Dschihad?" Der BILD-Artikel Antje Schippmanns lege Wissenschaftlern Behauptungen in den Mund, die diese nie getätigt hatten – etwa "In neun von zehn Fällen liege es an den Vätern" oder dass eine Waffe als "Penisverlängerung" benötigt würde – und ist insgesamt mal wieder eine Verquickung von fremdenfeindlichen und feministischen Klischees.

Österreich: Die grüne Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer fordert die Sicherstellung der feministischen Forschung an den Universitäten. An der Universität Wien etwa ist inzwischen die gesamte "Forschung" der Gender Studies – als Wissenschaft verkleideter politischer Aktivismus – bedroht.

USA: Eine von Steuergeldern bezahlte Professorin der Frauenstudien verlangt zusätzlich zur "gun control" auch "man control". Ihr Schlachtruf lautet: "Recast masculinity!" Ich will mich dazu nicht näher äußern: Mein letzter Amoklauf ist so lange her, dass ich schon gar nicht mehr weiß, ob meine Männlichkeit Schuld daran war.

Wie wäre es stattdessen mit "Recast femininity!", um Falschbeschuldigungen zu begegnen? Aktuelle bemerkenswerte Fälle: In London wandert eine Falschbeschuldigerin für acht Monate in den Knast. In Florida wurde eine Frau, die ihren Mann wegen häuslicher Gewalt anzeigte, wegen häuslicher Gewalt verhaftet. (Alles lief ganz gut für die Lügnerin, bis da so ein blödes Handyvideo auftauchte ...) Und in Texas behauptete eine Frau, von Schwarzen verprügelt worden zu sein, woraufhin sich ihre Verletzungen als wirklich schlecht aufgetragene Schminke entpuppten. Ich warte jetzt nur noch auf die Feministinnen, die argumentieren, man solle solche Fälle nicht so hoch hängen, weil sie die echten Fälle von Gewalt schwarzer Männer in Zweifel zögen.

Dienstag, Juni 23, 2015

"Fünf Gründe, weshalb die Pille für Männer so schnell nicht kommt"

Peter Lloyd ist skeptisch, ob wir wirklich schon in ein paar Jahren mit einer Pille für Männer rechnen dürfen. (Genderama berichtete über eine entsprechende Vorhersage.) Fünf Hürden stehen ihr Lloyds Ansicht nach entgegen: von der Pharmaindustrie bis zum Feminismus. Ein Auszug aus seinem Artikel:

At the risk of having faecal matter posted through my letterbox, one of the other big barriers to the male pill has been feminism.

(...) In the 1970s, Brazilian endocrinologist Dr Elsimar Coutinho developed one of the first ever male pill prototypes. Made from all-natural cottonseed, it didn’t go down too well with pharmaceutical companies for obvious reasons (hardly a money-spinner if the local health shop can produce a no-frills version for half the price), but it also suffered social resistance.

When launched at the 1974 World Health Conference in Budapest, religious groups voiced concern and feminists staged a boycott, storming Coutinho’s presentation and demanding that only women – not men – should be making choices about parenthood.

Think attitudes have changed? Don't be so sure. Not long ago feminist site Jezebel dubbed the idea "whore pills for men", while Angela Phillips wrote in The Guardian that "the bigger issue behind the development of a contraceptive pill for men is that women risk losing control of conception".

She added: "While we are transfixed by the idea that men might at last be able to share the loss of libido, weight gain, and general grumpiness which so often accompany pill-taking for women, we are in danger of losing track of the bigger issue: control. The pill gives women control of the fertility tap. She decides when to turn it off but just as important she decides (after discussion we hope) when to turn it back on."

Which, funnily enough, is precisely why men need their own version. Wouldn't it be better if pregnancies were planned by both parties, all the time, rather than "control" resting solely with women? That really shouldn't be such a bitter pill to swallow.

DIE WELT: "Wikipedia-Einträge ändern? Ein teurer Nervenkrieg"

Dass die Wikipedia entgegen ihrer offiziellen Regeln von anonymen Radikalfeministinnen als Verleumdungsmaschine verwendet wird, um Männerrechtler durch den Dreck zu ziehen, war immer wieder mal Thema auf Genderama. "Politische Manipulation in der Wikipedia" lautet so auch ein eigener Eintrag in der Genderama-Blogroll – zu dem ein Bericht darüber gehört, dass diese Agitation aus der deutschen Wikimedia-Führung heraus gedeckt wird. Die Journalistin Susanne Gaschke findet die Herrschaft anonymer Möchtegern-Diktatoren – nicht nur in der Wikipedia, sondern auch in Hetzblogs wie "Münkler-Watch" und in den sozialen Netzwerken – hochproblematisch:

Vertrete man die Persönlichkeitsrechte eines Mandanten gegenüber YouTube, sehe man sich keinem menschlichen Ansprechpartner, sondern einer sperrigen "Complaints"-Seite gegenüber: "Mit Glück kommt dann irgendwann eine Antwort-E-Mail, die mit Ted oder Gary unterschrieben ist; und mit viel Glück wird ein vom Gericht verbotener Film tatsächlich aus dem Netz genommen", sagt Nabert.

Ähnlich kompliziert ist es mit Wikipedia. Deren amerikanische Trägerstiftung antworte bei Einwänden zunächst überhaupt nicht, und der deutsche Betreiberverein behauptet, keinen Einfluss nehmen zu können. Nur wer plausibel mit Gerichtsurteil und Verfahrenskosten drohen könne, erreiche, dass falsche Tatsachenbehauptungen aus einem Text verschwänden, sagt Nabert: "Dieses Verhalten ist rechtsstaatlich nicht in Ordnung und bedarf dringend der Regelung durch den Gesetzgeber."

Wer bei Twitter und Facebook unterwegs ist, weiß wenigstens, dass er sich in einem Umfeld bewegt, in dem viel gehasst und gehetzt, geglaubt statt gewusst wird. Wikipedia aber gilt als idealistisches Projekt, in dem Freiwillige das Wissen der Welt zum (kostenfreien) Nutzen der Menschheit zusammentragen. Die Online-Enzyklopädie hat eine marktbeherrschende Stellung erreicht. Analoge Konkurrenten wie Brockhaus haben aufgegeben. Eine korrekte Darstellung in Wikipedia ist deshalb für Betroffene so wichtig, weil das Internet-Nachschlagewerk inzwischen von Schülern, Studenten und sogar Journalisten weitgehend unkritisch verwendet wird – was man an den wieder und wieder abgeschriebenen Fehlern erkennen kann.

Die Wikipedia-Community – im deutschsprachigen Raum angeblich 20.000 Aktive – pflegt zwei exemplarische Internet-Mythen, die ebenso wenig stimmen wie das Märchen von der "Netiquette": den Mythos der Neutralität und den der Basisdemokratie.


Hier findet man den vollständigen Artikel. Und es ist Susanne Gaschke hoch anzuerkennen, dass sie dieses heiße Eisen anpackt, um das viele andere Journalisten bis heute einen Bogen machen. Dem Wikipedia-Eintrag über Susanne Gaschke dürfte das nicht gut tun.

Lesermail (Homo-Ehe)

Einer meiner Leser äußert sich "einigermaßen enttäuscht" über meinen Sarkasmus in diesem Blogbeitrag, wo ich formuliere:

Allerdings interessieren sich die Protestler weniger für die Kernthemen von Genderama, sondern scheinen vor allem die Vorstellung einer Öffnung der Ehe für Homosexuelle als unerträgliche seelische Belastung zu empfinden.


Mein Leser schreibt mir dazu:

Nein, es ist keine unterträgliche Belastung, aber gegen die Gleichstellung der homosexuellen Ehe zu sein ist genauso ein berechtigtes Anliegen wie das ihre, namentlich das Vertreten männlicher Interessen, welches uns ja eint.

Ich habe mit meiner Frau zwei Kinder in die Welt gesetzt und der Gesellschaft damit zwei potentielle Steuerzahler geschenkt. Damit habe ich auch das marode Rentensytem gestützt und - so lächerlich wie das klingen mag - zur Arterhaltung beigetragen.

Gleichgeschlechtliche Partner können das erst gar nicht. Außer einem unverbindlichen Versprechen, seinem Partner in der Not

*vielleicht*

beizustehen und den Steuerzahler damit zu entlasten, falls die Partnerschaft hält, tragen diese Verbindungen nichts zum Wohl der Gesellschaft und Erhaltung der Menschheit bei, während aus Ehen zwischen Männer und Frauen in den allermeisten Fällen Kinder hervorgehen.

Mag Ihnen dieses Argument vielleicht nicht gefallen, so ist es doch eines. Und es ist auch legitim und aus biologischer Sicht unwiderlegbar. Politische Korrektheit habe ich längst abgelegt, daher die klaren Worte:

Ich bin strikt gegen die Ehe für Homosexuelle. Gleiches soll man gleich behandeln. Das ist in Ordnung, aber gleichgeschlechtliche Partnerschaften ohne jede Chance auf Fortpflanzung sind und bleiben eine biologische Sackgasse, die nicht vom Staat im selben Maße anerkannt und gefördert werden sollten wie die Ehe mit Zukunft:

*Kinder*


Worauf wir Befürworter der Homo-Ehe gerne darauf hinweisen, dass auch heterosexuellen Paaren, die keinen Nachwuchs zeugen können oder wollen, das Sakrament der Ehe nicht verwehrt wird. Ich halte diesen Einwand deshalb in der Tat für ein Scheinargument.

Nachtrag: (Mindestens) zwei Genderama-Leser stören sich nicht ganz zu Unrecht an meiner Verwendung des Wortes "Sakrament" und weisen mich darauf hin, dass "Ausschluß des Kindersegens" im katholischen Recht ein Ehehindernis darstelle, eine Ehe also gar nicht zustande komme, wenn zumindest ein Partner Kinder von vornherein ausschließen will. Ebenso könne keine Ehe geschlossen werden, wenn die Partner von vornherein nicht in der Lage sind, den "Beischlaf zu vollziehen". Eine Homo-Ehe ohne den Segen der katholischen Kirche wäre mir allerdings auch Recht.

Lesermail (CIA und Feminismus)

Einer meiner Leser befindet das in diesem Blogbeitrag verlinkte Interview, sei "nun wirklich ein Musterbeispiel für Propaganda":

Wenn ich als Beispiel für den fürchterbaren Einfluß sowas lese

"Die afghanischen Frauen sind der ideale Botschafter, um den Kampf der ISAF-Truppen gegen die Taliban human erscheinen zu lassen. Denn gerade Frauen können glaubwürdig über ihre Erfahrungen unter den Taliban, ihre Zukunftsträume und ihre Ängste bei einem Sieg der Taliban sprechen."

dann frage ich mich schon, was es denn dagegen einzuwenden gibt? Darin feministische Propaganda zu sehen, scheint mir schon extrem weit hergeholt.

"Wir brauchen reichweitenstarke Medien, in denen afghanische Frauen ihre Erfahrungen mit französischen, deutschen und anderen europäischen Frauen teilen können, damit gerade die bei europäischen Frauen stark vorhandene Skepsis gegen die ISAF-Mission abgebaut werden kann. Nach Umfrageergebnissen des Bureau of Intelligence and Research (INR) der CIA vom Herbst 2009 unterstützten 8 Prozent der befragten französischen und 22 Prozent der befragten deutschen Frauen den Afghanistankrieg weniger als ihre jeweils befragten männlichen Landsleute. Am effektivsten sind wahrscheinlich solche Medienevents, in denen afghanische Frauen von ihrer Situation Zeugnis ablegen. Am besten in den Rundfunkmedien, die einen besonders hohen Frauenanteil bei ihrer Zuhörerschaft haben."

Der Kommentar des Herrn Becker :

"Es wird also mittels der geschickten Adressierung weiblicher Solidarität dafür geworben, ganze Länder mit Kriegen zu überziehen; dass das dann Männern und Frauen schadet und nicht nützt - darüber verlieren die Massenpsychologen selbstredend kein Wort. Sie dürfen jedoch davon ausgehen, dass es etwa im Irak keiner Frau heute besser als vor dem Krieg dort geht. Wohl eher im Gegenteil."

Wobei der Propagandist mal eben übersieht, dass es 2009 keineswegs notwendig war, "weibliche Solidarität" zu aktivieren um "Länder mit Kriegen zu überziehen". Vor allem, da die schon seit Jahrzehnten mit "Krieg überzogen" waren.

Mal ganz abgesehen von der dumpfen Behauptung bzw. klaren Lüge, dass es keiner Frau im Irak besser ginge als vor dem Krieg. Würde vorschlagen, Herr Becker fragt z.B. mal die Kurden. Halt der übliche friediotische Gesinnungsmumpf.

Aber was soll's. Auf die Idee, dass Friedensbewegte (die "Generale für den Frieden" seien da mal exemplarisch genannt) eine lange Tradition als (auch bezahlte) Propagandawerkzeuge des MfS bzw. des KGB und wohl auch der Nachfolgeeinrichtungen haben und dass auch aktuell "Friedensforscher" (ein Wort vor dem ich inzwischen einen soliden Ekel entwickelt habe) und dergleichen eventuell vor allem antisemitische und antiwestliche Propaganda ausstoßen, braucht man ja auch nicht zu kommen ...

Komisch eigentlich, dass nur die USA und Israel einen Geheimdienst zu haben scheinen, Medien- und Kommunikationsstrategien. Sozialistische, russische, arabische etc. Geheimdienste scheinen irgendwie keinerlei Propagandatätigkeiten zu unternehmen. Seltsam.

Naja, danke jedenfalls für den Link. Sieht so aus, als würde die ranzig rotbraune Ecke jetzt versuchen, den Maskulismus zu instrumentalisieren und sich neue Einflußfelder zu sichern.

CIA-Papier: "Mörderische Allianz von Nato und westlichem Feminismus"

Wenn in Medienberichten aus Kriegs- und Bürgerkriegsgebieten vor allem Frauen als Opfer erscheinen ist dieses "Opfer-Abo" zum Teil von auf Massenpsychologie ausgerichteter Propaganda des US-amerikanischen Geheimdienstes gesteuert. Das belegt jetzt ein auf Telepolis veröffentlichtes Interview mit dem Professor für Politikwissenschaft Jörg Becker:

Es wird also mittels der geschickten Adressierung weiblicher Solidarität dafür geworben, ganze Länder mit Kriegen zu überziehen; dass das dann Männern und Frauen schadet und nicht nützt - darüber verlieren die Massenpsychologen selbstredend kein Wort.

(...) Da gibt es zunächst einmal eine anti-muslimisch-feministische Ebene, dann die der Verquickung der Frauenfrage mit der Kriegsberichterstattung und schließlich jene der generellen Veränderung des feministischen Diskurses in den letzten Dekaden.

(...) In diesem aggressiven Kampf der USA um eine globale Modernisierung nach westlichem Vorbild spielt die Frauenfrage eine herausragende Rolle. Es entwickelt sich eine mörderische Allianz von NATO und westlichem Feminismus. In Deutschland verkörpert diese Allianz am meisten die Vorzeigefeministin und Islamhasserin Alice Schwarzer, etwa mit ihrem dümmlichen Buch "Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz".

Vorausgegangen war dieser islamophoben Hasstirade von Alice Schwarzer und ihrer Schwester im Geiste, der italienischen Feministin Oriana Fallaci und deren anti-islamischer Streitschrift "Die Wut und der Stolz" ein anti-islamisches Buch mit den Namen "Nicht ohne meine Tochter" von Betty Mahmoody, das in Deutschland zu dem Taschenbuch wurde, das eine der höchsten Auflagen überhaupt nach 1945 erreichte, gepaart mit vielen ähnlichen Buchtiteln im Weltbild-Verlag, der der Deutschen Bischofskonferenz gehört.

Der westliche Feminismus war hierdurch mehr und mehr zu einem verlässlichen Verbündeten der NATO geworden. Alle weltweit lebenden 800 Millionen muslimischen Frauen werden in diesen Büchern viktimisiert. Und zur Befreiung von Opfern, die nicht selbständig denken und handeln können und dürfen und die von ihren Männern wie Sklaven gehalten werden, ist ein Befreiungskrieg nun einmal gerechtfertigt. Weitere Feministinnen wie die Niederländerin Ayaan Hirsi Ali und die Deutsch-Türkin Necla Kelek wurden zu nützlichen Idiotinnen dieses imperialistisch-feministischen Diskurses.

(...) Fakt ist und bleibt jedenfalls: Vieles von dem, was uns hier als Mediennutzer angeboten wird, ist verlogen, verdreht - oder bedient primär Vorurteile, Stereotype, Klischees. Und das in aller Regel interessengeleitet; vom Himmel fällt so etwas nicht.


Hier findet man das vollständige von Jens Wernicke geführte Interview.

Der CIA war es dann ja auch tatsächlich gelungen, auf der Psyche der Menschen zu spielen wie auf einem Klavier. Wo die einen sich eilfertig vom Feindbild Moslem manipulieren ließen, waren die anderen sofort bereit, Männer zu opfern, um Frauen zu retten. Das Resultat ist die Weltlage der Gegenwart.

Früher betrachtete es die Linke als ihre Aufgabe, Geschlechterklischees und Kriegspropganda zu hinterfragen. Seitdem der Feminismus die zentrale linke Ideologie geworden ist, wird diese Aufgabe massiv vernachlässigt. Wenn man, so wie ich, die oben genannten Aspekte in seinen Büchern anspricht, gilt man für linke Dogmatiker inzwischen als "rechts" und als Unperson im geschlechterpolitischen Diskurs.

Thüringer Grüne: Gewaltschutzangebote für Männer nicht notwendig

Die geschlechterpolitische Initiative Gleichmaß e.V. berichtet über den Sexismus der Grünen in Thüringen, wenn es um Gewaltopfer geht.

In Großbritannien ist die Debatte weiter: Gerade gestern erklärte dort ein Artikel in der Tageszeitung "Telegraph", dass man Opfern häuslicher Gewalt unabhängig von ihrem Geschlecht helfen müsse. Der Autor des Artikels hat infolge eigener Erfahrungen von Gewalt in der Partnerschaft einen chirurgischen Eingriff vor sich.

Wenn man verstehen will, warum es beispielsweise Thüringens Grüne so leicht haben, männliche Opfer unter den Teppich zu kehren, hilft vielleicht ein Beitrag, der deutlich macht, wie sehr manche Männer Gewalterfahrungen herunterspielen: Ein Messer im Rücken war doch keine große Sache.

Aber keine Sorge, es geht weltweit voran. In den USA etwa gibt es längst nicht mehr nur Notunterkünfte für Frauen, die Opfer von Gewalt in der Partnerschaft geworden sind. Sondern auch für ihre Hunde. Da kann es bis zum ersten Männerhaus doch höchstens noch ein paar Jahrzehnte dauern?

Bundesjustizministerium positioniert sich zum obligatorischen Vaterschaftstest

Max Kuckucksvater berichtet.

Kanada: Männerrechtler nehmen an Gay-Pride-Parade teil

Nachdem sie von der Homo-Parade in Toronto ausgegrenzt wurden, beteiligten sich kanadische Männerrechtler jetzt an einer anderen Parade für Homosexuelle. Deren Veranstalter befindet:

"We do have two groups in our parade specifically for women. If we were to have a policy that says groups for any one gender are problematic, then those women’s groups would have to go. We don’t believe that would be fair."


Die Teilnahme von Männerrechtlern an dieser Parade führte überraschenderweise nicht zur Machtergreifung des Patriarchats:
The nine-person CAFE contingent, including a handful of women, marched, sandwiched between contingents from the federal and provincial Liberal parties as well as a local newspaper.

Few who lined Yonge St. between Crosby Ave. and Vern Dynes Way batted an eye when CAFE members doled out buttons and leaflets advertising their group, aimed at improving the status, health and well-being of boys and men.

Those who whistled and danced as the parade wound past them seemed oblivious to the controversy that had been swirling in Toronto around the group that professes to be a "men’s issues educational charity."

"It’s not that men’s issues are more important than other people’s issues, it’s that they are relevant," said Justin Trottier, CAFE’s executive director.


Die Journalistin Barbara Kay, selbst Mitglied bei CAFE kommentiert die Reinigung der Homo-Parade in Toronto von Männerrechtlern so:

What makes CAFÉ so toxic that Pride is treating us like lepers? In a nutshell, CAFÉ offends radical feminists. They are offended because CAFÉ supports true gender equity, which means that while we are sympathetic to women’s issues, we also care about the issues that negatively affect boys and men, both straight and gay.

(...) Some radical feminists think gender rights and justice are a zero-sum game. They think that if a group concerns itself with men’s issues – even those they are forced by reason and evidence to acknowledge as legitimate – that group is somehow diminishing the importance of women’s problems. Such a belief is absurd and no reasonable person needs persuading of its absurdity.

It is radical feminists holding that view who routinely – and proudly – disrupt CAFÉ speaking events with noisy protests and vandalism sufficient to prevent the talks going forward. And it is a handful of people with that view who successfully lobbied for the ban on CAFÉ in Pride Toronto on the grounds that they do not feel "safe" in CAFÉ’s presence.

(...) For 18 months, the Canadian Revenue Agency studied CAFÉ’s websites and events, as well as a peer-reviewed journal, The New Male Studies, to which several CAFÉ members contribute, before concluding it was a public-interest organization, and worthy of status as an educational charity.

The group’s co-founder and executive director, Justin Trottier, is impeccably "correct," progressively speaking. As executive director of the Centre for Inquiry, he urged the Ontario government to pass Bill 13 (Gay Straight Alliances) and organized protests against Uganda’s "kill the gays" bill. As a regular guest on a popular Toronto radio show, he has consistently opposed Christian evangelist Charles McVety on the subjects of gay marriage, Toby’s Act and adoption rights for gay couples. As a provincial candidate with the Green Party, Trottier championed pro-women, pro-gay and pro-environment causes.

(...) My friend Eleanor Levine, for example, a director of CAFÉ, is a psychiatric social worker at a women’s clinic and the University of Toronto. She provides weekly therapy to men in distress at CAFÉ’s Canadian Centre for Men and Families (CCMF), a safe space for peer support and fathering programs. The CCMF receives referrals from Women’s College Hospital, Toronto Western Hospital, Catholic Children’s Aid Society, Community Care Durham and other nonprofits. Recently the Street Haven Women’s Shelter requested the use of the CCMF to shoot a fundraising video for their women’s shelter.

CAFÉ champions “orphan” victims. Last month, CAFÉ presented a brief to the Ontario Committee on Sexual Violence and Harassment, urging the government to support victims who break stereotype, like women abused by other women, as well as problems afflicting gay fathers and men in cultural communities.

(...) It seems clear that the ban against CAFÉ is governed by left-wing political correctness, pure and simple. (Gay-friendly) Israel hatred: yes; all union voices: yes; support for gay men: yes; support for straight men: a resounding NO.


Ich bin gespannt, wie lange sich schwule Männer noch von Feministinnen gegen heterosexuelle Männer aufhetzen lassen, die alles tun, um Homosexuelle beiderlei Geschlechts zu unterstützen.

Vermischtes

Der "Welt" zufolge kocht in Baden-Württemberg die Wut auf die "Gender-Ideologie". Grün-Rot könne das im Wahlkampf schaden. Allerdings interessieren sich die Protestler weniger für die Kernthemen von Genderama, sondern scheinen vor allem die Vorstellung einer Öffnung der Ehe für Homosexuelle als unerträgliche seelische Belastung zu empfinden.

Der britische Telegraph stellt zwei Scheidungsanwälte vor, die sich für Väterrechte einsetzen.

Im Jahr 2013 berichtete Genderama:

Während Lesben im Schnitt mehr verdienen als Frauen insgesamt, verdienen Schwule im Schnitt weniger als die Gesamtheit aller Männer.


Kaum anderthalb Jahre später ist das auch in Bascha Mikas Frankfurter Rundschau angekommen. Ich bin beeindruckt: Normalerweise hinkt Bascha Mika der Geschlechterdebatte um mehrere Jahrzehnte hinterher.

Auf der Höhe der Zeit hingegen ist der Stammvater der internationalen Männerrechtsbewegung Warren Farrell, der aktuell US-Präsidentschaftskandidaten danach befragt, was sie für Jungen und Männer zu tun gedenken.

Sonntag, Juni 21, 2015

Väterstudie: Männer hinterfragen Karriere auf Kosten der Kinder

Auch Väter ordnen ihren Lebenslauf inzwischen der Familie unter. Die Firmen müssen sich auf den Kulturwandel einstellen. Denn "Karriere machen" ist längst für viele Männer nicht mehr das größte Ziel.


Die Welt berichtet.

Neue Aktion: Die ANTI-HASS-Challenge

Heute Nachmittag erreicht mich eine Lesermail Helge Thiessens, die sowohl an mich als auch an Heike Koch, Co-Autorin der Satire Ist der Feminismus noch zu retten?, gerichtet ist:

Sehr geehrte Frau Koch, sehr geehrter Herr Hoffmann,

ich möchte mich auf diesem Weg kurz bei Ihnen beiden und Frau Heitschnuck-Bömmel bedanken. Im Endeffekt, Frau Koch, waren es ihr Buch "Ist der Feminismus noch zu retten" und vor allen Dingen die darin verlinkten Quellen, die mich dazu brachten, die Augen aufzureißen, die Lage genauer zu studieren und dann auch die Bücher von Herrn Hoffmann und Herrn Farrell zu lesen.

Ihnen Herrn Hoffmann möchte ich meine Hochachtung dahingehend ausdrücken, dass Sie diesen Kampf aufgenommen haben und trotz Anfeindungen und Rufmord durchhalten und nicht die Segel streichen.

Ich bin Mitbetreiber des größten deutschsprachigen Webarchives für Fanfiction und Freie Werke. Wir haben einen Nutzeranteil von knapp über 90% Frauen. Da ich es für wichtig hielt, dass diese gesellschaftlich hochrelevanten Themen angesprochen werden, habe ich darüber in unserem Blog geschrieben.

Gibt es ein Problem?

Die ANTI-HASS-Challenge.

Die Reaktion zum ersten Blogpost war weitgehend positiv, insbesondere auch unter denen, die nicht kommentiert haben. Das weiß ich, weil unsere Operatoren mir später erzählt haben, wie beispielsweise im Chat über den Blogpost gesprochen wurde. Bei den Kommentaren selbst fanden sich aber auch genug, die absolut irrational waren. In den zwei bis drei Tagen bis sich die Kommentare beim ersten Post reduzierten, war es mental eine sehr anstregende Zeit. Aber ich fürchte, Sie kennen das.

Heute habe ich den zweiten Blogpost samt dazugehöriger Challenge veröffentlicht. Die Herausforderungen gehen um 18:00 per Twitter raus. Ich habe keine Ahnung, wie sich die Reaktion darstellen wird, aber schaun wir mal. Gelegentlich wird man ja auch positiv überrascht.

Eins noch, ich habe dies in den letzten Wochen vor mir hergeschoben, aber Manndat und Agens als Mitglied zu unterstützen, ist der richtige Weg. Ich werde daher morgen endlich mal die Mitgliedschaftsanträge fertigmachen und abschicken.


Alles Nähere ergibt sich aus den in der obigen Mail enthaltenen Links.

Michael Klein legt nach: "Linke Bildungspolitik schadet Jungen"

Nachdem sich heute einige Genderama-Leser kritisch zu einer Argumentation geäußert hatten, die von den Bildungsforschern Michael Klein und Dr. Heike Dienfenbach vertreten wird, haben die beiden gerade einen neuen Blogbeitrag online gestellt, der diese Kritik aufgreift.

Ich würde alle, die an einer weiteren Diskussion interessiert sind, darum bitten, dies in der Kommentarspalte unter dem verlinkten Blogbeitrag zu tun. Natürlich muss ich auch in Genderama auf kritische Lesermails eingehen, die ich aufgrund einer Verlinkung erhalte. Aber es ist aus zeitlichen Gründen für mich unsinnig, wenn die halbe Debatte jetzt auch über Genderama weiterlaufen würde.

Acht Nobelpreisträger verteidigen Tim Hunt gegen den feministischen Lynchmob

A group of Nobel Prize winners have leapt to the defence of under-fire scientist Sir Tim Hunt, insisting that academics' must retain their right to absolute freedom of expression. The eight esteemed thinkers voiced concerns that their liberty is under threat following Sir Tim's social media lynching for comments made about females working in laboratories.


Hier geht es weiter.

Inzwischen dankt Tim Hunt den vielen Frauen, von denen er in den letzten Tagen Zuspruch erhalten hat:

"My inbox is now bulging with touching emails from young women scientists who have been kind enough to write and thank me for inspiring them and helping them on their way," Hunt told the Observer yesterday. "It has also been of great comfort to me to see many women at the top of science testifying for my record in supporting women scientists."

Top female scientists who have expressed support include physicist Dame Athene Donald, biologist Professor Ottoline Leyser and physiologist Dame Nancy Rothwell. All decried his jocular remarks, but described in warm terms his past support for young scientists of both sexes.


Feministinnen und andere Social Justice Warriors scheinen ein echtes Talent zu entwickeln, immer wieder gegen ausgerechnet jene Leute zu hetzen, mit denen sie eigentlich prima auskommen könnten.

Toronto: Männerrechtler für immer von Homo-Parade ausgeschlossen

Controversial men’s rights group, the Canadian Association for Equality (CAFE), has officially been banned from Toronto’s Pride parade, in a decision rendered by Pride Toronto’s Dispute Resolution Process (DRP).

Though it rejects an anti-feminist label, CAFE has repeatedly been associated with anti-feminist groups, prompting heated protests at its past events.

And while CAFE continues to claim a commitment to “achieving equality for all Canadians”, including those of the LGTBQ community, many critics insist the group’s values are entirely contrary to that of Pride.

(...) DRP Arbitrator Paul Bent described a “balancing of interests” in coming to the decision. "I considered CAFE’s response that inclusion, diversity and equality are values the organization shares with Pride versus the numerous complaints filed against CAFE’s participation arguing that CAFE, as an organization and through its affiliation with men’s rights groups, contravenes Pride Toronto’s vision to, "create a safe space to engage communities in the celebration of their sexuality."

"I must give the complaints of members of the LGBTTIQQ2SA community precedence when they indicate the participation of CAFE could directly undermine the participation of queer, lesbian and trans women in the Pride Parade," said Bent.

The decision bars CAFE’s participation at all future parades and events organized by Pride Toronto.


Hier findet man den vollständigen Artikel.

Wir lernen: Sich von Antifeministen deutlich zu distanzieren bringt in der geschlechterpolitischen Debatte überhaupt nichts. Man wird ausgegrenzt, sobald man sich für Männer einsetzt. Und: Männerrechtlern Homophobie vorzuwerfen ist absurd. Andersherum wird ein Schuh draus. Zumindest in Toronto reagiert die LGBTusw.-Community mit derselben Intoleranz, die sie Andersdenkenden immer wieder vorgeworfen hat.

Mit der Frage, wie das Argument von "safe spaces" eingesetzt wird, um die Meinungsfreiheit zu unterdrücken, beschäftigte sich auch der Economist.

Statement zum Internationalen Vatertag

Heute ist Internationaler Vatertag. Die geschlechterpolitische Plattform Gleichmaß e.V. legt hierzu ein Statement vor.

"Ich bin eine Mörderin!"

Das Blog Emannzer kommentiert einen aufwühlenden Beitrag des Blogs Fisch und Fleisch.

Debatte: Von linken Parteien geführte Bundesländer diskriminieren Jungen besonders stark – steht das fest?

Die Frage, ob sich tatsächlich nachweisen lässt, dass von linken Parteien geführte Bundesländer Jungen besonders stark diskriminieren, interessiert mich, und ich würde da gerne ein wenig dranbleiben. Diese These war von dem Bildungsforscher Michael Klein in Zusammenarbeit mit Dr. Heike Diefenbach aufgestellt worden, der auch auf die Kritik eines Genderama-Lesers an seiner Argumentation auf Genderama antwortete, um am folgenden Tag eine Überarbeitung seiner These online zu stellen: Erneut belegter Befund: Linke Landesregierung verschärft jungenfeindliches Klima in Schulen. Nun hatte mich inzwischen eine Reihe weiterer Leser mit kritischen Einschätzungen von Kleins Argumentation angeschrieben. Bei dreien von ihnen habe ich zurückgefragt, ob sie den von Michael Klein überarbeiteten Ansatz nun als stichhaltig betrachten.

Der Leser, der sich auf Genderama bereits kritisch geäußert hatte, schreibt mir dazu:

Also ich finde es auf jeden Fall mal gut, dass Michael Klein doch noch eine Überarbeitung gemacht hat, nachdem ich erst den Eindruck hatte, dass er sich vollkommen gegen Kritik verschließt.

Mein Problem mit der Statistik hat er auf jeden Fall gelöst. Mir ging es in erster Linie darum, dass ich es zweifelhaft fand, ob der Index die Linkslastigkeit überhaupt korrekt wiedergibt, weshalb mich Kleins Aussage, mit verschiedener Berechnung des Indexes würde sowieso immer das gleiche rauskommen, auch wenig beruhigt hat. Kann ja gut sein, dass es jedes Mal die gleiche Korrelation mit dem Index gibt, aber das hilft ja nichts, wenn der Index nichts mit Linkslastigkeit zu tun hätte. Da haben wir aneinander vorbeigeredet.

Ein Missverständnis von meiner Seite war auf jeden Fall auch, dass ich mit den theoretisch möglichen Koalitionen gerechnet habe und mir nicht bewusst war, dass die Berechnung bei den Koalitionen, die es dann tatsächlich gibt, auch vorher geklappt hat. Es gibt nun mal keine Alleinregierung der Linkspartei.

Also wie gesagt, bin ich mit der neuen Rechnung zufrieden und nach der Erklärung auch mit der alten.

Etwas befremdlich finde ich nur, dass meine Kritik laut Klein ja scheinbar aus einem linken Abwehrreflex kommen muss. Ich bin durchaus bereit zu glauben, dass es in linken Bundesländern schlechter um die Jungen steht. Das hätte ich auch intuitiv wohl vermutet. Das heißt aber nicht, dass ich jede Studie, die mich darin bestätigt, unkritisch glauben muss. Ich hab den Eindruck, dass Michaels Perspektive auf seine Kritiker dem Diskurs nicht förderlich ist und die Fronten eher verhärtet.


Ein anderer meiner Leser, den ich um seine Einschätzung von Michael Kleins überarbeiteter These gebeten habe, ist studierter Politikwissenschaftler. Er hält auch von der neuen Fassung wenig:

Leider ist auch die neue Analyse leicht zu überprüfender Unfug. Nur um das klar zu stellen: Es liegt nicht daran, dass ich Kleins Ergebnissen nicht glauben will. Es kann sogar gut sein, dass etwas dran ist, das schließe ich überhaupt nicht aus, also dass es Mädchen im Vergleich zu Jungen unter einer SPD/Grünen/Linkspartei-geführten Bildungspolitik relativ leichter haben. Tatsächlich erscheint mir das sogar ein Stück weit plausibel.

Aber der Weg, wie Klein zu der Erkenntnis kommt, ist grober Unfug.

Nebenbei möchte ich noch bemerken, dass ich ein großer Bewunderer von Christina Hoff Sommers bin, die tatsächlich wissenschaftlich seriös feministische Unsinnsuntersuchungen zerpflückt.

Aber ins Detail.

Es fängt schon bei der Datenermittlung an. Es geht in der Statistik um den Abschlussjahrgang 2013. Klein sieht sich sowohl den Anteil der Jungen und Mädchen unter den Schülern mit (Fach-)Hochschulreife an, als auch unter denjenigen, die ohne Abschluss die Schule verlassen haben, ermittelt jeweils die Differenz (die jeweils zulasten der Jungen ausfällt) und addiert beide Differenzen. Allein diese Addierung ist schon fragwürdig, da zwei relative Werte miteinander verrechnet werden, die auf vollkommen unterschiedlichen absoluten Werten beruhen. Die Zahl der Abgänger mit (Fach-)Hochschulreife ist deutlich größer als die derjenigen ohne Abschluss; bei der Addition der relativen Werte werden aber beide gleichgesetzt.

Beispiel: In Bayern haben 69.703 Jungen (davon 17.435 mit (Fach-)Hochschulreife und 3.681 ohne Abschluss) und 67.447 Mädchen (davon 20.252 mit (Fach-)Hochschulreife und 2.311 ohne Abschluss) die Schule verlassen. D.h. 25,013% der Jungen und 30,031% der Mädchen haben mindestens eine Fachhochschulreife erlangt, während 5,281% der Jungen und 3,426% der Mädchen keinen Abschluss haben. Er addiert dann beide Differenzen: 5,018% + 1,855% und kommt somit auf den Wert von 6,87%, der auch in seiner Tabelle zu finden ist.

Man könnte sagen, er macht es sich damit zu einfach; Ich vermute eher, dass Absicht dahinter steckt, denn dadurch wird die Korrelation, die er am Ende ermittelt, deutlich größer. Es handelt sich also wohl eher um eine Methode, um den Zusammenhang, den er behauptet, als größer darzustellen, als er tatsächlich ist.

Er hat dann eine Tabelle, die für jedes Bundesland einzeln aufgeführt diese addierten Differenzen ausgibt. Die Unterschiede, die dabei zwischen den Bundesländern auftreten, sind in der Tat erstaunlich groß und bedürfen einer Erklärung. Er versucht, dies allein durch die Zusammensetzung der Landesregierung zu erklären. Und hier findet sich der vielleicht unsinnigste Fehler. Gemeinhin sollte ja bekannt sein, dass die Ursache eines Ereignisses seiner Wirkung zeitlich vorausgeht. Klein scheint anderer Ansicht zu sein. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum er eigentlich nicht die FDP codiert hat, wo die doch 2013 in drei Landesregierungen (Bayern, Hessen, Sachsen) vertreten war. Nun, der Grund ist einfach: Er zieht nicht die Landesregierungen von 2013 heran, sondern die von 2015. Entweder nimmt er an, dass diese über Zeitmaschinen verfügen und somit rückwirkend die Schulabschlüsse des Jahres 2013 manipulieren können, oder er bindet uns vorsätzlich einen Bären auf. Darüberhinaus lässt er auch den SSW vollkommen außer Acht, der damals wie heute in der Regierung Schleswig-Holsteins vertreten ist.

Aber selbst mit den Landesregierungen von 2013 wäre das höchst gewagt, weil er viele mögliche Faktoren außer Acht lässt. Als erstes fällt da sofort ein, dass eine Schullaufbahn ja nicht nur das Abschlussjahr, sondern regulär bis zu 13 Schuljahre umfasst; Natürlich haben alle Schuljahre einen Einfluss auf den Abschluss (sonst könnte man sich die restlichen Jahre ja sparen). Allein schon deswegen müsste man sämtliche Landesregierungen zwischen 2000 und 2013 in die Rechnung aufnehmen, eigentlich aber sämtliche Landesregierungen seit 1949, da das Bildungssystem ja über Jahrzehnte gewachsen ist. Das ist ihm eigentlich auch bewusst, er tut es trotzdem (wider besseres Wissen) nicht:

"Da Bildungspolitik Aufgabe der Länder ist und in den letzten Jahrzehnten Landespolitiker mit Vorliebe an den Curricula von Schulen herumgepfuscht haben, liegt der Verdacht nahe, dass die Nachteile von Jungen durch Landespolitiker verursacht sind, Landespolitiker, die so fixiert auf die Förderung von Mädchen sind, dass sie Jungen über die Bildungsklinge springen lassen, gemäß dem Motto, mit jedem Jungen, der im Hinblick auf die Bildung gescheitert ist, haben Mädchen als Gruppe einen Vorteil."

Und selbst wenn er es täte: Es wären noch eine Menge weiterer Faktoren denkbar, über die er gar nicht nachdenkt. Tut mir Leid, aber das reicht einfach nicht.

Der Index, den er dann aufstellt, umfasst die "Linkslastigkeit" nicht, so wie er behauptet. Er definiert diesen Begriff noch nicht einmal, geschweige denn, dass er ihn operationalisiert. Es ist eine rein willkürliche Festlegung. Warum die CSU den Wert 1 hat, die Linkspartei den Wert 5, das begründet er nicht. Man kann das durchaus so machen, aber das Datenniveau, das man dann hat, ist halt nur nominalskaliert, man kann damit nicht rechnen.

Im ersten Post hieß es: "Mit einem steigenden Wert des Index ist entsprechend eine größere Linkslastigkeit der Landesregierung verbunden." Nein, ist sie nicht. An dieser Aussage hält er grundsätzlich auch im zweiten Post fest: "Die entsprechenden Koalitionen auf Landesebene (und die Alleinregierung der CSU) wurden nach aufsteigender Linkslastigkeit sortiert, und es wurden ihnen Werte von 1 bis maximal 6 zugewiesen." Was "aufsteigende Linkslastigkeit" sein soll, bleibt sein Geheimnis. Mit Politikwissenschaft hat das wenig bis gar nichts zu tun.

Auch das größte Problem, das des Skalenniveaus, bleibt bestehen. Dazu einige Vorbemerkungen. Man unterscheidet zwischen nominalskalierten, ordinalskalierten und metrischen Daten.

Nominalskaliert heißt, dass Kategorien gebildet werden, in die die Daten eingefügt werden können, diese jedoch keine logische Ordnung haben. Ein Beispiel dafür wäre die Augenfarbe. Man kann diese in Kategorien wie braun, blau, grün, grau oder auch Mischvarianten unterteilen. In der Statistik ist es üblich, diese Kategorien zu numerieren. Aber eine logische Ordnung ergibt sich nicht. Keine ist mehr oder weniger als die andere. Nur, weil "blau" beispielsweise die 1 und "braun" die 2 erhält, ist braun nicht mehr als blau. Die Nummerierung erfolgt also willkürlich.

Ordinalskaliert sind Daten dann, wenn sich eine logische Ordnung ergibt. Ein Beispiel dafür wären die Planeten: Man kann sie z.B. durch den Abstand zur Sonne ordnen. Merkur erhält dann die 1, Venus die 2, Erde die 3 usw. Eine höhere Zahl bedeutet dann, dass der entsprechende Planet weiter von der Sonne entfernt ist. Aber: Die Abstände sind nicht interpretierbar. Beispielsweise ist die Differenz zwischen 3 (Erde) und 4 (Mars) kleiner als die zwischen Mars (4) und Jupiter (5). Die Zahlen haben also eine Rangfolge, aber rechnen kann man damit nicht, da wir nichts über den Abstand wissen.

Das nächste wäre dann metrisches Skalenniveau. Dieses unterscheidet man nochmal in Intervall-, Ratio- und Absolutskala. Die Unterschiede spielen für unsere Zwecke keine Rolle, gemeinsam ist ihnen, dass die Abstände zwischen den Zahlen mess- und interpretierbar sind. Ein Beispiel wäre die Temperatur in °C; Der Abstand zwischen 10°C und 20°C ist genauso groß wie der zwischen 20°C und 30°C.

Ignoriert man sämtliche vorher benannten Mängel, dann kann man mit ganz viel gutem Willen und beide Augen zudrücken annehmen, sein Index sei nicht nur nominal-, sondern ordinalskaliert; Vorausgesetzt, man teilt seine Annahme, dass eine schwarzgrüne Landesregierung "linker" sei als eine große Koalition, usw., was aber begründet werden müsste. Der eine Fall, der auftaucht, nämlich in Hessen, dürfte eher dagegen sprechen: Hier haben wir es mit einem Grünen-Landesverband zu tun, der sehr bürgerlich geprägt ist und eher "rechts" der SPD liegen würde, wenn man sich mit derart plakativen Begriffen zufrieden gibt (wie Klein es tut, was aber mit Politikwissenschaft nicht viel zu tun hat). Das erklärt er nicht, wie gesagt, er definiert noch nicht einmal, was er mit "linkslastig" meint, geschweige denn, wie er das misst. Er misst es offensichtlich überhaupt nicht, sondern behauptet es einfach.

Doch selbst, wenn man ihm das alles zugestehen würde, dann wäre die Ermittlung des Pearson'schen Korrelationskoeffizienten, wie er sie durchführt, unzulässig, da sie nicht nur ordinales, sondern metrisches Skalenniveau voraussetzt: Die Abstände zwischen den Werten müssen mess- und interpretierbar sein. Das sind sie nicht. Man kann mit ihnen nicht rechnen, man kann sie nur ordnen und zählen. Und wie gesagt, selbst das ist schon sehr zweifelhaft.

Neu sind jetzt zwei Sachen: Zum einen bildet er zwei neue Indizes, einen gestreckten und einen gestauchten. Die sind übrigens - selbst wenn man von den aktuellen Landesregierungen ausgeht, was er ja unsinnigerweise tut – fehlerhaft. So behauptet er eine CDU/Grüne-Regierung in Mecklenburg-Vorpommern und unterschlägt nach wie vor den SSW in Schleswig-Holstein. Kann man letzteres vielleicht noch akzeptieren, so macht das erste doch einen großen Unterschied, dazu gleich noch.

Zum anderen berechnet er ETA. Warum er dies tut, ist mir schleierhaft, da ETA gar nicht direkt interpretierbar ist. Ich muss annehmen, dass er das nicht weiß. Direkt interpretierbar ist allerdings ETA², das ihm von SPSS natürlich auch ausgegeben wurde. Das ist der einzige wirklich sinnvolle Unterschied zu seiner vorherigen Arbeit, weil ETA² Korrelationen zwischen nominalen Daten (seine Indizes) und metrischen Daten (die Schulabgängerquoten) darstellen kann. ETA² gibt er mit 0,45 (für den gestauchten Index) an. Das ist in der Tat ein bemerkenswerter Zusammenhang, würde es doch besagen, dass 45% des Unterschieds zwischen den Bundesländern durch die jetzige Landesregierung ausgemacht würden (was ja schon physikalisch unmöglich ist). In meiner Rechnung kam ich sogar auf 0,55 (der Unterschied dürfte auf Rundungsungenauigkeiten zurückzuführen sein). Wenn man allerdings die richtige Regierung für Meck-Pomm einberechnet (CDU/SPD statt CDU/Grüne), sinkt ETA² - in meiner Rechnung - bereits auf 0,31, in seiner Rechnung dürfte es sogar noch ein bisschen weniger sein. Allein dieser eine Fehler erklärt also schon fast die Hälfte seines Ergebnisses. (Daher bin ich mir nicht sicher, ob er den nicht sogar absichtlich begangen hat, zumal er Meck-Pomm schon korrigiert hatte - vorher hatte er ihnen eine SPD/Linke-Regierung untergejubelt. Damit war er sogar auf einen noch größeren Zusammenhang gekommen, ein Pearsons R von 0,46. Das ist allein durch diese Korrektur jetzt schon auf 0,3 gesunken - abgesehen davon, dass es sowieso nicht seriös berechnet werden kann, wie gesagt.)

Die Rechnung ist nun schlüssig und gehorcht den Gesetzen der Mathematik. Aber das heißt noch nicht, dass die Ergebnisse auch sinnvoll sind. Der letzte Absatz war reine mathematische Spielerei, die man dann anstellen könnte, wenn alles vorher korrekt gewesen wäre. Und selbst dann wäre das Ergebnis lediglich eine Korrelation - ob dieser auch ein kausaler Zusammenhang zugrundeliegt, könnten wir dann noch nicht sagen. Das hat dein anderer Leser in seiner Mail richtig festgestellt.

Nochmal zusammengefasst:

Die Annahme, dass die jetzigen Landesregierungen einen Einfluss auf die Schulabschlüsse von 2013 haben könnten, widerspricht jeglicher Logik.

Stattdessen müsste eine Vielzahl von Faktoren einberechnet werden. Die Daten legen vor allem einen erheblichen Ost-/West-Unterschied nahe. Würde man allein die Landesregierungen der letzten 13 Jahre einbeziehen, würden die Ergebnisse vermutlich ganz anders aussehen, die Korrelation würde vermutlich auf einen kleinen Bruchteil der von Klein ermittelten zusammenschrupfen. Leider habe ich weder die Zeit, noch das Equipment, um solch eine Untersuchung durchzuführen.

Die Indexbildung erfolgt willkürlich, was zwar okay ist für die Berechnung von ETA² (theoretisch auch ETA, es ergibt nur keinen Sinn), nicht aber für die Berechnung von Pearsons R.

Da die Begriffe "links" oder "linkslastig" weder definiert, noch operationalisiert, noch gemessen werden, verbieten sich alle Aussagen, die sich auf die vermeintliche oder tatsächliche "Linkslastigkeit" einer Regierung beziehen. Das ist reines Geschwafel.

Seine Addition der relativen Werte der Schulabgänger ohne Abschluss und mit (Fach-)Hochschulabschluss ist nicht sinnvoll.

Das ist wirklich schade, denn ich glaube, dass an seiner These, linke Landesregierungen würden eine für Jungen tendenziell schwierigere Bildungspolitik machen, durchaus etwas dran ist. Seine Untersuchung ist aber offensichtlich vom Wunsch getragen, diesen Zusammenhang auf Teufel komm raus zu beweisen und die Zahlen so gut es geht zu manipulieren, um ihn dramatischer erscheinen zu lassen, als er eigentlich ist. Dafür nimmt er schwerwiegende wissenschaftliche Fehler in kauf. Das mag seinen Jüngern recht sein, für den öffentlichen Diskurs aber disqualifiziert er sich damit. In die Gefahr begibt man sich auch, wenn man auf ihn als Quelle verlinkt. Man macht es seinen Kritikern damit unnötig leicht.


Die Einschätzung des dritten Lesers, einem männerpolitisch engagierten Aktivisten namens Uwe Bieser, der sich einige Zeit lang mit Statistik beschäftigt hat, lautet folgendermaßen:

Auch die erneuten Berechnungen ändern am Grundproblem nichts. Nach wie vor ist der Knackpunkt der Statistik, dass der Korrelation zu viel Aussagekraft zugemutet wird. Es liegt unter den Diskussionsteilnehmern Konsens vor, dass eine Korrelation zweier Variablen keinen kausalen Zusammenhang belegen kann. Und selbst wenn eine Kausalität zwischen zwei Variablen als gesichert gilt, kann bei nur zwei Variablen Ursache und Auswirkung nicht immer belastbar getrennt werden. Da muss man natürlich auf logische Überlegungen zurückgreifen. Jeder weiß, dass schlechte Schulnoten einen eher geringen Einfluss auf die Entwicklung der Intelligenz haben, umgekehrt jedoch die Intelligenz einen großen Einfluss auf die Schulnoten hat.

Der Umsatz von Sonnenmilch in den Sommermonaten korreliert in einem hohen Maß mit der Hautbräune seiner Anwender. Ursächlich ist sie dafür jedoch nicht. Im Gegenteil zögert sie diese hinaus. Der hohe positive Korrelationskoeffizient deutet aber das Gegenteil an.

Hier sind die Schlussfolgerungen noch ziemlich einfach. Niemand käme auf die Idee, Sonnenmilch für eine Bräunungscreme zu halten. Bei der Interpretation der geschlechterspezifischen Quoten von Jugendlichen ohne Schulabschluss und Abiturienten, in Korrelation zur politischen Ausrichtung der Landesregierung, ist man angesichts einer Bildungssystemkrise in Versuchung statistische Ergebnisse gegen ignorante zeitgeistliche Bildungspolitik zu verwenden. Dennoch, die eigene Überzeugung darf nicht überhastet in die Interpretation der Ergebnisse einfließen.

Es liegt die Vermutung nah, dass die politische Ausrichtung einer Landesregierung einen Einfluss auf die Qualität und Quantität der Schulabschlüsse von Jungen hat. Im Verhältnis besteht er sowieso durch eine zielgerichtete Förderung von Mädchen. Jedoch ist dies auch ein bundespolitisches Ziel.

Es kann aber auch sein, dass die politische Ausrichtung einer Landesregierung zwar einen nachweisbaren Zusammenhang verursacht, die Ursache aber ohne bewusste politische Stoßrichtung auf einer ganz anderen Ebene zu finden ist. Da kann man zwar einwenden, dass es Jungen ziemlich egal sein kann, wie ein Ergebnis zustande kommt. Im Sinne der zielgerichteten Problembewältigung sollte man die genaue Ursache jedoch sehr wohl kennen. Was mich an der Statistik nach wie vor stört, ist:

* Die Festlegung eines eher willkürlichen Linksrankings. Es spricht nichts dagegen, per Zahlenwert den Grad der linkspolitischen Ausrichtung in eine statische Analyse zu überführen. Aber wie legt man die Reihenfolge fest? Die Grünen sind bei Haushaltsfragen oft näher an der CDU als die SPD. Die Linke ist in der Gesamtbetrachtung sicherlich am weitesten links. Aber die Forderungen im Bereich Mindestlohn, Sozialhilfe, die Haltung zur Griechenlandkrise, Auslandseinsätze, die pazifistische Grundeinstellung schlägt sich ja nicht in der Bildungspolitik nieder. Gibt es bei den relevanten Bildungsthemen überhaupt einen merklichen Unterschied zwischen den GRÜNEN, SPD und Die Linke?

* Das Addieren von Schülern ohne Abschluss und Abiturienten. Das halte ich für unzulässig. Die Ursachen des fehlenden Abschlusses sind möglicherweise ganz andere als die der Differenz zwischen Jungen und Mädchen bei der Anzahl der Abiturienten. Mögliche Ursachen ließen sich nach einigem Nachdenken sicherlich ins Feld führen. Zum Beispiel verläuft einer Studie gemäß die gausssche Normalverteilung bei den Jungen flacher als bei den Mädchen. Der Intelligenzdurchschnitt weicht nur wenig ab, aber bei den Jungen gäbe es der Studie zufolge mehr Höchstbegabte aber auf der anderen Seite auch mehr Geringbegabte. Aus beiden Gruppen lassen sich Schüler ohne Abschluss ableiten. Zusätzliche Faktoren sind denkbar.

* Es fehlen weitere Variablen in der Statistik. Andere Variablen, wie z.B. die Wirtschaftsleistung eines Landes, können sich ähnlich linear auswirken, indem Eltern mehr Geld für die Nachhilfe zur Verfügung haben und so eine vermutlich bundesweit oder systemisch bedingte Benachteiligung teilweise kompensieren. Möglicherweise spielen dabei auch die finanziellen Mittel der Schulen eine Rolle. Auch diese sind von der Wirtschaftsleistung des Landes abhängig. Auch wenn das zunächst nicht überzeugend klingen mag, weil man zunächst von einer gleichmäßigen Verteilung auf die Geschlechter ausgeht. Aber wer weiß jetzt bereits gesichert, dass dies in der Praxis auch wirklich so ist? Der finanzielle Aspekt bringt auch den statistischen Ausreißer, Baden-Württemberg, der im Ranking auf Platz 1 landete, obwohl es seit 2011 von einem Grünen MP und Rot-Grün regiert wird, besser in Einklang. Man sollte auch nicht zu sehr der Idee anhängen, dass es nur die eine mächtige kausale Variable gibt. Das Zusammenspiel mehrerer Variablen (auch Interaktionen) wäre durchaus wahrscheinlich. Es gibt so viele mögliche Ansätze die Einflüsse auf andere Weise herzuleiten. Man kann sich nicht bereits damit zufriedengeben, einen linearen Zusammenhang zweier Variablen festzustellen, ohne die politisch-historischen und ökonomischen Rahmenbedingungen in die Betrachtung mit einzubeziehen.

* Sie stellt nur eine Momentaufnahme dar. Zeitverzögerungen politischer Weichenstellungen werden nicht erfasst.

Der Mitverfasser der Statistik schreibt in einer Erwiderung auf seinem Blog, dass ihm keine Partei geläufig ist, die mit einer besseren Bildung für Jungen wirbt. Ich behaupte, es gibt überhaupt keine Regierungspartei, die sich der Bildungskrise der Jungen annimmt. Von daher erachte ich das Fazit, die bildungspolitische Ausrichtung schlage sich statistisch nieder, als nicht unproblematisch. Gleichwohl ist das Ergebnis beachtenswert und sollte durchaus weiter verfolgt werden. Man sollte es aber nicht jenen gleichtun, die gläserne Decken behaupten und anstatt sich auf belastbare Auswertungen zu stützen, sich darauf berufen, dass es beim Blick auf die Zahlenwerte doch offensichtlich wäre, dass überwiegend männliche Netzwerke der Grund dafür sind.


Nachtrag, einige Stunden später: Nachdem ich Michael klein über diese Kritik informiert hatte, hat er einen neuen Blogbeitrag online gestellt, der auch diese Stimmen aufgreift.

kostenloser Counter